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STAB

Buch, Regie, Kamera, Schnitt: Gerhard Benedikt Friedl
Produktion: Gerhard Benedikt Friedl

Ton: Marcelo Busse
Boris Goltz
Matthias Haeb
Tonschnitt: Klaus Barm

Produktionsleitung: Laura Einmahl
Ivette Löcker
Co-Produzent: Werner Dütsch/WDR
Entstanden mit Mitteln des FFW/Wien
FFF/ München
Filmbüro NRW
WDR
unterstützt durch: ARRI München
Kodak
BMW Group

 

FESTIVALS

Duisburger Filmwoche 2004
Diagonale Graz 2005
Münchner Dokumentarfilmfestival 2005
Festival "achtung berlin" 2005

AUSZEICHNUNGEN

Deutscher Kurzfilmpreis 2005
DIAGONALE-Preis Innovatives Kino 2005
ARTE-Dokumentarfilmpreis 2004
Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts 2004


HAT WOLFF VON AMERONGEN KONKURSDELIKTE BEGANGEN?

Kinostart: 02.03.2006

 

Stadt  Kino  Termin  Info   
Kassel  Bali Kino  16.+20.9.  documenta-Filmprogramm   
Hamburg  Metropolis  25.+26.9.  Deutschland, revisited / Junger deutscher Film   

DEUTSCHER KURZFILMPREIS
Sonderpreis 2006 für HAT WOLFF VON AMERONGEN KONKURSDELIKTE BEGANGEN?
Begründung der Jury: Der Film gießt seine Großerzählung des deutschen Nachkriegskapitalismus in eine epische Form, als verfilme Dostojewskij Karl Marx. Durch extrem reduzierte Prosa und Bildsprache entsteht ein irritierender und faszinierender Assoziationsraum von Verschwörung, Tod und Verbrechen.

 

KURZTEXT

Das Langfilmdebüt von Gerhard Friedl ist ein hypnotisches Vexierspiel an der Schnittstelle zwischen Dokument, Essay und "pulp fiction facts". Auf der Tonspur eine in gnadenlos objektivem Sprechduktus vorgetragene Erzählung von den labyrinthischen Genealogien, verbrecherischen Verstrickungen und Gebrechen deutscher Wirtschaftsdynastien im 20. Jahrhundert. Im Bild: bestechend kadrierte Aufnahmen, meist Schwenks und Fahrten durch europäische Finanzzentren, Produktionsstätten und Landschaften. Manchmal kommen Bild und Ton zur Deckung, manchmal verfehlen sie sich knapp. Stets legen sie Zusammenhänge nahe. Aber alleine im peniblen Kommentar, der nicht gewichtet zwischen einschneidenden Ereignissen und absurden
Details (schon die epischen Finanzadelsnamen!) ist keine Übersicht zu bewahren. Paranoia? Ironie? Lassen sich die trockenen und verbrecherischen Verhältnisse der modernen Ökonomie überhaupt abbilden? Friedl: „Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen?“ Hat er also nicht? Der Film schwindet. Seine Erfahrbarkeit ist sein Argument.“
(Katalogtext, Filmmuseum Wien 2005)

 

Script-Auszug

"Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen?"

Alfons Müller Wipperfürth ist Textilindustrieller.

Alfons Müller Wipperfürth beginnt 1931 mit sieben Arbeitern und drei Nähmaschinen.

Er verkauft die Ware vor Werkstoren, von der Ladefläche herab.

Später hat er für jede seiner Filialen einen je eigenen Schlüssel.

Nach Dienstschluss kommt er in die Verkaufsräume.

Ist er unzufrieden, hinterlässt er eine Visitenkarte.

Müller Wipperfürth darf nicht länger als 6 Monate in Österreich sein,
sonst fallen Privatsteuern an.

Um sich zu erweitern, errichtet er in Belgien und Österreich Produktionsstätten; und in Italien und Tunesien.

Müller-Wipperfürth trennt die Nähte der Kostüme seiner dritten Frau auf.

Er zeigt ihr, wie schlecht die Ware gemacht ist.

Die Frau verliert jede Freude an ihrer Kleidung und trägt Lederkostüme.

In der BRD hat Müller Wipperfürth Steuerschulden.

Bei einem Flug von Lüttich
nach Linz am 14. März 1964 stürzt seine
Beechcraft Queen Air
bei einem Dorf in der Eifel ab.

Nur er überlebt.

In der orthopädischen Abteilung der Universitätsklinik in Köln wird er von Steuerfahndern verhaftet.

Müller-Wipperfürth behauptet, sein Flugzeug sei abgeschossen worden.

Er hinkt von nun ab.

 

BIO-/FILMOGRAPHIE

Gerhard Benedikt Friedl wurde 1967 in Bad Aussee/Österreich geboren. Studium der Philosophie in Wien und an der Hochschule für Fernsehen und Film in München.

Arbeit als Kameramann. Arbeit als Kurator von Filmschauen, Arbeit als Filmkritiker. Dozent für zeitgenössischen Dokumentarfilm an der HFF München.

1997 – „Knittelfeld – Stadt ohne Geschichte“ (Förderpreis bester deutscher Dokumentarfilm 1997)

2004 – „Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen?“

Der Film hatte am 11. Nov. 2004 auf der Duisburger Filmwoche Premiere.

 

ARTE-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschen Dokumentarfilm

Begründung der Jury: Der Film HAT WOLFF VON AMERONGEN KONKURSDELIKTE BEGANGEN? stellt die Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland in einer experimentellen Form dar, die gängige Muster der filmischen Repräsentation von Geschichte infrage stellt. Zu sehen sind unspektakuläre Bilder von Städten, Landschaften, Fabriken, Flughäfen. Zu hören ist eine Stimme, die im lakonischen Tonfall von den Karrieren, Sitten, Spleens und Katastrophen des Großkapitals spricht. Bilder und Text laufen parallel, ohne zwangsläufig zur Deckung zu kommen. Die Montage irritiert, statt zu illustrieren. Der Film wirft Fragen auf wie: Ist Wirtschaftskriminalität abbildbar? Von welchem Standpunkt aus lässt sich heute ein Wissen über die Macht formulieren? Aber auch: Verschließt der Zweifel an der Darstellbarkeit des Kapitals die Dimension des Politischen? Oder eröffnet er diese nicht zu aller erst? Diese Positionen blieben in der Jury strittig. Jenseits dieses Streits finden wir aber die konsequente Formulierung dieser Filmsprache preiswürdig.
13. November 2004, die Jury: Birgit Kohler, Jan Verwoert, Brigitte Werneburg

 

Dokumentarfilmpreis des Goethe-Instituts

Begründung der Jury: Die im Titel gestellte Frage öffnet zunächst einmal den Blick für die komplex verflochtenen Verhältnisse in Wirtschaft und Politik der Bundesrepublik. Der Film weist in seiner Beschreibung von Korruption und Filz jedoch über die nationalen Grenzen hinaus auf international entschlüsselbare Machtstrukturen. Gerhard Friedl gelingt es, beim Zuschauer ein Unbehagen gegenüber der herrschenden Machtelite zu mobilisieren. Dabei vermeidet er einfache Antworten und ermutigt stattdessen zu selbstständigen Schlüssen, indem er erfolgreich Freiräume für eigene Gedanken schafft. Dieser Interpretationsspielraum entsteht durch die nicht kausale und nicht chronologische Form des Films, verstärkt durch das Verhältnis von Bild und Text, das zwischen Nähe und Distanz oszilliert. Der gleichmäßig modulierende und damit wertende Sprecher fordert den Zuschauer heraus, eigene gedankliche und visuelle Verknüpfungen herzustellen. Der Film bewegt sich in einer Endlosschleife möglicher Zusammenhänge und Deutungen, die überall auf der Welt entwickelt und erweitert werden können.
Der Preis ist mit 2.000 Euro dotiert. Zusätzlich wird der Film angekauft, mit englischen, französischen und spanischen Untertiteln versehen und den Goethe-Instituten weltweit zur Verfügung gestellt.

 

PRESSESTIMMEN

"Die entscheidende Qualität des mit dem Arte-Preis ausgezeichneten Films aber liegt in einer Bildsprache, die sich dem normativen Druck des Konventionellen, das vielen Beiträgen innewohnt, widersetzt ..."
(Schnitt, Januar 2005)

"Der Titel des Langfilmdebüts von Gerhard Friedl, der großen Entdeckung dieser DIAGONALE, verblüfft zunächst, erweist sich aber als kongenial [...] Der scheinbar allwissende Kommentar, voller penibel recherchierter Fakten, Zahlen und absurd langer Finanzadels-Namen, wird zunehmend verdächtig: Im Wust an Details, wo erschütternde Ereignisse und skurrile Marotten gleich gewichtet sind, ist keine Übersicht zu bewahren. Friedls hypnotisches Vexierspiel thematisiert eine Darstellbarkeis-Krise - wie sich den undurchdringlichen, uferlosen Zusammenhängen moderner Ökonomie nähern? Die Titel-Frage erweist sich als eigentlich unbeantwortbar [...]"
(Presse, 21.03.05)

"Die Ausmaße moderner Ökonomien sind zu total, als dass sie sich in einer Ordnung der Bilder wiedergeben ließen [...] Gerhard Friedls HAT WOLFF VON AMERONGEN KONKURSDELIKTE BEGANGEN? ist dieses Dilemma bewusst, mehr noch, er macht es zu seinem eigentlichen Thema [...] Friedl montiert die Aufnahmen allerdings mit einer tückischen Referenzialität zum Kommentar, sodass sie Sinn stiften: Unweigerlich findet man Entsprechungen, unabsichtlich wird man zum Opfer seiner Erkenntnislust."
(Der Standard, März 2005)

"Friedl, dessen Kurzfilm "Knittelfeld - Stadt ohne Geschichte" 1997 Ähnliches in viel kleinerem Rahmen leistete, sprengt mit seiner ersten abendfüllenden Arbeit nun erneut die Kategorien von Dokumentarismus und Fiktion."
(Profil, März 2005)

"Das Genre hat sich, was Kühnheit und Erfindungsreichtum angeht, in den Vordergrund gespielt. HAT WOLFF VON AMERONGEN KONKURSDELIKTE BEGANGEN, fragt einer der avanciertesten Filme auf dem Festival, von Gerhard Friedl - ein Krimi über das Wirtschaftsverbrecherland BRD, in dem die unglaublichsten Fakten mit den alltäglichsten Bildern bundesdeutscher Wirklichkeit sich begegnen."
(Süddeutsche Zeitung, 06.05.05)