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CREDITS

Drehbuch & Regie PETER KRÜGER

Text BEN OKRI

 

Erzähler MICHAEL LONSDALE

Afrikanische Frau WENDYAM SAWADOGO

Musiker VIEUX FARKA TOURÉ

Narr HAMADOUN KASSOGUE

 

Kameramann RIMVYDAS LEIPUS

Schnitt NICO LEUNEN

Musik WALTER HUS

Gesang FATOUMATA DIAWARA

Steadicam JULES DEBROCK

Sound LUDO VAN PACHTERBEKE
BENOIT BRUWIER

Kameraassistent OLIVIER MARTIN

Grip VERONI LONDERS
THIERRY KAFANDO

Sounddesign & Mix DIEUWERT VANDEKERCKHOVE
ALEX BOOY

Co-Produzenten HUYBERT BOON
DANIEL DE VALCK / COBRA FILMS
MEIKE MARTENS / BLINKER FILMPRODUKTION

Redaktionsleitung ZDF/Arte JOS & WINK DE PUTTER /DIEPTESCHERPTE

Line Producers GUY & WILFRIED VAN BAELEN / MOLLYWOOD
Martin Pieper
WIM STEEMAN
VINCENT ‘t SAS

Farbkorrektur PHILIP ALBERT SCHROOTEN

Grafik Design JULES DEBROCK
VEERLE ZEELMAEKERS
AMIRA DAOUDI

Laufzeit: 102 min
Format: DCP
Seitenverhältnis: 16:9
Sprache: Französisch mit deutschen Untertiteln


N
– Der Wahn der Vernunft

Ein Film von Peter Krüger

Kinostart: 26. März 2015

Trailer

Stadt  Kino  Termin  Info   
Berlin  Brotfabrik  ab 05.04.2015     
Berlin  Hackesche Hfe  ab 26.03.2015     
Berlin  Ladenkino  ab 26.03.2015     
Dortmund  SweetSixteen  ab 26.03.2015     
Dsseldorf  Filmmuseum  02.05., 13.05., 15.05.2015     
Erlenbach  Kinopassage  27.04. - 29.04.2015     
Frankfurt  Mal Seh'n  ab 02.04.2015     
Frth  Babylon  ab 02.04.2015     
Hannover  Knstlerhaus  02.04. - 08.04.2015     
Jena  Caf Wagner  25.03.2015  Preview   
Kln  Filmpalette  24.03.2015  Premiere mit Regie   
Kln  Filmpalette  ab 26.03.2015     
Mainz  Cinemayence  ab 26.03.2015     
Mnchen  Monopol  25.03.2015  Premiere mit Regie   
Mnchen  Monopol  ab 26.03.2015     
Mnchen  Werkstattkino  28.03. + 29.03.2015     
Ochsenfurt  Casablanca  05.05. + 05.06.2015     

Kurzinhalt

Ein belgischer Enzyklopädist versucht sein Lebenswerk aus dem Tod heraus zu beenden. Zwischen Traum und Realität schwebend, spielt dieser magische Film mit der Konfrontation der westlichen Vernunft und der afrikanischen Spiritualität.

 

 

Synopsis

N - DER WAHN DER VERNUNFT erzählt die Geschichte des Franzosen Raymond Borremans, der Ende der 1920er Jahre von Europa nach Afrika auswanderte. Dort arbeitete er an der ersten Enzyklopädie dieses ihm fremden Kontinents, in dem Bestreben, auch über seinen Tod hinaus Anerkennung zu erfahren. Als er starb, war er jedoch erst beim Buchstaben N angelangt.

Nun irrt Borremans' rastloser Geist durch Westafrika, gefangen zwischen Leben und Tod, Vergangenheit und Gegenwart. In wessen Traum ist er gelandet? Warum ist er unter die Lebenden zurückgekehrt? Eine afrikanische Frau, die getriebenen Seelen beisteht, versucht ihn seinem Schicksal entgegenzuführen.

Mit dem Bürgerkrieg in Côte d'Ivoire konfrontiert, ist Borremans von der Entwicklung des Landes bitter enttäuscht. Sein enzyklopädischer Verstand - der die Dinge eingrenzen, definieren und kategorisieren will - tut sich schwer mit den Unwägbarkeiten der Realität. Doch Borremans' Geist sehnt sich danach, sein Lebenswerk zu vollenden...

N ist ein beeindruckender Film, eine audiovisuelle Sinfonie von großer narrativer Komplexität, die den Wahn der Vernunft lebendig werden lässt, der Borremans' Projekt zugrunde liegt. In einer Mischung aus Dokumentation und Fiktion prallen europäische Wertvorstellungen und afrikanische Spiritualität aufeinander.

 

 

Raymond Borremans

N - DER WAHN DER VERNUNFT ist inspiriert vom Leben des Franzosen Raymond Borremans, der als junger Mann Europa den Rücken kehrte, um Afrika zu bereisen. Borremans’ Lebensgeschichte ist ebenso faszinierend wie geheimnisvoll. Am 1. Januar 1929, im Alter von 23 Jahren, trieb ihn eine unglückliche Liebe zu einem radikalen Schritt: Er verließ das kalte Europa und brach auf in eine andere, weitaus weniger zivilisierte Welt. Zu Beginn seiner fünfzig Jahre dauernden Reise spielte Borremans als Ein-Mann-Orchester für europäische Siedler, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Später betrieb er ein mobiles Kino und war einer der Ersten, der der afrikanischen Bevölkerung die Magie der bewegten Bilder nahebrachte. Diese Arbeit ermöglichte es ihm, seine Wanderschaft durch Afrika fortzusetzen, bis sich 1974 das Fernsehen auf dem Kontinent etablierte und sein Kino überflüssig machte. Auf diesen langen, einsamen Reisen durch Westafrika entstand die Idee für seine wunderbare Enzyklopädie. Borremans begann sämtliche Dokumente zu sammeln, die er finden konnte, mit dem Ziel, das Wesen Afrikas unter 26 Buchstaben zusammenzufassen.

Borremans’ ehrgeiziges Projekt spiegelt den Geist der Moderne in seiner extremsten Form. Sein enzyklopädischer Ansatz ist ein Sinnbild der europäischen Aufklärung, der Ansatz eines Verstands, für den es nichts Wichtigeres gibt als die Welt in objektiver Weise zu benennen, zu beschreiben und zu ordnen. Die vier veröffentlichten Bände seines Nachschlagewerks sind wesentlich mehr als eine reine Enzyklopädie: Sie sind Borremans’ Leben. Die
Arbeit daran war sein Weg, die Erfahrungen, die er mit dieser fremden Welt machte, in eine nachvollziehbare Form
zu bringen.

Die Frage ist: Wodurch wurde sein Charakter geprägt? Was treibt einen Menschen dazu, mit einem derart obsessiven Blick ein Land und eine Kultur zu durchforsten? Welche Zweifel oder Ängste verbergen sich hinter diesem Drang zu klassifizieren? Steht diese Herangehensweise an die Welt nicht im Gegensatz zu der Wirklichkeit, die wir sehen, fühlen und erfahren?

Als Raymond Borremans mehr als ein halbes Jahrhundert nach seiner Ankunft in Afrika in Côte d‘Ivoire starb, lag seine Enzyklopädie lediglich bis zum Buchstaben N in Buchform vor. Kurz nach Borremans’ Tod kam es zu einem merkwürdigen Vorfall: Eine Frau belegte ihn mit einem Fluch. Sie stand auf seinem Grab und rief: „Weil du nie Dankbarkeit gezeigt hast, wird deine Seele keine Ruhe finden!“. Von diesem biografischen Ereignis aus entspinnt sich der narrative Faden des Films. Dazu verdammt, bis in alle Ewigkeit umherzuirren, treibt Borremans’ Seele durch Westafrika und versucht, sich selbst und die aus den Fugen geratene afrikanische welt zu verstehen und sein Lebenswerk schließlich doch noch zu vollenden.

So erklärt sich auch der Titel: Der Film erforscht unter anderem die typische Mentalität des Westens. N - DER WAHN DER VERNUNFT ist der kinematografische Versuch, die komplexe und vielschichtige Beziehung zwischen europäischen und afrikanischen Denk - und Lebensweisen verständlich zu machen.

 

 

Anmerkungen des Regisseurs

Raymond Borremans’ Leben ist ebenso faszinierend wie geheimnisvoll, doch N soll keine Verfilmung seiner Geschichte sein. Meine Absicht als Autor und Regisseur war es nicht etwa, ein Biopic zu drehen; vielmehr wollte ich die Biografie dieses ungewöhnlichen Mannes dazu verwenden, eine bestimmte Mentalität zu entschlüsseln, eine Art zu denken und zu handeln, die typisch ist für westliche Wertvorstellungen.
Der Film kann als audiovisuelle Reise beschrieben werden, als eine Erkundung der komplexen Liebesgeschichte eines Europäers mit dem afrikanischen Kontinent. Vor dem Hintergrund dieser Geschichte erforscht N die Beziehung zwischen den beiden Kulturen und wie diese sich auf deren jeweilige Entwicklung auswirkt. Der Film setzt an bei der Begegnung zwischen Borremans’ unsichtbarem Geist und einer afrikanischen Frau, die die Gabe besitzt, diesen zu sehen und mit
ihm zu sprechen. Borremans fragt sich, ob sie ihm im Traum erscheint oder er ihr. In wessen Geschichte wurde er da hineingezogen? Sein ruheloser Geist nimmt den Zuschauer mit auf eine epische Reise über den afrikanischen Kontinent.
So ist der Film in gewisser Weise auch eine Art lyrischer Reisebericht, der hin und herspringt in Zeit und Raum. Borremans bemüht sich, das, was er sieht, zu deuten. Er gerät in Gegenden, die er nicht kennt, und macht Erfahrungen, die ihn dazu zwingen, seine Vorurteile zu überdenken. Hierin liegt das eigentliche Potenzial von N: Er lässt den Zuschauer dieselben Zweifel und Konflikte durchleben wie der Geist. Ben Okri formuliert es so: „Der Film folgt keinem linearen Erzählstrang. Er ist wie ein Fluss, der sich krümmt und windet.“ Borremans’ Lebenstraum war es, die afrikanische Wirklichkeit objektiv und systematisch zu erfassen; als Geist muss er jedoch eine Welt betreten, die nicht auf Zahlen und Fakten reduziert werden kann. Der Film präsentiert eine subjektive Erfahrung von Realität, die von Fantasien, Träumen, Gefühlen, Geschichten und Poesie durchdrungen ist. So erklärt sich auch der Titel: Der Buchstabe „N“ setzt Borremans’ obsessiver Objektivierung von Mensch und Kultur eine Grenze. Bei „N“ hören die Beschreibungen
auf und nichtkatalogisierte Bilder übernehmen das Feld. An diesem Punkt muss Borremans’ sorgfältig klassifizierte Welt der Vergänglichkeit von Tanz und Musik weichen. Diese Spannung zwischen Wort und Bild, Fiktion und Dokumentation, Reflexion und Erfahrung versuche ich in meinem Film einzufangen; er ist eine Erkundung der realen und gedachten Grenzen zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, dem Greifbaren und dem Flüchtigen.

 

 

Peter Krüger
Drehbuchautor / Regisseur

Peter Krüger ist Drehbuchautor, Regisseur und Produzent. 1970 in Belgien geboren, entdeckte er schon früh seine Leidenschaft für das Kino. Doch statt für die Filmhochschule entschied er sich für ein Philosophie-Studium, das er 1993 abschloss. Obwohl ursprünglich vom Spielfilm inspiriert, begann Krüger zunächst mit Dokumentarfilmprojekten. Er erklärt das so: „Der Dokumentarfilm bot mir den unmittelbaren Ausgangspunkt und die Möglichkeit, das Filmhandwerk über den dokumentarischen Prozess zu erlernen.“
Krügers Entscheidung, die Grenzen zwischen dem Fiktionalen und dem Dokumentarischen auszuloten, fiel 2011 mit seiner ersten langen Doku-Fiction Antwerp Central. Seit 2005 arbeitet Krüger an N – Der Wahn der Vernunft, einer Verschmelzung von Dokumentation und Fiktion, sowie seinem ersten Spielfilm, Continental Drift.

 

 

Ben Okri
Schriftsteller

Ben Okri wurde 1959 in Minna, Nigeria, geboren. Zu seinen Veröffentlichungen zählen neun Romane – darunter Die hungrige Straße und Starbook – sowie etliche Gedichtbände, Essays und Kurzgeschichten. Für Die hungrige Straße erhielt er 1991 den Booker Prize for Fiction. Aus seiner Feder stammen mehrere Theaterstücke und ein Drehbuch. Er ist Mitglied der Royal Society of Literature, Inhaber des britischen Verdienstordens OBE und zahlreicher internationaler
Literaturpreise. Okri ist Vizepräsident des englischen Zentrums der Internationalen Schriftstellervereinigung P.E.N. und bekam vom Weltwirtschaftsforum den Crystal Award verliehen. Er hält zahlreiche Ehrendoktortitel. Ben Orki wurde als Kind Zeuge des Bürgerkriegs in Nigeria und lebt heute in London. Seine jüngste Gedichtsammlung Wild ist 2012 bei Random House erschienen.