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MANDALA

Ein Film von Christoph Hübner und Gabriele Voss

Deutschland 2012 – 70 Min

Christoph Hübner
Regie / Kamera

Gabriele Voss
Ton / Montage

mit
Lopen Ugyen Dorgji, Lopen Namgay
Wangchuk, Lopen Sonam Tobgay, Lopen
Phurba, Lopen Jamyang, Lopen Gembo Dorgji

Dank an
Willy Decker, Tatjana Heiniger
Anna Winkler, Miriam Czepluch
Peter Schwarz, Gregor Verhufen,
Michael von Brück

und das Team der
Ruhrtriennale

Christoph Hübner Filmproduktion
© 2012

 


MANDALA

Ein Film von Christoph Hübner und Gabriele Voss

 


Trailer

Stadt  Kino  Termin  Info   
Berlin  Bali  am 25.04. - 01.05.2013     
Bochum  Casablanca  am 13.01.2013  Premiere mit Filmemachern   
Bochum  Casablanca  ab 17.01.2013     
Dortmund  Sweetsixteen  am 08.02.2013     
Duisburg  Filmforum  am 06.02.2013  Stranger Than Fiction   
Dsseldorf  Metropol  am 02.02. + 03.02.2013  Stranger Than Fiction   
Dsseldorf  Metropol  ab 07.02.2013     
Erlangen  Manhatten  ab 24.02.2013     
Gttingen  Lumiere  am 25.04. - 01.05.2013     
Hamburg  3001  am 12.04.2013  Dokumentarfilmwoche   
Kiel  Kommunales Kino  am 28.03. - 31.03.2013     
Kln  Filmforum  am 26.01.2013  Stranger Than Fiction   
Ludwigsburg  Caligari  am 21.04.2013     
Lneburg  Scala  am 28.03.2013     
Mannheim  Cinema Quadrat  ab 27.05.2013     
Oberhausen  Walzenlager  am 25.04. - 30.04.2013   
Recklinghausen  Cineworld  am 15.03. - 17.03.2013   

 

Eine Industriehalle im Ruhrgebiet
sechs Mönche aus Bhutan
farbiger Steinstaub aus dem Himalaya
mehr als 1000 Jahre alte Texte
Bilder von Gottheiten,
Palästen, Gärten und Geistern
ein Chakrasamvara Sandmandala,
fünf mal fünf Meter
ein Fußballspiel
ein Gewitterregen
zehn Tage Arbeit
zehn Minuten Zerstörung
ein Industriefluss bei Nacht

 

Werden und Vergehen

Der Film MANDALA von Christoph Hübner und Gabriele Voss zeigt in großer Ruhe und Eindringlichkeit die Entstehung und Zerstörung des bisher weltgrößten Sandmandalas in der Bochumer Jahrhunderthalle zur Ruhrtriennale 2011. Traditionell werden Sandmandalas zu bestimmten rituellen Anlässen in Klöstern gestreut und sind der Öffentlichkeit kaum zugänglich.

"Christoph Hübners Kamera lenkt den Blick des Zuschauers auf subtile Weise in die Tiefe  und etabliert eine Art und Weise des Sehens wie ich sie sonst nur aus der Meditation kenne. Dieser meditierende Blick ist ganz und gar fokussiert und dennoch vollkommen entspannt, er ist hoch konzentriert ohne zu fixieren oder selbst fixiert zu sein, er enthält sich jeder Manipulation und jeglichen Kommentars und ist dennoch oder gerade deshalb ein zutiefst teilnahmsvoller Blick. Er bleibt so nah am Geschehen des "Mandala", vertieft sich und seine Kamera so tief in dieses Abbild von "Werden und Vergehen", daß er schließlich vom Betrachter zum Teilnehmer, vom Zeugen zum Protagonisten wird. Sein Blick bleibt im allerbesten Sinne dokumentarisch und ist doch, und das ist das Entscheidende, ein zutiefst inspirierter Blick, durchtränkt vom Verstehen der geistigen Essenz der "Mandala"-Praxis. Im Buddhismus gibt es das wunderbare Bild vom "leeren Spiegel", der die Dinge und Phänomene unverändert und unkommentiert in sich aufnimmt, der ihnen den Raum gibt, in ihrer reinen Form einfach sie selbst sein zu können. Christoph Hübners Kamera ist ein solcher Spiegel und der "Mandala"-Film der Beweis, daß ein wirklich guter Dokumentar-Film im Grunde immer auch ein Kunstwerk ist.“

Willy Decker (Intendant RuhrTriennale 2009-2011)

 

VOM ATEMHOLEN DES FILMS

Gabriele Voss und Christoph Hübner im Gespräch über ihren Film »Mandala«.

MICHAEL GIRKE: Kann man sagen, bei „Mandala“ handelt es sich um eine rasch ergriffene Gelegenheit, um einen gleichsam in der Nachbarschaft gefundnen Film?

CHRISTOPH HÜBNER: Filme entstehen oft aus einem bestimmten persönlichen Interesse, dafür ist nicht unbedingt entscheidend, ob ein Geschehen in der Nachbarschaft oder weiter weg stattfindet. Seit einigen Jahren gibt es eine außerordentliche Einrichtung im Ruhrgebiet, die Ruhrtriennale. Die Veranstaltungen finden in ehemaligen Industriehallen statt. Willy Decker, der Intendant von 2009 bis 2011, wünschte sich als Abschluss seines letzten Jahres die Streuung und Zerstörung eines Sandmandalas. Als er davon erzählte, faszinierten mich zwei Dinge: Die Gleichzeitigkeit von Entstehen und Zerstören; und dass der Sand, der vom Mandala übrig bleibt, am Ende in die Emscher gestreut werden sollte. Wir arbeiten seit Jahren an einem Filmzyklus über diesen Fluss.

MG: Man sieht in dem Film eine Art Zusammenprall. Buddhistische Mönche, Vertreter einer uralten Kultur, bewegen sich an den Schauplätzen der neuesten Moderne. Ist das Wort Aufprall angebracht?

GABRIELE VOSS: Bei dem Wort Aufprall entsteht bei mir die Vorstellung einer Explosion. Diese Vorstellung habe ich bei dem Film eigentlich nicht. Als wir ihn einmal vorführten, sagte hinterher eine Zuschauerin, sie gehe fremd mit den Mönchen in einer Umgebung, die ihr an sich vertraut sei; am Ende des Films seien ihr die Mönche vertraut, die Umgebung aber fremd. Die Fremdheit, die wir empfinden beim Schauen, wandelt sich.  Sie verschwindet nicht, sondern verlagert sich.

MG: Bei oberflächlicher Betrachtung mag sich der Eindruck ergeben: In „Mandala“ geschehe kaum etwas. Ich hingegen finde enorm, dass sich die Ruhe und Konzentration der arbeitenden Mönche auf den Betrachter überträgt. Ich werde sehr gespannt, da allerkleinste Nuancen im Film als Hauptsachen erscheinen.

CH: Es geht darum, die vermeintlichen Nebensachen wahrzunehmen, sie zuzulassen, ihnen einen Platz zu geben. Dafür ist die große Leinwand geeigneter als z.B. das Fernsehen. Und ich erlebe, wenn ein Publikum solche Filme im Kino sieht, schärfen sich dessen Sinne. Gehe ich in einen Film, der mich mit Effekten bombardiert, bin ich unzufrieden. Wenn ich mir hingegen selbst meine Gänge und Höhlen schaffen kann, ist das auch eine Form von Spannung.

GV: In unserer Kultur wird ja stets das Drama hervorgehoben. Doch der kontinuierliche Fluss des Lebens, auch jegliches Wachstum, besteht eigentlich aus lauter vermeintlich kleinen Momenten. Bis eine Pflanze blüht, braucht es Zeit und alltägliche Zuwendung. Und genau dies wird oft ausgeblendet. Ob die buddhistischen Mönche eine Tiergestalt oder auch nur eine Farbfläche streuen, alles hat die gleiche Wertigkeit.

MG: Die ersten vernehmbaren Worte fallen in Minute acht. Hättet Ihr ein Problem, wenn man sagte, von all Euren Filmen sei „Mandala“ derjenige, der dem Stummfilm am nächsten kommt?

GV: Ich hätte nichts dagegen. Das hat mit dem Thema Fremdheit zu tun. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass man über etwas nicht allzu viel weiß und nur auf das Sehen angewiesen ist. Man kann vieles sehen, aber wiederum nicht alles, die Betrachtung hebt die Fremdheit nicht vollkommen auf. Damit der Betrachter in diese Erfahrung der Fremdheit eintreten kann, wird in „Mandala“ mit Informationen und Erklärungen äußerst zurückhaltend verfahren.

CH: Den Vergleich mit dem Stummfilm empfinde ich als etwas Angemessenes und Schönes. Aber eben nicht in dem Sinne, dass einfach nur etwas gezeigt wird, sondern dass man etwas erfährt. Man erfährt die Arbeit des Streuens und die ungeheure Präzision der Mönche. Alles Entscheidende ist in dem, was man sieht.      

MG: Euer Film ist stark gearbeitet, hat entschieden einen Rhythmus. Wie entscheidet sich, wie lang die einzelnen Einstellungen sind?

GV: Ich sehe mir längere Filmpassagen an, so bekomme ich ein Gefühl für den Atem, den sie haben. Solche Arbeit ist alles andere als eine reine Kopfsache, sie hat letztendlich mit Atem, mit Rhythmus, den wir in unseren Körpern haben, zu tun. Im Film sieht man z.B. wie die Mönche aufräumen. Sieht man sich diese Filmszene in ihrer ganzen Länge an, entdeckt man, wie beim Aufräumen neue Formen entstehen.

MG: Auf einem der Extras auf der DVD sagt Willy Decker, der damalige Intendant der Ruhrtriennale, gerade als Künstler sei man von der Arbeit der Mönche fasziniert. Trifft dies auch Eure Haltung?

CH: Es gibt im Englischen das Wort dedicated. Demgegenüber ist die deutsche Bezeichnung „hingebungsvoll“ zu schwach. Jedenfalls: „dedicated“, das sind die Mönche. An einer anderen Stelle sagt Willy Decker, die Mönche würden selbst zum Streuen. Das ist etwas, was auch bei der künstlerischen Arbeit, wenn sie gut ist, passiert. Das ist dann ein Geschenk. Man wird zu der Sache, an der man arbeitet, ist mit allen Sinnen beteiligt. Selbst wenn es Arbeit ist, hat es was Beglückendes.

MG: Haben die religiösen Aspekte des Mandalas und der Arbeit daran für Eure Faszination eine Relevanz.

GV: Die Arbeit am Mandala ist spirituell. Und das ist für mich durchaus relevant. Ich glaube, die Momente, die einen besonders ansprechen, findet man auch in anderen Religionen. Das Spannende ist, dass es eben nicht allein um das Buddhistische geht.

CH: Dieser Film, darauf lege ich Wert, ist nicht ideologisch, trägt also keine Botschaft vor sich her. Er bewahrt Fremdheit als ein zentrales Element, ebenso auch Brüche. Die ganze Umgebung, die Industrie, der Kulturbetrieb – das ist ja alles andere als heimelig, gemütlich oder klösterlich. Und dann wieder empfinde ich beim Buddhismus als sehr angenehm, dass er mir nichts aufdrängt, wenig Vereinnahmendes hat, offen ist.           

MG: Und dann geschieht Unfassbares. Am Ende wird das mühevoll geschaffene Mandala von den Mönchen selbst zerstört. Was hat es damit auf sich?

CH: Dies war wirklich etwas Besonderes. Von unserer Denktradition weit entfernt. Hier will man, dass die Dinge bleiben, und dass die Mühe, die man sich gegeben hat, auch bemerkt wird. Und dann kommen die Mönche, geben sich Mühe – es ist ein unglaublicher Aufwand, so ein Mandala vorzubereiten und es fertig zu stellen – und sie kehren ihr Werk hinterher zu einem Haufen Staub zusammen. Ich empfinde diesen Zerstörungsakt, der die Vergänglichkeit allen irdischen Tuns symbolisiert, als ein memento-mori, als etwas, das man unbedingt zeigen muss.

MG: Euer Film scheint dem Mandala zu widersprechen. Schließlich hält er das fest, was die Mönche zerstören, bewahrt es auf.   

GV: Der Film zeigt das Mandala im Prozess von Werden und Vergehen. Wenn der Film zu Ende ist, gibt es auch das Mandala nicht mehr. Man kann es nicht haben, nicht ergreifen in dem Sinne, dass man es mitnehmen, besitzen und irgendwo hinhängen könnte.