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CREDITS

Schweiz / Deutschland 2002, 35 mm, Farbe + s/w, 102 Min., Deutsch und Englisch mit dt. Untertiteln

Eine Produktion von Dschoint Ventschr Filmproduktion (Zürich)
in Koproduktion mit Lichtblick Film- und Fernsehproduktion (Köln)
in Zusammenarbeit mit Schweizer Fernsehen DRS und Teleclub AG,
Westdeutscher Rundfunk und Südwestrundfunk

Regie Werner Schweizer
Buch Wilfried Meichtry, Martin Witz, Werner Schweizer
Kamera Pio Corradi, Felix von Muralt, Werner Schweizer
Schnitt Kathrin Plüss
Musik Michel Seigner, Claudia Rüegg (Klavier)
Ton: Martin Witz
Aufnahmeleitung Susa Katz
Kameraassistenz André Schneider
Regieassistenz Marcy Goldberg
Ausstattung Michael Becker
Dramaturgische Beratung Carl-Ludwig Rettinger

Produzenten Werner Schweizer, Samir, Joachim Ortmanns
Redaktion Paul Riniker (SF DRS), Werner Dütsch (WDR)

Produktion gefördert von
EDI, Bundesamt für Kultur (Sektion Film)
Kuratorium für Kulturförderung, Kanton Solothurn
Filmförderung von Stadt und Kanton Zürich
Kanton Wallis, Kulturdepartement
Lotterie Romande, Délégation valaisanne
Kulturfonds Suissimage
Filmstiftung Nordrhein-Westfalen
Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg mbH

Weltpremiere Solothurn Film Festival 2002


VON WERRA

Ein Film von Werner Schweizer

Kinostart: 20. November 2003

 

ZUM FILM

Franz von Werra - Jagdpilot der deutschen Luftwaffe im 2. Weltkrieg: Gentleman, Draufgänger, Liebling der Nazi-Medien. 1941 kam von Werra, erst 27jährig, bei
einem mysteriösen Flugzeugabsturz ums Leben. Zahlreiche Gerüchte ranken sich darum, wie auch um seine Herkunft - denn er war Schweizer. Man sagt, Franz und seine Schwester Emma seien in frühster Kindheit von ihrem Vater, einem bankrotten
Walliser Baron aus Leuk, an ein kinderloses deutsches Ehepaar 'verkauft' worden.

Zu Franz' Markenzeichen gehörte Sima, ein junger Löwe, mit dem er gern für die Fotografen posierte. Er wusste sich für seine beispiellose Karriere in Nazideutschland wirksam in Szene zu setzen. 1940 geriet er in britische Kriegsgefangenschaft, doch es gelang ihm eine spektakuläre Flucht über Kanada,
die USA und Südamerika, die weltweit für Schlagzeilen sorgte.

Mitte der fünfziger Jahre wurde diese abenteuerliche Geschichte mit Hardy Krüger in der Hauptrolle verfilmt. Der britische Film mit dem Titel "The One That Got Away"
(Einer kam durch) wurde zum internationalen Erfolg und begründete Hardy Krügers internationale Karriere. In "The One That Got Away" ist nichts vom Schrecken des Krieges, nichts, was an die deutschen Nazis erinnern könnte. Nur eine faire Wette unter Offizieren. Ein deutscher "Halbstarker", der allein auf sich selbst gestellt, um seine Freiheit kämpft. Und gewinnt. - Der richtige Franz von Werra hat verloren. Alles. Seine Frau, sein Leben. Nur seine innig geliebte Schwester Emma-Charlotte hat überlebt. Still ist sie in ihre Heimat zurückgekehrt - in die Schweiz. Doch sie erzählt nichts. Schweigen - ein letzter Dienst am geliebten Bruder.

In Dokumenten und Erinnerungen von Zeitzeugen folgt der Film von Werner Schweizer dem ungewöhnlichen Leben der Geschwister von Werra. Ihr intimer Briefwechsel lässt uns teilhaben an ihrem Schicksal. Wir erleben mit ihnen die
Momente des Aufstiegs - ihr eigener, und der des Faschismus. Franz berichtet von der Front, vom Sieg, vom Triumph: "Die Kriegsführung macht herrlich viel Spaß".

Ausgehend vom Spielfilm "The One that Got Away" folgt Regisseur Werner Schweizer zusammen mit Hardy Krüger den Spuren seines historischen Originals und verknüpft dabei die Biografie des Franz von Werra mit der seines Darstellers,
spürt Gemeinsamen und Widersprüchlichem nach. Hardy Krüger wird dabei sowohl zu seinem eigenen Rollenverständnis befragt, als auch zur Funktion seiner Darstellung im Nachkriegsdeutschland.

VON WERRA erzählt von einer außergewöhnlichen Beziehung zweier Geschwister, von jungen, fliegerbegeisterten Männern im deutschen Faschismus, und von einem tragischem Familienschicksal in den Schweizer Bergen.

 

DER KRIEGSHELD UND SEIN DARSTELLER

Von Rolf Niederer

Ein Stoff, aus dem das Kino ist: Franz von Werra, Sohn verarmter Walliser Aristokraten, wird als Kleinkind zusammen mit seiner Schwester Emma von einem kinderlosen deutschen Baron adoptiert - gerüchteweise „verkauft“. Bruder und Schwester werden in Deutschland standesgemäß erzogen, bis auch der Adoptivvater sein Vermögen verliert. Franz, Mitglied der Hitlerjugend, wird zum Jagdpiloten ausgebildet (laut dem Historiker Wilfried Meichtry so etwas wie ein „Tummelplatz für die Aristokratie“). Und Franz von Werra wollte wieder ein „Herr“ werden. Keineswegs auf Distanz zum Regime, instrumentalisierte er dieses doch gleichsam für seinen persönlichen Zweck, wusste sich für seine Karriere wirksam in Szene zu setzen und kannte dabei kaum moralische Bedenken: als erfolgreicher Jagdflieger der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg, Gentleman, Draufgänger, Liebling der Nazi-Medien.

1941 gerät von Werra nach einer Bruchlandung auf einem englischen Acker in britische Gefangenschaft. Einmal in der Hand des Feindes, kennt er wiederum nur ein Ziel: Ausbruch. Ein erster Versuch scheitert, beim zweiten wird er ebenfalls gefasst. Dann verlegt England gut tausend Kriegsgefangene, unter ihnen auch von Werra, nach Kanada. Dort gelingt die Flucht. Er springt bei Eiseskälte aus einem fahrenden Zug, erreicht halb erfroren die Grenze und wird völlig erschöpft in einer amerikanischen Kleinstadt aufgelesen. Er schlägt sich durch nach New York, wird abermals ein Medienstar, dies in einem Amerika, das sich noch nicht im Krieg befindet, und erreicht über Rio de Janeiro, Spanien und Rom die deutsche Heimat wieder, wo er triumphal begrüßt und von Hitler persönlich empfangen wird. Im Auftrag von Goebbels schreibt er einen Bericht über seine Flucht, der jedoch nie erscheint.

Einer kam durch.

Noch im gleichen Jahr kehrt Franz von Werra, erst 27-jährig, von einem Aufklärungsflug unter ungeklärten Umständen nicht mehr zurück. Die Legende rankt sich weiter. Die Engländer James Leasor und Kendal Burke stoßen nach dem Krieg auf das Manuskript und veröffentlichen die abenteuerliche Geschichte, die 1958 schließlich unter dem Titel „The One That Got Away” mit Hardy Krüger in der Hauptrolle von Roy Ward Baker in Grossbritannien verfilmt wird. Der deutsche Titel, „Einer kam durch“, wird zum geflügelten Wort.

Die Realität, sagt man, übertrifft die Fiktion. Werner Schweizer, stets interessiert, hinter Mythen, Propaganda und zeitbezogenen Zeugenaussagen eine wahre, eine tatsächliche Geschichte zu entdecken, hat sich über vierzig Jahre nach der Uraufführung von „The One That Got Away“ den ursprünglichen Ereignissen aus dokumentarischer Sicht genähert. Sein Drehbuch basiert auf der Dissertation „Zwischen Ancien Régime und Moderne: Die Adelsfamilie von Werra“ des Historikers Wilfried Meichtry, dem die Nachkommen der Walliser Familie entgegenkommend Einsicht in die Familienchronik gewährten. Vor allem im intimen Briefwechsel zwischen Franz und seiner Schwester Emma, die einander offenbar ungewöhnlich nahe standen, wird nicht nur die innige Beziehung der Geschwister lebendig, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte: In der Karriere des Jagdfliegers spiegelt sich zugleich der anfängliche Aufstieg des Nationalsozialismus. Franz berichtet seiner geliebten Schwester zu Kriegsbeginn von der Front: „Die Kriegsführung macht herrlich viel Spaß...“

Der Krieg als Sport

Der Film erzählt jedoch nicht nur die Geschichte der beiden von Werra. Ausgehend vom Spielfilm „The One That Got Away“, folgt er zusammen mit Hardy Krüger den Spuren seines historischen „Originals“ und verknüpft dabei dessen Biographie mit derjenigen seines Darstellers, der 14 Jahre nach dem Walliser geboren wurde und die Zeit des Nationalsozialismus an einer Elite- Schule in jungen Jahren ebenfalls erlebt hat - wie er ausführt, aus anderer, dank antifaschistischen Vorbildern kritischerer Optik. In Dokumenten und mit Zeitzeugen, unter ihnen auch der Regisseur des damaligen Films, nähert sich der Autor dramaturgisch aufschlussreich Schritt für Schritt dem ungewöhnlichen Leben der Geschwister von Werra, indem er gleichsam Puzzlestück an Puzzlestück aus deren Leben zusammenfügt. Dabei setzt Schweizer, der bereits in „Dynamit am Simplon“ (1989) und „Noël Field - der erfundene Spion“ (1996) Historie und Fiktion miteinander verbunden hat, die Dokumente auf höchst spannende, nie langweilige und immer informative Weise zusammen (Schnitt Kathrin Plüss).

Aufschlussreich, wenn auch zum Teil zwiespältig, sind unter anderen die Aussagen ehemaliger Jagdflieger, die sich offenbar als Elite der Nation fühlten, den Krieg als eine Art sportlicher Auseinandersetzung betrachteten und über dessen Schrecken - zumindest im Film - auch heute noch kein Wort verlieren. In diesem Sinn gestattet der Film Einblicke in eine Mentalität, die ihn über die packende Familiengeschichte hinaus Teil eines historisch-kritisch bedeutsamen Anschauungsunterrichts über ausschließlich kriegsbezogenes Denken werden lassen.

 

WERNER SCHWEIZER

Geboren 1955, Filmautor und Produzent von Filmen und Wein. Lic. phil. I in Soziologie, Publizistik und Europäischer Volksliteratur, seit 1982 als Journalist und Filmschaffender tätig, Mitbegründer von Videoladen und DSCHOINT VENTSCHR AG. 1980-86 diverse kollektive Arbeiten, wie „Züri brennt“ (1980) oder „Kokon“ (1984). 1990 Absolvent der EAVE, der Europäische Produzentenweiterbildung. Mitbegründer und Mitinhaber der Filmproduktionsfirma DSCHOINT VENTSCHR AG, die Filme entwickelt, produziert und verkauft, die sich hauptsächlich mit den Aspekten Cross Culture, sowie Politik und Gesellschaft befassen - profilierte Spiel- und Dokumentarfilm, die das Aufeinandertreffen von verschiedenen Kulturen thematisieren. DSCHOINT VENTSCHR arbeitet konsequent an der Weiterentwicklung einer moderne filmischen Bildsprache und nützt die kreativen Möglichkeiten moderner Technologien.

FILME (Auswahl)

Als ausführender Produzent:

VIEHJUD LEVI (R: Didi Danquart, Spielfilm, 90 Min, CH/D/A, 1998)

CLANDESTINS (R: Nicolas Wadimoff, Denis Chouinard, Spielfilm, CH/CAN/F, 1996/97)

JEAN ZIEGLER, le bonheur d’être Suisse, (R: Ana Ruiz, Greta van den Bempt, Dokumentarfilm, 72 Min., CH/Belgien, 1996)

DER LANGE MARSCH (R: Tobias Wyss, Dokumentarfilm, 48 Min., 1993)

DIE SCHWACHE STUNDE (R: Danielle Giuliani, Spielfilm 80 min., 1992)

DAEDALUS (R: Pepe Danquart, Spielfilm, 35mm, 95 Min, 1989/90)

DO IT (R: Sabine Gisiger & Marcel Zwingli, 2000)

YUGODIVAS (R: Andrea Staka, 2000)

Als Autor / Regisseur

DYNAMIT AM SIMPLON (100 Min, 16 mm, 1989)
Auszeichnungen: Qualitätsprämie EDI / Filmpreis der Stadt Zürich ; Auszeichnung Kt. Solothurn 1990

NOËL FIELD — Der erfundene Spion (Kino-Dokumentarfilm, 104 Min., 1992/96)
Auszeichnungen: La Sarraz-Preis, Locarno 1996; Filmpreis der Stadt Zürich und Kanton Solothurn 1996; 3-sat Dokumentarfilmpreis, Duisburg 1996; Egon-Erwin-Kisch-Preis, Leipzig, 1996; Don-Quichote-Preis der internationalen Filmkritik, Leipzig; It's all true festival, Sao Paolo, Best International Documentary, 1997; Karlovy Vary, Best International Documentary, 1997 (ex-aequo)

VON WERRA (Kino-Dokumentarfilm, 90 Min., 2002)