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CREDITS

KIPPENBERGER –DER FILM
Deutschland / Österreich 2005, 75 min.

Mit Diedrich Diederichsen, Kasper König, Christoph Schlingensief,
Michel Würthle, Gisela Capitain, Elfie Semotan, Familie Grässlin u.a.

Buch & Regie: Jörg Kobel
Schnitt: Babette Rosenbaum
Kamera: Ralf M. Mendle, Vita Spieß
Musik: Dürbeck & Dohmen
Produktion: Barbarossafilm Köln (www.barbarossafilm.de - info@barbarossafilm.de)
Verleih: REAL FICTION Filmverleih (www.realfictionfilme.de - info@realfictionfilme.de)

 

JÖRG KOBEL
geboren 1966 in Fulda

Regiestudium Kunsthochschule für Medien Köln
Diplom Designer, Hochschule für Gestaltung Offenbach

Absolvent "International Producing"
IFS Internationale Filmschule Köln
Eurodoc Absolvent 2002-2003
Hessischer Filmpreis 2005


KIPPENBERGER – DER FILM

Ein Film von Jörg Kobel

Kinostart: 15. Juni 2006

Kinopremiere Sonntag, 11. Juni, 17.30 Uhr, Black Box , Düsseldorf

Der Film startet parallel zur Ausstellung "Martin Kippenberger"
im K21 Düsseldorf.

Stadt   Kino  Termin  Info   
Bamberg  Lichtspiel  9.11.-12.11.06     
Frankfurt  Mal Sehn  12.10.-22.10.06  15.10. Regisseur, Kamerafrau und Prof. Tobias Rehberger zu Gast   
Kln  Kunsthochschule fr Medien  15.11.06     
Regensburg  Wintergarten  19.06.07     
Stuttgart  Kommunales Kino  8.2.-14.2.07     
Stuttgart  Staatsgalerie  01.03.07     
Triburg  Kronen-Lichtspiele  24.04.07     

 

„Dieses Leben kann nicht die Ausrede für das nächste sein“

 

KURZINHALT

Dieses Leben wollte er nun wirklich nicht als Ausrede für das Nächste benutzen. Der Künstler Martin Kippenberger war ein ständiges Testfallmanöver für seine Umwelt. Seine gute Laune war gefürchtet, er sprach von „Zwangsbeglückung“ und war ein ruheloser Mensch, den nur das Alleinsein schreckte.
In 44 Jahren Lebenszeit hinterließ der 1997 verstorbene Künstler ein Werk, dessen erstaunliches Ausmaß und Bedeutung jetzt in vollem Umfang zu erkennen ist.
Dieser Film geht der Frage nach, wie Kippenberger den „Job“ als Künstler in der Postmoderne bewältige. Von den frühen wilden Jahren in Berlin und den wichtigen 80er Jahren, über seine Exkursionen nach Nord- und Südamerika bis zur Biennale in Venedig 2003, zu der post-mortem ein Lüftungsschacht seiner weltumspannenden U-Bahn „World Metro Net“ im deutschen Pavillon zu sehen war.
Es kommen dabei nicht nur die Familie, sondern auch enge Vertraute und Weggefährten wie Spex-Gründer Diedrich Diederichsen zu Wort, Kollegen, die sich zu seinen Lebzeiten schwer mit ihm taten, wie Ausstellungsmacher Kasper König, aber auch heimliche Bewunderer wie Christoph Schlingensief.

Bislang unveröffentlichtes Material gibt auch einen Blick frei auf den privat recht scheuen Menschen Martin Kippenberger, dessen provozierendes Bild in der Öffentlichkeit immer wieder zu starken Kontroversen führte.

 

MARTIN KIPPENBERGER

geboren 1953 in Dortmund, gestorben am 7.3.1997 in Wien

Martin Kippenberger zählt zu den vielseitigsten und produktivsten deutschen Künstlern der Nachkriegszeit. Mit überschäumender Energie erarbeitet er seit den 1970er Jahren bis zu seinem frühen Tod ein sehr umfangreiches Œuvre, das von Malerei, Grafik und Plastik über Installation und Happening bis hin zu Ausstellungsorganisation und Buchpublikation nahezu alle Möglichkeiten des Kunstschaffens ausschöpft. Dabei geht es ihm um die Hinterfragung von Gesellschaft, Kunstbetrieb und die Auslotung noch verbleibender Möglichkeiten der zeitgenössischen Kunst. In provozierend banalen oder spöttischen Bildfindungen, die bewusst auch Peinlichkeiten akzeptieren, in Nonsenstexten und mit beabsichtigtem Dilettantismus attackiert er die Kunstproduktion.

Martin Kippenberger wächst in einer sehr kunst- und kulturinteressierten Familie auf. Nach einer nicht sehr erfolgreichen Schullaufbahn und einer abgebrochenen Dekorateurlehre beginnt er 1972 das Studium der Freien Malerei an der Hamburger Kunstakademie.
1978 übersiedelt Kippenberger nach Berlin, wo er zusammen mit Gisela Capitain "Kippenbergers Büro" gründet und die Geschäftsführung des Clubs SO 36 übernimmt. Er organisiert Ausstellungen und Konzerte, erwirbt erste Arbeiten von Künstlerkollegen und lernt seinen späteren Galeristen Max Hetzler kennen. 1982 zieht Kippenberger nach Köln.

Im Laufe der 80er Jahre entstehen viele eigene Kunstproduktionen sowie 1986 die erste umfassende Museumsausstellung "Miete Strom Gas" in Darmstadt. Auch entstehen Gemeinschaftsarbeiten mit Albert Oehlen, Werner Büttner und Georg Herold. 1990 tritt Kippenberger eine Gastprofessur an der Städelschule Frankfurt an und unterrichtet 1992 an der Gesamthochschule Kassel. 1992 eröffnet er ein Atelier in St. Georgen im Schwarzwald, 1996 ein weiteres in Jennersdorf/Österreich.

Ein großes Projekt, das ihn neben unzähligen anderen bis zu seinem Tod beschäftigt, ist die Realisierung eines weltumfassenden U-Bahnnetzes, für das er 1993 einen Eingang in Syros (Griechenland), 1995 in Dawson City (Kanada) und 1997 einen dritten auf der Leipziger Messe errichtet, die im gleichen Jahr posthum nach seinen Konzepten durch einen Lüftungsschacht in Münster und einen portablen Eingang auf der Dokumenta X in Kassel ergänzt werden.

Wichtige Ausstellungen

  • „Miete Strom Gas“, Darmstadt (1986)
  • „Peter“ (1987)
  • „Heavy Burschi“ (1989)
  • „The Happy End of Franz Kafka´s Amerika“, Rotterdam (1994)
  • „Respective“, MAMCO Genf (1997)
  • „Der Eiermann und seine Ableger“, Museum Abteiberg Mönchengladbach (1997)
  • „Transportabler U-Bahn Eingang“, documenta X Kassel (1997)
  • Martin Kippenberger, London / Düsseldorf (2006)

 

Diedrich DIEDERICHSEN über Martin KIPPENBERGER:

"Kippenberger war (...) zu Lebzeiten wirklich umstritten. Die Presse, jedenfalls das so genannte Feuilleton, schrieb kein einziges freundliches Wort, die Museen ignorierten ihn. Das distinguierte Kunstpublikum ließ sich - ja, ich muss das schreckliche Wort hier benutzen - »provozieren«, die Szene war von seinen sexistischen Witzen genervt und selbst die, die ihn trotz allem immer wieder verteidigten, versuchten die endlosen Performances auf den Eröffnungsparties zu schwänzen. All das ist wie weggeblasen: Nach seinem Tod wollen ihn alle Museen, das Feuilleton schreibt kein unfreundliches Wort mehr. Und auch eine neue Interpretation setzt ein, die aus dem »Der konnte ja malen« schließlich den Ahnen der neuen deutschen Malerei und all ihrer - vor allem - biederen Rückkehrmanöver zu einer Kunst der klaren Arbeitsteilung zwischen den wieder ganz unbezweifelten Institutionen des Kunstbetriebs gemacht hat. (...)

Als Kippenberger anfing, öffentlich zu agieren, war nicht klar, dass allein die Kunstszene sein bevorzugtes Milieu sein würde. Im Berlin, Paris und Hamburg der späten 70er, frühen 80er wechselte er zwischen theatralen Performances und der Welt des Punk-Rock und spielte in mehreren Spielfilmen mit."

 

HORTENSE PISANO zur WELTURAUFFÜHRUNG von „Kippenberger – Der Film“

KunstFilmBiennale Köln, Oktober 2005

Jägermeister, Rock 'n' Roll und einfach machen, nicht nur glotzen. Die ersten Filmminuten sind ein einziges leidenschaftliches Plädoyer für "Verschwende deine Jugend". Acht Jahre nachdem Martin Kippenberger 44-jährig in Wien starb, wurde auf der KunstFilmBiennale in Köln erstmals Jörg Kobels "Kippenberger"-Film vorgestellt. Das 75-minütige Porträt begann mit einem Flashback auf das Berlin der Punkrockära. Filmbilder von 1979 führten in Kippenbergers Club SO 36 - ein verrauchter Keller, auf der Bühne ein junger Mann im grauen Anzug, der ekstatisch die Hüften schwingt. "Kippenberger ist ein genialer Rock 'n' Roller." Selbst dem bemüht nüchternen Kommentar des Journalisten ist zu entnehmen - der Künstler als rockender Performer, dem die Disco als Plattform diente, das war in Deutschland neu, aufregend, rebellisch.

Wie porträtiert man den wortgewaltigen Selbstdarsteller Kippenberger, der als vielleicht "letzter überdimensionaler und hypostasierter Künstlerdinosaurier" galt, wie Diedrich Diedrichsen schrieb, und der 1997 für immer von der Bühne verschwand? Filmemacher Kobel, Jahrgang 1966 und damit eher "Generation Golf", recherchierte in den Archiven der Fernsehsender. Frühe Filmfeatures bereicherte er durch Interviews aus dem engen Kreis der Kippenberger-Familie. Entstanden ist ein sehr persönliches Porträt, das alle wichtigen Stationen des Künstlers ausbreitet. Man könnte dem Film mangelnde Distanz attestieren, wenn die Sammler-Familie Grässlin Zoten frei nach der Schnauze des Künstlers zum Besten gibt oder die "So 36"-Mitbegründerin und heute erfolgreiche Galeristin Gisela Capitain emotional ergriffen Kippenberger als privat scheu beschreibt. Doch diese subjektiven Eindrücke sind die großen Momente des Films.

Kippenberger selbst hat sich weit schonungsloser porträtiert, mit schlappender Unterhose, tief gebeugt 1988. Kobels Film ist diese nackte Entblößung nicht. Kritik, und zu Lebzeiten des Künstlers gab.

die tageszeitung, 24.10.05

 

PRESSETEXT zur AUSSTELLUNG Martin Kippenberger (1953-1997)

10. Juni - 10. September 2006, Düsseldorf, K 21

Martin Kippenberger
80er Jahre, Postmoderne, Allroundkünstler
„männerbündlerische Ensembles“ Manfred Hermes
„besserer Nachschlag der ‚Neuen Wilden‘“ (MH)
„Extravaganz und Unflätigkeit“, Zynismus, Albernheit

Im Zentrum der Retrospektive steht ein berühmtes, aber selten gezeigtes Hauptwerk der neueren Kunstgeschichte: Martin Kippenbergers raumgreifende Installation „The Happy End of Franz Kafka’s ‚Amerika‘“ aus dem Jahr 1994. Das auf grünem Spielfeld arrangierte Panoptikum von mehreren Dutzend Tischen und Stühlen entwickelt aus der bei Kafka nur angedeuteten Anwerbung von Artisten und Arbeitskräften zur Mitwirkung an einem Zirkus ein vielschichtiges szenisches Setting für die Durchführung von Einstellungsgesprächen.

Ironisch, parodistisch, subversiv und gleichzeitig mit hohem ethischen und künstlerischen Anspruch entfaltet Kippenberger in der für ihn typischen Synthese aus visueller Opulenz und luzider Reflexion das Bedeutungsspektrum von individuell, sozial und künstlerisch wirksamen Ein- und Ausschlussverfahren. Ausgehend von „The Happy End of Franz Kafka’s ‚Amerika‘“ unternimmt die Ausstellung einen Rückblick auf das gesamte Werk des jung verstorbenen Künstlers. Gezeigt werden Kippenbergers konzeptuelle Malereiprojekte „Lieber Maler, male mir ...“ (1981), „Heavy Burschi“ (1991), „Die weißen Bilder“ (1992)sowie eine Auswahl an Gemälden, Skulpturen, Multiples, Zeichnungen, Plakaten, Büchern und bislang unveröffentlichte Materialien.

INTRODUCTION to the CATALOGUE

Martin Kippenberger (1953 – 1997), Tate Modern, London, January 2006
by Doris Krystof and Jessica Morgan,
with Susanne Kippenberger and Gregory Williams

Martin Kippenberger (1953-1997)

To date there has not yet been a comprehensive Martin Kippenberger retrospective in either the UK or Germany. In view of this, Tate Modern and K21 have jointly developed the concept for a survey exhibition of Kippenberger's complex oeuvre. One of the most significant and influential artists of his time, Kippenberger produced a remarkable and richly prolific body of work from the mid-1970s until his untimely death in 1997 at the age of forty-four.

At the heart of this exhibition is the famous yet rarely seen masterpiece, Kippenberger's large-scale installation, The Happy End of Franz Kafka's 'Amerika' 1994. This arrangement of around fifty tables and chairs placed on a green soccer field can be read as the theatrical setting for the mass interviewing of prospective employees described by Franz Kafka in his posthumously published novel, Amerika. Kippenberger's installation materializes in furniture form only Kafka's vision of the aspiring applicant and discouraging interviewer, separated by a table, while metaphorically presenting the artist's life and work as one massive social sculpture formed through interaction and accumulation, and defying singular interpretation. The work itself contains not only examples of classic twentieth century furniture, but remnants from previous exhibitions, other artists' work and flea market acquisitions.

Anticipating the later reception of his work, Kippenberger once declared that he was the ultimate embodiment of the art of the 1980s. His artistic thinking - drawing on Punk and New Wave, Neo-Expressionism and appropriation art - manifests itself in his extraordinarily prodigious output, from paintings, objects, installations and multiples to books, posters and cards. Kippenberger's vast oeuvre draws on popular culture, art, architecture, music, politics and history, as well as his own life, where no subject was sacred. Many of these works deal mercilessly with political topics from the last decade of the Cold War; above all his works are

characterised by their wit and powerful, Actionist elements, which have their roots in Kippenberger's highly communicative, even performative personality. Since his sudden death abruptly halted his obsessive urge to produce, it has become increasingly clear to what extent ideas and concepts determined Kippenberger's approach, and the degree to which he engaged with the critical-analytical impulses that emerged around 1970 such as institutional critique, site-specificity and process.

Taking this conceptual leaning in Kippenberger's work, as well as The Happy End of Franz Kafka's 'Amerika' as the point of departure, the various strands of the exhibition reflect Kippenberger's own selected exhibitions and themes. With Lieber Maler, male mir [Dear Painter Paint for Me] 1981, Heavy Burschi [Heavy Guy] 1991 and the Installation der Weissen Bilder [Installation of the White Paintings] 1993, the spotlight turns to Kippenberger's idea of delegating the act of painting to others.

Confrontation and exchange with other artistic positions, as well as different forms of collaboration, are very much the hallmarks of Kippenberger's artistic praxis. In collaboration with visual artists such as Michael Krebber, Ulrich Strothjohann and Merlin Carpenter, but also with critics such as Diedrich Diederichsen and Jutta Koether, Kippenberger created a body of work which is itself a finely woven mesh of allusions and associations. For Kippenberger, art became an all-embracing life system. Establishing family and clan relationships served to demarcate and form his own identity in the artworld jungle of the prosperous 1980s, and the prevailing elaborate processes of inclusion and exclusion.
Given the constant artistic interpretation and processing of his own firsthand experiences, Kippenberger has all the attributes of a late twentieth-century figure. Through his elaborate biographic construction, he engages with the fault lines of his own persona in as much as he adopts a wide variety of roles. Kippenberger, who once referred to himself as a 'salesman', developed a completely new image of the artist, far-removed from the clichés of creating meaning and realising visions. Scattered through his work like leitmotifs, his themes revolve around finding a place for oneself, making contact and establishing position. In the face of the transcendental embellishments to art and culture that were flourishing in German art in the 1980s, Kippenberger created a distinctly anti-metaphysical body of work that adeptly operated within the very heart of the art business. His work articulated the essentials to life - Miete Strom Gas [Rent Electricity Gas], to quote the title of his first museum exhibition in 1986 - and the coyly modest wish that people might later mention that Kippenberger had been 'good mood'.

Kippenberger's outstanding artistic position and his profuse output, where visual opulence and lucid reflection go hand in hand, no doubt account for the many exhibitions of his work since his death. Over the years these exhibitions have variously focused on different genres or media, as in the exhibition of self-portraits at the Kunsthalle Basel and the Deichtorhallen in Hamburg (1999), or the presentation of drawings at the Kunsthalle Tübingen (2003-4). Major exhibitions, notably in Karslruhe and Vienna/Eindhoven (all in 2003), have started to reflect the sheer wealth of the material and have set thematic accents, such as the significance of place in Kippenberger's work. This exhibition, conceived for London and Düsseldorf on the basis of a specially selected overview of the work, is intended as a survey of the contents of the various forms of communication Kippenberger offered the viewer. In the spirit of his saying 'one of you, among you, with you' - which tripped so easily off his tongue in the early years - we see a body of work that defines art as a social system and communication as the basis of human existence.

The catalogue that accompanies this exhibition, with its slightly more detached, yet by no means unimpassioned, view of Kippenberger's artistic approach, contains monographic and thematic texts. As well as two essays on the main works presented in the exhibition, there are another three very different contributions which fill out our picture of Kippenberger.
While the art historian Gregory Williams has written an analytical text, looking in from the outside, Susanne Kippenberger, a younger sister of the artist, explores a very personal connection. Lastly, to incorporate the original voice, the catalogue also includes a reprint of an interview with Martin Kippenberger just a year before his death. In it Kippenberger talks at length of The Happy End of Franz Kafka's 'Amerika' in a manner that explains why this large-scale installation, at the heart of the present exhibition, can rightly be regarded as the artist's legacy to posterity. Doris Krystof and Jessica Morgan

© Tate Publishing