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THE UNITED STATES OF HOODOO

D 2012 – 100 Min – OmU

Ein Film von Oliver Hardt

Buch Darius James und Oliver Hardt

Originalmusik Arto Lindsay & Rabotnik

Eine Stoked Film Produktion
In Koproduktion mit tvt .film+vfx und signature films
in Koproduktion mit ZDF
in Zusammenarbeit mit ARTE

Entwicklung, Produktion und Verleih
mit Unterstützung der Hessischen Filmförderung

Kamera Harald Schmuck
Schnitt und Farbkorrektur Martin Hoffmann
Ton und Vormischung Tobias Schinko
Sprachaufnahme Jockel Merholz
Mischung Oliver Achatz
Grafik Thomas Lauterberg
Titling Michael Wagner
Produktionsassistenz Melanie Jaenecke, Bianca Stich
Produzenten Christel Brunn, Oliver Hardt, Robert Malzahn, Sebastian Popp
Redaktion Kathrin Brinkmann

Mit
Darius James
und
Val Jeanty
Shantrelle P. Lewis
Danny Simmons
Joe Mariani
Kanene Holder
Pastor MacArthur MacKinley
Sylvester Hoover
Steve LaVere
Dr. Sylvester Oliver
Sallie Ann Glassman
Hassan Sekou Allen
Reverend David "Goat" Carson
Medicine Man Dwight Carter
Anna Ross Twichell
Ishmael Reed
Nick Cave
Ayana V. Jackson
Ingrid LaFleur
Jeri James
Cantor David Levine


THE UNITED STATES OF HOODOO

Ein Film von OLIVER HARDT

Kinostart: 26. Juli 2012


Trailer

Stadt  Kino  Termin  Info     
Bamberg  Lichtspiel  ab 26.07.2012       
Berlin  Babylon Mitte  ab 26.07.2012  am 30.7. mit Oliver Hardt und Darius James     
Berlin  Eiszeit  ab 26.07.2012  am 27.7. mit Oliver Hardt und Darius James     
Berlin  Kino am Ufer  ab 02.08.2012       
Bremen  Cinema im Ostertor  ab 26.07.2012       
Frankfurt  Mal Sehn  ab 26.07.2012  am 26.7. Premiere in Anwesenheit des Regisseurs und des Protagonisten Darius James     
Frankfurt  Orfeo's Erben  ab 09.08.2012       
Freiburg  Harmonie  ab 26.07.2012       
Hamburg  3001 Kino  ab 26.07.2012  am 31.7. mit Oliver Hardt      
Hannover  Komunales Kino  ab 06.09.2012       
Kln  Filmpalette  ab 26.07.2012       
Marburg  Cineplex  ab 26.07.2012       
Mnchen  Neues Arena  ab 26.07.2012       
Mnster   Cinema  am 20.08.2012       
Nrnberg  Filmhaus  ab 23.08.2012       
Regensburg  Andreasstadel  ab 02.08.2012             
Saarbrcken  Filmhaus  ab 26.07.2012             
Wiesbaden  Caligari  am 08.11.2012            

 

Kurztext


THE UNITED STATES OF HOODOO ist eine Reise zu den spirituellen Quellen schwarzer Kultur in Amerika.

Ein Roadmovie der besonderen Art. Im Mittelpunkt steht der afroamerikanische Schriftsteller Darius James, bekannt für seine oftmals beißend satirischen und selbstironischen Essays über die Ursprünge und Mythen amerikanischer Popkultur. Wir begleiten ihn auf seiner Reise quer durch die USA: vom urbanen intellektuellen Millieu New Yorks in den tiefen Süden, zu den Blues-Mythen des Mississippi-Delta und mitten hinein in die fiebrige Hitze der Voodoo-Hauptstadt New Orleans. An den unwahrscheinlichsten Orten trifft er auf die alten afrikanischen Götter in ihrer neuen Gestalt.


Darius ist auf der Suche nach den Inspirationsquellen urbaner Kreativität. In seinen Begegnungen mit Musikern, Schriftstellern und Künstlern, Wunderheilern und Gumbo-Köchen entdeckt er eine Kultur, die immer schon hybrid und durchlässig gewesen ist und die ihre Vitalität aus der Vielfalt bezieht.

Zugleich erzählt der Film eine sehr persönliche Geschichte über Verlust und Trauer und die Wiederaneignung einer verloren geglaubten Zugehörigkeit. Indem Darius zu den spirituellen Ursprüngen zurückkehrt, landet er im Hier und Jetzt: bei den atemberaubenden Beats und Collagen zeitgenössischer Musiker und Künstler und ihrer pragmatischen, gleichwohl tief empfundenen Spiritualität.


SYNOPSIS


THE UNITED STATES OF HOODOO ist ein Roadtrip zu den Inspirationsquellen schwarzer Kultur und Kreativität in Amerika.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der Schriftsteller Darius James, bekannt für seine oftmals beißend satirischen und selbstironischen Essays über die Ursprünge und Mythen amerikanischer Popkultur.

Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters kehrt Darius nach zehn Jahren im Berliner Exil unfreiwillig in sein Elternhaus nördlich von New York zurück. Alles, was ihm von seinem Vater geblieben ist, ist seine Maskensammlung und ein Karton mit seiner Asche. Sein Vater war Maler und Bildhauer, und Darius glaubt, in dessen Arbeit einen starken Bezug zu Formen afrikanischen Spiritualität zu entdecken. Doch genau das hatte sein Vater zu Lebzeiten immer bestritten. Zurück im Haus seiner Kindheit, das nun ihm gehört, sieht er sich mit vielen Fragen seines eigenen Lebens konfrontiert. Um Antworten zu finden, begibt er sich auf eine Suche, nicht nach den Wurzeln, sondern nach Spuren dieser spirituellen Energie, die eine gesamte Kultur inspiriert und geformt hat.


An den unwahrscheinlichsten Orten wird er dabei den alten afrikanischen Göttern in ihrer neuen zeitgenössischen Gestalt begegnen.

In einem von Sonne durchfluteten Loft in Brooklyn trifft er eine junge Musikerin, deren beatgetriebenen elektronischen Improvisationen tief in ihrer haitianischen Herkunft wurzeln. Während Darius ihren hypnotischen Beats lauscht, bemerkt er, dass er bereits mittendrin ist, in dem wonach er sucht. Und zugleich wird ihm klar, dass dies für ihn erst der Beginn einer langen Reise ist.


Wir begleiten ihn auf dieser Reise quer durch die USA: vom urbanen intellektuellen Millieu New Yorks in den tiefen Süden, zu den Blues-Mythen des Mississippi-Delta und mitten hinein in die fiebrige Hitze der Voodoo-Hauptstadt New Orleans. Von hier aus führt ihn sein Weg weiter nach Oakland zu seinem Freund und Mentor Ishmael Reed, und über Seattle und Chicago zurück nach New York.

In all seinen Begegnungen mit Musikern, Schriftstellern und Künstlern, Wunderheilern und Gumbo-Köchen entdeckt Darius eine Kultur, die immer schon hybrid und durchlässig gewesen ist und die ihre Vitalität aus der Vielfalt bezieht.


Zugleich erzählt der Film eine sehr persönliche Geschichte über Verlust und Trauer und die Wiederaneignung einer verloren geglaubten Zugehörigkeit. Indem Darius zu den spirituellen Ursprüngen zurückkehrt, landet er im Hier und Jetzt: bei den atemberaubenden Beats und Collagen zeitgenössischer Musiker und Künstler und ihrer pragmatischen, gleichwohl tief empfundenen Spiritualität.

 

DIE PROTAGONISTEN

Darius James
(Hauptprotagonist und Co-Autor)
Schriftsteller Darius James ist bekannt für seine oftmals beißend satirischen und selbstironischen Essays über die Ursprünge und Mythen amerikanischer Popkultur. Der Autor von ´Negrophobia´ und ´That's Blaxploitation! - Roots of the Baadasssss 'Tude´ lebte von 1996 bis 2006 in Berlin, heute wohnt er zwei Zugstunden nördlich von New York in Hamden, Connecticut. Eine Sammlung seiner Texte sind in deutscher Übersetzung unter dem Titel ´Voodoo Stew´ im Berliner Verbrecher Verlag erschienen.

Val Jeanty, New York
Unter ihrem Bühnennamen Val-Inc produziert die in Brooklyn lebende Musikerin ihren besonderen Sound, den sie Afro-Electronica nennt. Val ist in Haiti geboren und aufgewachsen, und die rituellen Rhythmen des Voodoo beherrscht sie seit ihrer Kindheit. Auf faszinierende Weise gelingt es ihr, diesen kulturellen Hintergrund mit state-of-the-art Elektronik und DJ-Skills zu verbinden.

Shantrelle P. Lewis, New York
Ausstellungskuratorin, geboren in New Orleans, lebt in Brooklyn. Schillernde Figur in der New Yorker Kunstszene und Kuratorin u.a. der Ausstellung “Standing with Papa Legba – Vodou at the Crossoads” in Manhattan, die sich mit den spirituellen Traditionen Haitis und der afrikanischen Diaspora im Spiegel der zeitgenössischen Kunst beschäftigt.

Kanene Holder, New York
Kanene Holder ist Volksschullehrerin in Harlem, außerdem Schauspielerin und hellsichtige Aktivistin. Ihre Leidenschaft ist die Geschichte der Afroamerikaner in der Metropole New York. Besonders intensiv beschäftigt sie sich mit der großen Anthropologin und Schriftstellerin der Harlem Renaissance, Zora Neal Hurston, und die immer wieder vernachlässigte Geschichte der Sklaverei im Norden der USA. Wir treffen sie am African Burial Ground National Monument, einer am Ort eines historischen Sklavenfriedhofs errichteten Gedenkstätte inmitten Manhattans berühmt-berüchtigten Finanzdistrikt.

Danny Simmons, New York
Der Name Simmons ist Hiphop-Fans weltweit ein Begriff: Produzent Russell Simmons und Bruder Joseph Simmons a.k.a. Reverend Run gründeten in den 80er Jahren die einflussreiche Hiphop-Band Run-D.M.C.. Danny Simmons ist ihr älterer Bruder, er ist Maler, Mäzen, Poet, Kunstsammler und zusammen mit seinem Bruder Russell, Produzent der HBO-Serie “Def Poetry Jam”. Er lebt in einem 3-stöckigen Brownstone in Brooklyn, das seinen doppeldeutigen Namen “House of the Spirit” vor allem seiner beeindruckenden Sammlung von afrikanischen Kultgegenständen verdankt.

Sallie Ann Glassman, New Orleans
Sallie Ann Glassman ist eine der bekanntesten Voodoo-Practitioners in den USA. Besucher aus aller Welt besuchen ihre Community La Source Ancienne Ounfo, um sich in der spirituellen Praxis des Voodoo unterweisen zu lassen. Sallie ist eine schillernde Figur, und ihre Erscheinung das genaue Gegenteil der landläufigen Vorstellung einer mächtigen Voodoo-Priesterin: klein, sportlich, blond – eine weiße Jüdin mit familiären Wurzeln in der Ukraine. Und dennoch: sie ist eine der wenigen weißen Amerikanerinnen, die sich einer mehrere Wochen dauernden Initiation in Haiti unterzogen haben. Neben ihrem Tempel mit den wöchentlich stattfindenden Ritualen im Bezirk Bywater, betreibt sie eine Art Drogerie mit dem Namen Island of Salvation Botanica, in der sie Bücher, rituellen Bedarf und magische Heilkräuter anbietet. Und sie ist eine treibende Kraft hinter mehreren Projekten, die sich dem Wiederaufbau und der Revitalisierung der Stadt nach Katrina verschrieben haben, darunter das vor kurzem eröffnete New Orleans Healing Center. Dabei verbindet sie mit diplomatischem Geschick und großer Selbstverständlichkeit alle ihre Aktivitäten mit der ihr eigenen, tief empfundenen Spiritualität.

David ’’Goat“ Carson, New Orleans
Musiker, Schriftsteller, politischer Aktivist und Grammy-Preisträger. In seinen Songs, die er für das Album ’’The City That Care Forgot“ des legendären Dr. John geschrieben hat, geißelt er die politische Heuchelei und Bigotterie nach der Katrina-Katastrophe.
Goat ist fester Bestandteil der schillernden Kultur New Orleans´, und so ist es nicht verwunderlich, dass er mehrfach in der gefeierten HBO-Serie “Treme” auftaucht (als er selbst). Und da in New Orleans Wahrheit mehr als irgendwo sonst von der jeweiligen Perspektive abhängt, weiß der Reverend einige sehr spannende Antworten auf die Frage, wie aus dem historischen Zusammentreffen seiner indianischen Vorfahren mit den aus Afrika verschleppten Sklaven eine neue kulturelle Kraft erwuchs.

Hassan Sekou Allen, New Orleans
Musiker, Dirigent und ein charmanter Botschafter der Magie von New Orleans (auch wenn er eigentlich aus Los Angeles stammt…).

Nick Cave, Chicago
Die Namensgleichheit des gefeierten schwarzen Künstlers aus Chicago mit dem australischen Sänger sorgt regelmäßig für Verwirrung. Das Seattle Art Museum, dass 2011 eine große Nick-Cave-Retrospektive zeigte, stellte darum gleich auf einer Schriftafel in der Eingangshalle unmißverständlich klar, um welchen Nick Cave es sich hier handelte…

Nick Caves Arbeit als bildender Künstler verbindet Kulturen und Disziplinen. Seine tragbaren Soundsuits (“Klanganzüge”) und die damit verbundenen Performances sind ein Crossover aus Skulptur, Haute Couture und Tanz, inspiriert von den verschiedensten kulturellen Bewegungen. Sie vereinen klerikalen Roben mit karibischem Karneval, die Kostüme der berühmten Mardi Gras Indians aus New Orleans mit den rituellen Maskeraden Westafrikas. Dahinter steckt eine intensive Beschäftigung mit Materialien und ihrer Beziehung zum menschlichen Körper. Aber auch mit Fragen der Identität: die Maskerade verbirgt soziale und ethnische Herkunft – und man ist seiner wichtigsten Kategorien zur ersten Beurteilung des Gegenübers beraubt.

Ishmael Reed, Oakland
Der einflussreiche Schriftsteller und Berkely-Professor Ishmael Reed ist Darius James´ väterlicher Freund und Mentor. Reeds frühe Arbeiten als Autor sind Meilensteine in der Beschäftigung mit dem Thema, wie stark die amerikanische Kultur von afrikanischen Denkweisen und Ästhetiken beinflusst ist. Zu seinen einflussreichsten Werken zählen neben dem Roman Mumbo Jumbo auch die Gedichte “Neo-HooDoo Manifesto” und “Neo-Hoodoo Aesthetics”.

Legba
Legba (auch Papa Legba, Eleggua, Elegba, Eshú, Exú) ist ein wichtiger Loa (Geist, Spirit) im Voodoo-Pantheon. Er ist der Mittler zwischen der sichtbaren physischen Welt des Menschen und der unsichtbaren geistigen der Loas. Man trifft ihn oft an einer Kreuzung, und er ist derjenige, der den Eintritt in die Welt der Spirits erlaubt oder auch verweigert.

In einer Voodoozeremonie ist er immer der erste und der letzte, der angerufen wird, weil er derjenige ist, der die Pforte zwischen den Welten öffnet und schließt. In dieser Funktion wird er oft mit dem Hlg. Petrus assoziiert, der im Katholizismus eine vergleichbare Position inne hat.

Legba, in anderen Religionen auch Eleggua, Elegba, Eshú oder Exú genannt, spricht alle menschliche Sprachen. Seiner Gewitztheit und seiner Fähigkeit zur Täuschung verdankt er seinen Ruf, ein Gauner zu sein (darin dem abendländischen Mephisto nicht unähnlich).

Wenn man ihn trifft und ihn um einen Gefallen bitten möchte, sollte man wissen, welche Gaben er bevorzugt: Bonbons, Tabak und Rum stimmen ihn milde. Hin und wieder verlangt er aber, wie im Falle des legendären Bluessängers Robert Johnson, gleich die ganze Seele im Tausch für Talent und schnellen Ruhm

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ANMERKUNGEN UND HINTERGRUNDINFORMATIONEN

They call me, Dr. John, The Night Tripper

Got my sizzling Gris-Gris in my hand
Day trippin' up, Back down by you
I'm the last of the best
They call me the Gris-Gris man
Got many clients
Come from miles around
Running down my prescription
I got my medicine, to cure all your ills
I got remedies of every description

Dr. John, Gris-Gris Gumbo Ya Ya

 

„I hate chicken!“

Mickey Rourke in Angel Heart

Um es vorweg zu nehmen: Es geht in diesem Film (auch) um Voodoo. Dennoch werden keine halbnackten Schwarzen vorkommen, die Hühnern bei lebendigem Leib den Kopf abbeißen. Es wird niemandem der Penis weg gezaubert und es werden auch keine Puppen mit Nadeln malträtiert.
Dies ist kein Hollywood-Film. Aber auch keine National Geographics-Expedition...
The United States of Hoodoo ist ein Reisefilm, der dem Einfluss des afroamerikanischen Voodoo auf die Alltags- und Popkultur der USA nachspürt. Elemente des Voodoo finden sich vielfach in Kunst, Musik und Literatur, in Heilkunde und Soul Food, in christlichen Gottesdiensten des Südens, im Straßenbau und in alltäglichen Verrichtungen wie dem Fegen der Türschwelle mit rotem Ziegelstaub, wie es schon zu Louis Armstrongs Zeiten in New Orleans üblich gewesen ist.
Aber auch in der urbanen Kultur von Rap, Breakdance, R´n´B, street-art und Graffiti sind Formprinzipien des Voodoo in zeitgenössische Ausdrucksformen übertragen worden. Und vom genuin afrikanischen Konzept der physischen Einheit von Trommeln und Tanzen ist es möglicherweise ein kurzer Weg zu den ekstatischen Beats von Detroit Techno und Acid House.
Bei aller Klischeevermeidung wollen wir dem Zuschauer die zentralen und immer wieder faszinierenden Elemente des „ursprünglichen“ Voodoo nicht vorenthalten, im Gegenteil. Voodoo ist kein theoretisches Konzept, sondern eine extrem vielseitige und anpassungsfähige spirituelle Praxis. Seine primäre Form ist das Ritual, und ohne das unmittelbare Erleben eines solchen ist auch dieser Film nicht denkbar – aber auch hier wird der Zuschauer ein paar Überraschungen erleben.
Im Verlauf ihrer Reise entfernen sich die Autoren immer wieder weit von der ursprünglichen Form dieser spirituellen Praxis. Doch in all ihren Begegnungen mit Musikern, Schriftstellern und Künstlern, Wunderheilern und Gumbo-Köchen blitzt sie immer wieder auf wie ein starkes Energiefeld, das in der Lage ist, eine ganze Kultur zu prägen.
Historisch gesehen nimmt diese Kultur ihren Ausgang im transatlantischen Sklavenhandel zwischen Europa, Afrika und Amerika, dem Black Atlantic, mit dem die alte Religion Westafrikas in die Neue Welt gelangte. Im Laufe der Jahrhunderte nahm Voodoo die vielfältigsten Formen an und adaptierte dabei immer auch Aspekte der christlichen Religion der Eroberer: die stark katholisch inspirierten Varianten Santería auf Kuba und Candomblé in Brasilien; das wehrhafte haitianische Vodou, mit dessen Hilfe man sich schon früh der französischen Kolonialherren entledigen konnte und das dort (und nicht nur dort) bis heute eine treibende kulturelle und politische Kraft darstellt.
Und dann ist da noch Hoodoo, Voodoos pragmatischer Cousin, der die traditionellen afrikanischen Elemente mit indianischer Pflanzenheilkunde und europäischem Hexenglauben mixte und sich damit seine eigene charmante, trickreiche und äußerst kreative Spiritualität geschaffen hat, von der vor allem der ländliche Süden der USA beseelt zu sein scheint. Voodoo ist eher afrozentristisch, kreolisch und irgendwie auch sehr katholisch, fast jedem der Loas (Spirits) lässt sich ein katholischer Heiliger zuordnen. Hoodoo dagegen ist eine sehr amerikanische Angelegenheit, mehr Volksglaube als Religion, und manchmal nicht einmal Glaube, sondern einfach eine alltägliche spirituelle Praxis, eine vom Voodoo geprägte Popkultur.

Das alles funktioniert, weil Voodoo seiner Natur nach synkretistisch ist. Das bedeutet, Voodoo absorbiert permanent scheinbar unvereinbare Elemente, auch und vor allem aus ihm feindlich gesinnten Religionen wie dem Christentum, und synthetisiert sie zu neuen Formen der Glaubenspraxis. Dieser Synkretismus erklärt, warum es im Voodoo katholische Heilige mit afrikanischen Namen gibt. Oder warum Capoeira gleichzeitig Tanz und Selbstverteidigung ist. Es erklärt auch das Geheimnis des äußerst schmackhaften Louisiana-Gumbos. Und des Jazz. Voodoo gedeiht in der Vielfalt und befördert sie zugleich. Vielfalt und stete Erneuerung sind die Bedingungen seiner spirituellen Vitalität – daran ändern auch die zahlreichen Versuche der „Re-Afrikanisierung“ nichts (im Sinne einer „Säuberung“ von christlichen Elementen), wie sie z.B. im brasilianischen Candomblé seit den Neunziger Jahren geschehen.
Die Kultur, die der Film entdeckt, ist vor allem eine der Metropolen. Es ist eine Kultur, die schon immer hybrid und durchlässig gewesen ist, eine Kultur, die aus der einmaligen Mischung verschiedenster ethnischer Einflüsse ihre Vielseitigkeit, Ausstrahlung und Vitalität bezieht. Und die trotz ihres Ursprungs keineswegs eine nur schwarze Kultur ist, sondern die gängigen Kategorisierungen einfach ignoriert.
Wenn man sich vor Augen führt, wie stark die Präsenz der Einwanderer aus Afrika, Südamerika und der Karibik das Gesicht der US-Metropolen prägt, beginnt man zu ahnen, wie sehr die amerikanische Kultur von den alten Göttern und ihren zeitgenössischen Manifestationen bewohnt sein muss. Und wenn man diesen Gedanken auf europäische Grossstädte wie Paris, London oder Berlin überträgt, wird man möglicherweise den kleinen Altar in der Ecke des kubanischen oder westafrikanischen Restaurants in der Nachbarschaft mit anderen Augen sehen. Oder, wie es einer der Protagonisten im Film mit Blick auf fast jeden Bereich populärer Musik treffend formuliert: „Wenn Du da die Beats aus Afrika, Haiti, Brasilien und Kuba nicht heraushörst, dann hörst Du einfach nicht zu!“


STATEMENTS


Oliver Hardt, Regisseur / Frankfurt am Main

Ich erinnere mich sehr genau an meine erste Begegnung mit Voodoo. 1999 war ich nach Benin, Westafrika, gereist, um dort zum ersten Mal meinem Vater gegenüberzutreten. Der war nun keineswegs ein Voodoopriester, sondern ein streng katholischer Grandseigneur, noch dazu Gründungsdirektor der Bibliothèque Nationale du Bénin. Er hatte in den 60er-Jahren in Paris studiert, das schon damals neben London die afrikanischste Stadt Europas war. Heute würde ich noch Berlin dazu zählen. Während der zwei Wochen, in denen ich zusammen mit meiner Begleiterin in seinem Haus in der Hauptstadt Porto Novo zu Gast war, hatte er uns ein straffes Kulturprogramm organisiert: wir besuchten den botanischen Garten der Stadt, das UNESCO-Mahnmal zum Gedenken an die Millionen Sklaven, die von Ouidah aus nach Amerika und in die Karibik verschifft wurden, den ehemaligen Königspalast in Abomé, die Nationalbibliothek in Porto Novo.
An einem Sonntagmorgen, das Tagesprogramm stand noch nicht fest, nahm uns die Frau meines Vaters beiseite. „Suivez le son de tambours....,“ sagte sie leise, „Folgt dem Klang der Trommeln. Sonst habt ihr nur die eine Hälfte kennengelernt.“
Unter dem missbilligenden Blick meines Vaters verließen wir das Haus, und aus der Ferne rollte ein schwerer dunkler Beat zu uns herüber. Meine Begleiterin, die als Tochter eines protestantischen Missionars aus Deutschland einen Teil ihrer Kindheit in Benin verbracht hatte, wurde blass. Ah, ja, diese Trommeln, diese andere Hälfte!
Ich ging dann alleine zu jenem zentralen Platz in der Stadt. Seit diesem Tag weiß ich, es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, um die wir uns vielleicht kümmern sollten, auch wenn wir glauben, sie seien sehr weit weg. Denn in Wirklichkeit sind sie längst bei uns angekommen, oder vielleicht waren sie auch immer schon da – allerdings nicht in Form von dunklen Mächten, wie es uns Hollywood so lange und wirkungsvoll verkauft hat. Nein, Voodoo zu entdecken, bedeutet, eine andere Seite des Hier und Jetzt zu entdecken. Die kann auch mal unheimlich sein und dunkel, das steht außer Frage. Aber vor allem anderen ist sie eine wesentliche Quelle urbaner Vitalität. Ob in Porto Novo, Berlin oder Brooklyn, ob in Memphis oder New Orleans – Voodoo ist einfach da. Es versteckt sich nicht einmal. Wir müssen nur den Trommeln folgen.

Ich habe schon meinen letzten Dokumentarfilm Black Deutschland (2006) mit Darius James gedreht. Die Art und Weise, wie er existentielle Geschichten aus kleinen präzisen Alltagsbeobachtungen heraus entwickelt, hat mich von der ersten Begegnung an fasziniert. Als er mir nach Abschluss der Dreharbeiten zu Black Deutschland den Initialtext zu The United States of Hoodoo schickte, war mir sofort klar, dass das ein genialer Filmstoff ist: ein Roadmovie der besonderen Art, eine Reise zu den verborgenen spirituellen Wurzeln der US-amerikanischen Kultur und zugleich ein radikales Infragestellen gängiger Vorstellungen von Identität, Religion, Spiritualität. Zwei Jahre später wurde Barack Obama zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt.

In Black Deutschland bin ich in meist ruhigen, auskomponierten Bildern und mit großer Freude an ironischer Zuspitzung der Frage nachgegangen, was es bedeutet, als Nicht-Weisser in einer Gesellschaft zu leben, die sich als weiss definiert. Seit seiner Erstausstrahlung auf arte ist der Film in über 20 Städten gezeigt worden, in Deutschland, in Schweden, in der Schweiz und in den USA, und immer noch erreichen uns monatlich mehrere Anfragen. Offensichtlich sind Thema und Machart des Films auf ein Bedürfnis beim Publikum gestoßen, bestimmte Geschichten auf eine bestimmte Art und Weise erzählt zu bekommen.

The United States of Hoodoo geht einen wesentlichen Schritt weiter. Wir stellen die Frage nach dem Trennenden erst gar nicht, sondern stellen das Verbindende in den Mittelpunkt. Und zu sehen, dass die kulturellen und spirituellen Gemeinsamkeiten, von denen der Film erzählt, ihren Ursprung in einer uralten, sich permanent erneuernden Religion haben, wird für die Mehrzahl der Zuschauer ein ziemlich verblüffendes Erlebnis sein, davon bin ich überzeugt.

 

Arto Lindsay, Komponist / Rio de Janeiro

Seit vielen Jahren bin ich ein Bewunderer der Texte von Darius James und als Oliver Hardt und er mich fragten, ob ich die Musik zu ihrem Dokumentarfilm "The United States of Hoodoo" beitragen möchte, habe ich begeistert zugesagt. Ich lebe derzeit in Brasilien und hier ist es ein ganz selbstverständlicher gesellschaftlicher Konsens, dass die afrikanische Kultur konstitutiv für die Entwicklung der brasilianischen Gesellschaft gewesen ist. In den USA ist das noch nicht der Fall. Vielleicht hat dort die starke Fokussierung auf die Sklaverei den Blick für die kulturellen Beiträge der Afroamerikaner während der gesamten amerikanischen Geschichte einfach zu sehr überschattet. Die Komplexität afrikanischer religiöser Praxis und die von ihr beeinflussten Blickweisen auf die Welt könnten zu einem vollkommen neuen Verständnis von Geschichte und nationaler Identität betragen, die – obwohl vielfach erforscht – bislang möglicherweise noch nicht besonders gut verstanden worden sind. Ich hoffe, der Film leistet einen Beitrag zu diesem Verständnis.

 


BIOGRAFIE / FILMOGRAFIE

OLIVER HARDT, BUCH UND REGIE

Oliver Hardt ist freier Regisseur, Autor und Filmemacher.

Nach dem Studium der Angewandten Theaterwissenschaft in Giessen mit Schwerpunkt Regie und Dramaturgie begann er seine Karriere Anfang der 90er-Jahre als Theaterregisseur am Frankfurter Theater am Turm, der damals führenden europäischen Avantgarde-Bühne. Im Kontext seiner Inszenierungen entstanden dort auch seine ersten Film- und Videoarbeiten. Es folgten ein längerer Aufenthalt in New York als Gast der Wooster Group und Musiktheater-Produktionen mit dem Ensemble modern in Wien, Köln und Frankfurt.

Ab Mitte der 90er-Jahre begann er sich mehr und mehr für die Möglichkeiten des Films zu interessieren. Seither arbeitet er als Autor und Regisseur in verschiedenen Genres.

Hardts Dokumentarfilme und experimentellen Videoarbeiten fanden international Beachtung. Für den mit Mitteln der Hessischen Filmförderung realisierten Kompilationsfilm Winterspruch – Arbeit für Eisler erhielt er 1999 den Hessischen Filmpreis. Sein Porträtfilm über zwei ehemalige Obdachlose auf dem Weg zurück ins bürgerliche Dasein, Plan B vom glücklichen Leben (hr 2003), wurde für den Hessischen Filmpreis nominiert. Der Dokumentarfilm Black Deutschland (hr/arte 2006) wurde beim World Media Festival in Hamburg mit Silber ausgezeichnet und ist auf zahlreichen Festivals und Veranstaltungen in Deutschland, der Schweiz und den USA gezeigt worden.
Neben seiner biografisch begründeten Auseinandersetzung mit Themen Schwarzer Kultur und Geschichte beschäftigt sich Hardt in seinen Filmen oft mit Gestaltungsstrategien und Arbeitsweisen in Kunst, Design, Mode und Musik.

Hardt war regelmäßig an der Konzeption und Realisation von arte-Themenabenden beteiligt, zum Beispiel „Im freien Flug“ (ZDF/arte 2003), „Gesichter des Islam“ (hr/arte 2004) und „Schwarze Haut, weisse Angst“ (hr/arte 2006). The United States of Hoodoo ist Hardts zweite Zusammenarbeit mit Darius James, den er 2005 während der Recherche zu seinem Dokumentarfilm Black Deutschland kennen und schätzen lernte.

Auswahl Dokumentarfilme

The United States of Hoodoo, Dokumentarfilm, D 2012, 100 min.
Ein Roadmovie der besonderen Art. Der Film begleitet seinen Protagonisten, den Schriftsteller Darius James, auf seiner Suche nach den Inspirationsquellen afroamerikanischer Kultur und Kreativität. Seine Reise führt ihn quer durch die USA: vom urbanen intellektuellen Millieu New Yorks in den tiefen Süden, zu den Blues-Mythen des Mississippi-Delta und mitten hinein in die fiebrige Hitze der Voodoo-Hauptstadt New Orleans, und von dort aus weiter nach Oakland, Seattle und Chicago. Indem er zu den spirituellen Ursprüngen dieser Kultur zurückkehrt, landet er im Hier und Heute: bei den urbanen Beats der Metropolen, den atemberaubenden Collagen zeitgenössischer Künstler und Musiker und ihrer pragmatischen, gleichwohl tief empfundenen Spiritualität.

Black Deutschland, Dokumentarfilm, D 2006, 55 min.
Black Deutschland ist eine intime Studie über das Denken und Fühlen einer gar nicht so kleinen Minderheit, über schwarze Deutsche und Schwarze in Deutschland. Regisseur Oliver Hardt porträtiert Kulturschaffende, die dem Zuschauer auf emotionale, gleichwohl reflektierte und humorvolle Weise eine Idee davon zu vermitteln, was es bedeutet, als Nicht-Weisser in einer Gesellschaft zu leben, die sich als „weiss“ definiert.
Plan B vom glücklichen Leben - Geschichten übers Scheitern und Neuanfangen  Dokumentarfilm, D 2003, 30 min.
Sie leben im Zentrum der Metropole und zugleich an ihrem äußersten Rand: Wo andere sich längst aufgegeben haben, kämpfen die Bewohner des Diakoniewohnheims WESER 5 im Frankfurter Bahnhofsviertel darum, ihr aus den Fugen geratenes Leben neu zu ordnen. Sie sind abgestürzt, sozial, beruflich und gesundheitlich. Ganz unten angekommen, versuchen sie einen Neuanfang. Der Film zeichnet das Porträt zweier Menschen, die aus beruflichen Katastrophen und privaten Schicksalsschlägen wieder aufgetaucht sind, die gelernt haben, Hilfe anzunehmen, wenn sie sie brauchen und die sich ihren hartnäckigsten Gegner zum Verbündeten gemacht haben: sich selbst.

Gesichter des Islam                         
arte-Themenabend in drei Teilen, hr/arte 2004
Regie, Co-Autor
Drei Filme, sechs Autoren, vierzehn Filmporträts von Menschen in zwölf Ländern, Dreharbeiten u.a. in Deutschland, Algerien, Marokko, Ägypten, der Türkei und den USA. Ein Themenabend über Religion und Politik, über Geschichte, Gegenwart und Zukunft des Islam.

Winterspruch – Arbeit für Eisler
Musikfilm-Kompilation, D 1999, 55 min.
Winterspruch ist ein Gemeinschaftsprojekt von 10 Filmemachern, entstanden in Auseinandersetzung mit den Neufassungen von Hanns-Eisler-Liedern der Frankfurter Band arbeit. Der von Oliver Hardt und Peter Rippl produzierte Film wurde 1999 mit dem Hessischen Filmpreis ausgezeichnet.

documenta X
D 1997, 300 min.
Konzeption und Regie: Gerd Haag, Thomas Schmidt, Oliver Hardt
100 x 3 Minuten Künstlerporträts, Interviews und Kunstansichten,
ausgestrahlt 100 Tage lang zur prime time auf arte.

Mit Art & Language, Oladélé Bamgboyé, Ecke Bonk, Liam Gillick, Dorothee Golz, Ulrike Grossarth, Raymond Hains, Richard Hamilton, Rem Koolhaas, Sigalit Landau, Steve McQueen, Matthew Ngui, Gabriel Orozco, Michelangelo Pistoletto, Lari Pitmann, David Reeb, Elia Suleiman, Rosemarie Trockel, Carsten Höller, Aldo van Eyck, Carl Michael von Hausswolf, Andrea Zittel u.v.a.