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GOLDEN LEMONS

Start: August / September 2003

Deutschland 2002 / 2003, 81 Min., Farbe, 35 mm, DTS Stereo
Deutsch-englische Originalfassung mit Untertiteln

Buch, Regie: Jörg Siepmann
Produktion: 2 Pilots Filmproduktion, Köln
Produzent: Harry Flöter
Kamera: Hajo Schomerus
Schnitt: Benjamin Ikes
Ton, Mischung: Tobi Fleig

Gefördert von Filmbüro NW, FFA und Filmstiftung NRW

Vorführungen im 33. Internationalen Forum des Jungen Films der Berlinale 2003:

Freitag, 7. Februar 2003, 21.30 Uhr, Delphi-Filmpalast
Samstag, 8. Februar 2003, 15.00 Uhr, Arsenal
Samstag, 8. Februar 2003, 19.30 Uhr, CineStar 8
Sonntag, 9. Februar 2003, 17.30 Uhr, Babylon


ZUM FILM

Amerika im Schnelldurchlauf: Die deutsche Punkband "Die Goldenen Zitronen" sind gemeinsam mit dem schizophrenen Rockstar "Wesley Willis" auf Tournee.

Vierzehn Tage, Bus - Gig - Bus - Gig, von San Francisco über Vegas bis an die mexikanische Grenze. Vierzehn mal als Wesleys Vorband vor Publikum spielen, das kein Wort Deutsch versteht. Der schwarze Koloss Wesley wird an jedem Abend an seinem Keyboard sitzen und gegen sein Leid anspielen. Das Publikum reagiert amüsiert bis verstört, wenn er mit "Osama Bin Laden" sein Konzert eröffnet. Seine Songs bestehen aus höchstens drei Akkorden und sind alle nach dem gleichen, mathematischen Prinzip aufgebaut. Doch am Ende ihrer gemeinsamen Show wird jeder einzelne Zuschauer berührt sein.

Die Tour ist für die Goldenen Zitronen und Wesley eine Zweckgemeinschaft - 14 Tage auf engstem Raum. Die Biographien prallen aufeinander: Auf der einen Seite eine deutsche Band, die seit 20 Jahren auf der Nahtstelle zwischen Musik und Politik steht. Auf der anderen Seite Wesley, ein Mann, der auf die Bühne muss, um die Dämonen in seinem Kopf zu beruhigen. Was ist damals wohl passiert, als sein Bruder umgebracht wurde und die Stimmen in seinem Kopf anfingen, zu ihm zu sprechen?

Die monotone amerikanische Provinz, der Burgerfrass mit schlechtem Kaffee, die Kassette der Beatles im Loop; Begegnungen mit Wanderpredigern und Girlie-Groupies werfen Fragen über das eigene Schaffen auf, die eigene Existenz abseits von bürgerlichen Karrieren und Bausparverträgen.

Wie lange werden Sie ihre Show irgendwo zwischen Punk und Entertainment noch glaubhaft auf die Bühne bringen? Wird die Kraft reichen? Hier wartet niemand auf eine deutsche Band, doch gerade deswegen wächst die Herausforderung Abend für Abend, das Publikum doch noch für sich zu gewinnen. Ob große Halle oder Jerrys Pizzahut, der Kampf um Anerkennung verbindet - auch mit Wesley.

GOLDEN LEMONS - ein dokumentarisches Roadmovie - eine Bilanz - ein Trip zu den Dämonen.


ZUR ENTSTEHUNG DES FILMS

von Jörg Siepman

Als mir ein befreundeter Toningenieur von seinen turbulenten Erfahrungen auf einer Rocktournee in Amerika erzählte, lief sofort ein Film vor meinen Augen ab: Ein Leben auf der Jagd nach Ruhm und Anerkennung, Männerfreundschaften, Alkoholexzesse, Auftrittsangst und Siegestaumel...

Ich schrieb ein Exposé, besorgte ein wenig Geld und wollte sofort loslegen. Doch dann kam alles ganz anders: Es gab keine Band, die voller Träume ins gelobte Land des Rock´n Roll aufbrach. Dafür erfuhr ich, dass "Die Goldenen Zitronen" als Vorband für "Wesley Willis" einem schizophrenen Rockstar, auf Tournee gingen. Doch die Zitronen waren weder naiv noch ruhmesgeil.

Da machte sich keine "Boygroup" auf eine Reise ins Land derer, die der Achse des Bösen gerade den Kampf angesagt hatten. Spontan und ohne Zögern fuhr ich mit. Mein Ehrgeiz war es, einen Film über die zwischenmenschlichen Begegnungen und Auseinandersetzungen am Rande der Tour zu machen. Die Musik sollte dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen. Statt langweiliger Konzertmitschnitte interessierte mich Persönliches, Existenzielles aus dem Leben der Künstler.

Als wir in Amerika ankamen, war schon am Flughafen klar, dass nichts so laufen würde, wie geplant. Niemand wusste, dass mein Kameramann und ich mit von der Partie sein würden, es gab keinen Platz für uns im Bus und der psychopathische Tourmanager verbot uns jegliche Aufnahme mit Wesley.

An den ersten 6 von 12 Drehtagen fuhren wir dem Bus hinterher, in dessen Inneren das stattfand, was im Zentrum meines Filmes stehen sollte. Außer ein paar nichtssagenden ADAC- Motorsportfahraufnahmen gelang uns Nichts. Im Gegenteil, Willis cholerischer Manager befahl uns einen Sicherheitsabstand von 150 Metern zu dem Nightliner. In "sicherer" Entfernung fuhr das "Raumschiff Tourbus" unerreichbar, abgeschottet vor uns her. Nach 6 Tagen ohne Schlaf erhielten wir unerwartet Grünes Licht und die Bustür öffnete sich....

GOLDEN LEMONS ist das Ergebnis dieses Alptraums und heute weiß ich, dass ich mir diesen Film nicht ausgesucht habe, er hat mich gefunden.


DER REGISSEUR

Jörg Siepmann,
geboren 1966 in Essen, Studium an der FH Dortmund (1990 - 1994) und der KHM Köln (1995 - 1997), 1999 Gründung der 2 Pilots Filmproduktion, gemeinsam mit Harry Flöter.

Filme
1994 "Luna 13", 35mm, Kurzspielfilm, 45 Min. (Förderpreis des Landes NRW)
1995 "Zwei Tage Grau", 35mm, Kurzspielfilm, 15 Min. (F.W. Murnaupreis)
1996 "Hotel", 35 mm, Kurzspielfilm, 1 Min. (Kurz und Schön - Canon Förderpreis)
1998 "Controlled Demolition", 16 mm, Dokumentarfilm, 45 Min.
(Preis der dt. Filmkritik, Duisburger Filmwoche)
2000 "Silverstar", 35 mm, Spielfilm, 15 Min. (F.W. Murnaupreis,
Spezialpreis der Jury, Bester Film, Rom, Vedome und Pescara,
Publikumspreis in München und Hamburg)
2002 / 2003 "Golden Lemons", 35 mm, Dokumentarfilm, 81 Min.
(. Internationales Forum des Jungen Films der Berlinale 2003)