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HalbZeit
Deutschland, 100 Min., 35 mm Farbe & s/w

 

Regie / Kamera
Christoph Hübner

Ton / Montage
Gabriele Voss

mit

Mohammed Abdulai
Francis Bugri
Claudio Chavarria
Heiko Hesse
Florian Kringe

Assistenz
Gertrud Schweers
Christoph Böll

Redaktion
Jutta Krug
Reinhard Wulf

Produktion
Christoph Hübner Filmproduktion

Koproduktion
Westdeutscher Rundfunk / 3sat

Mit Unterstürzung der Filmstiftung NRW

 


Halbzeit
– Vom Traum ins Leben

Ein Dokumentarfilm von Christoph Hübner und Gabriele Voss

Kinostart: 27. Mai 2010


Trailer

 

Kurzsynopsis


HalbZeit ist der zweite Teil der Fußballtrilogie von Christoph Hübner und Gabriele Voss. Sieben Jahre nach Die Champions erzählt der Film, was aus den damals jungen und hoffnungsvollen Talenten heute geworden ist. Dabei spannt HalbZeit einen Bogen vom Ruhrgebiet bis nach Washington/USA und in die südamerikanischen Anden.

 

 

Der Film


Am Anfang stand ein Traum. Der Traum, Fußball zu spielen, vielleicht einmal ein Profi zu werden, ein Star. Seit 1998 begleitet die Kamera von Christoph Hübner fünf junge Leute, allesamt Ausnahmetalente aus der Jugend von Borussia Dortmund, auf ihrem Weg, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen.


Nach dem ersten Film Die Champions der 2003 in die Kinos kam und den Übergang von der Jugend in den Profifußball schildert, erzählt der neue Film HalbZeit von den gleichen Spielern in der ‚Mitte ihrer Karriere’. Sie sind jetzt 26, 27 Jahre alt und in alle Welt verstreut. Einer von ihnen, Florian Kringe, hat es tatsächlich geschafft, hat seinen Traum vom Profi-Fußballer in der ersten Bundesliga verwirklicht. Zwei andere, Francis Bugri und Mohammed Abdulai quälen sich in den unteren Ligen herum, werden von Verein zu Verein gereicht. Claudio Chavarria tingelt mit Fußball durch Südamerika, verdient immerhin genügend Geld, um sich ein paar Lastwagen zu kaufen für das Leben danach. Heiko Hesse schließlich hat den Fußball ganz aufgegeben, studierte erfolgreich in Oxford und schaffte es danach bis in die Weltbank nach Washington.


Es ist HalbZeitfür die noch immer jungen Karrieren. Erwachsenwerden heißt dabei oft: Abschied nehmen von den Jugendträumen. Im Profinachwuchs-Geschäft ist das eine harte Schule. Nur wenigen bleibt nach ersten Erfolgen die Aussicht, es noch weiter nach oben zu schaffen. Anderen bleibt nach Enttäuschungen nur die Hoffnung auf ein Irgendwann. Und manchen sogar nur der Abschied von der über Jahre gelebten Fußballerexistenz.

HalbZeit erlaubt einen ungewöhnlichen Blick hinter die Fassaden des Hochglanzfußballs, wie wir ihn aus den Schlagzeilen kennen und zugleich einen sehr persönlichen Blick auf die unterschiedlichen Lebenswege von fünf jungen Menschen, die einst mit dem gleichen Traum ihre Karriere begannen.

 

 

Die Protagonisten

Florian Kringe

kam mit 13 Jahren zu Borussia Dortmund / mit 19 erhielt er seinen ersten Profivertrag beim BVB / ließ sich danach zwei Jahre zum 1. FC Köln ausleihen / seit 2004 wieder bei Borussia Dortmund unter Vertrag / absolvierte inzwischen über hundert Bundesligaspiele.

„Das ist der Ehrgeiz, dass man sich nicht unterkriegen lässt, und letztendlich auch eine gehörige Portion Glück, dass man einen Trainer hat, der auf einen setzt, der einen spielen lässt. Der Rest liegt bei dir selber.“

Mohammed Abdulai

Ghanaischer Jugendnationalspieler / er kam 1998 zu Borussia Dortmund / wechselte 2001 in die Regionalliga und spielt seitdem in verschiedenen Vereinen der zweiten oder dritten Liga.

„Ich versuche mal, mich frei zu halten und konzentriert zu arbeiten, irgendwann kommt es, das Glück, irgendwann, ich weiß nicht, heute oder morgen, aber irgendwann.

Francis Bugri

die Mutter Rumänin, der Vater Ghanaer / kam mit 14 Jahren zu Borussia Dortmund / mit 17 nahm er an der Jugendweltmeisterschaft in Ägypten teil, wurde dort ins ‚Allstar-Team’ gewählt / mit 19 bekam er seinen ersten Profivertrag beim BVB / nach einer Verletzung und verschiedenen Vereinswechseln beginnt er parallel zum Fußball ein Fernstudium. „Ich wollte schon immer der Beste sein, und das hat mich früher auch so stark gemacht. Nur irgendwann hat es nicht mehr geklappt, sich einfach vorzunehmen, der Beste zu sein. Da war der Druck so groß, dann kommen noch Enttäuschungen mit hinzu. Das kann man keinem Außenstehenden erklären. Es ist nicht leicht. Es ist echt schwer.“

Heiko Hesse

die Mutter Thailänderin, der Vater Deutscher / war fünf Jahre Jugendspieler bei Borussia Dortmund / danach sah er für sich keine Perspektive mehr im Fußball und ging zum Studium der Ökonomie in die USA, später nach Oxford / arbeitet gegenwärtig bei der Weltbank und dem IWF in Washington.

„Ich komme aus einer Arbeiterfamilie und ich hatte viele Möglichkeiten, die meine Eltern nicht gehabt haben. Ich habe eine sehr gute Ausbildung gehabt, und ich glaube schon, dass für mich alles möglich ist.“

 

Claudio Chavarria

kam mit 17 aus Chile zum BVB / mit dem deutschen Fußball und der fremden Sprache kam er nicht zurecht / kehrte vorzeitig nach Chile zurück / seither spielt er bei verschiedenen Clubs in Südamerika.

„Ich bin jetzt schon 27, bin ein bisschen mehr Mann, weißt du. Ich denke nicht nur an Spaß, wie früher. Ich denke daran, was ist Fußball, was ist das Leben? Deswegen muss ich viel beten zu Gott, und ich muss auch viel arbeiten. Und dann muss ich gucken, was passiert in der Zukunft, weißt du. Meine Zukunft, und die meiner Tochter. Das ist das Wichtigste in meinem Leben, meine Tochter...“

 

 

Die Filmemacher

Christoph Hübner

Autor und Regisseur, erhielt für seine Filme zahlreiche Auszeichnungen. Neben der Grimme-Preis gekrönten achtteiligen LEBENS-GESCHICHTE DES BERGARBEITERS ALFONS S. (1978) und dem Kino-Dokumentarfilm VINCENT VAN GOGH – DER WEG NACH COURRIÈRES (1989) sorgten zuletzt sein Film über junge Fußballer DIE CHAMPIONS (1998-2003) und THOMAS HARLAN - WANDERSPLITTER (2006) für Aufsehen. Außerdem entwickelte Hübner das Fernsehformat DOKUMENTARISCH ARBEITEN.

Gabriele Voss

Autorin und Editorin, arbeitet überwiegend gemeinsam mit Christoph Hübner, mit dem sie zahlreiche Filme realisierte und Auszeichnungen erhielt. Ihre Schwerpunkte liegen in den Bereichen Dramaturgie und Montage. Neben der Filmarbeit veröffentlichte sie Bücher, darunter DIE KUNST, DIE WELT ZU ZEIGEN (1980), DER ZWEITE BLICK (1983), DOKUMENTARISCH ARBEITEN (1996/2001), INS OFFENE, (2003) SCHNITTE IN RAUM UND ZEIT (2006).

Auswahl gemeinsamer Filme:

LEBENS-GESCHICHTE DES BERGARBEITERS ALFONS S. (8 Teile), 1978 PROSPER/EBEL-CHRONIK EINER ZECHE UND IHRER SIEDLUNG (6 Filme), 1979-98 VINCENT VAN GOGH – DER WEG NACH COURRIÈRES, 1989 ANNA ZEIT LAND, 1990-1994 DOKUMENTARISCH ARBEITEN (16 Filme), 1994-2005 WAGNER || BILDER, 2002 DIE CHAMPIONS, 1998-2003 THOMAS HARLAN – WANDERSPLITTER, 2003-2006 HALBZEIT, 2006-2009

 

 

Interview mit Christoph Hübner und Gabriele Voss

Ihr habt seit 1998 zwei Fußballfilme gemacht, Die Champions kam 2003 ins Kino und Halbzeit kommt im Mai 2010 heraus. Es sind zwei Filme einer geplanten Trilogie. Worum geht es bei dem Projekt?

C.H.: Zunächst war nicht an eine Trilogie gedacht. Der erste Film Die Champions ist selbst schon eine Langzeitbeobachtung über drei Jahre. Es geht um junge Fußballspieler im Alter von 16, 17 Jahren, die Profis werden wollen. Schaffen sie den Sprung? Das ist das Thema des ersten Films. Nach dem ersten Film habe ich dann gemerkt, dass die Geschichte der Spieler mich nicht losläßt. Es kam immer wieder die Frage: Was machen sie jetzt? Gleichzeitig zeigte auch der WDR Interesse an einer Fortsetzung. Dann haben wir uns gesagt: ok, versuchen wir eine Trilogie, d.h. drei Filme insgesamt, jeweils im Abstand von sieben Jahren, zum Anfang, in der Mitte und am Ende der Fußballerkarriere.

Was vor allem ist daran interessant, über einen Zeitraum von fünfzehn Jahren immer wieder auf das Fußballerleben zu schauen?

G.V: Das Fußballerleben besteht nicht nur aus Fußballspielen. Es geht um Träume, es geht um die Verwirklichung von Lebenszielen, es geht um die Kämpfe und die Anstrengung, seine Ziele zu erreichen. Oder eben auch nicht, Da ist der Fußball ein Bild für viele andere Lebensentwürfe. Wer träumt als Jugendlicher nicht davon, in der ersten Liga zu spielen, egal auf welchem Gebiet. Spitze sein, ein Star sein – wer will das nicht? Mich interessiert an diesem Projekt, was es bedeutet, langfristig seine Ziele zu verfolgen. Was passiert, wenn man es nicht schafft? Gibt man die Ziele auf? Lässt man sich von Enttäuschungen entmutigen? Im Laufe der Arbeit habe ich für mich entdeckt, dass das Projekt weit über die Dimensionen der Fußballwelt hinaus reicht. Was wir in den Filmen sehen, kann man auf das Leben allgemein beziehen und nicht nur auf die Fußballwelt.

C.H: Ein Jugendtrainer hat mal gesagt: der Fußball ist ein Bild der Gesellschaft. Leistung, Ellenbogen einsetzen, Sieg und Niederlage, Aufstieg und Abstieg - all das findet man im Fußball in konzentrierter Form. Dabei kann der Dokumentarfilm besser als jede andere Kunstform zeigen, wie Menschen sich entwickeln, wie sie erwachsen werden. Wie sich Gesichter, Haltungen, Schicksale und Karrieren mit der Zeit verändern. Wie Träume in der Realität aufgehen oder stranden. Das wird in unserem Film auf sehr konkrete Weise sichtbar. Man muss gar nicht so viel sagen, man sieht vieles schon in den Gesichtern und Geschichten. Auch deswegen ist so eine weit gespannte Trilogie etwas sehr Spannendes.

Kann man den zweiten Film nur verstehen, wenn man den ersten gesehen hat?

C.H: Wir haben uns von Anfang an gefragt, wie wir es schaffen, dass HalbZeit ein eigenständiger Film wird und nicht die Kenntnis von Die Champions voraussetzt. Anfangs dachten wir, dass wir dabei wohl kaum ohne eine Erzählung, ohne einen Kommentar auskommen werden, was wir eigentlich nicht so mögen. Während des Schnitts hat sich dann wunderbarerweise ergeben, dass das doch nicht nötig ist. Wir haben im Film nur, wie im ersten Film, mit knappen, informativen Zwischentiteln gearbeitet. Ich denke, dass der neue Film durchaus für sich stehen kann. Andrerseits: beide Filme bereichern sich gegenseitig. Mehr noch als der erste Film schildert HalbZeit, wie hart es ist, sich in dem alltäglichen Fußballgeschäft zu behaupten. HalbZeit wirft ein Licht auf etwas, wo normalerweise kein Scheinwerfer hinleuchtet. Man sieht immer nur den Hochglanzfußball, die erste Bundesliga und den Hype um die Fußballstars. Was dahinter auf den alltäglichen Schlachtfeldern des Fußballs geschieht, wird kaum gesehen. Es ist ein Verdienst von HalbZeit, das zu zeigen. Der Film erzählt keine Hochglanz-Erfolgsgeschichten. HalbZeit zeigt den schweren Weg, den täglichen Kampf. Ein Arbeitstitel des Films hieß einmal: „Die Mühen der Ebene“. Das ist ein Zitat aus einem Gedicht von Brecht: „Hinter uns liegen die Mühen der Berge, vor uns liegen die Mühen der Ebene...“.

In dem Film Die Champions gibt es ein wunderbares Bild, wo Jugendliche, fast noch Kinder, aus der BVB-Jugend in der Matsche kicken. Man sieht viele Bälle und ganz viele Füße. Und man denkt unwillkürlich: so viele Talente, so viele haben diesen einen Traum und nur ganz wenige werden es am Ende schaffen. Ihr habt damals mit zwölf Spielern angefangen zu drehen. Wie kam es zur Auswahl der fünf Spieler, die jetzt in HalbZeit zu sehen sind?

C.H.: Das hat viel mit den Personen, aber auch mit der Dramaturgie eines Kinoprojekts zu tun. Beim ersten Film haben wir anfangs mit elf oder zwölf Spielern parallel gedreht, weil wir noch nicht wussten, wie ihre Karrieren verlaufen. Das waren schon alles Ausnahmetalente. Bei der Auswahl ging es dann auch um die Frage, wer ist als Person und als Figur für den Film interessant? Dabei geht es u.a. auch um die Unterschiedlichkeit von Charakteren und Entwicklungen. Im Film Die Champions ist es schließlich so, dass es einer fast bis nach ganz oben schafft, einer schafft eine mittlere Karriere, einer steigt ganz aus und beginnt ein Studium und einen könnte man als den Verlierer des Films bezeichnen. Dann geht es bei der Auswahl auch darum, wie jemand sich äußern kann, wie er bereit ist, sich zu öffnen. Das ist ja auch nicht selbstverständlich. Im Film HalbZeit haben wir jetzt noch einen Spieler mit hinein genommen, von dem man sagen kann, dass er den Traum von einer Profikarriere in der ersten Liga verwirklicht hat. Der aber jetzt auch vor den ‚Mühen der Ebene’ steht.

G.V.: Für die Auswahl war vielleicht auch noch etwas anderes wichtig. Von Mohammed, der sich am Ende des ersten Films mit einem Platz in der Regionalliga begnügen muss, haben die Trainer gesagt: er ist ein mannschaftsdienlicher Spieler. Er ist aber auch ein sehr filmdienlicher Spieler. Wo Mohammed ist, da wird gelacht, da heitert sich die Stimmung wieder auf, selbst bei Niederlagen. Ich habe bei der Montage also auch danach geschaut, welche emotionalen Qualitäten durch die Spieler in den Film kommen. Wobei ich auch gelernt habe, dass Fußballprofis sich dadurch auszeichnen, dass sie ein hohes Maß an Selbstbeherrschung entwickeln, vor allem gegenüber der Öffentlichkeit und den Medien, was dem Film nicht immer dient. Wo zeigen sich Gefühle hinter Professionalität und Karriere? Der scheinbare Verlierer im ersten Film, Claudio Chavarria, war aus Sicht der Trainer nicht in der Lage, seine Gefühle zu beherrschen. Dem Film wiederum tut das ganz gut. Man kann auf eine andere Weise mitleiden oder sich auch mit freuen als wenn jemand nur verhalten auftritt.

Woher der Titel „HalbZeit“?

C.H. Wir haben uns so etwas vorgestellt wie Halbzeitpause, Innehalten: Wie hat man die erste Halbzeit gespielt, was hat man falsch gemacht, was ist für ein Potential da, was könnte noch kommen, wie will man seine Strategien ändern? Für die Spieler im Film ist zugleich Halbzeit in ihrer Karriere. Sie haben bestimmte Dinge erreicht, anderes ist schon nicht mehr möglich, manches geht vielleicht noch, wenn man sich noch mehr konzentriert. Gleichzeitig heißt Innehalten: für einen Moment aus der Bewegung geraten und sich umschauen, wo man steht. Es hat etwas von einem Zustand, während Die Champions noch stark von der Entwicklung lebt: wir wollen ans Ziel, was ist der nächste Schritt. HalbZeit ist im Unterschied dazu eher eine Zustandsbeschreibung und das ist dramaturgisch eine andere Herausforderung.

Die Kamera ist auch ruhiger als im Film Die Champions.

C.H.: Das hängt wahrscheinlich mit diesem Innehalten zusammen. Die Spieler sind oft zu Hause, außer in Trainings- oder Spielszenen. Sie lernen, warten auf Angebote, überlegen, wie es weiter geht. Insofern hat auch die Kamera einen anderen Atem. Der Erzählfluss ist epischer.

Beim ersten Film hattet ihr 400 Stunden Ausgangsmaterial, die über drei Jahre Drehzeit entstanden sind. Wie war das bei HalbZeit?

C.H.: Ursprünglich sollte der Film eher eine Momentaufnahme sein und dem sollte auch die Drehzeit entsprechen: sechs Wochen waren vorgesehen. Dann hat sich relativ schnell gezeigt, dass das für die Beschreibung der Situation nicht ausreicht. Dann haben wir die Drehzeit auf eine ganze Saison, ein ganzes Jahr ausgedehnt. Dabei sind ca. hundert Stunden Ausgangsmaterial entstanden.

Hat sich die Erzählung relativ schnell herauskristallisiert oder war es ein langer Kampf mit dem Material?

G.V.: Zustandsbeschreibungen sind dramaturgisch nicht einfach. Es gibt kein ‚Dann und dann...’. Eine Zustandsbeschreibung hat es eher mit verschiedenen Elementen zu tun wie auf einem Gemälde wie zum Beispiel bei einer Dorfszene von Breughel. Da sieht man ein Liebespaar, an einer anderen Stelle schlachtet jemand ein Schwein, wieder woanders spielen Kinder usf. Man sieht eine Vielzahl von Szenen, aber es gibt keine zwingende Abfolge, in der man sie anschauen muss. Bei einer Zustandsbeschreibung muss man dennoch spannend erzählen, man muss Interesse für die Figuren aufbauen und erhalten über den ganzen Film. Das ist nicht einfach, weil es eben nicht dieses zwingende ‚Weiter’ gibt. Daneben gibt es die Zeitachse, die Anhaltspunkte für den Ablauf gibt.

Wenn man einen so großen Drehzeitraum hat, wie entscheidet man, was man dreht?

C.H.: Bei bestimmten Dingen ist ganz klar, dass sie wichtig sind, zum Beispiel Vereinswechsel, Kampf um Aufstieg oder Abstieg, Verletzungen. Wenn es Wendepunkte gibt, die für den weiteren Lebensweg wichtig sind, will man natürlich dabei sein. Sonst waren es eher Stippvisiten, wiederholte Besuche. Für Die Champions haben wir noch kontinuierlicher drehen können, viele der Spieler lebten zusammen im Jugendhaus des BVB. Als wir mit HalbZeit begannen, waren die Spieler über die ganze Welt verstreut, da war es nicht mehr möglich, einfach mal vorbeizuschauen. Bei HalbZeit gab es verabredete Zeiten, wo wir mit den Spielern im Alltag zusammen waren. Zustandsbeschreibung heißt ja gerade: was ist der Alltag der Spieler. Wenn man dabei sehr genau hinschaut, kommt eigentlich alles zum Vorschein. Das ist eine Erfahrung des Dokumentarfilms. Man spürt vieles oder sieht es in kleinen Gesten, in unausgesprochenen Momenten. Andrerseits gibt es auch mehr Sprache, mehr Gespräche im Film. Die Spieler sind reifer geworden, sie sind eher bereit, zu sprechen, können sich vielleicht auch besser ausdrücken als noch die 17-jährigen. Und es gibt mehr zu erzählen, weil es große Zeiträume gibt, in denen wir mit der Kamera nicht dabei waren.

Es ist schon sehr außergewöhnlich, dass sich Filmemacher über zwölf Jahre mit einem Thema und denselben Protagonisten beschäftigen. Ebenso außergewöhnlich ist es, dass Protagonisten über eine so lange Zeit bei einem solchen Projekt mitmachen. Wie hat sich das Verhältnis zu den Spielern über diese lange Zeit erhalten?

C.H.: Das ist nicht selbstverständlich – es ist ein Geschenk der Spieler. Gerade weil es nicht nur um Erfolge, sondern auch um Niederlagen und schwierige Situationen geht. Dass das möglich war, hat damit zu tun, dass sich über die lange Zeit ein Vertrauen zu den Spielern aufgebaut hat und dass ich darauf auch immer Wert gelegt habe. Die Spieler machen mit den Medien häufig schlechte Erfahrungen, dass Sensationen herausgekitzelt und Aussagen verdreht werden. Ich habe immer darauf geachtet, dass ich das Vertrauen der Spieler nicht enttäusche. Sie haben mir oft genug Dinge gesagt, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren und die habe ich auch für mich behalten.

Haben die Spieler sich einmal geäußert, warum sie über diese lange Zeit an dem Projekt mitmachen?

C.H.: Einer hat mir in einem Gespräch außerhalb der Kamera einmal gesagt: das Projekt wäre für ihn wie eine Art Tagebuch, ein Spiegel seiner Entwicklung. Und das hätte er mehr und mehr schätzen gelernt. Ein anderer meinte, das sei doch ein großes Privileg, dass da eine Kamera das eigene Leben festhalte. Aber am Ende würden wohl alle sagen, sie machen es mir zu Gefallen, weil sie das Projekt mögen oder Vertrauen zu mir haben. Und weil man nun einmal gemeinsam damit angefangen habe... Aber vielleicht sollte man sie selbst einmal fragen.

Es wird oft gesagt, Sportfilme gehen nicht im Kino. Warum macht ihr dieses Projekt trotzdem?

G.V.: Warum macht man Dokumentarfilme? Für mich kann ich sagen: weil der Dokumentarfilm das Leben zeigt, wie es gelebt wird. Wenn man das so sieht, kommt erst mal alles in Frage, eben auch der Sport. Man muss aber auch sagen, dass das Leben, wie es gelebt wird, sich oft nicht so abspielt, wie die idealtypische 5-aktige Geschichte. Und dafür hat der Dokumentarfilm eben auch Platz. Deswegen kann uns so ein Satz wie ‚Sportfilme gehen nicht’ eigentlich nicht davon abhalten, ein solches Projekt zu realisieren. Es geht aber wie gesagt nicht nur um Sport. Es geht um Träume, Hoffnungen, um das, was man davon realisieren kann. Es geht um Lebenswege, Entwicklung von jungen Menschen. Denken wir mal an junge Musiker und ihre Karrieren, ist es da so anders?

Es geht ja auch darum, ein Dokument zu schaffen...

C.H.: ... eine wichtige Aufgabe des Dokumentarischen. Der Wert dieser Filme misst sich nicht allein an der Zahl der Eintritte.

Was wünscht ihr Euch für den Film auf dem Weg zum Zuschauer?

C.H.: Ich wünsche mir sehr, dass das Projekt in all seinen Dimensionen wahrgenommen wird, eben auch denen, die über den Sport hinausgehen. Je älter die Spieler werden, desto mehr werden sie auch zu individuellen Persönlichkeiten. HalbZeit zeigt die Entwicklung und die Lebensgeschichten von fünf jungen Menschen. Der Film wirft zugleich viele durchaus allgemeine Fragen auf. Wir hatten zum Beispiel mit sehr viel verschiedenen Trainern zu tun, sie sind in gewissem Sinne wie Lehrer. Aber was ist ein guter Lehrer? Welche Art von Lernen und Erziehung tut den jungen Menschen gut und bringt sie voran? Dann die Frage, wie geht man mit Talent um, sowohl der, der es hat, wie der, der es ausbilden soll? Welche Rolle spielt der eigene Charakter dafür, dass es einer schafft. Was bedeutet es, aus der ursprünglich naiven Spielfreude alltägliches Training zu machen, all diese Fragen stellen sich nicht nur im Fußball. Auch wenn man im Fußball viel Geld verdienen kann, heißt das nicht, dass es nicht ein ganz harter Job sein kein. Und wie verändern sich die Prioritäten im Laufe der Zeit? Der Spieler aus Chile schickte uns eines Tages eine e-mail: „Ich habe jetzt etwas, das noch wichtiger ist als Fußball: eine Tochter...“ Ich will damit nur sagen, dass der Film und das ganze Projekt so viele Dimensionen enthält, dass ich mir wünschen würde, dass der Film nicht nur ein fußballinteressiertes Publikum erreicht.

 

Stimmen zum FIlm

„Angesichts der wunderbaren Leichtigkeit des Stils von Hübner und Voss vergisst man beinahe, wie der Boden unter der Fußrealität dünn und nachgiebig wird. Alle Jungen müssen tiefe Täler durchlaufen, fußballerische Krisen, welche ihr ganzes zukünftiges Leben gefährden. Anders gesagt: Neben den Jungen und dem Fußball gibt es einen weiteren und entscheidenden Hauptakteur in diesem Dokumentarfilm: die Zeit, welche sich allmählich in die Züge der Charaktere hinein gräbt und deren Innenleben verändert. Manche Bilder von Hübner und Voss gehen einem lange nach, sind wie amerikanische Songs, gesungene Volksweisen, welche vom früheren Leben der Arbeiter erzählen: vom ewigen Rumziehen, dem Driften, in der vagen Hoffnung, irgendwo auf der Welt Fuß zu fassen.“

Michael Gierke. Autor und Filmkritiker)

„Der ernüchternde Alltag im Bezahl-Fußball – sehr persönlich erzählt. Präzise und unspektakulär.“

Gerd Michalek, Deutschlandradio

„Du darfst nicht lieb sein im Fußball. Für’s Leben wäre es mir vielleicht lieber, wenn einer lieb ist. Im Fußball musst du Ellenbogen haben, du musst dich wehren können. Im Grunde gibt es unsere Gesellschaft wieder.“

Peter Wongrowitz, Jugendtrainer

„Man muss auch Glück haben, egal wie talentiert man ist, und man braucht die richtigen Leute um sich herum. Der Totengräber jeden Talents ist Ungeduld.“

Jürgen Klopp, Trainer