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EMPIRE ME
– DER STAAT BIN ICH!

A / D / LUX 2011 – 100 Min. – 35 mm + digital

Regie, Buch
Paul Poet

Dramaturgische Beratung
Johannes Holzhausen

Kamera
Enzo Brandner, Gerald Kerkletz, Jerzy Palacz

Kameraassistenz
Andi Winter, Dieter Knestel, Joachim Hausleitner

Ton
Joe Knauer, Atanas Tcholakov

Schnitt
Karina Ressler

Schnittassistenz
Paul Schön

Musik
Alexander Hacke

Grafik
Sonja Kolmanitsc

Produktionsleitung
Andrea Minauf

Produktionskoordination
Maria Wischnewski, Jean-Laurent Csinidis

Postproduktionsleitung
Sabine Kraberger

Produktionssekretariat
Sonja Harzfeld, Daniela Schöne

Filmgeschäftsführung
Johannes Rosenberger, Kathrin Isberner

Redaktion
Martin Pieper (ZDF/ arte)

Herstellungsleitung
Johannes Rosenberger

Produzenten
Johannes Rosenberger, Christian Beetz, Bady Mink

Eine NAVIGATOR FILM Produktion (A) in Koproduktion mit MINOTAURUS FILM (LUX), GEBRUEDER BEETZ FILMPRODUKTION (D) und dem ZDF, in Zusammenarbeit mit arte

Gefördert durch: Österreichisches Filminstitut, ORF Film/Fernseh-Abkommen, Land Steiermark, Filmfund Luxembourg, Medienboard Berlin-Brandenburg

Projektentwicklung gefördert von MEDIA und Österreichisches Filminstitut

Uraufführung: DIAGONALE 2011 Deutsche Erstaufführung: HOFER FILMTAGE 2011


EMPIRE ME
– Der Staat bin ich!

Ein Film von PAUL POET

Kinostart: 19. Januar 2012


Trailer

Stadt  Kino  Termin  Info   
Aachen  Filmstudio TH Aachen  am 19.06.2012     
Apollo  Aachen  am 10.05. - 16.05.2012     
Bad Belzig  Hofgarten  ab 19.01.2012     
Bamberg  Lichtspiel   ab 15.03.2012     
Bayreuth  Uni Bayreuth  am 14.06.2012     
Berlin  ACUD  ab 16.02.2012     
Berlin  Babylon Mitte  ab 16.02.2012     
Berlin  Brotfabrik  ab 19.01.2012     
Berlin  B-Ware  ab 19.01.2012     
Berlin  Eiszeit  ab 19.01.2012     
Berlin  Freiluftkino Cassiopeia  am 02.09.2012  Open-Air   
Berlin  Hackesche Hfe  ab 19.01.2012     
Berlin  Kino&Cafe am Ufer  ab 10.05.2012     
Berlin  Sputnik Sdstern  ab 19.01.2012     
Berlin  Volksbhne  am 19.01.2012  Premiere mit Regisseur und Live-Set: Alexander Hacke & Danielle de Picciotto   
Berlin  Zukunft  ab 16.02.2012             
Bochum  Endstation  ab 22.01.2012             
Bonn  Brotfabrik  ab 22.03.2012             
Braunschweig  Roter Saal  am 26.01.2012             
Bremen  Cinema im Ostertor  ab 09.02.2012             
Brhl  Zoom  am 10.03.2012             
Dortmund  Sweet Sixteen  ab 19.01.2012             
Dresden  Casablanca  ab 02.02.2012             
Dresden  KID - Kion im Dach  ab 19.01.2012             
Erlangen  Manhatten  ab 26.02.2012             
Essen  Astra  am 18.06.2012             
Essen  Filmstudio  ab 19.01.2012             
Flensburg  51 Stufen  ab 26.04.2012             
Frankfurt  Mal Seh'n  ab 19.01.2012             
Freiburg  Friedrichsbau  ab 19.01.2012             
Grlitz  Camillokino  am 25.03.2012             
Gttingen  Lumiere  am 10.05. - 16.05.2012             
Hagen  Babylon   ab 02.03.2012             
Halle  Lux  ab 09.02.2012             
Hamburg  3001  ab 19.01.2012             
Hamburg  Lichtmess  am 09.02.2012             
Hannover  Kino im Knstlerhaus  ab 26.01.2012             
Heidelberg  Karlstor  ab 26.01.2012             
Herrsching  Breitwand  ab 19.01.2012             
Hildesheim  transeuropa-Festival   am 13.05.2012             
Jameln  Kulturverein Platenlaase  am 14.04.2012             
Kaiserslautern  Union  ab 16.02.2012             
Karlsruhe  Kurbel Kino  ab 23.02.2012             
Kassel  Bali  am 15.04.2012             
Kiel  Kommunales Kino   21.02. + 22.02.2012             
Klempnow  Filmfest: Der neue Heimat Film  am 25.08.2012  NRW-Premiere mit Regisseur           
Kln  Filmforum NRW  am 18.01.2012             
Kln  Filmpalette  ab 19.01.2012     
Kln  Jugendzentrum Glashtte  am 03.07.2012     
Kln  Odonien  am 19.08.2012  Open-Air   
Leipzig  Cineding  am 28.06. - 04.07.2012     
Leipzig  Cineding  ab 28.06.2012     
Leipzig  Forum Weltenwandel  am 01.02.2012     
Leipzig  UT Connewitz  02.03., 06.03. + 10.03.2012     
Lrrach  Free Cinema  am 25.05. - 27.05.2012     
Ludwigsburg  Calligari  am 26.04.2012     
Magdeburg  Studiokino  ab 02.02.2012     
Mainz  Cinemayence  ab 23.02.2012     
Mnchen  Monopol  ab 19.01.2012     
Mnchen  Museumslichtspiele  ab 26.01.2012     
Mnster  Cinema  ab 22.01.2012     
Neustrelitz  Fabrik Kino 2  ab 05.07.2012     
Nrnberg  Casablanca  ab 19.01.2012     
Pforzheim  Kommunales Kino   am 30.03.2012       
Regensburg  Filmgalerie  am 26.04. - 02.05.2012       
Rostock  Lichtspiel Wundervoll  ab 03.02.2012       
Saarbrcken  Filmhaus  ab 19.01.2012       
Stuttgart  EM Filmtheater  ab 19.01.2012       
Trier  Cine AStA  am 10.07.2012       
Trostberg  Stadtkino  ab 19.01.2012       
Villingen-Schwenningen  Guckloch  am 18.07.2012       
Wasserburg  Utopia  ab 01.03.2012       
Weimar  Lichthaus  ab 01.03.2012       
Weingarten  Linse  ab 26.04.2012       
Witzenhausen  Capitol Kino  am 05.03.2012       
Wrzburg  Central Programmkino  20.02. - 22.02.2012       
Wrzburg  CinemaxX  am 23.04.2012      

 

Kurztext


Der Traum von Utopia, vom besseren Leben im irdischen Paradies wird vom Menschen schon lange und in immer neuen Versionen geträumt. Doch die engmaschigen Lebensprinzipien der globalisierten Weltordnung lassen kaum Alternativen und Visionen zu. Ein Phänomen macht damit Schluss: Das Gründen von Gegengesellschaften. Auf der Suche nach einer idealen Lebenskultur bauen sich hunderte Do-It-Yourself-Staaten ihre eigenen kleinen Welten. Mikronationen, Eco-Villages und Sezessionisten beschreiten mit realen Territorien und Gemeinschaften alternative Wege des Zusammenlebens.

In seinem dokumentarischen Abenteuerfilm EMPIRE ME unternimmt Paul Poet, selbst Veteran alternativer Netzwerke und sozialer Experimente, eine Reise zu sechs dieser Gegenwelten, die unterschiedliche Strömungen dieser Bewegung aussagekräftig repräsentieren. Was auf den ersten Blick bunt, charmant, skurril wirkt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als sympathisch exzentrische Kampfansage – wenn dir deine Welt nicht passt, bau dir deine eigene!

Mit den Bewohnern von Sealand, Hutt River, Damanhur, ZeGG, Christiania und den Schwimmenden Städten von Serenissima.

 


„Dieser Streifen kommt, wie jede instinktiv treffsichere Dokumentation, zum richtigen Zeitpunkt. Eine höhere Metapherndichte für die Enge, zeitgleiche Weite und die dauerhaften Sehnsüchte unserer Gesellschaft wird im aktuellen Filmschaffen schwerlich zu finden sein. Rund um den Globus.
Paul Poet wird seinem Namen gerecht: EMPIRE ME ist eine kühne Reise ins Licht, das Gegenteil einer Erkundungsreise ins Herz der Finsternis, wie sie Joseph Conrad und Francis Ford Coppola beschreiben haben. Entstanden in fünf Jahren, mit der fixen Idee der mehr als ansatzweisen Auslotung gesellschaftlicher Anti-Pole und Gegenentwürfe im Hinterkopf und Ezzesgebern wie Robert Jelinek („State of Sabotage“) im Talon, beweist EMPIRE ME, dass die wahren Abenteuer eben nicht nur im Kopf sind.“
Walter Gröbchen

 

 


PRESSETEXT


„Im 21. Jahrhundert kämpfen über 500 selbsterklärte Länder am Rande der Globalisierung um das Recht auf ein eigenes Territorium und eigene Lebensregeln. Könige, Piraten, Träumer. Dies ist die Geschichte von sechs solcher Gegenwelten. Sechs Geschichten von der Suche nach Unabhängigkeit“
Paul Poet (zu Beginn von „Empire Me“)

Stellen wir uns nicht alle manchmal vor, einfach aus unserem Alltag und unseren Konventionen auszubrechen und ein völlig neues, ein anderes Leben zu beginnen?
Uns schlichtweg für unabhängig zu erklären, ein Stück Land zu unserem Königreich zu machen? Aus der herkömmlichen Zweierbeziehung und unserer Mietwohnung auszubrechen und gemeinsam mit anderen im Geist der freien Liebe zusammen zu leben? Den Traum von Utopia, vom besseren Leben im Hier und Jetzt mit ganzer Konsequenz zu leben?


Dieser Traum wird vom Menschen schon lange und in immer neuen Versionen geträumt. Doch die immer engmaschigeren Lebensprinzipien der globalisierten Weltordnung lassen kaum Alternativen und Visionen zu. Ein Phänomen macht damit Schluss: Das Gründen von Gegengesellschaften. Auf der Suche nach einer idealen Lebenskultur bauen sich hunderte Do-It-Yourself-Staaten ihre eigenen kleinen Welten. Mikronationen, Eco-Villages und Sezessionisten beschreiten mit realen Territorien und Gemeinschaften alternative Wege des Zusammenlebens. Über 500 haben sich seit den späten Neunzigern formiert, manche kaum größer als eine Schaf-Farm, eine Meeresplattform oder ein Laptop. Tausende Freidenker sagen damit der neuen Weltordnung den Kampf an. Sie annektieren ganze Landstriche und Stadtviertel. Sie produzieren eigene Gesetze, Sprachen, Briefmarken und Geldnoten. Die Populationen reichen von 1 bis 500.000 und kommen aus den verschiedensten Schichten und Ideologien.


In EMPIRE ME unternimmt der Autor Paul Poet, selbst Veteran alternativer Netzwerke und sozialer Experimente, eine Reise zu solchen Gegenwelten. Der dokumentarische Abenteuerfilm mit Internetanbindung ist als Road Movie in die Herzen uns fremder sozialer Gefüge angelegt. Als Blick auf und hinter die Selbstinszenierung. Paul Poet und sein Team erkunden dabei nicht nur die verschiedenartigen Visionen, von denen sich die Gegenwelten und ihre Macher leiten lassen. Sondern sie suchen vor allem nach dem gemeinsamen menschlichen Bedürfnis, das sie vereint: Die Sehnsucht nach Bedeutung, Anerkennung und Gemeinschaft in einem zunehmend unüberschaubaren Weltgefüge.

 

ZIEL 1: DAS FÜRSTENTUM VON SEALAND

Sechs Meilen entfernt von der Küste von Suffolk, England und unabhägig seit 1967. Da das 500 Quadratmeter große Fürstentum in internationalem Gewässer liegt, ist es die erste anerkannte Mikronation nach internationalem Seerecht. Der Radiopirat Roy Bates kaperte 1966 diese Fliegerabwehrplattform, ein Landeplatz und zwei dicke Stahlrohre im Wasser bieten Platz für fünf ständige Bewohner und die weltgrößte Server-Station für anderswo illegale Webseiten. Die Bates leben längst in einer Villa am englischen Festland und der bullige Regent Prince Michael of Sealand, der eher einem Cockney-Gauner ähnelt, leitet die Geschäfte. Die Regeln sind einfach. Steuern gibt es keine. Erlaubt ist, was Geld bringt. Einen Thronfolger gibt es auch: Prince James von Sealand wird irgendwann sein Erbe antreten.

 

ZIEL 2: DIE PROVINZ VON HUTT RIVER


Die aufständischen australischen Bauern dieser Provinz erklärten sich in den 1970er Jahren aus Rache für die Enteignung durch korrupte Gerichte unabhängig. Mittlerweile haben Gläubiger und Beamte aufgegeben und Hutt River mit seinen Grenzposten im Nirgendwo gilt heute durch ständige Monarchen-Maskeraden als Touristenattraktion. Mit den Familien seiner vier Kinder sowie seiner Frau lebt der inzwischen 80jährige König Leonard Casley in einem abgewrackten Farmareal. Besucherbusse halten täglich um sich durch die Merchandise-Räume und die Casley-Kirche mit Heiligenbildern der Familie führen zu lassen. Jeder respektiert und liebt den Monarchen, den bauernschlauen Strategen, der es geschafft hat mit acht offiziellen Botschaften in der Welt und lukrativen diplomatischen Beziehungen seine Existenz zu sichern. Doch er ist alt und seine Söhne sind fernab würdige Nachfolger zu werden. Sie beschäftigen sich lieber mit betrunkenen nächtlichen Jagden.

 

ZIEL 3: DIE FÖDERATION VON DAMANHUR

Ein italienisches Öko-Dorf in der Bergwelt nahe Turin. Bekannt wurde es vor allem für seine kilometerlangen unterirdischen Tempelanlagen, die mit Mosaiken übersät den Kontakt zu Göttern und Außerirdischen ermöglichen sollen. Nachdem Italien die über ein Jahrzehnt illegal gebaute Anlage entdeckte, sollte sie zuerst abgerissen werden. Damanhur überlebte im letzten Moment durch die Akzeptanz als Kulturgut. Hunderte Bewohner widmen sich seitdem der „Mystery School“ und den weißmagischen Zirkeln und Riten unter der Ägide des Zeitreisenden Falco, ihrem geistigen „Führer“. Die Bürger müssen ihre komplette Existenz aufgeben, um durch ständige Arbeit am System und am unterirdischen Tempel Tore zu anderen Dimensionen aufzustoßen. Ein Zwei-Klassensystem zwischen den Neulingen und den „Erleuchteten“, die Tiernamen tragen, sorgt für Respekt und Distanz.

 

ZIEL 4: DAS ZeGG


18 Hektar Land bei Belzig, 80 Kilometer westlich von Berlin. Das „Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung“ startete im Geiste Otto Mühls als sexuell orientierte Therapie-Kommune. Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahmen Aktivisten ein Gelände, das zuvor zum Training der Nazi-Sportler für die Olympiade 1934 und später zur Ausbildung von Stasi-Agenten diente. „Gruppensex-Sekte“ hetzte die Regenbogenpresse in den ersten Jahren. Heute ist man ein wenig braver geworden. ZeGG ist Mitglied des globalen Eco-Village-Netzwerks, formt die Politik des Landkreises maßgeblich mit und exportiert Beziehungsworkshops. Neuen Besuchern, bei denen vor allem die Phantasien von freien Orgien brodeln, wird hier über den Partnertausch hinaus das Prinzip der Problem-Aufarbeitung in der Gruppe und Methoden der Selbstfindung nahe gebracht. Umgeben von einem Menschenkreis lässt man – moderiert von einem Gruppenleiter – allen Ballast ab. Im intimen Zirkel löst sich das meist in sexueller Nähe der Gruppe auf.

 

ZIEL 5: DER FREISTAAT CHRISTIANIA


Das oft tot gesagte Anarcho-Stadtviertel Kopenhagens ist eine Legende der 68er-Generation. Vom Alternativ-Yuppie bis zum Obdachlosen und Streetgang-Dealer bietet es diversesten Subkulturen Unterschlupf. Doch das Gelände soll für die Stadt-verschönerung und zugunsten eines Wohnungsareals für die gehobene Klasse planiert werden. Bewaffnete Polizeibataillons patrouillieren ständig durch das Gelände und durchsuchen unangekündigt die selbst erbauten Häuser. Eine Eskalation ist abzusehen, viele junge Aktivisten sind bereit bis zur letzten Konsequenz für ihr Gelände zu kämpfen, doch die Alten aus der Hippie-Ära geben den Ton an. Mit unnötig komplizierten basisdemokratischen Entscheidungsprozessen und in ihrer Angst, die Häuser zu verlieren, verhindern sie sogar friedliche Demonstrationen. Der unvermeidbare Straßenkampf mit der Polizei macht Konflikte nach innen wie außen sichtbar.

 

ZIEL 6: DIE SCHWIMMENDEN STÄDTE VON SERENISSIMA

Diese Wasserwege befahrenden, temporären Welten sind Flösse mit Platz für 30 amerikanische Künstler-Punks. Jedes Jahr erbauen sie sich 30 bis 50 Quadratmeter große schwimmende Märchenwelten für ihre Reise, um sie am Ziel wieder niederzureißen: die ständigen Abenteuer und die Beweglichkeit stellen die einzige feste soziale Größe dar. Diesmal endet die Reise im Canale Grande von Venedig. Zuvor musste die Besatzung in der Adria mit Bora-Fallwinden oder in Slowenien mit den Schifffahrtsbehörden kämpfen: doch man lässt die Outlaws gewähren: man hätte „keine Regeln für Kunst“.

 

 

MIKRONATIONEN – ein Exkurs

Mikronationen sind real gelebte Utopien in der Welt des beginnenden 21. Jahrhunderts. Staaten, die offiziell eigentlich nicht existieren dürften, für die im „globalen Dorf“ scheinbar kein Platz ist. Dazu zählen auch neue Kommunenarten wie „Intentional Communities“ und „Eco-Villages“, Sezessionsbewegungen, Enklaven, Sekten, Squatter, Neo-Pagans sowie wandernde nomadische Stämme im urbanen Raum. Wie jede Subkultur, die sich gerade in Bewegung und Entwicklung befindet, lehnen sie alle einen einheitlichen gemeinsamen Überbegriff ab. Ihnen allen gemeinsam ist die Flucht vor der Engmaschigkeit der als erdrückend erlebten globalisierten Weltordnung. Diese Flucht äußert sich im kreativen gemeinschaftlichen Erbauen einer tatsächlich bewohnten Gegenwelt.


Mit Fantasienamen wie Rübezahlia und Nobinobi und der oftmaligen Selbsternennung zum Königreich sind Mikronationen die skurrilste und ungewöhnlichste Form der Abkapselung als souveränes Territorium. Mikronationen sind aber auch dezidiert politisch. Sie nutzen geschickt Grauzonen des nationalen wie internationalen Rechts. Sie deklarieren ihren eigenen Staat in verlassenen Minen oder Tempeln, auf Sandbänken und Riffs auf offener See. Manchmal sind es Meeresplattformen, manchmal sogar Eisberge oder Asteroiden. Meist aber sind es bestimmte Stadtteile oder Farmen, wo es strittig ist, welche Staats- oder Besitzansprüche dafür geltend gemacht werden können. Die Erklärung zum Königreich als nationalstaatliche Form ist dabei nicht nur Narzissmus, sondern juristisch gesehen die leichteste Form sich zu konstituieren und international auch akzeptiert zu werden.

Mikronationen berufen sich dabei auf die 1933 beschlossene Konvention von Montevideo, nach der ein souveräner Staat eine ständige Bevölkerung, ein definiertes Staatsgebiet, eine Regierung und die Fähigkeit, mit anderen Staaten in Beziehung zu treten, haben muss. Neben diesen besitzen Mikronationen meist auch eine eigene Währung, Staatshymnen, Gesetze, Briefmarken, Zeitungen, manche eigene Öko-Systeme und Kirchen, manchmal sogar eigene Sprachen. Sie haben meist eine sehr kleine Population. Manche setzen den Schritt zum Weltenerbauen aus Geschäftemacherei, aus existentieller Not, aber auch als politische Agitation.

Das Hauptziel ist die Anerkennung durch andere Staatsmächte, bevorzugt durch die UNO. Es zahlt sich aus, denn schließlich resultiert das in diplomatischer Immunität, Unabhängigkeit, Steuerfreiheit im Fall der Abnabelung von anderen Ländern. Es berechtigt zu Handelsabkommen und Wirtschaftszweigen wie Waffenherstellung und medizinische Behandlungen, die anderswo verboten wären.

 

 

DIRECTOR´S NOTE
von Paul Poet – Wien, 25.01.2011

Wie bringe ich acht Jahre der Reise, des kreativen filmischen Erschaffens, der Erforschung, der Entbehrung, zuletzt und vorerst der Erkundung und des Abenteuers, jenes Gefühls, dass der neuen Massenweltordnung nachhaltig verloren gegangen zu sein scheint, auf einen Punkt. Gut, ich habe einen Film gemacht, einen Kinofilm, der prachtvoll und opulent, emotionell und intensiv geworden ist, so wie er ist, etwas, worauf man stolz sein kann. Viel wichtiger jedoch ist mir, eine große, international verständliche Momentaufnahme des Freiraums geschaffen zu haben. Besser gesagt: Der Freiräume. Denn diese in einer komplett vermessen geglaubten und abgeklärten Welt zu erkunden, darum geht es mir hier. Um moderne Piraten und Freigeister, selbsterklärte Königreiche und Miniaturstaaten, Gegenwelten, die Grenzen neu setzen, sozialpolitische Ideen neu fabulieren und ausleben. Von Plätzen, Utopien, Gesellschaftsordnungen, die sich keiner neuen Weltordnung unterwerfen, nicht den Weg des geringsten Widerstands gehen, sondern die unseren Globus, seine Menschenmächte und moralischen Majoritäten hinterfragen und aushebeln, Wirklichkeiten behaupten und damit tatsächlich die reale Weltentwicklung beeinflussen und ändern wie jede Subkultur, die nur langsam ans Herz unserer aller Zukunft vordringt. Science Fiction im Hier und Jetzt, ganz real, greifbar, betretbar.

Es war im Sommer 2003 im kühlen finnischen Sonnenschein der farnüberzogenen Insel Harraka vor Helsinki, wo dieser Film geboren wurde. Robert Jelinek, ein befreundeter Konzeptkünstler, hatte den „State of Sabotage“ gegründet, einen subversiven Akt, um die dunklen, unerkundeten Zonen, die schwarzen Flecken der heutigen Landkarten, längst Territorien von Rechts- und Machtansprüchen und keine geografischen Plätze, aufzuzeigen, zu provozieren und auszunutzen. Alien-Designer H.R. Giger schuf ihm das Staatsmonument. Der Arbeitslosenchor der schreienden Männer brüllte die neu geborene Nationalhymne. Und er war nicht allein. Es war der erste Weltkongress so genannter Mikronationen, von NSK/Laibach über das Königreich von Elgaland-Vargaland bis hin zum auch in EMPIRE ME vertretenen Fürstentum von Sealand. Vatikanstadt, die Cayman-Inseln und Monaco waren leider nicht vertreten.

Ich war als Geistesverwandter eingeladen worden. Als studierter Subkulturspezialist. Als Kind der Wiener Punk-Szene und Widerstandskultur. Vor allem als frisch international ausgezeichneter Regisseur des Films AUSLÄNDER RAUS! SCHLINGENSIEFS CONTAINER, der Dokumentation jener legendären Wiener Konzentrationslager-simulation, jenes Big Brother-gestylten Entertainment-Schock-Events von Christoph Schlingensief, in dem eine soziale Plastik den gesellschaftlichen Status Quo und die Massenmedienorgel zum Thema Rechtsruck, Rassismus und Politpopulismus erfolgreich attackierte und aufwiegelte. Die Ästhetik der Gegenwelten war aber diffiziler, abgefeimter, nachhaltiger. Wie sonst schafften es plötzlich soziale Niemande und Exzentriker in Briefkontakt mit Kofi Annan, der britischen Queen und zu Anerkennnungs-Status von UNO und CIA zu kommen.

Zurück am österreichischen Schreibtisch lernte ich die vielen Verästelungen des Phänomens der Gegenwelten kennen: Nach der großen Ära der kolonialen Seefahrt und des Welthandels im 15ten bis 19ten Jahrhundert, nach der von 1968 beflügelten post-industriellen New Country-Bewegung torpedierte das Internet eine neue Weltvernetzung, damit die dritte Phase dieser eigentümlichen Landnahme los. Leute annektierten weltweit Flächen, um sie zu neuen Staaten und Eigenländern mit Flaggen und Gesetzen zu deklarieren, unabhängig von rechts und links, Mittelstand oder sozialem Abschaum, Punk, Hippie oder Neo-Nazi, Nomadenstamm oder Prinzentum. Die Vielzahl der sozialen Möglichkeiten kannte kein Ende. Nach einer Weltreise, in der ich über 30 dieser Gegenwelten besuchte, siebte ich schließlich die sechs visionärsten, relevantesten und widerborstigsten für EMPIRE ME aus.

Die meisten Menschen fragen da: Wie geht das? Wie finanziert sich das? Wozu? Warum? Und geben die Antwort implizit selber, da sie ihren eigenen Lebens- und Denkkäfig inmitten der westlichen Wirtschaftsdemokratien darstellen, dabei ihre eigene Handlungsunfähigkeit in politischen, sozialen, massenmedialen Strukturen erkennen, die sie nur als konsumierende Ziffer, als Quote, nicht als Person erfüllen können. Gegenwelten aber stehen für: Freiheit. Kampf. Raum. Ideale. Moralismen. Selbst-ermächtigung. Altbekannte romantische Ideale des Rock´n´Roll: Power to the People! Macht kaputt, was euch kaputt macht! Don´t dream it, be it! Lebe das Fantastische!

Um diese sechs Geschichten in einer adäquaten Form erzählen zu können, betrat ich mit einem kleinen dokumentarischen Team, dem eine umfassende Eigendynamik und Beweglichkeit zugesprochen wurde, die Herzen dieser sozialen Miniatureilande, spürte Schlüsselgeschehnisse und markante Personen heraus, um in Vignetten und filmischen Kurzgeschichten hautnah und doch unter den Erzählprämissen eines Kinofilms mitreißende narrative Splitter einfangen zu können, die Bestandteil eines großen kinematischen Freskos wurden. Robert Altman stand Pate für die komplexe Story-Struktur. Dokumentarisch-poetische Weltenerkunder wie Werner Herzog und Chris Marker für die Art der Annäherung. Die großen literarischen Werke von Daniel Dafoe, Milton, Aldous Huxley, Henry David Thoreau und Antonio Negri für den großen erzählerischen Atem, gleichzeitig utopisch-philosophisch wie abenteuerlustig, gedankenschweifend wie humorvoll kritisch sein zu können. 

Heraus gekommen ist ein Anti-Globalisierungsfilm, der sich von allen anderen Anti-Globalisierungsfilmen distanziert, indem er nicht von Umweltverschmutzung, Über-bevölkerung bis zur Entmenschlichung alle Negativa durch rattert, sondern Wege darüber hinaus aufzeigt. Der Hirnkästen und Existenzschubladen aufreißt, um in 100 träumerisch-witzigen wie mitreißend spannenden Minuten Horizonte abzubilden. Der mit seinen skurrilen, wahnwitzigen, großmäulig epochalen Kleinwelten dem Lauf des großen Globus wesentlich mehr geben kann als Bio-Nahrung und alternatives Benzin. Eine Idee nämlich, eine Ahnung, wie die individuellen Bedürfnisse und das soziale Miteinander auch eine post-demokratische Welt der vereinzelten Ich-AGs überleben können. Dabei ist EMPIRE ME als Kinofilm für mich gleichermaßen Popkultur wie Politik, Cinema Verité wie Fantasy-Film, eskapistische Unterhaltung wie dokumentarische Seelennahrung. Denn nicht das Weltall, die Welt birgt unendliche Weiten, die es ständig zu erkunden gilt.

 

 

REGISSEUR PAUL POET

Paul Poet wurde am 3. Oktober 1971 in Abqaiq (Saudi Arabien) geboren. Seit 1984 lebt er in Wien, wo er lange Zeit als Veranstalter, DJ, Promoter, Kritiker und Sänger im Musik-Underground verankert war. Von 1991 bis 1999 studierte Paul Poet Philosophie sowie Publizistik und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien. 1996 wandte er sich der Filmregie zu und feierte als Autodidakt rasch Erfolge. Nach seinem Debüt-Kurzfilm Hoch Zeit folgten etliche Musikvideos und TV-Beiträge, darunter der preisgekrönte Musikclip Triphopping in the Planet Drug (1999), der ihm internationale Vergleiche mit Musikvideo-Größen wie Chris Cunningham einbrachte. Von 1999 bis 2001 entwickelte und kuratierte Paul Poet Formate für das wegweisende Web-TV-Internet-Portal Webfreetv.com. Im selben Jahr übernahm er die Leitung des Indie-Channels besagter Homepage. Schon im Vorfeld hatte er auf „Webfreetv.com“ das erste europäische Online-Filmfestival, den „Internet Film Award“, veranstaltet, für den er als einziger europäischer Vertreter 2000 zur Yahoo!-Filmwebseiten-Convention nach Los Angeles geladen wurde. Des Weiteren führte er Regie beim Online-Auftritt der Aktion „Ausländer raus. Bitte liebt Österreich“ von Christoph Schlingensief (Wiener Festwochen, 2000). Letztere avancierte zum bisher weltweit größten Internet-Kunstprojekt mit 800.000 BesucherInnen in nur einer Woche. Mit der filmischen Dokumentation der Aktion feierte Poet schließlich auch sein gefeiertes Kino-Langfilmdebüt. Neben seinen Regiearbeiten für Film und Theater („Sommerphettspiele“ 2004, „Satan Mozart Moratorium“ 2008, u.a.) ist Paul Poet als Kulturjournalist tätig (u.a. für ORF Kultur, Der Standard, Skug, Intro).

Filmographie

  • 2011 Der Minusmann (Spielfilm, in Produktion)
  • 2011 Empire Me – Der Staat bin ich! (Dokumentarfilm)
  • 2005 – 2006 Die Reportage (TV-Dokumentationen)
  • 2004 The Amp Hymn / Alt (Musikvideos)
  • 2002 Ausländer raus! – Schlingensiefs Container (Dokumentarfilm)
  • 1999 Triphopping in the Planet Drug (Musikvideo)
  • 1996 Hoch Zeit (Kurzspielfilm)

Auszeichnungen

  • Worldfest Houston: Remi Award (für „Ausländer raus! – Schlingensiefs Container“)
  • Image Festival Toronto: Best International Video Award (für „Ausländer raus! – Schlingensiefs Container“)