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Ein Film von Christiane Büchner 51. Internationales Leipziger Festival
STAB Buch und Regie: Christiane Büchner Kamera: Irina Uralskaja, Anatoli Petriga Ton : Alexej Antonov, Sergej Loginov Montage: Gesa Marten Dramaturgie: Herbert Schwarze Produktionsleitung: Vladimir Chaunin Animation: Jordi Moragues Grafik und Bildbearbeitung: Edwin Bartnik | zone4 GmbH Köln Titelgrafik: Arne Thaysen | Goldhafen Farbkorrektur: Stefan Engelkamp | Concept AV Sounddesign: Jan Petzold | Torus GmbH Köln Mischung: Falk Möller | Torus GmbH Köln Musik: Dietmar Bonnen und Andreas Schilling Chor : Les Saxosythes Puppen : Ludmilla Markovitsch Schnittassistenz: Irina Papakhova Produktionsassistenz: Sofia Pletzer, Natalja Vachonina Übersetzung: Alexander Mirimov Redaktion: Jutta Krug, WDR, Beate Schönfeldt, MDR Produzent: Tobias Büchner, Büchner Filmproduktion In Koproduktion mit WDR und MDR Gefördert von der Filmstiftung NRW, dem BKM und dem Gerd Ruge Stipendium
Mit Natalja Narbut, Rimma Sacharova, Valeri Jaroschenja, Irina Jaroschenja, Maxim Bannikov, Tatjana Lysikova, Vadim Petropavlovski, Marina Petrova, Igor Petrov, Irina Rekut, Nadeschda Dronova, Vitali Andrejev
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Ein Film von Christiane Büchner In dieser Wohnung hat jedes Zimmer einen anderen Besitzer.
Kinostart: 19. Februar 2009
Trailer
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KURZTEXT ![]() Eine Wohnung, 4 Zimmer, 4 verschiedene Wohnparteien, die niemals das Zimmer der anderen betreten. Der von Gorbatschow geprägte Begriff PERESTROIKA für die Modernisierung der Gesellschaft steht hier für die Generalsanierung einer ehemaligen sowjetischen Kommunalwohnung, einer „Kommunalka“ in St.Petersburg. Nach dem Ende des Sozialismus schenkte der Staat den Bewohnern ihre Zimmer. Nun soll eine solche Kommunalka im Zentrum der Stadt entmietet, verkauft und umgebaut werden. ![]() Eine Bewohnerin beschreibt die Ausgangssituation: „Eine Gemeinschaftswohnung ist so etwas wie ein Wohnheim. Man treibt verschiedene Familien in eine Wohnung, die dann miteinander leben müssen.“ Alle vier Besitzer müssen dem Verkauf gleichzeitig zustimmen und gleichzeitig ausziehen. Sie brauchen zusammen einen Käufer, denn nur mit dessen Geld können die Eigentümer neue Zimmer in anderen Wohnungen erwerben. Alle wollen sich verbessern und haben besondere Wünsche. ![]() Eine nicht leicht zu bewältigende Aufgabe für die beiden Maklerinnen, die mit Verhandlungsgeschick und trickreichen Strategien arbeiten müssen. Nach mehreren Monaten finden schließlich alle ihren Vorstellungen entsprechenden, neuen Wohnraum. Aber die Sterne stehen schlecht am Tag des Verkaufs, wie eine Bewohnerin am Morgen anmerkt und es kommt zum großen Finale von allen Beteiligten in der Immobilienbank. Ein Crashkurs in Kapitalismus in der russischen Variante.
PRODUKTIONSNOTIZEN ![]() von Christiane Büchner Die Idee zu diesem Film entstand aus einer einfachen Frage, auf die ich von meinen russischen Freunden stets eine komplizierte Antwort bekommen hatte: Wie ist es euch gelungen das Zimmer, in dem ihr aufgewachsen seid, in diese Eigentumswohnung zu verwandeln? Tatsächlich ist dieser Vorgang in Russland ein Massenphänomen - genannt die Wohnungsfrage. In ihm zeigen sich sehr genau die Mechanismen, die den Umbau der russischen Gesellschaft seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vorantreiben. Denn in den Zimmern einer Gemeinschaftswohnung (Kommunalka) lebt der Sozialismus bis heute Tür an Tür mit einem freien Markt. Hier greifen Sowjet- und Häuslebauer-Mentalität nahtlos ineinander. Ich hatte daher die Idee den Verkauf einer Kommunalka exemplarisch vom Beginn der Verkaufsbemühungen ihrer Zimmerbesitzer bis hin zum Umbau der Wohnung durch den neuen Eigentümer zu begleiten. Umbau heißt auf Russisch Perestroika. ![]() Die Suche nach einer geeigneten Wohnung führte mich in viele der etwa 400 Immobilienagenturen in St Petersburg. Es ist schwer zu schätzen wie viele Makler in der Stadt arbeiten, denn fast jeder, der seine eigenen Wohnungsprobleme lösen konnte, hat sich in diesem Geschäft schon versucht. Mehrere zehntausend dürften es sicher sein, aber nur wenige trauten sich zu, bei einem derart heiklen Geschäft noch ein Filmteam dabei zu haben. Nach einem ausführlichen Casting entschied ich mich für drei sehr erfahrene Makler, die ich mir alle gut als Protagonisten in meinem Film vorstellen konnte. Darunter auch die rothaarige Natascha. Alle drei sollten parallel nach passenden Wohnungen suchen. Die Wohnung durfte nicht zu groß sein, damit sie sich relativ problemlos verkaufen ließe; die Bewohner mussten nicht nur alle einverstanden sein, sie mussten auch spannende Protagonisten abgeben. Ich brauchte sehr viel Glück und einer der drei Makler sollte mir diese Wohnung finden! ![]() Genau in dieser Phase änderte sich leider die Situation auf dem Petersburger Immobilienmarkt dramatisch. Käufer aus Moskau hatten den vergleichsweise preiswerten Markt entdeckt und alles aufgekauft, was schnell zu haben war. Innerhalb weniger Monate verdoppelten sich die Immobilienpreise! Der langwierige Verkauf von Gemeinschaftswohnungen wurde dadurch praktisch unmöglich. Zähe, lange Wochen suchten alle drei Makler nach einer passenden Wohnung. Nach zwei Monaten wurde Natascha endlich fündig und so zu einer der Hauptfiguren des Films. ![]() So wie im Film die beiden Maklerinnen traf auch ich die Bewohner der Wohnung zum ersten Mal in ihrer bunten Gemeinschaftsküche. Mir gefielen sowohl die Wohnung, als auch die Bewohner, die nach und nach in die Küche kamen. Zunächst schien alles nicht so schwierig, denn sie fühlten sich geschmeichelt und fanden meine Idee interessant. Auch dass ich selbst einige Zeit in einer Kommunalka gewohnt hatte, machte mich vertrauenswürdig. Aber schon nach der ersten Drehwoche wurden wir natürlich zunehmend lästig. Vor allem die Familie Jaroschenja weitete ihre Intrigen schnell auch auf uns aus und witterte hinter dem Filmteam sowohl eine Gefahr für ihre Interessen, als auch einen weiteren Goldesel, den sie unbedingt ausnehmen wollten. Da die Nachbarn sich untereinander nicht mochten, war es schwer Drehtage zu planen. Die einzige, die immer froh war uns zu sehen, war die ungeliebte Mieterin Marina. Erst in der Bank, als der Verkauf beinahe an dem Klecks in Vadims Pass gescheitert wäre, drehte sich die Stimmung wieder. Nun waren uns alle dankbar, dass wir mit unserer Kamera die Bank vermutlich dazu genötigt hatten, den Verkauf doch noch über die Bühne zu bringen. Kommunalkas wird es in St. Petersburg noch lange geben. Nach wie vor leben etwa 700.000 Menschen in solchen Wohnungen. Aber nach eineinhalb Jahrzehnten Immobilienmarkt, sind die attraktivsten Objekte schon verkauft. Zuerst die riesigen Adelswohnungen mit Ausblick auf die Newa oder den Winterpalast. Danach konnten sich alle, die zu Sowjetzeiten ein feuchtes Zimmer in einer Parterrewohnung zugeteilt bekommen hatten freuen, denn es wurde massenhaft Ladenfläche gesucht. Übrig geblieben sind Wohnungen, für die der Markt sich nicht interessiert. Oder würden Sie eine Wohnung kaufen wollen, die 57 Eigentümer hat? Erst seit 2008 gibt es ein städtisches Programm, das helfen soll auch solche Wohnungen zu verkaufen. In den vergangenen Monaten wurden die Karten auf dem Petersburger Immobilienmarkt wieder neu gemischt. Die Bank KIT Finanz, in der der Verkauf unserer Wohnung abgewickelt worden war, gehörte zu den ersten Pleiteopfern der Finanzkrise in Russland. Sie wurde noch vor der Uraufführung des Films für 100 Rubel notverkauft. Die Menschen, die ich monatelang mit der Kamera begleitet habe, sind alle noch nicht an ihrem eigentlichen Ziel angekommen. Sie werden weiter um ihr Zuhause kämpfen müssen. Finanzkrise hin oder her.
DIE PROTAGONISTEN Valera wohnt mit seiner Familie am längsten in der Wohnung. Ein Vorsprung, den er zu nutzen weiß: Die gemeinsame Telefonleitung führt in sein Zimmer und wenn jemand an der Haustür läutet, dann klingelt es bei Ihnen. Früher kämpfte Valera in Tschetschenien, heute um jeden Quadratmeter Platz für sich und seine Familie. Dass sich die Jaroschenjas von der Maklerin an allen anderen vorbei 10.000 Dollar extra erpressen, ist nur eine der letzten von vielen nachbarschaftlichen Intrigen. Ira Rekut besitzt das größte Zimmer in der Wohnung, und weil sie es an die Familie von Marina vermietet macht sie auf dem Rücken der anderen auch noch Geld damit! Das schürt den Neid der Nachbarn. Eine kurze Zeit hat sie das Zimmer selbst bewohnt, aber als der Streit zwischen ihrem Freund und Valera bis zur Schlägerei eskalierte zog sie aus. Sie ist es, die ihr Zimmer verkaufen will und damit den Verkauf der ganzen Wohnung lostritt. Dass sie als Mieter hier nicht willkommen sind, bekommt die junge Marina täglich zu spüren: Sie darf nicht rauchen, wo Valera dies tut, soll putzen, wo die anderen nie sauber machen, und den kleine Igor hält sie den ganzen Tag im Zimmer, damit er niemanden stört. Dort wächst er ihr langsam über den Kopf. Mit 16 ist sie Mutter geworden und wartet nun sehnsüchtig darauf, dass Igor endlich in die Schule kommt. Direkt neben der Eingangstür wohnt Tatjana. Sie hat keine Familie und sehnt sich auch nicht danach. Das einzige gerahmte Foto in ihrem Zimmer ist eine Postkarte, die Präsident Putin beim Töpfern zeigt. Manchmal verlässt sie tagelang ihr Zimmer nicht. Sogar Kochen und Wäsche waschen kann sie dort. Indem sie die gemeinsame Küche nicht nutzt, geht sie vielen Konflikten aus dem Weg. Mit Feng Shui schafft sie sich in ihrem Zimmer ein eigenes Klima. Als Maklerin ist sie kein großes Licht. Ihre Agentur setzt sie vor allem für Bürodienste ein. Vadim hat sein Zimmer von seinem Vater geerbt, aber wohnen will er darin nicht. Auch mit Mitte dreißig lebt er noch bei seiner Mutter und dort Ausziehen kommt für ihn nicht in Frage. Nur Frauen mag er nicht mit nach Hause bringen. Das ist ihm peinlich. Deshalb wünscht er sich im Tausch ein Zimmer mit viel Platz für ein neues großes Bett – aber ganz in der Nähe von Mama. Natascha arbeitet seit 15 Jahren als Maklerin. Wie die meisten ist sie an diesen Beruf geraten, weil sie selbst keine Wohnung hatte. Für sie hätte das bedeutet, dass sie nach ihrem Studium in ihre Heimat Ukraine hätte zurückkehren müssen. Heute gehört sie zum „Gold-Team“ ihrer Agentur Advex und damit zu den besten Maklern der Stadt. Eigentlich würde sie jetzt gerne etwas kürzer treten und wünscht sich eine Familie. Rimma wohnt selbst in einer Kommunalwohnung und kennt deshalb alle Konflikte aus ihrem eigenen Zuhause. Bei der Arbeit trägt sie immer schwarze Kleidung, um sich allen Klienten gegenüber möglichst neutral zu zeigen. Zuhause liebt sie leuchtende Farben und gräbt am liebsten in der Blumenerde ihrer vielen Pflanzen.
ÜBER DIE REGISSEURIN CHRISTIANE BÜCHNER
FILMOGRAFIE
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