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CREDITS

Buch & Regie : Elwira Niewiera & Piotr Rosolowski
Produzenten: Anna Wydra / Otter Films (P),
Ann Carolin Renninger & Thomas Kufus / zero one film (D)
Redaktion: Dagmar Mielke (rbb / ARTE)
Kamera: Piotr Rosolowski
Montage: Karoline Schulz, Andrzej D?browski
Ton: Marcin Lenarczyk, Tomasz Wieczorek
Musik: Maciej Cieslak

76 min, HD; Farbe
Polen / Deutschland 2014

 


DOMINO EFFEKT

Ein Dokumentarfilm von Elwira Niewiera & Piotr Rosolowski

Kinostart: 9. April 2015

Stadt  Kino  Termin  Info   
Berlin  Babylon  28.04.15  Filmpolska   
Berlin  Bundesplatz Kino  23.04.15  Filmpolska   
Berlin  Filmklub K18  24.04.15  Filmpolska   
Berlin  fsk  ab 09.04.2015  29.04. Filmpolska   
Berlin  Hackesche Hfe  08.04.2015  Premiere   
Berlin  Hackesche Hfe  ab 09.04.2015     
Berlin  Kino Krokodil  ab 09.04.2015  Filmgesprch am 14.04 um 20 Uhr   
Berlin  Lit. Colloqium e.V.  05.06.15     
Berlin  Tilsiter Lichtspiele  Ab 16.04.     
Braunschweig  Roter Saal  16.04.2015     
Dresden  Kino im Dach  ab 07.05.2015     
Gppingen  Open End e.V.  18.04.2015     
Grohennersdorf  NeisseFilmfestival  05.10.-10.05.2015     
Hannover  Knstlerhaus  26.02.- 04.03.2015     
Herrsching  Breitwand  ab 07.05.2015     
Kln  Filmpalette  ab 02.04.2015     
Ludwigsburg  Caligari  29.04.2015     
Mnchen  Werkstatt  04.+05.04.2015     
Nrnberg  Filmhaus  05.- 11.03.2015     
Ochsenfurt  Casablanca  23.- 25.03.2015     
Regensburg  Filmgalerie  26.+27.05.2015     
Schwbisch Hall  Kino im Schafstall  04.+05.06.2015     
Wangen  Lichtspielhaus Sohler  22. + 23.06.2015     
Wiesbaden  GoEast  25. + 26.04.2015     

Synopsis

Abchasien ist ein vergessenes, vom Krieg gezeichnetes Land – nahe gelegen an aktuellen Krisenherden wie Krim und Ostukraine. An der Küste des Schwarzen Meeres gelegen war die nicht anerkannte Republik früher Strandidyll für glückliche Sowjets. Heute zerfallen die Palastartigen Hotels im Wind des Post-Kommunismus.

Auf den Ruinen eines Staates, den es nie wirklich gegeben hat, beginnen Natascha und Rafael ihr gemeinsames Leben. Er ist Sportminister von Abchasien und absolut optimistisch, dass die von ihm organisierte Domino-Weltmeisterschaft das Land auf das internationale Parkett heben wird. Sie ist eine russische Opernsängerin, für Rafael verließ Natascha ihren Mann und ihre Tochter und gab ihre Karriere in Russland auf. Voller Hoffnung und Enthusiasmus kam sie nach Abchasien. Doch richtig willkommen ist sie dort nicht. Was für beide ein neuer Anfang werden sollte, gestaltet sich zunehmend als ein Weg ins Ungewisse.

Vom Oscar ® - nominierten Team von „Mauerhase“ ist DOMINO EFFEKT nun ein visuell eindrucksvoller Dokumentarfilm mit einer Portion schwarzem Humor am Schwarzen Meer - der uns tiefen Einblick gibt in ein Leben im Banne Russlands.

 

 

INTERVIEW ELWIRA NIEWIERA & PIOTR ROSOŁOWSKI

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, in Abchasien einen Film zu drehen?

Elwira Niewiera: Alles fing 2008 an - kurz nach dem russischgeorgischen Krieg, im Zuge dessen Russland als einziger Staat Abchasiens Unabhängigkeit anerkannt hat. Ich las in der Zeitung einen Artikel darüber und stellte mir dabei immer wieder die Frage, was es eigentlich bedeutet, in einem Staat zu leben, von dem die Welt nichts wissen will. Danach fing ich an, wie im Sog, tagelang Reportagen von Ryszard Kapuscinski über Abchasien zu lesen. Ein Satz blieb dabei hängen: „Es gibt einen Ort, der ein Paradies auf Erden sein könnte, doch dort gibt es mehr Feldminen als Menschen.“ Der Satz wurde zum Motor, so dass wir uns entschieden haben ein paar Monate später nach Abchasien zu reisen.

Piotr Rosołowski: Abchasien ist ein auf keiner Weltkarte verzeichnetes Land. Kaum jemand kennt diesen wunderschönen und zugleich verfluchten Ort. Zuerst waren es die vielen Paradoxe, auf die wir dort ständig gestoßen sind und dann merkten wir, dass wir die Tragik hinter der Absurdität dieses Ortes verstehen wollen und haben uns entschieden einen Film zu drehen. Und da begegnete uns Domino…

Wie seid ihr denn auf Eure Protagonisten gestoßen?

E: Na ja, auf Rafael durch die Domino-Weltmeisterschaft. Als wir das erste mal nach Abchasien reisten, fingen die Vorbereitungen dafür gerade an und da Domino in Abchasien eine anerkannte Sportart ist, landeten wir natürlich irgendwann im Büro des Sportministers und wir verstanden uns sofort unheimlich gut mit Rafael.

P: …aber erst ein Jahr später lernten wir seine neue Ehefrau Natascha kennen, die sich entschieden hatte aus Russland nach Abchasien zu ziehen. Wir waren uns schnell einig, dass die beiden unsere Protagonisten werden müssen. Wir waren damals fasziniert, dass sie sich trotz der Probleme und Widrigkeiten dort entschieden hatten, zusammen zu leben.

E: Ihre schwierigere persönliche Lage entsprach auch der schwierigen Lage des Landes. Zu Beginn unserer Recherche waren wir fest davon überzeugt, Abchasien als eine abtrünnige georgische Republik stünde ja im Konflikt mit Georgien. Da es aber seit 20 Jahren gar keine Beziehungen zwischen den Ländern gibt, ist auch der Konflikt eingefroren. Was die Menschen heutzutage in Abchasien viel mehr beschäftigt, ist die Beziehung zu Russland. Ein sehr zwiespältiges Verhältnis, denn unabhängig zu sein, bedeutet für Abchasien praktisch eine Abhängigkeit von Russland. Sowohl wirtschaftlich als auch militärisch. Man könnte das eine Zwangsliebe nennen, denn Russland ist der einzige Partner für Abchasien. Langfristig fürchten sich die Abchasen, von Russland vollständig einverleibt zu werden. Diese Furcht bekommt Natascha dort ganz oft zu spüren.

P: Natascha repräsentiert jenes Imperium, durch das Abchasien seit Jahrhunderten immer wieder kulturell und politisch beherrscht wurde. Das Land ist immer schon ein Spielball der großen Politik des Südkaukasus gewesen. Seit dem Zerfall der Sowjetunion, kämpfen die Abchasen um ihre Unabhängigkeit. Im Bürgerkrieg 1992-1993 haben sie das georgische Militär auf ihrem Territorium geschlagen, dann standen sie Wirtschaftsblockaden, Jahre ohne Strom und fließendes Wasser durch, um ihren eigenen Staat zu haben. Zwischen Georgien und Russland wird dieses kleine Land als ein Teil des geopolitischen Spiels benutzt. So wie wir das jetzt auch auf der Krim erleben können.

Ihr habt sechs Mal in Abchasien gedreht – wie habt Ihr mit Euren Protagonisten gearbeitet?

E: Die größte Herausforderung war wirklich, die Beziehung unserer Protagonisten aus einer intimen Perspektive, mit Zugang zu ihren wahren Gefühlen zu zeigen. Als Filmemacher erwartest du, dass du von deinen Protagonisten viel bekommst. Aber für mich macht die Arbeit und überhaupt das Leben erst dann Sinn, wenn es aus „Geben und Nehmen“ besteht. Wir haben von Anfang an versucht, menschlich etwas zurück zu geben und unsere Protagonisten waren auch sehr empfänglich dafür. Ich kann mich gut daran erinnern, dass wir manchmal eine Woche lang einfach nur da waren. Und dann kam auf einmal eine Szene, die letztendlich für den Film sehr wichtig ist. Wir waren so integriert, dass man die Kamera nicht mal mehr als Fremdkörper empfunden hat.

Der Film folgt seinen Protagonisten nicht – was ja auch eine Option gewesen wäre – nach Russland. Die Tochter von Natascha lebt dort und Natascha ist zwischendurch auch immer wieder dorthin zurück gegangen. Wie kam es zu der Entscheidung?

P: Wir wollten den ganzen Film in Abchasien drehen, so dass wir immer nur in diesem Land sind. Auch wenn Natascha mit dem Zug nach Russland fuhr, sind wir an der russisch-abchasischen Grenze ausgestiegen. Wir wollten unsere Geschichte begrenzen und alles nur in und aus der Sicht Abchasiens erzählen. Ich denke, dadurch bekommen wir mehr Klarheit und der Film ist geschlossener. Alles passiert in diesem kleinen winzigen Land, das es völkerrechtlich gar nicht gibt!

Scheitert die Beziehung Eurer Protagonisten denn am Land oder an der Liebe? Scheitert sie überhaupt?

E: Einerseits ist da ihre große Liebe zueinander, andererseits ist jeder für sich in seiner eigenen Welt und Vergangenheit gefangen. Natascha ist innerlich zerrissen, hat viel aufgegeben und dadurch viel zu verlieren. Rafael trägt die Schrecken des Krieges noch immer mit sich herum, er fühlt sich schuldig und ist desillusioniert über die gescheiterten Hoffnungen seines Landes. Da sind Schwierigkeiten schon vorprogrammiert.

Woher stammen die Archivbilder? Man sieht Kriegssituationen, man sieht Leichen, man sieht Rafael in einer ziemlich abgehobenen Rolle.

E: Diese Bilder stammen aus dem Bürgerkrieg mit Georgien, der vor 20 Jahren das Land erschüttert hat und bei dem Rafael als Panzerkommandant dabei war. Wir erleben ihn im Film, wie er durch seinen Befehl zwei Menschen in den Tod schickt. Er trägt große Schuldgefühle mit sich, die er bis heute nicht loswerden kann. Das ist auch etwas, was Natascha ihm oft im Film vorwirft - dass er im Leben nicht handeln kann, weil er den Menschen immer aus seinen Schuldgefühlen heraus nachgibt. Durch dieses Archivmaterial wird deutlich, wie die Menschen heute noch, ebenso wie die zerstörten Gebäude, vom Trauma der Gewalt und des Hasses geprägt sind.

P: Was man ganz schnell in Abchasien zu spüren bekommt ist, dass die Menschen viel mehr in der Vergangenheit als in der Gegenwart leben. Für sie ist das alles genau so wichtig wie das, was gestern passiert ist. Das ist ein komplett anderes Zeitgefühl als man es in Europa hat, wo die Menschen sich viel mehr auf die Zukunft konzentrieren. Für die Abchasen gibt es einfach keine klare Zukunft.

Ihr habt Euch ja entschieden dieses eindrucksvolle Archivmaterial ziemlich beiläufig, ohne viele Erklärungen wer das gedreht hat und wie es dazu kam, im Film zu zeigen. Wieso habt Ihr das so gemacht?

P: Wir wollten das als einen Erinnerungsblick, komplett aus Rafaels Perspektive, zeigen. Deshalb haben wir es nicht erklärt und es ist ein bisschen fragmentarisch erzählt. Das ist etwas, was wir mit ihm öfters erlebt haben; manchmal konnte Rafael in merkwürdigen Momenten Geschichten aus dem Krieg erzählen. Das hat uns inspiriert das Material im Film auf diese Art und Weise zu zeigen.

Warum gibt es so wenige Dokumentarfilme über Abchasien?

P: Ich denke, dass es ganz viele unterschiedliche Gründe gibt. Man muss sagen, dass damals in den 90ern der Bürgerkrieg in Abchasien von dem auf dem Balkan überschattet wurde, bei dem viel mehr Menschen starben und der viel näher an Westeuropa lag. Erst 2007 hob Putin offiziell das Embargo, das seit den früheren 90ern über Abchasien verhängt war. In der Zeit war das Land wirklich komplett abgeschlossen, sogar von Russland. Und man durfte selbst als Ausländer nicht legal in das Land einreisen. Somit haben auch nicht viele Journalisten Abchasien besucht.

E: Heute noch heißt es in den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts: „Vor Reisen nach Abchasien wird ausdrücklich gewarnt.“

Warum habt Ihr den Titel Domino Effekt gewählt? Wofür steht dieser Titel für Euch?

E: Zu Beginn unserer Reisen begegneten uns die Vorbereitungen auf die Domino-Weltmeisterschaft, die an sich sehr absurd waren. Schon allein die Idee, dass ein Land so viel Glauben und Geld investiert, in der Hoffnung, dass hier nun endlich „Menschen aus verschiedenen Nationen kommen, gut über uns reden und uns anerkennen werden“. Das haben wir damals als Titel sehr passend empfunden, dieses Event bringt etwas ins Rollen oder zumindest die Hoffnung darauf. Als wir dann das Paar kennengelernt haben, merkten wir, dass wenn wir nur beim Domino bleiben, stellen wir das Land sehr lächerlich und eindimensional dar. An sich wollten wir uns den Problemen, Schwierigkeiten und Herausforderungen der einzelnen Menschen widmen. Viele der Ereignisse die wir in dem Film erleben, sind auf ein einziges Anfangsereignis, nämlich auf den Zusammenbruch der Sowjetunion und den daraus folgenden Bürgerkrieg zurückzuführen. Auch wenn ein Krieg zu Ende ist, geht er in Form von menschlicher Zerstörung, Perspektivlosigkeit und Leere weiter.

P: Während der Phase des Drehbuchschreibens bin ich eher aktiv, Elwira ist jemand der immer alles spontaner begreift. Beim Drehen kümmere ich mich im Großen und Ganzen dann um die Kamera, während Elwira in den Situationen und mit den Menschen agiert.

E: Diese Klarheit in der Aufteilung der Aufgaben haben wir uns über die Jahre erarbeitet und mittlerweile wissen wir gut, wo die Stärken und Schwächen des Jeweiligen liegen. Das hilft konstruktiv zu arbeiten und nicht die Zeit mit Streitigkeiten zu verbringen. Was ja aber gleichzeitig nicht bedeutet, dass wir uns über den Inhalt immer einig sind, da streiten wir recht leidenschaftlich miteinander.

 

 

REGIE

Elwira Niewiera lebt und arbeitet in Berlin

Elwira Niewiera ist eine polnische Regisseurin und Rechercheurin. Ihr erster Dokumentarfilm „Bulgarian Stories“ wurde auf vielen internationalen Filmfestivals und im deutschen Kino gezeigt. Elwira arbeitete auch als Regieassistentin und Rechercheurin an dem Oscar ® - nominierten Dokumentarfilm „Mauerhase“. Seit 2008 ist sie auch die Vorsitzende der deutschpolnischen Kulturstiftung Nowa Ameryka.

Piotr Rosołowski Lebt und arbeitet in Berlin und Warschau

Absolvierte sein Kamerastudium an der Universität Katowice. Mit einem Stipendium der Kunsthochschule für Medien Köln ausgezeichnet. Co-Regisseur des Dokumentarfilms „The art of disappearing“ (Premiere beim Filmfestival Visions du Réel in Nyon 2013), Co- Autor des Oscar ® - nominierten Kurz-Dokumentarfilms „Mauerhase“. Kameramann von vielen preisgekrönten Lang- und Kurzfilmen, darunter: „Auf der Strecke“ (Regie: Reto Caffi, Oscar ® - nominierter Kurzfilm), „Kein Ort“ (Regie: Kerstin Nickig; Hauptpreis des Sarajevo Human Rights Film Festival) und „Walking Under Water“ (Regie: Eliza Kubarska; Spezialpreis der Internationalen Jury des Hot Docs Film Festival).