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DIE UNERZOGENEN
ein Film von Pia Marais

D 2007 - 95 Min. - 35mm

eine Produktion von
PANDORA FILM PRODUKTION

in Koproduktion mit
WESTDEUTSCHER RUNDFUNK & SÜDWESTDEUTSCHER RUNDFUNK

unterstützt von
FILMSTIFTUNG NRW
FILMFÖRDERUNGSANSTALT
MEDIA Programm der Europäischen Union

Weltpremiere
Tiger Awards Wettbewerb Rotterdam Jan. 2007

Auswahl Preise
Tiger Award Rotterdam 2007

Best First Feature Award - Durban 2007
Crossing Europe Award - Linz 2007
Signis Award - Buenos Aires International Film Festival 2007
Best Actress Award & Special Jury Mention - Cine Las Palmas 2007

ARD-Treatment Preis 2002 Max Ophüls Filmfestival Saarbrücken

Deutsche Premiere
Filmfest München 2007 - Neue Deutsche Kinofilme
Nominierung Förderpreis Deutscher Film " Regie"

Nominierung First Steps Award 2007

Nominierung German Independence Award - Bester Deutscher Film 2007

 

Darsteller

Stevie CÉCI CHUH
Axel BIROL ÜNEL (Gegen die Wand, Transylvania), Bundesfilmpreis 2004
Lily PASCALE SCHILLER (Schaubühne Berlin)

Ingmar GEORG FRIEDRICH (Hundstage, Böse Zellen), europ. shooting star 2004
Louise JOANA PREISS (Ma Mère, Clean, Dans Paris)
Eric JOSEPH MALERBA (The Statement)
Dr. Irm Branzger JOHANNA GASTDORF (Das Wunder von Bern)
Didier DIEUDONNÉ KABONGA (Trouble every day)

Benny DAVID KÖNEN
Edith MADLENE NIESYT
Kim LAURA HENTSCHEL
Kai DOMINIQUE WEGNER
Micha JANOSCH LITZINGER

 

Stab

Regie PIA MARAIS

Drehbuch HORST MARKGRAF
PIA MARAIS

Produzenten CLAUDIA STEFFEN
CHRISTOPH FRIEDEL

Redaktion WDR ANDREA HANKE
Redaktion SWR SABINE HOLTGREVE

Produktionsleitung ELKE SASSERATH

Kamera DIEGO MARTINEZ VIGNATTI (Battle in Heaven, Jápon)

Schnitt DANIELA BOCH
MONA BRÄUER (Bella Martha, Der Freie Wille)

Ausstattung PETRA BARCHI (Samsara, Hurricane Streets)

Ton ANDREAS HILDEBRANDT (Crossing The Bridge)

Musik JOCHEN ARBEIT (Einstürzende Neubauten)
YOYO RÖHM
HORST MARKGRAF

Casting GÉRALDINE BAJARD

Kostüm JULIA KOEP
JULIANE BRANDES

Maske CLAUDIA SCHAAF


DIE UNERZOGENEN

Ein Film von Pia Marais

Kinostart: 27.12.2007


Trailer

 

Kurznotiz


Stevie ist ein 14jähriges Mädchen mit zwei heimatlosen, umherziehenden Hippies als Eltern. Fortwährend ringt sie mit deren unvorhersehbarem Lebenswandel als neuzeitliche Nomaden. Als sie aus Portugal in die deutsche Provinz ziehen, hofft sie zumindest dort auf ein normales und geregeltes Familienleben. Aber die neue Realität will sich einfach nicht einstellen und bald wird deutlich, dass ihre Eltern erneut in illegale Aktivitäten verstrickt sind, um ihr Leben zu finanzieren. Um sich bei Gleichaltrigen interessanter zu machen, gibt Stevie vor, die Tochter einer Diplomatenfamilie zu sein. Langsam aber sicher gerät alles außer Kontrolle. Je mehr sich das Haus mit den Freunden der Eltern und deren Gefolge füllt, desto mehr ist Stevie gezwungen, zu ihren Eltern auf Distanz und ihren eigenen Weg zu gehen.

DIE UNERZOGENEN zeigt, wie sich ein junges Mädchen in einer physisch und emotional destruktiven Welt der Erwachsenen zurechtfinden muss. Auf kraftvolle, aber sensible Art offenbart der Film das Bild einer entgleisten Gesellschaft, in der die Rollen der Eltern und Kinder vertauscht zu sein scheinen und Eltern-Kind-Beziehungen, Verantwortung und Verbindlichkeit keinen Bestand mehr haben.

„DIE UNERZOGENEN ist der Versuch, auszuloten, was ein zu früh erwachsenes Kind dazu bewegt, trotz der vorhandenen Liebe, letztendlich auszubrechen.“ Pia Marais

 

Anmerkungen der Regisseurin
Eine ambivalente Kindheit.


Meine Eltern waren Hippies, und ihr chaotisches Leben hat mir immer als lebendige Inspirationsquelle gedient. Der ursprüngliche Impuls, der Leitgedanke zu DIE UNERZOGENEN ist, aus dieser Erfahrung eines überbordenden Chaos entstanden. Die Herausforderung war, den Film dennoch im Hier und Jetzt anzusiedeln, was den Spielraum und die innere Haltung der Figuren grundlegend ändern sollte und die Freiheit bot, eine fiktive Geschichte aus sich heraus zu entwickeln.

Fehlende Grenzen sind ein zentrales Thema der Geschichte. Dass die Erwachsenen zu sehr in sich selbst gefangen sind, um zu begreifen, wann der Spaß aufhört und der Ernst beginnt, hat zwar einen seltsam tragikomischen Unterton, zeigt aber auch die Unfähigkeit, die körperlich und seelischen Grenzen der Anderen wahrzunehmen.

Wie neuzeitliche Nomaden lassen sie sich treiben, stets darauf bedacht, nirgendwo so lange zu bleiben, dass Verantwortlichkeiten greifen könnten. Eigentlich wollen sie nichts anderes, als sich ihre Jugend zu bewahren, was vielleicht verständlich ist. Wie aber sollen Kinder ihre eigene Identität entwickeln, wie können sie gegen ihre Eltern rebellieren, wenn die Unterscheidbarkeit zwischen den Generationen nicht mehr gegeben ist? Das einzige, was sich als stabil erweist, ist die Instabilität selbst.

Für mich ist es die Geschichte eines Kindes, das seinen Weg durch die bizarren Grauzonen des richtig und falsch, des Guten und Bösen sucht. Ein verfolgender Blick auf die Selbstbehauptung inmitten der Verwundbarkeit Erwachsener. Die Perspektive des Kindes dabei einzunehmen, sollte keine Parteinahme sein. Es ging nicht darum, ein Urteil zu fällen, sondern die tief verankerte Verbindung zwischen Eltern und Kind zu begreifen.

DIE UNERZOGENEN ist der Versuch, auszuloten, was ein zu früh erwachsenes Kind dazu bewegt, trotz der vorhandenen Liebe, letztendlich auszubrechen.

Pia Marais - Januar 2007

 

Die Regisseurin über die Schauspieler

 

CECI CHUH - als STEVIE


Wir hatten die Hoffnung schon aufgegeben, das richtige Mädchen für die Rolle zu finden, als am 13. April Ceci erschien. Sie fiel uns sofort auf. Da sie aber anfänglich zu unreif wirkte, wollte ich klarmachen, dass sie mit 11 Jahren für die Filmfigur zu jung sei. Doch Ceci blieb hartnäckig. Wir machten Probeaufnahmen. Alle waren faszinierend von ihrer Art Situationen aufzugreifen und für sich zu nutzen. Bei den Improvisationsübungen mit den erwachsenen Darstellern war sie sofort die treibende Kraft, was ihr selber gar nicht bewusst war. Was war schließlich ausschlaggebend für die Entscheidung? Vor allem ihre respektlosen Art im Umgang mit Erwachsenen und ihr großartiges Gespür. Ceci war für die Rolle der Stevie wie geschaffen. Es war schön zu erleben, wie während der Dreharbeiten das Erwachsenwerden der Filmfigur mit dem von Ceci einherging.

PASCAL SCHILLER - als LILY, Stevies Mutter

Ich erinnere mich noch gut, wie ich vor einigen Jahren beim Durchblättern eines Casting-Kataloges an Bildern von Pascal hängen blieb. Als es dann an das Casting ging, beschrieb ich einer Freundin, wie ich mir Lily vorstellte, und ihr fielen dazu zwei Namen ein. Einer davon war Pascal Schiller. Auf ihre Art hat Pascal eine ähnlich komplexe Persönlichkeit wie Lily: Pascal ist deutscher Herkunft, in Frankreich aufgewachsen und hat dort Schauspiel studiert. Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, warum sie so markante Widersprüche in sich vereint. Sie kann in einem Moment sehr zerbrechlich und entrückt wirken, im nächsten wieder unerbittlich präsent sein. Die größte Herausforderung war eine ebenbürtige Besetzung für die Tochter zu finden. Zum Glück fanden wir Ceci.
Während der Dreharbeiten erwies sich Pascal als eine unglaublich hingebungsvolle Darstellerin, die vor keiner Anforderung zurückschreckte. Einmal hat Pascal gesagt, dass sie, um ihre Rolle spielen zu können, den Blick in Spiegel vermieden habe. Ich erinnere mich, wie ich Pascal darum bat, ihre Hände zittern zu lassen. Ich kann nicht sagen, wie sie es angestellt hat, aber ich weiß noch gut, wie sehr ich von der Schönheit ihrer Geste berührt war. Es war, als wäre ein Rauschen durch sie hindurchgegangen.

Hauptrollen in Theaterproduktionen für Le Maillon Strasbourg, TJP Strasbourg, Le Filature Mulhouse, Thalia Theater Hamburg, Hellerau Dresden, Schaubühne am Lehniner Platz Berlin

BIROL ÜNEL - als AXEL, Stevies Vater


Vor ein paar Jahren sah ich während der Berlinale, Thomas Arslans Film "Dealer". In der Rolle des Drogenfahnders war unbeschreiblich präsent: Birol. Er entzog sich jeder Art von Kategorisierung, man konnte nicht einmal seine Nationalität zuordnen.
Während der Drehbuchphase hatten wir ihn für die Rolle des Dimitri im Kopf. Eine Figur die später gestrichen wurde. Später erfuhr Birol von unseren Schwierigkeiten die Mädchenrolle zu besetzen. Er bot seine Hilfe bei der Suche an und ich gab ihm das Drehbuch. So fing es an. Birol hatte sich für die Rolle des Vaters entflammt.
Es kam zu einer Begegnung mit Ceci. Ich weiß noch, wie gleichgültig Birol ihr gegenübertrat. Es dauerte aber nicht lange, und Ceci hatte seine Schwachstellen gefunden. Ihr gelang es, Birol vollkommen zu verunsichern. Er konnte diese forsche Dreizehnjährige einfach nicht einordnen. Aber eins konnte Birol: Aus dieser Verunsicherung heraus eine Figur formen, so wie ich sie mir immer vorgestellt hatte.

Filme (Auswahl): “Transylvania” (05), “Gegen die Wand” (04), “König der Diebe” (04), “Not A Lovestory”(03), “Brombeerchen” (02), “Anam” (01), “Im Juli” (00), “Dealer” (99)
Deutscher Filmpreis - Bester Schauspielerr (Preisträger), European Film Award - Best Actor (nominiert)

 

GEORG FRIEDRICH - als INGMAR

Ich kannte Georg Friedrichs aus Filmen wie „Hundstage“ und „Böse Zellen“. Georg ist wie ein Medium. Wenn er in eine Rolle schlüpft, nimmt er von ihr Besitz. Er kam in der Erwartung nach Berlin, dort an einem Casting teilzunehmen, aber für mich war er von Anfang an, ohne jeden Zweifel der Richtige.
Wir hatten schwierige Szenen vor uns. Es ging darum, eine erotische Spannung mit einem 13 jährige Mädchen auf zu bauen. Was ohne Frage heikel ist. Ceci begann, Georg auf eher neckische Weise zu provozieren. Georg ließ sie machen und führte sie unsichtbar durch die Szenen. So war die richtige Grundstimmung für sämtliche gemeinsamen Szenen geschaffen.
Regisseure haben vor manchen Szenen Ängste. Georg gehört zu den Schauspielern, die in der Lage sind, sie einem auszutreiben. Er hat eine tiefe Intuition und ist ein durch und durch intelligenter Schauspieler.

Filme (Auswahl): “Das wilde Leben” (06), “Import/Export” (05), “Knallhart” (05), “Fallen”(04), “Spiele Leben” (04), “Keller-Teenage Wasteland” (04), “Silentium” (03), “Wolfzeit” (02), “Böse Zellen” (02), “Hundstage” (01), “Die Klavierspielerin” (00,)
Shooting Star Berlinale 2004

 

JOANA PREISS - als LOUISE

Geraldine Bajard, mit der ich gemeinsam gecastet habe, hatte den Nagel auf den Kopf getroffen, als sie mir Joana vorschlug. Joanas elementare, nahezu abgründige Energie lässt sie zur Muse von Designern, Photographen und Künstlern werden. Wir sahen uns Oliver Assayes Film „Clean“ an, in dem Joana eine kleine, aber beeindruckende Rolle hat. Und irgendwie gelangten wir auch an eine Kopie von Christoph Honores „Ma Mere“.
Wir schickten Joana ein Script zu, obwohl wir nicht im Entferntesten mit einer positiven Antwort rechneten. Ein paar Wochen später, als ich den Anrufbeantworter abhörte, kam mir diese dunkle weibliche Stimme entgegen. Joana gefiel das Script, sie wollte mich treffen. Ich war fassungslos.

Joana ist ein einziges Paradox. Auf der einen Seite ist sie der glamouröse Star, Schauspielerin, Sängerin, Model – aber auf der anderen Seite ist sie eine alleinerziehende Mutter, die während der Dreharbeiten ein Vermögen ausgegeben haben muss, um mit ihrem Sohn zu telefonieren. Die Energie, die Joana ihrer Rolle verleiht, wirkt wie ein erotisch aufgeladener Zünder, der anfacht, was unter der Oberfläche geschwelt hat.

Filme (Auswahl): "Dans Paris" (06), "Paris, Je T'aime" (05), "Un Couple Parfait" (05), "Ma Mére" (04), "Clean" (03)

 

Pia Marais – «Drehbuch & Regie»

Ich wurde in den siebziger Jahren in Johannesburg, Südafrika geboren. Mein Vater war ein besessener Schauspieler, der an der RADA (Royal Academy of Dramatic Arts) ausgebildet wurde. Er ist Nachkomme französischer Hugenotten und englischer Kolonialisten, die sich in Südafrika angesiedelt hatten. Meine Mutter ist Schwedin und war verantwortlich für das Wohl meiner Erziehung und der Ausbildung an der Waldorf Schule. Ich bin in Südafrika, Schweden und Spanien aufgewachsen. Ursprünglich habe ich Bildhauerei studiert, dann ging ich über zur Fotografie, bevor ich herausfand, dass ich mich im Vergleich zu den vorangegangen Arbeiten, durch Film am besten ausdrücken kann.

Nach Studienjahren an der Chelsea School of Art in London, der Rietfeld Akademie in Amsterdam und der Kunstakademie Düsseldorf setzte ich mein Studium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie (DFFB) in Berlin fort.

Nachdem ich an verschiedenen Filmproduktionen als Casting Director, als Regieassistentin und als Autorin mitgearbeitet habe, ist DIE UNERZOGENEN nun mein erster Spielfilm.

FILME

  • Die Unerzogenen, 35mm, Farbe, 95 min,
    (Preisträger Tiger Award Rotterdam 2007, Crossing Europe Award Linz 2007, Signis Award BAFICI B. Aires 2007, Best First Feature Durban 2007, Beste Hauptdarstellerin Las Palmas 2007, ARD Treatmentpreis Saarbrücken 2002 etc.)
  • Im Alter von Ellen, Spielfilm, ca. 100 min – in Entwicklung
    (Cannes Festival - La Residence 2007/08)
  • Good Hope, Dokumentarfilm, ca. 90 min - in Entwicklung
  • 17 (Seventeen), 35mm, Farbe, 20 min, Kurzspielfilm
  • Tricky People 16mm, Farbe, 19 min, Kurzspielfilm
  • Deranged 16mm, Farbe, 13 min, Kurzspielfilm
  • Loop 16mm, s/w, 5 min

 

Horst Markgraf – «Drehbuch»

Horst Markgraf wurde in Stuttgart geboren, sein Interesse an Musik und an der Super-8 Szene führten ihn jedoch in den frühen 80er Jahren nach Berlin. Sein Film „Cut Up“ gewann den ersten Preis beim Super-8 Wettbewerb der Freunde der Deutschen Kinemathek. Er gründete die Multi-Media Gruppe Craex-Apart, später die Band Mesrine (Universal). Außerdem produzierte er verschiedene Filmmusiken, unter anderem in Zusammenarbeit mit Frank Tenge und Roland Wolf (von Nick Cave and the Bad Seeds).

In den späten Achtzigern nahm er ein Studium an der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin (DFFB) auf. Sein Film „Elegie Bitterfeld“ gewann den ersten Preis beim Internationalen Kurzfilmfestival Oberhausen. Für seinen Spielfilm „Pochmann“ besetzte er die Hauptrolle mit Oskar Roehler, später arbeiteten sie gemeinsam am Script für Horst Markgrafs Film „Teichs Welt“. Sein Abschlußfilm „Jenseits der Gleise“ wurde für den Bundeskurzfilmpreis nominiert.

Er arbeitet nach wie vor als Kameramann, unter anderem für Christoph Dreher (Baßgitarrist der deutschen Kultband Die Haut). Aus dieser Zusammenarbeit entstanden Musikdokumentationen wie “Beach Boys and the Devil”, “Sonic Youth”, “House of the Rising Punk”, “Chicago Connections”, “Beck”, “Psychedelic Revolution”, “Fantastic Voyages” usw.

Als Drehbuchautor hat er bereits mehrfach mit Pia Marais zusammengearbeitet, neben mehreren Kurzfilmen schrieb er mit ihr die Drehbücher für die Spielfilme: „Watching You“ (Buch), „Good Hope“ (in Vorbereitung), „Im Alter von Ellen“ (in Vorbereitung) und „Die Unerzogenen“.

Horst Markgraf über das Konzept der Filmmusik

„Die Handlung sollte nicht illustriert werden, die Filmmusik selbst nichts ´behaupten`, keine Stimmungen vorgeben. Die konzeptionelle Idee war vielmehr, durch die Konzentration der musikalischen Motive auf die Hauptfigur, deren Innenleben transparent erscheinen zu lassen.

Erst in der Schlusssequenz sollten schließlich alle Motive zusammen fließen, alle Harmonien sich begegnen, die der Film bis dahin aufgebaut hat.

Die Instrumente und Klangfarben sollten nichts ´Reines` beinhalten. Vielmehr sollten die musikalischen Akzente hauptsächlich eine gewisse Zerrissenheit transportieren, die der filmischen Welt der Hauptdarstellerin entspricht.“

 

Pandora Film – «Produktion»
(Claudia Steffen & Christoph Friedel - Produzenten)

1982 gründeten die beiden Frankfurter Kinobetreiber Karl Baumgartner und Reinhard Brundig den Pandora Film Verleih. Der Name war dem Film „Die Büchse der Pandora“ von G.W. Pabst entlehnt. Schon mit den ersten Filmen, die unter diesem Label herauskamen, war die Ausrichtung klar: Filme wie Yol von Yilmaz Güney, Nostalghia von Andrej Tarkovsky oder Lebewohl meine Konkubine von Chen Kaige standen für anspruchsvolles internationales Arthouse-Kino. Schon bald bildeten sich enge Arbeitsbeziehungen zu Regisseuren wie Aki Kaurismäki oder Jim Jarmusch. Mit dem Piano von Jane Campion gelang auch kommerziell der erste große Durchbruch. Das Konzept, dem Publikum in Deutschland ausgesuchte Meisterwerke internationaler Kinematographien zu präsentieren, ging auf und Pandora Film ist einer der bedeutensten Verleiher in diesem Marktsegment geworden.

Neben der Verleihtätigkeit übernahm Pandora Film zunehmend auch Produktionsaufgaben. Viele Projekte wurden bereits in der Entstehungsphase erworben, aus dem reinen Lizenzgeschäft erwuchsen bald auch Koproduktionen, und mit Underground von Emir Kusturica war dann der Übergang zur Produktion vollzogen.

1996 wurden die Produktionsfirmen nach Köln verlegt. 1998 wurde der Verleih in Frankfurt geschlossen und der umfangreiche Rechtestock an die Kinowelt verkauft. Veränderte Marktbedingungen, insbesondere das veränderte Ankaufverhalten der TV-Sender, sowie die massiven Strukturveränderungen durch den so genannten „Neuen Markt“ waren nur zwei der vielen auslösenden Faktoren hierfür.

In der darauffolgenden Zeit lag der Schwerpunkt der Pandora Film ganz auf Produktion und Koproduktion. Die inhaltliche Ausrichtung wurde beibehalten, alle Filme erfuhren ihre Erstauswertung im Kino. Des weiteren ist hervorzuheben, dass für alle Projekte internationale Koproduktionen zustande kamen. Pro Jahr entstehen bis zu sechs Filme. 2002 zeichnete die Filmförderungsanstalt die Firma als „Branchentiger“ aus. Mit der Koproduktion Der Mann ohne Vergangenheit von Aki Kaurismäki wurde im selben Jahr das Verleihgeschäft wieder aufgenommen.

Heute präsentiert sich Pandora Film als unabhängiges Produktions-, Vertriebs- und Verleihunternehmen, das weiterhin mit Klasse statt Masse seinen Weg geht. Im Interesse aller Kino-Interessierten sind wir bereit, der medialen Gleichschaltung entgegenzuwirken und dem Film auch unter dem Aspekt Kunst seine Existenz zu sichern. Mit 12 hoch motivierten Mitarbeitern stellen wir uns dieser Herausforderung.

www.pandorafilm.com