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Dänemark 1984 - Farbe - 35 mm - 104 Min. - engl. OmU

STAB

Regie: Lars von Trier
Buch: Lars von Trier, Niels Vørsel
Kamera: Tom Elling
Schnitt / Ton: Thomas Gislason
Licht: Eg Norre
Musik: Bo Holten
Produzent: Per Holst
Produktion: Per Holst Filmproduktion
In Zusammenarbeit mit dem Dänischen Filminstitut

Darsteller:
Fisher: Michael Elphick
Kim: Me Me Lei
Osborne: Esmond Knight
Kramer: Jerold Wells
Grandfather: Preben Lerdorff Rye
Housekeeper: Astrid Henning-Jensen

 


LARS VON TRIERs EUROPA - TRILOGIE 1
THE ELEMENT OF CRIME

Wiederaufführung

Kinostart: 10. März 2005

 

LARS VON TRIER EUROPA TRILOGIE

THE ELEMENT OF CRIME ist der erste Film der Europa-Trilogie, die Lars von Trier schon bei der Planung dieses Filmes ankündigte und später mit EPIDEMIC und EUROPA vervollständigte.
REAL FICTION veröffentlicht alle drei Filme der Trilogie bis zum Sommer 2005, jeweils in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Dabei wird EPIDEMIC zum ersten Mal in Deutschland im Kino starten.

EPIDEMIC Kinostart: 12. Mai
EUROPA Kinostart: 21. Juli

 

KURZINHALT

Mit Hilfe von Hypnose lässt sich der Kriminalbeamte Fisher in die Vergangenheit nach Europa zurückversetzen. Zwei Monate zuvor war er zu einem Job dorthin aufgebrochen und ist mit rätselhaften Kopfschmerzen nach Kairo zurückgekehrt. In Europa hat er gemeinsam mit Polizeichef Kramer eine Mordserie untersucht, wobei er sich der Methode seines früheren Lehrers Osborne bedient hat. Nach Osbornes Buch ‘The Element of Crime’ muss man sich mit dem Täter identifizieren, um das Prinzip des Verbrechens aufzudecken. Fisher gerät mehr und mehr in den Sog des Mörders Harry Grey und führt in Folge den letzten Mord selber aus.
Auf den Spuren des Verbrechens irrt Fisher durch ein unwirkliches, alptraumhaftes und düsteres Land, das sich in einer apokalyptischen Endzeit befindet - im Film symbolisiert durch Wassermassen und ständige Dunkelheit. In diesem ungewöhnlichen Kriminalfilm wird hauptsächlich eine Surrealität dargestellt, in der sich Gut und Böse schicksalhaft zu einer Einheit entwickeln.

ZUM FILM

"Wir wollten keinen Kunst-Film machen. Wir wollten zeigen, dass man ein bestimmtes Genre, zum Beispiel den Kriminal-Film, auf eine andere Weise benutzen kann, als man es gewohnt ist." Lars von Trier

"Gemeinsam mit Kameramann Tom Elling schuf Trier eine monochrom gelb bis rotbraun gefärbte, ebenso klaustrophobisch beklemmende wie hypnotisch-faszinierende Kinowelt, in der sich die Kamera mit äußerster Präzision in atemberaubenden, noch nie gesehenen Perspektiven durch den Raum bewegte - vor der Entwicklung und dem heute inflationären Einsatz computergenerierter, virtueller Kamerabewegungen. Das außergewöhnliche visuelle Design, die Farbdramaturgie und die Technik, die bei den Filmfestspielen in Cannes 1984 mit einem Preis ausgezeichnet wurden, trugen mehr noch als das ebenso ungewöhnliche Drehbuch dazu bei, dass THE ELEMENT OF CRIME zu
einem Kultfilm wurde - unter nicht-puristischen Cineasten mit eigenwilligem Geschmack und Sinn für ästhetische Grenzüberschreitungen." [...]

"Mit einigen undeutlichen Bildern aus Kairo und arabischem Gesang beginnt der Film ganz klassisch und altmodisch wie ein Kriminalfilm der amerikanischen Schwarzen Serie. Es gibt einen narrativen Rahmen mit einem Erzähler - dem Detektiv, der durch die Handlung führt - und einem zweiten Mann, der die Geschichte in Gang setzt und manchmal durch Zwischenfragen eingreift.
Trier bringt hier zum ersten Mal jene Figur ins Spiel, der wir in fast jedem seiner Filme bis BREAKING THE WAVES wieder begegnen werden: den Hypnotiseur. Er ist das allwissende alter ego des Regisseurs, das wie ein Schöpfer oder wie ein Puppenspieler über das Schicksal des Protagonisten entscheidet (EUROPA) oder Katalysator und Bestandteil der Handlung wird (EPIDEMIC). In THE ELEMENT OF CRIME ist er ein arabischer Psychotherapeut, der den Polizisten Fisher behandelt. [...] `Europa ist für Sie zu einer Zwangsvorstellung geworden`, sagt der feiste arabische Therapeut, der nur hier am Anfang einmal kurz zu sehen ist, und fordert Fisher auf, in Gedanken noch einmal auf die Reise zu gehen und ihm alles zu erzählen. [...]
Das erste Bild, das Fisher sieht - und damit auch wir -, ist ein Todesbild wie aus einem bösen Traum: In einem räumlich nicht einzuschätzenden Wasserkontinuum, in dem kleine Fische schwimmen, taucht plötzlich in milchig rötlicher Beleuchtung der Kopf eines toten Pferdes auf. Ein starkes Bild, das aus einer späteren Episode stammt, das aber auch andeutet, wo dieser Film spielt und wovon er erzählt: in einer verfaulenden Welt von einem kollektiven Untergang.[...] Wenn es auch scheint, dass wir hier ein zukünftiges Europa vor uns haben, die Schauplätze des Films sind keine Science-fiction-Visionen des realen Kontinents Europa. Das Land, in das wir geführt werden und das wie eine amerikanisierte, archaische Endzeitvision Deutschlands aussieht, gibt es nur in diesem Film, im künstlerischen Universum des Lars von Trier."
Achim Forst in "Breaking The Dreams - Das Kino des Lars von Trier",
Schüren Verlag, Marburg 1998, S. 27 ff.

 

PRODUKTIONSNOTIZEN

Lars von Trier besetzte die Hauptrollen des Films mit Schauspielern aus Großbritannien, wie Michael Elphick, vor allem bekannt durch seine Rolle in der TV-Serie „Private Schultz“, Jerold Wells, Me Me Lai und dem Blinden Esmond Knight. Die Nebenrollen wurden hingegen komplett mit dänischen Schauspielern besetzt.

Die Entscheidung für britische Schauspieler machte für von Trier nicht nur Sinn, weil THE ELEMENT OF CRIME in Englisch gedreht wurde, sondern vor allem wegen dem „beruflichen Stolz“ der dänischen Schauspieler, der während der Dreharbeiten ein Hindernis darstellte. Lars von Trier bemerkte zu dieser Einstellung sarkastisch: „Für mich ist es ein Zeichen von Professionalität wenn die Schauspieler den Anweisungen des Regisseurs folgen. Es ist seine Vision! [...] Dänische Schauspieler wollen ihre Rolle ,verstehen'. Aber was gibt es zu verstehen, wenn der Regisseur exakt weiß, was er braucht?“

Die Dreharbeiten dauerten sieben Wochen, zogen sich von September bis in den frühen November 1983. Sie fanden an verschiedenen merkwürdigen Locations statt, die von Trier aufstöberte, um dem Film das geeignete Gefühl von Ruin und Verfall zu geben. Die Crew drehte in den altertümlichen und unterirdischen Verließen und Durchgängen des "Kronborg"-Schlosses in Helsingør, in den Kanalröhren von Kopenhagen, in Kalksteingruben, in verlassenen Fabriken oder in einer alten Festung auf einer entfernten Insel in der Øresund Meerenge.

Der Hauptteil der Dreharbeiten fand in der Nacht statt, als Lichtquellen wurden lange röhrenartige fluoreszierende Lichter benutzt, die nach Aussagen von Lars von Trier explodierten, sobald es auf sie regnete. Und es regnete praktisch die ganze Zeit, denn ein kalter Herbstregen machte die Dreharbeiten zur Feuer- und Nervenprobe. Der Einsatz dieser Lichter trug entscheidend zum einzigartigen Look des Film mit seiner leicht goldenen Färbung bei.

Um eine entsprechende Atmosphäre am Set entstehen zu lassen und um die Crew und Besetzung zu inspirieren, wurde das Set mit Musik von Richard Wagner beschallt. Mit den Tönen von Wagner, explodierenden Lampen und strömenden Regen entstand so für von Trier am Set ein Gefühl eines „künstlerischen Happenings“.

Quelle: Jack Stevenson: Dogme Uncut, Santa Monica Press 2003, S. 35 ff.

 

BIO- / FILMOGRAFIE LARS VON TRIER

Geboren 1956
Beendet 1983 The Danish Film School

Lars von Trier ist ohne Zweifel der Regisseur, der am meisten zur Erneuerung des Dänischen Films beigetragen hat und der großen Einfluss auf die neue 1990er Generation hatte, nicht zuletzt durch seine zentrale Rolle bei Dogma 95. Seine Arbeiten erkunden auf innovative Weise einige der klassischen Filmgenres. Seine frühen Kurzfilme beschäftigen sich stilistisch einfallsreich mit Themen und Symbolen, die später auch in seinen Spielfilmen eine große Rolle spielen. International etabliert sich Lars von Trier mit der Europa-Trilogie. Die Trilogie beleuchtet die Traumata Europas in der Zukunft und ist gekennzeichnet durch einen persönlichen, experimentellen Stil.

1984 THE ELEMENT OF CRIME
(Technical Grand prize and the Prix du Jury, Cannes Film Festival)
1987 EPIDEMIC
1991 EUROPA
(Technical Grand prize and the Prix du Jury, Cannes Film Festival)

Nach EUROPA gründet Lars von Trier gemeinsam mit dem Produzenten Peter Aalbæk Jensen seine eigene Produktionsfirma Zentropa Entertainments.

1991 MEDEA (TV)
1994 THE TEACHER`S ROOM (TV)
1994 THE KINGDOM I - GEISTER I (TV / Kino)
1997 THE KINGDOM II - GEISTER II (TV / Kino)

Während der Produktion von THE KINGDOM I+II erkennt von Trier, dass der technische Stil für den Zuschauer weniger wichtig ist als die Geschichte und die Figuren. Diese Einsicht fließt auch später in das Dogma-Konzept ein. Die Dogma-Filme werden Triers erster großer populärer Erfolg.

Bei der zweiten Trilogie, der Golden Heart-Trilogie, lässt er sich von einem Kinderbuch inspirieren. Das Märchen "Goldherz" handelt von einem naiven Mädchen, das viele Verluste und Rückschläge hinnehmen muss, seine Fröhlichkeit und eine Hilfsbereitschaft aber nicht verliert, obwohl es am Ende nur noch mit seinem "goldenen Herzen" dasteht.
Die Golden Heart-Trilogie besteht aus:

1995 BREAKING THE WAVES (Grand Prix, Cannes Film Festival)
1997 THE IDIOTS (Dogma)
2000 DANCER IN THE DARK (Golden Palm, Cannes Film Festival)

2003 DOGVILLE
Der erste Film seiner Amerika-Trilogie mit Stars wie Nicole Kidman, Paul Bettany, Lauren Bacall, Stellan Skaarsgaard, Ben Gazzara, Harriet Anderson und James Caan ist.

2005 MANDERLAY
Zweiter Film der Amerika-Trilogie, der sich in der Postproduktion befindet.

 

AUS EINEM GESPRÄCH MIT LARS VON TRIER
(Das Gespräch führten Alain Carbonnier und Doug Headline für CINEMA)

Können Sie uns was über das Entstehen von ELEMENT OF CRIME erzählen?

Das war ein sehr komplizierter Vorgang. Mit dem Kameramann und dem Cutter haben wir ein sehr präzises Storyboard erstellt. Wir haben jede einzelne Einstellung gezeichnet, jede Kamerabewegung. Es gibt 120 Einstellungen im Film, und wir sind vom storyboard lediglich in sechs Fällen abgewichen. Was die Geschichte betrifft, so waren wir uns einig, dass wir einen Genre-Film machen wollten. Ein populäres Genre! Wir wollten keinen Kunst-Film machen. Wir wollten zeigen, dass man ein bestimmtes Genre, zum Beispiel den Kriminal-Film, auf eine andere Weise benutzen kann, als man es gewohnt ist. [...]

Welche Rolle spielt die Farbe im Film?

Wir wollten den Eindruck eines sehr dichten, geschlossenen Milieus vermitteln. Die Welt in demselben Licht zeigen, wie man es in einer Höhle vorfindet. Im Grunde ist es ein sehr stilisierter Film; das Härteste, was man im Film machen kann, das drastischste Mittel, ist der Schuß-Gegenschuss. Wir haben ihn bewußt nur ein einziges Mal benutzt, am Ende. Das heißt aber auch, dass man bei jeder anderen Technik, bei jedem anderen Stilmittel Einbußen in Kauf nehmen muss, was die dramatische Intensität der Situation und der Figuren betrifft. Aber das wollten wir auch: wir haben uns mehr um die Intensität der Figuren in Bezug zum Bild als zur Handlung gekümmert. [...]

Das Europa, das Sie im Film zeigen, steht für kein bestimmtes Land. Warum?

Wir wollten Europa als ein Ganzes zeigen, nicht nur Dänemark oder irgendein anderes Land. Es ist eine moderne Vision. Ich möchte meinen nächsten Film wieder in Europa drehen, in Berlin.

Das Europa im Film ist dabei, sich aufzulösen, Stück für Stück zu versinken...

Ja, es wäre gut, wenn Europa untergehen würde. Wir wollten ein stark mit Patina behaftetes Europa, von Wind und Regen ausgehöhlt, aufgerieben im Kampf zwischen Natur und Kultur: ein Thema, das mich sehr fasziniert. Dieser Kampf ist selbstverständlich viel plastischer, wenn er unter Regen ausgeführt wird, wie bei Kurosawa. Das Wasser, das über die Körper fließt, hebt die Haut, die Muskeln hervor, den physischen Eindruck, den der Film vermittelt.

Die Fotografie kann zuweilen zu brillant, zu kalkuliert wirken und den Zuschauer vom Film ablenken...

Ich denke, unser Interesse war schon auf die Fotografie, auf die Kamera konzentriert. Ich habe versucht, jede Kamerabewegung in jeder einzelnen Einstellung so zu schreiben, zu zeichnen, als wenn es sich um einen ganzen Film gehandelt hätte: es gibt für jede Einstellung einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Es ist eine Geschichte in der Geschichte.

In Ihrem Film gibt es eine Flut von Zitaten...

Sie sind zu einem großen Teil rein zufällig, es sind mehr kinematographische Referenzen, die an die Oberfläche getrieben werden, beinahe ohne mein Wissen. Es gibt aber auch sehr viele bewußte Zitate. Es gibt eines, von dem ich gerne spreche: in der Szene, wo Fisher versucht, das Mädchen, das sich aus dem Hotelfenster stürzen will, zurückzuhalten, gibt es eine Kranbewegung, die Kamera entfernt sich von dem Mädchen. Diese Einstellung hatte ich seit Jahren vor, ich hatte sie in TOUCH OF EVIL gesehen: da ist auch eine Figur, die ermordet wird und durch das Fenster zu fliehen versucht; die Bewegung der Kamera, die sie aufgibt, schien mir sehr stark. Als wir die Szene zu Ende gedreht hatten, habe ich den Film wiedergesehen. Ich musste feststellen, dass es diese Einstellung, diese Kamerabewegung gar nicht gab. Ich hatte es mir einfach in meiner Erinnerung so vorgestellt. Das ist interessant, dann selbst wenn man etwas zitieren will, wird es sich allein durch den Wunsch in etwas anderes verändern.