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Unter Schnee D 2011 – 103 Min. Buch und Regie Kabuki-Darsteller Weitere Darsteller Komponistin und Interpretin Erzählerin Kamera Lichtgestaltung Ton Schnitt Projektberatung und Setbetreuung Aufnahmeleitung Japan Produktionskoordination Produktionsleitung Redaktion Produzenten |
Ein Film von ULRIKE OTTINGER Kinostart: 15. September 2011
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Synopsis ![]() Im japanischen Echigo liegt der Schnee oft bis in den Mai hinein meterhoch und bedeckt Landschaft und Dörfer. Seit Jahrhunderten haben sich die Bewohner darauf eingerichtet. Um ihre ganz eigenen Formen des Alltags, der Feste und religiösen Rituale festzuhalten, hat sich Ulrike Ottinger ins mythische Schneeland begeben – und mit ihr zwei Kabuki-Darsteller. In den Rollen der Studenten Takeo und Mako folgen sie den Spuren Bokushi Suzukis, der Mitte des 19. Jahrhunderts sein außergewöhnliches Buch "Schneeland Symphonie" verfasste. Die drei Elemente Kabuki, Poesie und Wirklichkeit des Schneelandes verbinden sich mit der Musik von Yumiko Tanaka zu einem bildkräftigen und bewegenden Film.
DIRECTOR´S NOTE Gedanken und Anmerkungen zu meiner Faszination für Asien und was mich zu dem Film UNTER SCHNEE führt. ![]() Im Hause eines befreundeten Malers durfte ich mit neun Jahren eine mit Ornamenten und Tiermotiven bunt bemalte mongolische Truhe öffnen. Die Gegenstände darin, eine korallene Schnupftabakdose, eine aus Silber getriebene Teeschale und eine weitere aus Wurzelholz, weiße und blaue Hadaks - lange transparente Schals, um Geschenke respektvoll zu überreichen oder zum Opfer an schwierigen Passagen bestimmt - Fell und Hörner eines Wildschafes, Knochenpfeifen und Münzen, dies alles beflügelte meine kindliche Fantasie. Was zunächst als Spiel mit dem Finger auf der Landkarte begann, wurde später zu einer ernsthaften Beschäftigung mit den alten Kulturen Asiens, vor allem ihren elaborierten Musik-, Tanz- und Theaterdramaturgien, und dem Wunsch, endlich zum Ort meiner Fantasien zu reisen. ![]() Es begann mit der Piratenkönigin MADAME X, deren Abenteuer auf einer Dschunke im chinesischen Meer gedreht werden sollten, dann aber aus Geldmangel auf dem Bodensee stattfanden, also eine weitere Reise in der Fantasie. Danach hielten mich die Spielfilme der Berlin-Trilogie in Atem und im Lande. Die erste asiatische Reise fand nach heute kaum vorstellbaren Anstrengungen und mehrjährigen Bemühungen, bürokratische und politische Hindernisse zu überwinden, schließlich Januar-April 1985 statt. CHINA. DIE KÜNSTE – DER ALLTAG. EINE FILMISCHE REISEBESCHREIBUNG, gedreht im Stil einer "caméra-stylo", brachte damals Bilder aus einem zwar vieldiskutierten, aber noch völlig fremden Land. Dem folgte das Wagnis eines Spielfilms in der Inneren Mongolei, JOHANNA D'ARC OF MONGOLIA. Er beginnt in der Transsibirischen Eisenbahn, und Delphine Seyrig als exzentrische britische Ethnologin gibt den Ton des Films an: ![]() "Es bleibt immer das erste Mal. Gelesenes, die Imagination, die Konfrontation mit der Wirklichkeit. Muss die Imagination die Begegnung mit der Realität scheuen, oder lieben sich beide? Können sie sich verbünden? Verändern sie sich durch die Begegnung? Tauschen sie die Rollen? Es ist immer das erste Mal." In der Mongolei treffen die westlichen Reisenden auf Nomaden, und die Konfrontationen der Kulturen nehmen ihren Lauf. Aber nicht nur im Film, sondern auch auf unserem Weg durch Steppen, Wüsten und Grasland mit großem Tross, meist ohne Straßen, noch nicht einmal Pisten. Auch die konfliktbeladene Situation zwischen Mongolen, mit denen ich ja arbeiten wollte, und den beherrschenden Chinesen erforderte großes diplomatisches Geschick. Aber es sind gerade diese durchlebten Schwierigkeiten und Hindernisse, die ungewohnten, ständig wechselnden Situationen in einem fremden Land, einer anderen Kultur, die die Voraussetzung für ein allmähliches Verstehen schaffen und so auch wieder Eingang in den Film finden können, ihn reicher, lebendiger machen. Das kulturelle Missverständnis wird erfahrbar und kann in seiner Absurdität und Komik gezeigt werden. Das Zusammentreffen zweier Kulturen kann hart und weich zugleich sein, geprägt sowohl vom Verständnis wie Missverständnis. Das war weder damals noch ist es heute aus unserer Gegenwart wegzudenken. ![]() TAIGA, mein zweiter Film in der Mongolei, basiert auf einer genauen ethnografischen Beobachtung. Hier konnte ich dem Raum geben, was im Spielfilm JOHANNA D'ARC OF MONGOLIA aus dramaturgischen Gründen natürlich nicht möglich war. Im äußersten gebirgigen Norden der Mongolei folge ich den Nomaden von ihrem Sommer- zum Herbst- und Winterlager. Ein Epos ihrer Alltagswelt, ihrer Feste und schamanistischen Vorstellungen. Für den Film EXIL SHANGHAI nutzte ich seit den frühen Achtziger Jahren jede Auslandsreise, jede Gelegenheit, um zu recherchieren. Der Film berichtet über eine Weltstadt in den Dreißiger / Vierziger Jahren, in der alle politischen und sozialen Probleme der Weltgeschichte zusammentreffen. Alle Beteiligten am Zweiten Weltkrieg, auf beiden Seiten, waren präsent. Die Stadt mit ihrem Freihafen hatte exterritorialen Status und war unter die verschiedenen kolonialen Kräfte aufgeteilt. Nach Shanghai flohen etwa 20.000 europäische Juden vor den Nazis, vor allem aus Deutschland und Österreich. Dort bauten sie Klein-Wien, Klein-Berlin oder Klein-Breslau unter ungeheuerlichen Anstrengungen, unmöglichen Bedingungen und ohne Geld auf. Diese widersprüchliche Stadt hat Modellcharakter und ist im Film zum Spiegel einer zerrissenen Zeit geworden. ![]() Nach dem Mauerfall wurden plötzlich die ost- und südosteuropäischen Länder erreichbar, und so folgte eine Phase der Beschäftigung mit diesen hochbrisanten Regionen. Sie manifestierte sich in dem Dokumentarfilm SÜDOSTPASSAGE und dem Spielfilm ZWÖLF STÜHLE, der als Vorlage den bekannten odessitischen Roman von Ilf / Petrow hatte. Eines Tages erhielt ich aus Korea eine E-Mail mit der Frage, ob ich dort einen Film machen möchte. Ich sagte zu, und so entstand DIE KOREANISCHE HOCHZEITSTRUHE. Auch hier war also eine Truhe zu öffnen, die zu vielen, unter anderem auch sehr amüsanten Erkenntnissen führte. Inzwischen gibt es eine ganze Anzahl von Truhen, nämlich die vielen Metall- und Kartonboxen, in denen all meine Fantasien, Erfahrungen und Erlebnisse enthalten sind, die durch das Öffnen einer ersten und in der Folge immer weiterer Truhen ausgelöst wurden. Kondensiert und in zu Filmen verwandelter Form erblicken sie, immer wieder neu entdeckt, das Licht der Leinwand. ![]() Diese lange und intensive Beschäftigung mit dem Asiatischen durch das Medium des Films, von der Recherche über das Drehen und die Zeit der Reflektionen beim Schnitt, erklärt warum ich mir das verwandte und doch neue Thema UNTER SCHNEE nicht entgehen lassen konnte. Ausgelöst wurde mein Interesse durch ein japanisches Buch, das im letzten Jahrhundert Furore machte, und das die Lebensbedingungen der Menschen im Schneeland beschrieb, an denen sich bis heute kaum etwas verändert hat. An der Sibirien zugewandten Gebirgsküste Japans schneit es sehr häufig, und alles liegt ein halbes Jahr unter einer meterhohen Schneedecke. Die Bewohner dieser Region mussten ganz neue Lebensweisen, auch Überlebensstrategien entwerfen. Dies ist ihnen auf oft verblüffende Weise gelungen, sogar ohne auf ihre Feste, Rituale und sonstige Annehmlichkeiten zu verzichten. Alle Aktivitäten sind über oder auch unter den Schnee verlegt, und selbst ein Kabuki-Theater mit dem Blumensteg zum Auftritt der Stars wird aus Schnee gebaut. Bei diesem Stoff ist es so, dass in ihm fast all meine Interessen kulminieren, östliche Theaterformen wie Kabuki, No oder Bunraku, Musik, atemberaubende Landschaften, kreative Menschen, welche unter erschwerten Bedingungen ihren Alltag meistern und sich zusammenfinden, um gesellschaftlich und künstlerisch zu arbeiten.
Ulrike Ottinger
BIOGRAFIE DER REGISSEURIN Ulrike Ottinger, geboren in Konstanz, ist vor allem durch ihre Filme international bekannt geworden. Sie lebte von 1962 bis 1968 als freie Künstlerin in Paris. Sie stellte dort unter anderem im Salon de la Jeune Peinture aus und besuchte Vorlesungen an der Sorbonne über Kunstgeschichte, Religionswissenschaften und Ethnologie bei Claude Lévi-Strauss, Louis Althusser und Pierre Bourdieu. Von Beginn ihrer künstlerischen Laufbahn an widmete sich Ulrike Ottinger auch der Fotografie. Mit ihren Arbeiten war sie an großen Kunstausstellungen wie der Biennale di Venezia (1980), der documenta (1997/2002) und der Berlin Biennale (2004/2010) beteiligt. Einzelausstellungen und Retrospektiven fanden u.a. im Museum of Modern Art, im Centre Pompidou, dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia in Madrid (2004) und dem Filmmuseum Berlin statt. Im Januar 2010 erhielt Ulrike Ottinger das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Zurzeit lebt sie in Berlin. FILMOGRAFIE 2009 Still Moving. HD Cam, Farbe und s/w, 29 Min. 2008 Die koreanische Hochzeitstruhe. 35mm, Farbe, 82 Min. 2007 2004 Zwölf Stühle. 35 mm, Farbe, 198 Min. Südostpassage. Digital Betacam/DVD, Farbe und s/w, 363 Min. 1997 Exil Shanghai. 16 mm, Farbe, 275 Min. 1992 Taiga. 16 mm, Farbe, 501 Min. 1990 Countdown. 16 mm, Farbe, 188 Min. 1989 Johanna d’Arc of Mongolia. 35 mm, Farbe, 165 Min. 1987 Usinimage. 35 mm, Farbe, 10 Min. Superbia – Der Stolz. 35 mm, Farbe, 15 Min. 1985 China. Die Künste – Der Alltag. 16 mm, Farbe, 270 Min. 1984 Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse. 35 mm, Farbe, 150 Min. 1979 Bildnis einer Trinkerin. Aller – Jamais Retour. 35 mm, Farbe, 107 Min. 1977 Madame X – Eine absolute Herrscherin. 16 mm, Farbe, 141 Min. 1975 Die Betörung der Blauen Matrosen. 16 mm, Farbe, 50 Min. 1973 Berlinfieber – Wolf Vostell. Happening-Dokumentation. 16 mm, s/w, 12 Min. Dezember 1973, Akademie der Künste, Berlin 1972 Laokoon & Söhne. Die Verwandlungsgeschichte der Esmeralda del Rio. 16 mm, s/w, 50 Min. |