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Brasilien / Deutschland 2013 106 Min, OmU

CREDITS

Donato - Wagner Moura
Konrad - Clemens Schick
Ayrton 18jährig - Jesuita Barbosa
Ayrton 10jährig - Savio Ygor Ramos
Dakota - Sophie Charlotte Conrad
Heikos Frau - Sabine Timoteo
Heikos Sohn - Yannik Burwieck
Heiko - Fred Lima
Barkeeperin - Natascha Paulick
Nanna - Emily Cox
Mechaniker - Ingo Naujoks
Jefferson - Thomas Aqui no
Hausmeister - Christoph Zrenner
Verkäufer - Jean Philippe Kodjo Adabba
Captain Mota Démick Lopes
Fahrer 1 - Maj. Barreto
Fahrer 2 - Marcus Davis Andrade Braga

 

Credits

Regisseur KARIM AÏNOUZ
Produzenten GEÓRGIA COSTA ARAÚJO
HANK LEVINE 
Koproduzenten FABIAN GASMIA
HENNING KAMM
CHRISTOPHER ZITTERBART
Executive Producer  LUCIANO PATRICK
ANDRO STEINBORN
Delegate Producer  DORISSA BERNINGER
Drehbuch FELIPE BRAGANÇA
KARIM AÏNOUZ
Bildgestaltung ALI OLCAY GÖZCAYA 
Produktionsdesign MARCOS PEDRO SO 
Kostüm CAMILA SOARES
Make up MILENA PFLEIDERER
Schnitt ISABELA MONTEIRO DE CASTRO
Sounddesign WALDIR XAVIER
Mischung MATTHIAS SCHWAB
Musik HAUSCHKA
Schauspielcoach FÁTIMA TOLEDO
Casting ARMANDO PRAÇA
UWE & ANTJE BÜNKER
Fotografie ALEXANDRE ERMEL


PRAIA DO FUTURO


Ein Film von Karim Aïnouz

Kinostart: 2. Oktober 2014


Trailer

Stadt  Kino  Termin  Info   
Aachen  Apollo  ab 02.10.2014     
Berlin  Eiszeit  ab 02.10.2014     
Berlin  Filmrausch Moabit  ab 02.10.2014     
Berlin  fsk  21.11.2014  Berlin Art Festival   
Berlin  Hackesche Höfe  30.09.2014  20.00 Uhr Premiere   
Berlin  Hackesche Höfe  ab 02.10.2014     
Berlin  International  22.09.2014  MonGay-Preview   
Berlin  Lichtblick  ab 02.10.2014     
Berlin  Xenon  ab 02.10.2014     
Bochum  Casablanca  24.09.2014  homochrom   
Bochum  Endstation  ab 02.10.2014     
Bremen  Schauburg  ab 02.10.2014     
Dortmund  Schauburg  14.09.2014  homochrom   
Dortmund  Sweetsixteen  ab 02.10.2014     
Dresden  Kino im Dach  ab 02.10.2014     
Düsseldorf  Bambi  15.09.2014  homochrom   
Düsseldorf  Filmwerkstatt  11.12. + 12.12.2014     
Erfurt  Kinoklub am Hirschlachufer  10.11. - 12.11.2014     
Essen   Galerie Cinema  17.09.2014  homochrom   
Essen   Galerie Cinema  ab 02.10.2014     
Frankfurt  Orfeo´s  ab 03.10.2014     
Freiburg  Friedrichsbau  02.10. - 08.10.2014     
Halle  Zazie  ab 02.10.2014     
Hamburg  Abaton  ab 02.10.2014 Einzeltermine     
Hamburg  Savoy  23.09.2014  20.00 Uhr Premiere   
Hannover  Künstlerhaus  23.10.-2.11.2014  am 23.10. Perlen Festival   
Karlsruhe  Kurbel  ab 02.10.2014     
Köln  Filmpalette  23.09.2014  homochrom   
Köln  Filmpalette  ab 02.10.2014     
Konstanz  Scala  18.12. - 23.12.2014     
Leipzig  Cinematheque  18.11. + 24.11.2014  Lateinamerikanische Tage   
Mannheim  Cinema Quadrat  ab 02.10.2014     
München  Arena  ab 02.10.2014     
München  Atelier  29.09.2014  MonGay-Preview   
Münster  Cinema  ab 30.10.2014     
Nürnberg  Meisengeige  ab 02.10.2014     
Oberhausen  Lichtburg  21.09.2014  homochrom   
Offenbach  Hafen Kino  10.10.2014     
Offenburg  Forum-Kino  27.03.2015     
Regensburg  Filmgalerie  ab 02.10.2014     
Saarbrücken  Filmhaus  19.11.2014  Latino-Festival   
Stuttgart  EM-Kino  ab 02.10.2014     
Wuppertal  Cinema  ab 02.10.2014     
Würzburg  Central-Programmkino  23.10.-28.10.2014     

Logline

Der 24jährige Brasilianer und Rettungsschwimmer Donato verliebt sich in den Deutschen Konrad. Er hat Konrad im Meer vor Fortaleza am Praia do Futuro vor dem Ertrinken gerettet und folgt ihm nach Berlin. Fern der Heimat muss er mit seinem neuen Leben klar kommen und schwankt zwischen Verwirrung und Befreiung. Er bricht alle Kontakte nach Hause ab.
Acht Jahre später reist Donatos jüngerer Bruder Ayrton ihm nach. Er will eine Antwort auf die Frage, warum Donato, der immer sein Held gewesen ist, ihn verlassen hat.

 

 

Synopsis

 


Donato arbeitet als Rettungsschwimmer am atemberaubend schönen, aber heimtückischen Strand Praia do Futuro bei Fortaleza. Nachdem zwei Männer von der Strömung erfasst wurden, gelingt es ihm, Konrad, einen Deutschen, der Urlaub in Brasilien macht, zu retten. Konrads Freund jedoch verschwindet im Meer.
Während sie darauf warten, dass der Tote geborgen wird, entwickelt sich eine Beziehung zwischen Donato und Konrad und die anfänglich sexuelle Anziehung wird zu einer tieferen, emotionalen Verbundenheit. Die zwei Männer verlieben sich ineinander und Donato beschließt, alles zurück zu lassen und Konrad nach Berlin zu folgen. Weit entfernt vom Praia do Futuro schwankt Donato in der kalten, aber lebendigen Hauptstadt zwischen Orientierungslosigkeit und Befreiung. Seine Reise für die Liebe wird bald zu einer tieferen Suche nach seiner eigenen Identität.
Jahre später reist Donatos jüngerer Bruder Ayrton nach Berlin. Voller Wut sucht er eine Antwort auf die Frage, warum ihn sein Bruder einfach verlassen konnte. Aber so wie Donato findet auch er im heftigen Puls der fremden Stadt mehr Fragen als Antworten. Jeder der drei Männer hat auf seine Weise einen Verlust erlitten. Verbunden in einer stillen Sehnsucht fühlen sie sich instinktiv zueinander hingezogen auf der Suche nach Hoffnung und einer besseren Zukunft.


„Den Mut zu haben, alles hinter sich zu lassen und sein Leben neu zu erfinden, war der Kern von PRAIA DO FUTURO. Dies ist etwas, was wir uns alle wünschen, aber uns oft nicht trauen. Vielleicht, weil wir so vieles zurück lassen müssten, um den Sprung zu wagen. Der Film zeigt Figuren, die den Mut haben, diesen Sprung zu wagen, den Schritt ins Unbekannte zu machen. Das Gefühl dies zu tun, ist im Titel des Films selbst wiederzufinden – Futuro, Zukunft, vorwärts gehen.“ - Karim Aïnouz

 

 

Interview mit Regisseur Karim Aïnouz


Praia do Futuro ist zugleich Liebes-, Familien- und Reisegeschichte. Wie haben sich all diese Elemente entwickelt und im Film zusammengefunden?

Als wir mit dem Film begannen, war da zuerst die Idee einer Geschichte über Mut und Angst, über Charaktere, die mutig und feige zugleich sind. Wir wollten über die Zeit sprechen, in der wir leben – wo Ängstlichkeit allgegenwärtig ist. Wir sind gerade in einem konservativen Moment versunken, einem Moment, in dem Religion, Intoleranz und der Wunsch nach Stabilität überall zu finden sind. Abenteuer, Risikobereitschaft und Gefahr sind nicht mehr erwünscht. Und so kam uns die Idee einer Geschichte, die all dies vereint, die relevant sein würde – wir erzählten eine Geschichte über Leidenschaft, Reisen und Entdeckungen. Wir wollten einen Film drehen, in dem die Charaktere bedingungslos lieben, eine Geschichte über Männer, aber über Männer die Fehler machen und die verletzlich sind und denen manchmal der Mut fehlt.


Den Mut zu haben, alles hinter sich zu lassen und sein Leben neu zu erfinden, war der Kern von PRAIA DO FUTURO. Dies ist etwas, was wir uns alle wünschen, aber uns oft nicht trauen. Vielleicht, weil wir so vieles zurück lassen müssten, um den Sprung zu wagen. Der Film zeigt Figuren, die den Mut haben, diesen Sprung zu wagen, den Schritt ins Unbekannte zu machen. Das Gefühl dies zu tun, ist im Titel des Films selbst wiederzufinden – Futuro, Zukunft, vorwärts gehen.


Ich komme aus einer Generation, in der man Risiken eingehen musste – wir wollten die Welt verändern. Heutzutage habe ich das Gefühl, dass diese Art von kollektivem utopischem Denken nicht mehr so präsent ist. In gewisser Weise ist PRAIA DO FUTURO angetrieben von diesem Wunsch neu zu beginnen, Dinge zu konfrontieren, sich mit unerwarteten Möglichkeiten zu beschäftigen.

Die Herausforderung hierbei war es, die Charaktere als Facetten derselben Idee zu entwickeln. Wir mussten einen Ton treffen, der diesen Idealen entsprach, um letztendlich alles durch die Charaktere und ihre Handlungen, die Risiken, die sie eingehen, die Reisen, die sie unternehmen und die Fehler, die sie auf dem Weg machen, auszudrücken. Neben den Reisen und Abenteuern gab es außerdem den Wunsch ein männliches Melodram zu zeichnen. Ein zeitgemäßes, intimes Melodram, das nur von männlichen Figuren bevölkert wird, aber ohne Schurken.


Konrad ist Afghanistan-Veteran, ein Biker, der die Geschwindigkeit liebt und der die Welt erkundet. Er hat so viele Gefahren durchlebt und Verluste erlitten. Donato ist Rettungsschwimmer, ein Lebensretter, ein beinahe vollkommener Held. Ayrton ist ein Rebell, ein harter Kerl und gleichzeitig ein wütender Junge, der von seinem geliebten, älteren Bruder Donato vergessen wurde. Jeder von ihnen repräsentiert eine andere Seite von Männlichkeit und sie werden von einer starken Leidenschaft füreinander angetrieben. Es gibt so viele Filme, in denen „Action“ Kampf, Tod und Verlust bedeutet. Ich aber wollte hier „Action“ als Impuls fürs Leben einsetzen.

Ihre drei Figuren – Donato, der Rettungsschwimmer, Konrad, der Biker, und Ayrton, der rebellische Jugendliche – sind alle Draufgänger und Träumer. Was treibt sie an, Abenteuer in der Ferne, Tempo und Spannung zu suchen? Sehen Sie sie als Romantiker, Idealisten, als Draufgänger?

Ich wollte schon immer einen Film über Superhelden machen, über romantische männliche Superhelden, die durch die Welt reisen und alles tun für die Liebe. Meine letzten Filme haben vor allem weibliche Figuren porträtiert und ich wollte mich unbedingt mit einer Reise von männlichen Charakteren beschäftigen. Aber ich wollte, dass diese Figuren vielschichtig, wagemutig, unvollkommen und widersprüchlich sind.

Die Hauptfiguren in PRAIA folgen ihren Träumen ohne auf die Konsequenzen zu achten. Also haben sie schon etwas Romantisches und Idealistisches. Ich wollte, dass sie voller Körperlichkeit und Mut, aber gleichzeitig aus Fleisch und Blut sind, Fehler machen, zerbrechlich sind. Und es ist schön mitanzusehen, wie sie im Verlauf des Films zerbrechen und sich selbst wieder zusammensetzen.

Ich hatte dieses Bild im Kopf von einer Figur, die einen modernen, heldenhaften Beruf hat. So kam mir die Idee eines Rettungsschwimmers. Wir hatten recht schnell das Konzept der ersten Figur entwickelt -  der Strand, der Rettungsschwimmer, das Schweigen und die Geheimnisse des Rettungsschwimmers.

Als nächstes kam die Frage der Gefahr. Es gibt einen Fassbinder Film den ich sehr mag – Angst essen Seele auf (1974) und ich denke ständig an den Titel. Ich wollte, dass meine Charaktere furchtlos sind. Aber es ist wichtig, dass sie dieser grenzenlose Mut nicht vor Angst schützt. Es ist der Gegensatz zwischen der Angst, die sie ab und zu spüren und dem wahren Heldentum, der sie letztendlich einfühlend und einmalig macht. Dies ist die Spannung, die mich an ihnen interessiert hat und durch die ich mich in sie verliebt habe. Ich denke, was sie dazu inspiriert Abenteuer, Tempo und Aufregung zu suchen, ist diese wilde Entschlossenheit weiterzumachen – und der Film könnte fast „Mut nähren Seele“ heißen.

Jeder der Charaktere ist mit Abwesenheit oder Sehnsucht beschäftigt. Versuchen sie alle sich selbst auf verschiedene Arten zu retten? Versuchen sie vielleicht auch, sich gegenseitig zu retten?

Was sie letztendlich antreibt ist Sehnsucht, der Wunsch danach zu experimentieren, zu entdecken, das Leben voll auszuschöpfen. Und wenn man das tut, lässt man immer auch Dinge zurück. Bestimmte Dinge werden angenommen, andere wiederum abgelegt.

Und während dieser Reisen erfahren die Figuren Verluste. Der Verlust seines besten Freundes macht Konrad schwach und hilflos. In diesem Zustand trifft er Donato, der ihm hilft weiterzumachen und mit dem Verlust zurechtzukommen und sie verlieben sich ineinander. Und so verlässt Donato seinen Bruder und seine Familie und flüchtet sich in ein neues Leben mit Konrad. Nun ist es Konrad, der Donato rettet, der ihn aus seinem vertrauten Umfeld holt und ihm ein ganz neues Universum zeigt. Und Donato verschwindet in dieser neuen Welt. Später kommt Donatos Bruder, der mittlerweile zum Teenager herangewachsen ist, um ihn zu suchen, ihn zur Rede zu stellen. Dies rettet Donato letztendlich vor der Scham und dem Gefühl der Feigheit, die er verspürt, weil er einfach so verschwunden ist.

Ich denke das Muster, das dem Film zugrunde liegt, ist die Figur eines Mannes der sein Leben riskiert, um das eines anderen zu retten.

Der Film ist aufgeteilt in einen Prolog, drei Kapitel und einen Epilog. Beinahe wie bei einem literarischen Abenteuer, einem Reiseroman, in dem die drei Charaktere die Stützpfeiler jedes Kapitels sind. Jeder Moment ist geprägt von den verschiedenen Wegen, auf die sich Konrad, Donato und Ayrton begeben.

Vor allem Donato wollte ich etwas völlig Unerwartetes tun lassen, ich wollte ihn verschwinden und auf der anderen Seite als jemand völlig anderes auftauchen lassen. Ich war schon immer fasziniert von Menschen, die verschwinden und ihr Leben woanders völlig neu beginnen. Wir haben viel zu realen Personen recherchiert, um die Figur Donatos zu erschaffen. Und besonders in seinem Fall war die Frage nach Sexualität der entscheidende Auslöser für diesen Schritt ins Unbekannte.

Die Farben im Film sind sehr stark und es gibt sowohl einen Kontrast, als auch ein Echo zwischen den warmen Blau – und Grüntönen der brasilianischen Küste und dem kalten Grau der Straßen Berlins. Wie haben die Orte den Film ästhetisch beeinflusst und was waren die Stimmungen und Bedeutungen, die Sie den zwei Drehorten geben wollten, während Sie dort gefilmt haben?

Der Film ist um diese Kontraste herum aufgebaut - Farbkontraste, Lichtkontraste, Kontraste in der Temperatur, der Tonlandschaft beider Orte. Ich wollte Spannung zwischen diesen sinnlichen Elementen kreieren und dadurch einen Film schaffen, der die Erfahrungen der Figuren vollständig rüberbringt – ich wollte ihre Fehlplatziertheit spürbar machen.

Ihre Umwelt wirkt auf die Figuren ein, mit Farben, Hitze, dem salzigen Wind, der vom Meer kommt, mit der kalten Luft des Berliner Winters, mit Nebel. Ich wollte diesen Elementen, die jenseits von Ton und Bild existieren, Kraft verleihen.

Ich mag satte, lebendige Farben und bin ein großer Fan von Fotografen wie Eggleston, Shore, Depardon oder Nan Golding. Es steckt eine gewisse Kraft in der Art wie diese Fotografen Farben nutzen, die, wie ich fand, zur Geschichte passte.

Und dann war da der blaue Himmel und das grüne Meer vom Praia do Futuro. Ich habe dort schon oft gedreht und ich habe immer Super 8 Kodachrome verwendet. Ich wollte den Erinnerungen gerecht werden, meinen Kodachrome Erinnerungen.
Ich wollte den Praia do Futuro mit den Farben einfangen, die ich immer erlebt habe, lebendige und satte Grün- und Blautöne.

Mich fasziniert, wie Zelluloid Licht und Farbe einfängt. Ich habe nie digital gedreht. Wir haben auf 35mm mit sehr empfindlichem Film (ASA 50) gedreht, um die Farben des grellen Lichtes am Äquator und den blauen Himmel einzufangen. In Berlin haben wir mit einem weniger kontrastreichem Film gearbeitet, um die blassen Farben Berlins und das Winterlicht einzufangen – aber die Figuren waren oft Farbpunkte in der Landschaft. Wenn der Film ein Gemälde wäre, hätte ich Gouache statt Aquarell verwendet und so haben wir auch das visuelle Register angelegt.

Wir haben uns auch stark von Reiseberichten aus den 70ern inspirieren lassen, als es beim Reisen noch mehr um Entdeckung und Erkundung ging. Der Film hat eine leichte Vintage-Qualität. Außerdem wollten wir eine Stimmung erschaffen, die an Reisebücher, an eine alte Cibachrome Diashow erinnert.

Haben diese Orte eine besondere Bedeutung für Sie?

Der Praia do Futuro ist ein Viertel in meiner Heimatstadt Fortaleza. Für mich ist es ein Ort mit vielen Erinnerungen. Dort habe ich meine Teenagerzeit mit Partys, Rumhängen, Flirten, Schwimmen (dort habe ich Schwimmen gelernt), generell mit der Entdeckung des Lebens verbracht. Dort habe ich auch zum ersten Mal die Leiche eines Ertrunkenen gesehen, die am Strand lag.

Praia do Futuro wurde in den 1970ern gebaut und sollte die Richtung definieren, in die sich die Stadt entwickeln sollte – es war ein Viertel, das für die Zukunft erbaut worden war. Fortaleza war eine kleine Stadt mit dem Traum, eine Küstenmetropole zu werden. Und im Laufe der Jahre wurde der Praia do Futuro genau das Gegenteil. Das Salz in der Luft begann, das Material anzugreifen. Es heißt, die Luft dort hat die zweithöchste Konzentration an Salz in der ganzen Welt, gleich nach dem Toten Meer. Die Folge davon war, dass alles zu bröckeln begann: das Eisen im Beton der Häuser, Haushaltsgegenstände, Computer.

Alles wurde andauernd von der salzigen Luft gefressen. Und so wurde aus der Utopie eine Dystopie. Trotzdem gab es dort Schönheit, die ich im Film einfangen wollte. Ich wollte einen Film über diesen Ort machen, der vielleicht eines Tages nicht mehr existiert. Brasilien ist so ein junges Land und alles dreht sich um die Zukunft, und darum, wie großartig alles sein wird, vor allem jetzt. Und dieser starke Optimismus ist wunderbar. Ich finde, der Ort hat etwas Einzigartiges, eine gewisse äquatoriale Melancholie, etwas Gegensätzliches zur Freude, die in der brasilianischen Identität verwurzelt ist.

Berlin ist eine Stadt, die mich von Anfang an begeistert hat. Berlin ist wie ein alter Mann, gefangen im Körper eines jungen Mannes. Es ist eine Stadt, die viel Schmerz, Krieg und Wandel durchgemacht hat. Sie hat so viele Narben, Wunden und vergossenes Blut. Aber ich bin kein Deutscher, ich kann all dies verstehen, aber ich trage nicht die Last der Geschichte, wie es die Deutschen tun. Für mich ist Berlin wie ein Phönix.

Trotz seiner Vergangenheit ist es eine Stadt, die zukunftsgerichtet ist. Nach dem Mauerfall kam die geteilte Stadt wieder zusammen und wurde zu etwas, das noch keinen Namen hat. Es ist ein Ort zum experimentieren, wo man Dinge ausprobiert. Dort gibt es eine ganz neue Form von Kapitalismus und gleichzeitig ist dort die Haltung gegenüber Kapitalismus sehr kritisch. Berlin ist eine Stadt mit einer dynamischen Identität, eine Stadt in ständiger Veränderung. Und dies ist etwas, dass wir als Lateinamerikaner sehr gut nachvollziehen können.

Die Leere Berlins lässt mich an die Zukunft denken – wie wird es aussehen, wenn die Stadt wieder komplett bevölkert ist? Wenn ich die Straße entlanggehe, sehe ich viele leerstehende Grundstücke. Diese Orte wurden bombardiert und stehen seitdem leer. Die meisten wurden zu öffentlichen Flächen – zu Spielplätzen, kleinen Parks, Sportplätzen. Es ist eine Stadt voller Löcher, voller unbeschriebener Seiten. Die Schauplätze, an denen der Film spielt, ergänzen sich auf viele Arten. Und vielleicht liegt der wahre Praia do Futuro an einem Ort, der erst noch enthüllt werden muss.

Es gibt etwas Besonderes an beiden Städten: sie sind beide auf weißem Sand, auf sandigem Terrain errichtet. Der Praia do Futuro ist auf Sanddünen errichtet und Berlin wurde auch auf weißem, weichem Sand erbaut.

Ich mag beide Orte sehr gern. Den einen dafür, was er mir in der Vergangenheit bedeutet hat und den anderen dafür, wie er mich inspiriert, an die Zukunft zu denken. Aus dieser Zuneigung heraus habe ich begonnen, an PRAIA DO FUTURO zu arbeiten.

Und dann ist da ja auch noch die Mauer. Berlin war für fast 40 Jahre durch eine Mauer geteilt. Donato und Ayrton waren auch für Jahre getrennt, wie die Stadt. Und der Film zeigt sie zu dem Zeitpunkt, an dem sie wieder zusammenkommen, wenn die Mauer fällt. Was kommt danach für die beiden? Der Film hört da auf, aber nicht die Charaktere. Auf eine gewisse Art ist es also auch eine vertraute Metapher für die Stadt, für ihre Zukunftsperspektive.

Gibt es autobiografische oder metaphorische Elemente in den Geschichten? Haben Sie Elemente aus Ihrer eigenen Geschichte eingebaut, als Sie das Drehbuch geschrieben haben?

Es fließen immer unbewusst biografische Elemente in meine Filme ein. Alle meine Filme sind sehr persönlich und ich denke, es ist wichtig diese Beeinflussung geschehen zu lassen. In PRAIA DO FUTURO gab es auch einige Elemente, die bewusst in die Geschichte eingebaut wurden, die ich aber geheim halten möchte.

Ich habe mein Zuhause sehr früh verlassen, da war ich 16. Und mit 18 habe ich Brasilien, das Land, in dem ich geboren bin, verlassen. In jedem Land, in dem ich danach gelebt habe, habe ich ein neues Leben begonnen, bin einer neuen Realität begegnet und ich bin froh, dass ich es getan habe. Aus diesem Grund wollte ich Figuren haben, die dies auch tun, die reisen, die sich in die Fluten des Lebens stürzen.

Außerdem ist Film auch noch ein Ort, an dem wir uns Dinge vorstellen können, die wir selbst nicht erleben oder nicht erleben können. Ich wollte immer einen Bruder haben. Ich bin Einzelkind und habe oft daran gedacht, wie es wäre, einen älteren Bruder zu haben. Der Film war ein Weg, mir dies vorzustellen.

Was war Ihre Inspiration für die Musik im Film?

Es ist schon komisch. Als wir begannen den Film zu schreiben, ein Konzept zu erstellen, mussten wir immer an Heroes von Bowie denken. Da wusste ich noch nicht, dass es ein wichtiger symbolischer Song im Film Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981) ist. Er war einfach eines meiner absoluten Lieblingslieder. Ich fand, der Film sollte die gleiche Stimmung wie der Song haben.

Ich liebe es, Lieder in meinen Filmen zu verwenden und habe eine besondere Beziehung zu Popsongs, die mich in andere Zeiten versetzen. So habe ich auch alle meine vorherigen Filmen gemacht. Aber hier hatte ich das Gefühl, dass wir noch etwas anderes brauchen, nicht nur Songs, sondern auch einen Original-Soundtrack, der für die Figuren, für bestimmte Situationen geschrieben ist. Ich wollte eine Art eigenes Thema für sie haben.

An dem Punkt kam Hauschka ins Spiel. Wir hatten noch nie zusammengearbeitet und zu Beginn mussten wir uns erst aufeinander einstellen. Aber es war ein toller Prozess. Ich denke, seine Feinfühligkeit war sehr deutlich und passte perfekt zur Stimmung des Films. Das erste, was ich ihm sagte war: habe keine Angst davor sentimental  zu sein – als Teil unseres Flirts mit dem Melodram. Ich wollte keine Musikuntermalung sondern, dass eine Soundlandschaft für die Figuren geschaffen wird. Und das tat er.

Letztendlich zeigt der Film ein sehr breit gefächertes musikalisches Panorama – es gibt Originalstücke von Hauschka, Aline von Christophe, Songs von Suicide, Khaled, Bowie und Michael Meyer. Wie gesagt, es ist nicht aus einem Guss, aber liegt mir sehr am Herzen.

 

 

Karim Ainouz – Biografie

Karim Aïnouzs Spielfilmdebüt Madame Satã feierte seine Premiere 2002 beim Filmfestival in Cannes in der Sparte Un Certain Regard und erhielt mehr als 40 Auszeichnungen auf brasilianischen und internationalen Festivals.

O Céu de Suely (Love for Sale) aus dem Jahr 2006 hatte seine Uraufführung beim Mostra Orizzonti beim Filmfestival in Venedig und gewann über 50 Preise, unter anderem den Grand Coral – den ersten Preis des Havana Film Festival.

2009 führte er zusammen mit Marcelo Gomes Regie bei Viajo Porque Preciso, Volto Porque te Amo ( I travel because I have to, I come back because I love you), der ebenfalls für den Mostra Orizzonti beim Filmfestival in Venedig ausgewählt wurde. Der Film gewann über 20 Preise, darunter Grand Prix Coup de Coeur beim 22. Rencontres Cinémas D’Amérique Latine in Toulouse, Frankreich, sowie die Auszeichnungen “beste Regie” und “beste Kamera” auf dem Rio de Janeiro International Film Festival. Der Film wurde auf mehr als 40 internationalen Festivals präsentiert und startete in Kinos in Brasilien, Mexiko und den USA.

Zwischen 2008 und 2010 entstand unter seiner Regie die Serie Alice, die von HBO Latin America und HBO USA produziert und in Lateinamerika und den USA ausgestrahlt wurde. 2010 drehte er ein Fragment des Gemeinschaftsprojekts Desassossego, welches seine Premiere bei dem International Film Festival Rotterdam feierte.

Sein Spielfilm O abismo prateado (The Silver Cliff) wurde 2011 bei der Quinzaine des Réalisateurs in Cannes uraufgeführt und gewann den Regiepreis beim Rio de Janeiro International Film Festival.
Außerdem führte er Regie bei Sunny Lane, im Auftrag der Sharjah Art Foundation zur 10. Sharjah Bienniale. Im selben Jahr stellte er einen Kurzfilm für die Destricted Collection, Brazilian Edition fertig. Zudem arbeitete er zusammen mit Olafur Eliasson an der Videoinstallation Your empathic city für das Videobrasil Festival.

2012 drehte er Praia do Futuro (Futuro Beach) in Deutschland und Brasilien. Zudem
nahm er als Regisseur an dem Projekt Kathedralen der Kultur teil, einer Dokumentationsreihe in 3D and 2D, die beleuchtet, wie sechs hervorragende und sehr unterschiedliche Gebäude unsere Kultur widerspiegeln.

Aïnouz wurde 2012 zur Jury der Cinefoundation des Cannes Film Festivals und der Short Film Competition und 2013 zur Jury des Heiner-Carow Awards der Berlinale
eingeladen. Zudem war er Jurymitglied bei weiteren Festivals, unter anderem beim Abu Dhabi Film Festival und beim Tokyo Short Shorts Film Festival.

Als Gastlektor war Aïnouz an folgenden Hochschulen tätig: Princeton University – Princeton, Birkbeck College – London, MIT - Program in Art, Culture and Technology – Boston, EICTV – Cuba and SFAI – San Francisco.
 
Karim Aïnouz drehte außerdem verschiedene Dokumentationen und Kurzfilme, wie z.B. O Preso (1992), Seams (1993), Paixão Nacional (1994), Hic habitat Felicitas (1996), Les Ballons des Bairros (Dokumentation für France 3, 1998), und Rifa-me (2000), welcher auf diversen internationalen Festivals gezeigt wurde. Außerdem arbeitet er mit visuellen Künstlern zusammen, die ihre Werke auf der Sao Paulo Bienniale und im Whitney Museum of American Art ausgestellt haben.

Er ist außerdem Co-Autor der Filme Behind the Sun von Walter Salles, Cinema, Aspirins and Vultures von Marcelo Gomes und Lower City von Sergio Machado.

Aïnouz hat ein Studium in Architektur an der Universität Brasília und seinen Master in
Filmwissenschaft an der University of New York abgeschlossen. Nach seinem Master nahm er am Program of Independent Studies am Whitney Museum of American Art teil. 2004 erhielt er ein Stipendium für das Berliner Künstler Programm des DAAD.

Aïnouz lebt in São Paulo und Berlin.

 

 

HAUPTDARSTELLER

Biografie – Clemens Schick

Clemens Schick wurde 1972 in Tübingen geboren. Er studierte Schauspiel an der Berliner Schauspielschule und hat bereits in zahlreichen, erfolgreichen Filmen und
Theaterstücken mitgespielt.

Ausgewählte Filmographie:

  • 2011
    THE CHILD, Zsolt Bács
    HAPLES HEART BERLIN, Alexandra Billington
    SCHATZRITTER, Laura Schröder
    HOTEL DESIRE, Sergej Moya
  • 2010
    LARGO WINCH 2, Jérôme Salle
    DUNKEL, Alex Schmidt
  • 2009
    TRANSIT, Philipp Leinemann
    CINDY LIEBT MICH NICHT, Hannah Schweier
  • 2008
    JEDEM DAS SEINE, Stefan Schaller
  • 2006
    JAMES BOND - CASINO ROYALE, Martin Campbell
  • 2005
    AUF DEM WEG, Finn-Ole Heinrich
  • 2000
    DUELL - ENEMY AT THE GATES, Jean-Jacques Annaud

 

 

Biografie Wagner Moura

Wagner Moura, 1976 geboren in Brasilien. Einer der meist gefeierten Schauspieler Brasiliens, erlangte internationalen Ruhm für seine Darstellung des Captain Roberto Nascimento in dem international erfolgreichen Film "The Elite Squad“ [Gewinner des Golden Bären für besten Film auf der Berlinale 2008] sowie für dessen Fortsetzung "The Elite Squad 2".

Ausgewählte Filmographie:

  • 2011
    VIPS, Toniko Mello
  • 2010
    THE ELITE SQUAD 2 (TROPA DE ELITE 2), José Padilha
  • 2008
    ROMANCE, Guel Arraes
  • 2007
    THE ELITE SQUAD (TROPA DE ELITE), José Padilha
    SANEAMENTO BÁSICO, Jorgen Furtado
  • 2005
    A MÁQUINA, João Falcão
    LOWER CITY (CIDADE BAIXA), Sérgio Machado
  • 2004
    CAMINHO DAS NUVENS, Vicente Amorim
  • 2003
    CARANDIRU, Hector Babenco
  • DEUS É BRASILEIRO, Carlos Diegues

 

 

Biografie Jesuíta Barbosa

Jesuíta Barbosa wurde 1991 in Brasilien geboren. Ein talentierter Newcomer, der jahrelang in diversen Theaterstücken spielte und sein Spielfilmdebüt in einer Hauptrolle in Hilton Lacerdas "Tatuagem" gegeben hat. "Praia do Futuro" ist sein zweiter Film.