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Dänemark 1984 - Farbe - 35 mm - 104 Min. - engl. OmU STAB Regie: Lars von Trier Darsteller:
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Wiederaufführung Kinostart: 10. März 2005
LARS VON TRIER EUROPA TRILOGIE
EPIDEMIC Kinostart: 12. Mai
KURZINHALT
ZUM FILM
"Gemeinsam mit Kameramann Tom Elling schuf Trier eine monochrom gelb bis rotbraun gefärbte, ebenso klaustrophobisch beklemmende wie hypnotisch-faszinierende Kinowelt, in der sich die Kamera mit äußerster Präzision in atemberaubenden, noch nie gesehenen Perspektiven durch den Raum bewegte - vor der Entwicklung und dem heute inflationären Einsatz computergenerierter, virtueller Kamerabewegungen. Das außergewöhnliche visuelle Design, die Farbdramaturgie und die Technik, die bei den Filmfestspielen in Cannes 1984 mit einem Preis ausgezeichnet wurden, trugen mehr noch als das ebenso ungewöhnliche Drehbuch dazu bei, dass THE ELEMENT OF CRIME zu
PRODUKTIONSNOTIZEN Lars von Trier besetzte die Hauptrollen des Films mit Schauspielern aus Großbritannien, wie Michael Elphick, vor allem bekannt durch seine Rolle in der TV-Serie „Private Schultz“, Jerold Wells, Me Me Lai und dem Blinden Esmond Knight. Die Nebenrollen wurden hingegen komplett mit dänischen Schauspielern besetzt. Die Entscheidung für britische Schauspieler machte für von Trier nicht nur Sinn, weil THE ELEMENT OF CRIME in Englisch gedreht wurde, sondern vor allem wegen dem „beruflichen Stolz“ der dänischen Schauspieler, der während der Dreharbeiten ein Hindernis darstellte. Lars von Trier bemerkte zu dieser Einstellung sarkastisch: „Für mich ist es ein Zeichen von Professionalität wenn die Schauspieler den Anweisungen des Regisseurs folgen. Es ist seine Vision! [...] Dänische Schauspieler wollen ihre Rolle ,verstehen'. Aber was gibt es zu verstehen, wenn der Regisseur exakt weiß, was er braucht?“ Die Dreharbeiten dauerten sieben Wochen, zogen sich von September bis in den frühen November 1983. Sie fanden an verschiedenen merkwürdigen Locations statt, die von Trier aufstöberte, um dem Film das geeignete Gefühl von Ruin und Verfall zu geben. Die Crew drehte in den altertümlichen und unterirdischen Verließen und Durchgängen des "Kronborg"-Schlosses in Helsingør, in den Kanalröhren von Kopenhagen, in Kalksteingruben, in verlassenen Fabriken oder in einer alten Festung auf einer entfernten Insel in der Øresund Meerenge. Der Hauptteil der Dreharbeiten fand in der Nacht statt, als Lichtquellen wurden lange röhrenartige fluoreszierende Lichter benutzt, die nach Aussagen von Lars von Trier explodierten, sobald es auf sie regnete. Und es regnete praktisch die ganze Zeit, denn ein kalter Herbstregen machte die Dreharbeiten zur Feuer- und Nervenprobe. Der Einsatz dieser Lichter trug entscheidend zum einzigartigen Look des Film mit seiner leicht goldenen Färbung bei. Um eine entsprechende Atmosphäre am Set entstehen zu lassen und um die Crew und Besetzung zu inspirieren, wurde das Set mit Musik von Richard Wagner beschallt. Mit den Tönen von Wagner, explodierenden Lampen und strömenden Regen entstand so für von Trier am Set ein Gefühl eines „künstlerischen Happenings“. Quelle: Jack Stevenson: Dogme Uncut, Santa Monica Press 2003, S. 35 ff.
BIO- / FILMOGRAFIE LARS VON TRIER Lars von Trier ist ohne Zweifel der Regisseur, der am meisten zur Erneuerung des Dänischen Films beigetragen hat und der großen Einfluss auf die neue 1990er Generation hatte, nicht zuletzt durch seine zentrale Rolle bei Dogma 95. Seine Arbeiten erkunden auf innovative Weise einige der klassischen Filmgenres. Seine frühen Kurzfilme beschäftigen sich stilistisch einfallsreich mit Themen und Symbolen, die später auch in seinen Spielfilmen eine große Rolle spielen. International etabliert sich Lars von Trier mit der Europa-Trilogie. Die Trilogie beleuchtet die Traumata Europas in der Zukunft und ist gekennzeichnet durch einen persönlichen, experimentellen Stil. 1984 THE ELEMENT OF CRIME Nach EUROPA gründet Lars von Trier gemeinsam mit dem Produzenten Peter Aalbæk Jensen seine eigene Produktionsfirma Zentropa Entertainments. 1991 MEDEA (TV) Bei der zweiten Trilogie, der Golden Heart-Trilogie, lässt er sich von einem Kinderbuch inspirieren. Das Märchen "Goldherz" handelt von einem naiven Mädchen, das viele Verluste und Rückschläge hinnehmen muss, seine Fröhlichkeit und eine Hilfsbereitschaft aber nicht verliert, obwohl es am Ende nur noch mit seinem "goldenen Herzen" dasteht. 1995 BREAKING THE WAVES (Grand Prix, Cannes Film Festival) 2003 DOGVILLE 2005 MANDERLAY
AUS EINEM GESPRÄCH MIT LARS VON TRIER Können Sie uns was über das Entstehen von ELEMENT OF CRIME erzählen? Das war ein sehr komplizierter Vorgang. Mit dem Kameramann und dem Cutter haben wir ein sehr präzises Storyboard erstellt. Wir haben jede einzelne Einstellung gezeichnet, jede Kamerabewegung. Es gibt 120 Einstellungen im Film, und wir sind vom storyboard lediglich in sechs Fällen abgewichen. Was die Geschichte betrifft, so waren wir uns einig, dass wir einen Genre-Film machen wollten. Ein populäres Genre! Wir wollten keinen Kunst-Film machen. Wir wollten zeigen, dass man ein bestimmtes Genre, zum Beispiel den Kriminal-Film, auf eine andere Weise benutzen kann, als man es gewohnt ist. [...] Welche Rolle spielt die Farbe im Film? Wir wollten den Eindruck eines sehr dichten, geschlossenen Milieus vermitteln. Die Welt in demselben Licht zeigen, wie man es in einer Höhle vorfindet. Im Grunde ist es ein sehr stilisierter Film; das Härteste, was man im Film machen kann, das drastischste Mittel, ist der Schuß-Gegenschuss. Wir haben ihn bewußt nur ein einziges Mal benutzt, am Ende. Das heißt aber auch, dass man bei jeder anderen Technik, bei jedem anderen Stilmittel Einbußen in Kauf nehmen muss, was die dramatische Intensität der Situation und der Figuren betrifft. Aber das wollten wir auch: wir haben uns mehr um die Intensität der Figuren in Bezug zum Bild als zur Handlung gekümmert. [...] Das Europa, das Sie im Film zeigen, steht für kein bestimmtes Land. Warum? Wir wollten Europa als ein Ganzes zeigen, nicht nur Dänemark oder irgendein anderes Land. Es ist eine moderne Vision. Ich möchte meinen nächsten Film wieder in Europa drehen, in Berlin. Das Europa im Film ist dabei, sich aufzulösen, Stück für Stück zu versinken... Ja, es wäre gut, wenn Europa untergehen würde. Wir wollten ein stark mit Patina behaftetes Europa, von Wind und Regen ausgehöhlt, aufgerieben im Kampf zwischen Natur und Kultur: ein Thema, das mich sehr fasziniert. Dieser Kampf ist selbstverständlich viel plastischer, wenn er unter Regen ausgeführt wird, wie bei Kurosawa. Das Wasser, das über die Körper fließt, hebt die Haut, die Muskeln hervor, den physischen Eindruck, den der Film vermittelt. Die Fotografie kann zuweilen zu brillant, zu kalkuliert wirken und den Zuschauer vom Film ablenken... Ich denke, unser Interesse war schon auf die Fotografie, auf die Kamera konzentriert. Ich habe versucht, jede Kamerabewegung in jeder einzelnen Einstellung so zu schreiben, zu zeichnen, als wenn es sich um einen ganzen Film gehandelt hätte: es gibt für jede Einstellung einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Es ist eine Geschichte in der Geschichte. In Ihrem Film gibt es eine Flut von Zitaten... Sie sind zu einem großen Teil rein zufällig, es sind mehr kinematographische Referenzen, die an die Oberfläche getrieben werden, beinahe ohne mein Wissen. Es gibt aber auch sehr viele bewußte Zitate. Es gibt eines, von dem ich gerne spreche: in der Szene, wo Fisher versucht, das Mädchen, das sich aus dem Hotelfenster stürzen will, zurückzuhalten, gibt es eine Kranbewegung, die Kamera entfernt sich von dem Mädchen. Diese Einstellung hatte ich seit Jahren vor, ich hatte sie in TOUCH OF EVIL gesehen: da ist auch eine Figur, die ermordet wird und durch das Fenster zu fliehen versucht; die Bewegung der Kamera, die sie aufgibt, schien mir sehr stark. Als wir die Szene zu Ende gedreht hatten, habe ich den Film wiedergesehen. Ich musste feststellen, dass es diese Einstellung, diese Kamerabewegung gar nicht gab. Ich hatte es mir einfach in meiner Erinnerung so vorgestellt. Das ist interessant, dann selbst wenn man etwas zitieren will, wird es sich allein durch den Wunsch in etwas anderes verändern. |