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Kino-Dokumentarfilm, CH/D 2015, 86 Min

ein Film von Stefan Schwietert

mit Bill Drummond
Kamera Adrian Stähli
Sound Recording Dieter Meyer, Jean-Pierre Gerth
Schnitt Frank Brummundt, Florian Miosge
Musik Bill Drummond
Sound Design Oswald Schwander
Mischung Jörg Höhne
Produzenten Cornelia Seitler, Brigitte Hofer, Helge Albers

Produziert von:
maximage und Flying Moon in Koproduktion mit SRF, SRG SSR

gefördert von:

Bundesamt für Kultur, Zürcher Filmstiftung, Medienbord Berlin Brandenburg, Filmförderungsanstalt, Suissimage, Deutscher Filmförderfonds, Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, george foundation, Succès Cinéma, Succès Passage Antenne, Succès Zürcher Filmstiftung

Kino-Dokumentarfilm, CH/D 2015, 86 Min


Imagine waking up tomorrow and all music has disappeared


Ein Dokumentarfilm von Stefan Schwietert

Kinostart: 22. Oktober 2015


Trailer

Stadt  Kino  Termin   Info   
Aachen  Apollo  ab 29.10.2015     
Bamberg  Lichtspiel  ab 22.10.2015     
Berlin  Babylon Mitte  ab 26.11.2015     
Berlin  Filmrausch Moabit  ab 05.11.2015     
Berlin  fsk  ab 22.10.2015  So, 25.10. Filmgesprch mit Regisseur   
Berlin  Hackesche Hfe  19.10.2015  Premiere, Regisseur und Bill Drummond zu Gast   
Berlin  Hackesche Hfe  ab 22.10.2015     
Berlin  Ladenkino  ab 12.11.2015     
Berlin  Lichtblick  22.10.-28.10.2015     
Berlin  Sputnik  ab 29.10.2015     
Berlin  Tilsiter Lichtspiele  ab 22.10.2015     
Bochum   Endstation  ab 22.10.2015     
Bremen  Schauburg od. Ostertor  ab 22.10.2015     
Dresden  Kino im Dach  ab 05.11.2015     
Dresden  Thalia  ab 22.10.2015     
Dsseldorf  Metropol  ab 22.10.2015     
Erlangen  E-Werk  19.11.-25.11.2015     
Essen  Filmstudio  25.10.-27.10.2015     
Frankfurt  Mal Sehn  ab 22.10.2015     
Freiburg  Friedrichsbau  ab 22.10.2015     
Frth  Uferpalast  05.11.-11.11.2015  Sa, 7.11. Regisseur zu Gast   
Hamburg  Abaton  18.10.2015  Premiere, Regisseur und Bill Drummond zu Gast   
Hamburg  Abaton  ab 22.10.2015     
Hamburg  Lichtmess  11.02.2015     
Hannover  Kino im Knstlerhaus  ab 25.10.2015     
Heidelberg  Karlstorkino  15.11.2015     
Karlsruhe  Kinemathek  29.10.-01.11.2015     
Kempten  Colosseum-Center  08.11.2015     
Kln  Filmpalette  17.10.2015  Premiere, Regisseur und Bill Drummond zu Gast   
Kln  Filmpalette  ab 22.10.2015     
Leipzig  Cineding  ab 22.10.2015     
Ludwigsburg  Caligari  18.11. - 19.11.2015     
Lneburg  Scala  ab 17.12.2015     
Lnen  Kinofest  12.11. - 15.11.2015     
Mannheim  Cinema Quadrat  ab 22.10.2015     
Mnchen  Monopol  ab 22.10.2015  Matinee   
Mnchen  Werkstatt Kino  24.+25.10.2015     
Mnster  Cinema  ab 22.10.2015     
Nrnberg  Filmhaus  ab 29.10.2015     
Oberhausen  Kino im Walzenlager  ab 21.01.2016     
Ochsenfurt  Casablanca  ab 22.10.2015     
Potsdam  Thalia  15.11.2015  Matinee mit Regisseur   
Rostock  Lichtspiel Wundervoll  ab 22.10.2015     
Saarbrcken  Filmhaus  ab 22.10.2015     
Seefeld  Breitwand  ab 22.10.2015     
Ulm  Mephisto  ab 29.10.2015     
Wasserburg  Utopia  ab 29.10.2015     
Weimar  Lichthaus  ab 22.10.2015     
Wiesbaden  Caligari  21.01.+24.01.2016     
Wiesbaden  Murnau-Filmtheater  ab 6.11.2015     
Wrzburg  Central-Programmkino  ab 29.10.2015     

 

SCORE

1. IMAGINE

Imagine waking up tomorrow morning
and all music has disappeared.
All musical instruments, all forms
of recorded music, gone.
A world without music.
What is more, you cannot even remember
what music sounded like or how it was made.
You can only remember that it had existed and that it
had been important to you and your civilisation.
And you long to hear it once more.
Then imagine people coming together to make music
with nothing but their voices and with no knowledge of
what music should sound like.
The music they would make is that of The17.

 

 

KURZSYNOPSIS


Stell dir vor, wir wachen morgen auf, und alle Musik ist verschwunden. Einfach so. Was bleibt uns, wenn das alles weg ist: Platten, iPods, Instrumente? Wenn wir auch nicht mehr wissen, was das ?berhaupt war: Musik? Er macht es vor: Bill Drummond. Der Mann, der mit The KLF einst die Popindustrie kaperte. Ein anarchischer Geist und ewiger Punk, der jetzt den grössten Chor der Welt leitet: The17, ein wechselndes Ensemble aus Laien, keine Noten und keine Proben. Stefan Schwietert («Heimatklänge») begleitet Drummond, wie er immer neue Stimmen findet f?r seinen Chor: auf offenem Feld oder in einer Fabrik, im Schulzimmer oder in einem Pub. Es ist eine Reise an den Nullpunkt der Musik. Damit wir sie in aller Unschuld nochmals neu erfi nden. Gemeinsam, in diesem Moment.

 

 

SYNOPSIS


Stell dir vor, wir wachen morgen auf, und alle Musik ist verschwunden. Einfach so. Keine Platten, keine iPods, keine Instrumente. Was bleibt uns, wenn das alles weg ist? Wenn wir auch nicht mehr wissen, was das ?berhaupt war: Musik?

Er macht es vor: Bill Drummond, der Protagonist in Stefan Schwieterts neuem Dokumentarfi lm «Imagine Waking Up Tomorrow and All Music Has Disappeared». Ber?hmt wurde Drummond als Mastermind von The KLF, als er mit Welthits wie «3 a.m. Eternal» (1990) und «Justified & Ancient» (1991) die Musikindustrie kaperte. Ber?chtigt wurde er, als er dann alle Verbindungen zur Popwelt kappte und später zusammen mit seinem Partner Jimmy Cauty eine Million britische Pfund verbrannte.


Im Film lernen wir diesen ewigen Punk als Leiter des grössten Chors der Welt kennen: Das ist The17, ein ständig wechselndes, oft zufällig zusammengesetztes Ensemble aus Laien, die Drummond an allen möglichen Orten versammelt. Regisseur Stefan Schwietert («Heimatklänge») begleitet ihn dabei, wie er immer neue Stimmen findet f?r seinen Chor, der sich stets neu bildet und wieder auflöst. Noten gibt es keine, geprobt wird auch nicht. Es gibt nur die Anweisungen des Chorleiters, er nennt sie Partituren. Und diese eine, grosse Frage: Wie w?rde es klingen, wenn wir die Musik nochmals in aller Unschuld neu erfi nden könnten? Ganz ohne Instrumente und andere Hilfsmittel, zur?ckgeworfen auf unsere nackten, unge?bten Stimmen. Gemeinsam, in diesem Moment.


Es ist eine Reise an den Nullpunkt der Musik, mit Bill Drummond als Reiseleiter: Bluejeans, Wanderschuhe, abgewetzter alter Ledermantel. Ein anarchischer Geist und liebensw?rdiger Provokateur. Ein schottischer Pfarrerssohn mit einer Mission, aber alles Andere als missionarisch. Wir begleiten ihn auf dem Weg nach Westen, durch England und Wales bis an die tosende irische K?ste. Wir kurven mit ihm in seinem Landrover durch die Gegend und lauschen dem brummenden Gesang des Motors. Wir sind dabei, wenn er unterwegs seine kurzlebigen Chöre zusammentrommelt: Arbeiter auf dem Feld oder in einer Fabrik, Schulkinder im Klassenzimmer oder Trinkgenossen in einem Pub. Und immer wieder holt ihn dabei auch die eigene Vergangenheit ein, von der ersten Single mit der Punkband Big in Japan bis zu den Überbleibseln jenes Vermögens, das er eingeäschert hat – und dazwischen blitzt nochmals seine Karriere mit The KLF auf, diese kurze, verr?ckte Zeit der Welterfolge, die er durch kommerziellen Selbstmord eigenhändig beendete.

Der Film zeigt uns diesen rastlosen Forscher in seiner unstillbaren Neugier, aber auch in allen seinen Widerspr?chen. Wir sehen einen Wanderprediger ohne Botschaft, aber mit einer grossen Idee: Bill Drummond will unsere fixen Vorstellungen von Musik aus dem Weg räumen, um den Kopf frei zu machen f?r etwas, was man dann nicht einfach schnell auf Youtube nachhören kann. Weil es nur an diesem Ort, in diesem Augenblick entsteht – und wieder vergeht.

«Imagine Waking Up...» ist eine Reise an den Nullpunkt und dar?ber hinaus. Dorthin, wo etwas Neues beginnt. Etwas Unerhörtes. Wir nennen es Musik, und das Instrument sind wir.

 

SCORE

318. CONSIDER Latitude 53°07‘N

Journey from one coastline to another.
Record voices on the way.
At the end of the journey combine the recordings.
Play back and listen to the recordings once.
Then delete.

 

 

Interview mit Stefan Schwietert (Autor und Regisseur)

WAS IST EIGENTLICH MUSIK?

Wie ist die Idee zu diesem Film entstanden? War es von Anfang deine Absicht, einen Film ?ber Bill Drummond zu machen?

Nein, der Ausgangspunkt war ein Projekt von mir mit dem Titel «Off the Record». Nach allen meinen Filmen wollte ich weg von dieser Polarität zwischen dem K?nstler einerseits, auf der B?hne oder im Studio, und dem Publikum andererseits, als Konsumenten von Musik. Davon wollte ich mich lösen, weil ich mich immer auch f?r andere Formen der Begegnung in der Musik interessiert habe. Und mir war klar, dass ich dabei keinen Blick zur?ck in eine andere zivilisatorische Epoche werfen wollte, in Kulturen, wo das Musikmachen noch stärker in den Alltag eingebunden ist, wie in Indonesien oder in Afrika. Also kein Blick zur?ck, sondern ein Blick nach vorn.

Wie bist du dann auf Bill Drummond gestossen?

Das war, als er nach Oldenburg kam, um dort eine seiner Performances zu machen. Da hörte ich zum ersten Mal von seinem Chor The17. Ich bin dann spontan hingefahren und war ganz begeistert von seiner Ausstrahlung und seinem Projekt. Es gab unglaublich viele Übereinstimmungen zu meinem Projekt, denn bei The17 stehen die gleichen Fragen im Hintergrund: Welche Funktion hat Musik heute, und wie geht man damit um? Da waren wir schon ganz nahe beieinander.

War dir seine Vorgeschichte damals bekannt, mit The KLF und der Million, die er verbrannte?

Nein! Anders als die meisten Leute habe ich diese ganze Geschichte mit The KLF und dem Geld erst durch The17 kennengelernt. Das ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Ich habe ja viele Auftragsfilme in den Bereichen Jazz und klassische Musik gemacht, dann war ich viel mit der World Music unterwegs, darum hab ich gar nichts mitgekriegt mit The KLF. Das hab ich erst ?ber das Internet erfahren, als ich wissen wollte, wer dieser Bill Drummond ?berhaupt ist, der da nach Oldenburg kommt.

Wie konntest du ihn dann f?r den Film gewinnen? Die Idee, die er mit The17 verfolgt, richtet sich ja vor allem auch gegen unseren Hang, alles aufzuzeichnen und zu konservieren – eine Idee, gegen die jeder Film zwangsläufig verstösst.

Das war ein längerer Prozess. Ich habe ihm gegen?ber so argumentiert, dass ein Dokumentarfilm, der genuin bleibt, seinerseits wieder zu einem Kunstwerk wird, also ein eigenes St?ck webt. Ich habe Bill dann auch meine Filme gegeben. Wir haben intensiv dar?ber gesprochen, und das ergab eine gute Grundlage, auf der ein gegenseitiges Vertrauen entstehen konnte. Was mir auch geholfen hat: Bill hat das Ende von The17 ja schon fr?h festgelegt, nämlich auf seinen 60. Geburtstag. Wir haben uns deshalb darauf geeinigt, dass der Film erst erscheinen soll, wenn das Projekt beendet ist.

Wie detailliert waren die Vereinbarungen, die du mit ihm treffen musstest? War es klar geregelt, was du mit dem Film durftest, und was nicht?

Am Anfang war nat?rlich die Frage: M?sste es nicht so sein, dass wir immer dann, wenn Bill den Leuten begegnet und anfängt, mit ihnen Töne zu machen, die Kamera ausschalten? Das hab ich mir ernsthaft ?berlegt. Gleichzeitig musste ich ihm irgendwann sagen, dass mein Film ?ber The17 hinausgehen musste. Es musste ein globaler Film sein, ein Film auch, der nicht nur Leute begeistert, die sich f?r Konzeptkunst interessieren. Mir ging es um grundsätzlichere Fragen ?ber unser Verhältnis zur Musik. Und was Bill kompetent macht, um ?ber Musik zu sprechen, ist seine Lebenserfahrung, und dazu gehört nun mal die Zeit mit The KLF. Das war f?r mich wichtig, einen Bogen zu bauen, der zu The17 f?hrt. Wir haben dann lange Gespräche dar?ber gef?hrt, was möglich ist und was nicht. Bill hat ja grosse Vorbehalte bei allem, was mit The KLF zu tun hat. Diese Vergangenheit ist f?r ihn Fluch und Segen. Sie öffnet ihm ?berall T?ren, aber gleichzeitig w?rde er am Liebsten gar nicht mehr darauf angesprochen werden.

Das sieht man auch in der Szene im Schulzimmer, wo ein Primarsch?ler von Drummond wissen will, ob er wirklich eine Million Pfund verbrannt habe.

Ja, das war ein absoluter Gl?cksfall. Ohne Kamera habe ich es nämlich öfter erlebt, dass Bill irgendwo erkannt und von den Leuten darauf angesprochen wird. Er wird dieses Thema nicht los. Deshalb ist es im dokumentarischen Sinn auch völlig richtig, dass ich das im Film aufgreife – denn in seiner Realität wird Bill auch ständig damit konfrontiert. Wichtig war, dass wir uns an gewisse Spielregeln gehalten haben, auf die wir uns geeinigt hatten. Zum Beispiel, dass wir keine Musik von The KLF im Film verwenden. Aber ich habe dann immer nach kleinen Geschichten gesucht, wo wir Kompromisse finden könnten. Zum Beispiel dieser Backstein, den ich bei Bill im Atelier entdeckte.

Das ist dieser Klotz, den er aus der Asche der verbrannten Million gepresst hat?

Genau. Da konnte ich ihn nat?rlich fragen, was es denn damit auf sich habe. So sind wir zu diesem Thema dann doch ins Gespräch gekommen. Auf diese Weise habe ich versucht, das jeweils situativ in den Film einzubringen. Der Container mit dem KLF Archiv war auch so ein Gl?cksfall: Bill musste mit seinem Atelier umziehen, da musste er eben auch den Container verfrachten, in dem alle diese Sachen gelagert sind. Da haben wir dann den Tag abgepasst, an dem dieser Container ankam.

Wie fast alle deine Filme dreht sich auch dieser um Musik. Aber es ist ein Musikfilm ohne Musik im herkömmlichen Sinn. Was hiess das f?r den Soundtrack, f?r die Gestaltung des Sounddesigns?

 Es war vor allem eine Herausforderung. Und zwar von dem Moment an, wo ich wusste, dass ich mich hier nicht an wunderbarer Musik entlang arbeiten konnte wie in den Filmen davor. Aber es hat extrem Spass gemacht, und wir sind erst mal weit ?bers Ziel hinausgeschossen mit unseren Ideen: Wir dachten an Collagen aus allen diesen Geräuschen und Tönen, denen wir auf unseren Reisen begegneten, mit Schiffen und Schiffshörnern, mit Wellen und Vögeln und Industriegeräuschen. Wir haben dann aber gemerkt, dass ein so opulentes Sounddesign gar nicht zu diesem Film gepasst hätte. Auch auf der visuellen Ebene hat der Film ja fast schon eine gewisse puristische Strenge in seiner Einfachheit. Da konnten wir auch im Sounddesign nicht allzu stark stilisieren. Das hätte nicht zur Unmittelbarkeit und zur Direktheit des ganzen Gedankens gepasst, von dem der Film getragen wird.

Der Film f?hrt uns gewissermassen an den Nullpunkt der Musik. Wie w?rdest du ihn selber in deinem Werk einordnen?

F?r mich ist es eine konsequente Fortsetzung meiner langjährigen Suche nach der Musik: Wo kommt sie her, und wo geht sie hin? Das ist eigentlich der Satz, der als roter Faden durch alle meine Filme geht, so unterschiedlich sie sein mögen. Dabei habe ich mir immer wieder Protagonisten ausgesucht, mit denen ich gern gedreht habe und mit denen ich eine gewisse Nähe herstellen wollte. Und ich habe stets mit Musik gearbeitet, die mich begeistert. Das erzeugte in den Filmen auch immer diese gewisse Wärme und diese Rundumversorgung des Publikums. In diesem Film ist das etwas anders. Zu Bill Drummond habe ich eine etwas grössere Distanz behalten, was auch mit der Komplexität und der Widerspr?chlichkeit seines Charakters zu tun hat. Da hat das Publikum, anders als in fr?heren Filmen, etwas mehr dran zu knabbern. Das soll aber auch so sein. Gleichzeitig habe ich hier nochmals versucht, in meinem filmischen Schaffen mehr an die Grenzen zu gehen – mit dem Risiko, dass sich auch das Publikum etwas mehr auf ein Experiment einlassen muss. Und es ist ein Experiment mit offenem Ausgang: In der k?nstlerischen Forschung kann ich ja nicht immer das machen, was schon beim letzten Mal so gut funktioniert hat.

Was war denn die grösste k?nstlerische Herausforderung bei diesem Film? Und inwiefern hat Drummonds sehr konzeptuelle Denkweise den Film beeinflusst?

Wie bei jedem meiner Filme ist die formale Gestaltung auch hier aus der Auseinandersetzung mit dem Inhalt entstanden. Schon bei «A Tickle In The Heart» beruhte es auf inhaltlichen Gr?nden, dass ich den Film in Schwarzweiss drehte. Und so ist es hier zu dieser Bildgestaltung gekommen, die, wie soll ich sagen, bewusst etwas ärmlich, fast nackt ist. Wenn ich heute einen Dokumentarfilm sehe, gen?gt mir das Thema allein nicht mehr. Bei der Überpräsenz an Filmen, die wir inzwischen haben, erwarte ich, dass sich der Autor mit einer starken Handschrift einbringt und vielleicht auch mit der Realität spielt. Ich will ?berrascht werden durch eine eigene Form der k?nstlerischen Umsetzung, durch eine Haltung, ein Aufreissen. Diese Möglichkeit ergab sich hier sehr schön mit Bill Drummond, der in gewisser Weise f?r eine Verdoppelung sorgte: Da habe ich einen Protagonisten, der selber auf die Strasse geht und die Leute anspricht – also auch schon auf diese Art in die Realität eingreift und etwas herumschiebt und dann guckt, was passiert. Das war mir sehr sympathisch.

Drummonds Vorgehen ist ja durchaus widerspr?chlich: Er will der Musik ihre Fl?chtigkeit zur?ckgeben – und hat doch immer ein Aufnahmegerät dabei. Er zelebriert das Gemeinschaftsgef?hl – aber in einer atemberaubenden Szene am Schluss sehen wir ihn, wie er die Aufnahmen ganz f?r sich allein hört. Wie bist du mit diesen Widerspr?chen umgegangen?

Es gibt ja unzählige Partituren von The17. Und nur ungefähr vier oder f?nf davon spielen damit, dass Bill die Töne zwischenzeitlich aufnimmt, damit er sie zum Beispiel ?bereinander legen kann – aber am Schluss muss immer alles gelöscht werden. Und in dem Moment, wo Bill f?r sich allein diese Aufnahmen hört, war uns nat?rlich klar: Wenn wir das im Film aufnehmen, entsteht genau etwas, was ?berall archiviert werden kann. Das hätte der Idee von The17 fundamental widersprochen. Nun hätten wir das ja auch einfach weglassen und dramaturgisch anders erzählen können. Aber gerade aus dieser Herausforderung, den Dialog mit dem Zuschauer zu suchen, war es uns wichtig, diesen Moment zu zeigen. Also haben wir uns entschieden, diesem Nichthören filmisch einen Raum zu geben – es also bis zu einem Punkt zu f?hren, wo es die Leute im Moment vielleicht ärgert aber auf jeden Fall zum Denken anregt.

Du gehst dann so weit, dass der Film nicht mit einem Abspann endet, sondern mit einem Aufruf ans Publikum, selber f?r die Schlussmusik zu sorgen. Was erhoffst du dir davon?

Ich w?nsche mir nat?rlich, dass dann so viele Menschen wie möglich anfangen, Töne zu machen und quasi ihren eigenen Puls zu singen oder was auch immer. Aber ganz unabhängig davon, wie viele oder wie wenig da mitmachen, geht es mir hier darum, nochmals Drummonds Fragen nach Zeit, Ort und Gelegenheit zu thematisieren – im Zusammenhang mit Musikmachen, aber in dem Fall nat?rlich auch im Zusammenhang mit dem Kino und dem Filmeschauen: Ich bin hier, in diesem Moment, und es geht um das, was jetzt gerade ist, in dieser Gemeinschaft, in diesem Raum.

Wie weit teilst du Drummonds kompromisslose Haltung, was die allgegenwärtige Konsumierbarkeit von Musik angeht?

Da m?ssen wir Bills kritische Haltung nochmals kurz definieren. Es geht ihm ja gar nicht so sehr darum, dass er gegen den Konsum von Musik wäre. Er mag es selber auch gerne, wenn er durch die Strassen läuft und er aus dem einen Laden arabische Klänge hört, aus dem anderen Hiphop oder Techno. Er ist nicht gegen etwas, er ist f?r etwas. Musik ist ja ständig da, wir springen vom einen zum anderen. Die Herausforderung ist, aus diesem Übermass heraus ein Bewusstsein f?r die Frage zu schaffen: Was ist denn eigentlich Musik? Was macht sie mit mir? Wie kann sie mehr sein als einfach ein Mittel, mich zum Tanzen zu bringen oder Liebesschmerz zu verdauen? Das ist mir ein grosses Anliegen bei meiner jahrelangen Auseinandersetzung mit Musik.

Inwiefern hat die Arbeit mit Drummond dein eigenes Verständnis von Musik und Kreativität beeinflusst?

Das ging sehr schnell ?ber den Umgang mit Musik hinaus. Was mich beeinfl usst hat und auch auf mich selbst zur?ckgeworfen hat, ist Bills Haltung, die Dinge einfach umzusetzen. Ich selber bin jemand, der seine Filme erst macht, wenn die Finanzierung steht. Das ist eine Frage der Energie, aber vielleicht ist es auch einfach eine Frage der Haltung. Bill sagt: Rede nicht einfach weg, was du f?hlst und beobachtest, sondern gehe raus und setze es um. Mach es! Er lebt das permanent, und ich hoffe, dass der Film es auf seine Weise auch schafft, die Zuschauer dazu aufzurufen.

 

SCORE

328. SURROUND

Take a map of a city.
Draw a circle on the map.
Position The17 at no more than fi fty metres intervals.
Each member of The17 should be in sight
and hearing of their neighbour in each direction.
Once everybody is standing on the circle,
make a single, full-throated, two-note call.
That is... Waaayoooo.

 

BILL DRUMMOND

Bill Drummond was born in 1953. Since leaving Liverpool School of Art in 1973 he has used various ways to investigate and converse with the world. These investigations and conversations have sought expression via words music and actions.

His words have found their way into numerous books, over 500 different posters and The 25 Paintings. The books are now a pile and the pile keeps growing. The posters he continually prints and fl y posts on walls around the world. The 25 Paintings are 25 very simple text paintings on 25 identical canvases (191cm x 135cm). These 25 canvases are annually over-painted with different words. These paintings act as signpost, advertisements and signals for the various activities he is working on. Between 2014 and 2025 The 25 Paintings are on a world tour. The world tour began under Spaghetti Junction, Birmingham it may end in Damascus, Syria, at which point The 25 Paintings will be complete.

The music between 1977 – 1992 comprised of various projects, from Big In Japan to The KLF, the details of which have now faded into the twilight world of pub pop quiz questions and car boot sale bargain box oddities. The music between 2003 – 2013 was a choir called The17. The17 was Drummond’s response to the ubiquity of recorded music. From its inception, The17’s end date was always known; it was to be 29 April 2013. In the early months of 2013, the Swiss film director Stefan Schwietert made a film about The17 entitled Imagine Waking Up Tomorrow Morning & All Music Has Disappeared. Drummond is the protagonist of the film. The premier will be on 19 April 2015. To know more about The17 visit: www.the17.org/

The actions have been the one constant in his practice.There have been thousands over the years, nearly all carried out anonymously and left unrecorded.

From 1998 most of Drummond’s work has been framed within the context of The Penkiln Burn: www.penkilnburn.com

Over these past seventeen years this work has included the foundation of The Intercontinental Twinning Association, instigating the artist’s residency at The Curfew Tower in Ireland, the creating of The Soupline, the construction of various Cake Circles, the making and raffling of forty wooden beds in public spaces and becoming a international shoe-shine boy, street sweeper and window cleaner.

Bill Drummond and Jimmy Cauty’s sculpture The Twenty-Three Year Moratorium will be completed by 23 August 2017.

Bill Drummond’s personal life is complicated.

Bill Drummond was born in Gcuwa, Africa. Where he dies is yet to be decided.

 

 

STEFAN SCHWIETERT

Stefan Schwietert wurde am 29.1.1961 geboren und ist in Therwil / BL aufgewachsen. Erste Filmerfahrungen machte er 1979 in der Videogenossenschaft Basel, mit Filmen zu den Schweizer Jugendunruhen. 1981 /82 lebte er ein Jahr in Brasilien und arbeitete u.a. als Regieassistent f?r TV Globo im Bereich Musikfilm. 1983 folgte ein Gastsemester am California Art Institute in San Francisco.Von 1984 – 90 Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. 1991 gr?ndete Schwietert seine Produktionsfirma NEAPEL FILM zur Entwicklung und Coproduktion der eigenen Dokumentarfilme mit den Schwerpunktthemen Musik und Gesellschaft. Seine Filme wurden vielfach ausgezeichnet. Sie fanden Verleiher in Europa, Nord- und S?damerika und erreichten dabei international mehrere Hunderttausend Kinozuschauer. In den letzten Jahren fanden Werkschauen seiner Filme in Berlin, Österreich, Lateinamerika und den USA statt. Nebenbei unterrichtet Schwietert an verschiedenen Filmhochschulen und betreut Filmprojekte als Dramaturg. Er lebt und arbeitet in Therwil und Berlin.

Kinofilme

  • IMAGINE WAKING UP TOMORROW
  • AND ALL MUSIC HAS DISAPPEARED 2015
  • BALKAN MELODIE 2012
  • HEIMATKLÄNGE 2007
  • ACCORDION TRIBE 2004
  • DAS ALPHORN 2003
  • EL ACORDEON DEL DIABLO 2000
  • A TICKLE IN THE HEART 1996

 

Festivalteilnahmen (Auswahl)

  • Forum der Int. Filmfestspiele Berlin, Wettbewerb Locarno,
  • Wettbewerb Nyon, Solothurn, Wettbewerb Saarbr?cken,
  • Hof, Leipzig, M?nchen, Toronto, Sundance, Hot
  • Docs, Pushan, Taipeh, Montreal, Vancouver, Chicago,
  • New York, Göteborg, Amsterdam, Warschau, Havanna.

 

Fernsehfilme

  • BIG BAND POESIE 2007
  • DIE SCHWARZE MADONNA 2004
  • LIEBESLIEDER 2002
  • VOYAGE ORIENTAL 2000
  • IM WARTERAUM GOTTES 1998
  • DER SCHATTEN IST LANG 1993
  • SPRUNG AUS DEN WOLKEN (Spielfi lm) 1991

 

 

SCORE

38. PICK

Take 17 people and take them to a farm.
Get The17 to each choose an animal
and listen to the sounds it makes.