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DIE SINGENDE STADT

Deutschland 2010 - 92 Min – digital

 

Buch: Thiemo Hehl, Vadim Jendreyko, Thomas Tielsch

Regie: Vadim Jendreyko

Kamera: Lothar Heinrich, Vadim Jendreyko

Schnitt: Daniel Gibel

Schnittassistenz: Miriam Zimmermann

Ton: Torsten Lenk, Steffen Müller

Sound Design: Daniel Almada

Mischung: Florian Beck

Lichtbestimmung: Matthias Behrens

Produktionsleitung: Sönke Held, Thiemo Hehl

Produktionsassistenz: Julia Cöllen, Jan-Peter Heusermann

Produktionleitung Staatsoper: Anne-Kathrin Peitz, Almut Benkert

Produktionsassistenz Staatsoper: Birgit Meyer

Redaktion 3sat: Maria Kasten, Sonja Schneider

Produzent: Thomas Tielsch

Eine Produktion von FILMTANK in Koproduktion mit der Staatsoper Stuttgart und ZDF / 3sat.

Gefördert von der MFG Baden-Württemberg.


DIE SINGENDE STADT

Ein Film von Vadim Jendreyko

Kinostart: 10. Februar 2011 (Vorstart in Baden-Württemberg: 20. Januar 2011)


Trailer

Stadt  Kino  Termin     
Brhl  Zoom  21.09.2011     
  
         
  
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         
         

 

KURZTEXT


Gesang in endlosen Fluren. Hinter dem Regal mit den Perücken der gefüllte Blutkühlschrank, ein Schwarm Elfen zwitschert durch die Kantine, Pauken, Trompeten, die allgegenwärtige Lautsprecherstimme. Einflüsterungen, große Worte, absurde Dialoge, und jede Geste zählt.

Unten dicht bei der Kanalisation gewaltige Hebeapparate, ein jubelnder Chor schwebt herauf: Die Singende Stadt.


Der Film nimmt die Stuttgarter Parsifal – Inszenierung des Regisseurs Calixto Bieito zum Anlass und als roten Faden, um in das komplexe Universum eines großen Opernhauses einzutauchen und die Menschen in dieser fremden Welt bei ihrer täglichen Arbeit zu beobachten.

Hier treffen Visionen auf die Realität des Machbaren: Jede Oper eine babylonische Anstrengung und ein sinnliches Vergnügen.

 

DER FILM


Der Film nimmt die Stuttgarter Parsifal – Inszenierung des Star-Regisseurs Calixto Bieito zum Anlass und als roten Faden, um in das komplexe Universum eines großen Opernhauses einzutauchen und die Menschen in dieser fremden Welt bei ihrer täglichen Arbeit zu beobachten.

So entwickelt sich kein herkömmliches making-of einer Opernproduktion, sondern das Bild eines ebenso hochgradig verfeinerten wie flexiblen Organismus mit erstaunlichen Fähigkeiten, mit gewaltigen Konflikten und deren eleganten oder mitunter komischen Lösungen, und wir ahnen, dass nicht erst die Oper ein "Kraftwerk der Gefühle" ist, sondern schon das Opernhaus selbst.

Am Anfang stehen eine prallgefüllte Partitur und eine große, leere Bühne. Von den ersten Überlegungen zur Gestaltung einer Spielzeit an einem Opernhaus bis hin zur Premiere eines Werks vergehen Jahre. Sind die Kernpositionen bestimmt, setzt sich eine gigantische Maschinerie in Gang. Hier setzt der Film an und zeigt den Entstehungsprozess einer Opernproduktion an einem der renommiertesten Häuser dieser Republik.


Bieitos intuitive Art zu arbeiten und die daraus entstehenden Dynamiken innerhalb der unzähligen Abteilungen des Hauses bilden den Kern von Jendreykos Film. Monatelange Überlegungen, Planungen und Zeichnungen, selbst Kernstücke des Bühnenbildes und dessen Peripherie werden durch eine einzelne Entscheidung Bieitos verworfen und müssen grundsätzlich neu gedacht werden. Der Regisseur bestimmt für die Dauer der Produktion den Rhythmus des Hauses, der Film lässt sich mitziehen von den entstehenden Dynamiken und findet seine Momente der Ruhe beim konzentrierten Arbeiten in kleinen Werkstätten und Arbeitsräumen abseits der Probebühnen und Epizentren der Geschehnisse.


Ganz wie der Held aus Richard Wagners letzter Oper dringt der Zuschauer in eine ihm unbekannte Welt ein. Er erlebt Erstaunliches, Witziges und Dramatisches, um am Schluss mit neuen Erkenntnissen von seinen Abenteuern zurückzukehren.

Und wenn Parsifal als unwissender Tor nach und nach Bewusstsein erlangt und damit erst zum ganzen Menschen, zum Individuum wird, so erzählt der Film, wie die verschiedensten Individuen in diesem Opernhaus mit all ihren Streitereien und Sorgen, ihren Fertigkeiten und Träumen zu einer handlungsfähigen, schöpferischen Gemeinschaft werden.


Der Zuschauer wird Zeuge der Freuden und Krisen, der Banalitäten und Genialitäten, der Gegensätze und Gemeinsamkeiten, die den Arbeitsalltag der Menschen hier prägen und in ihrer Summe einer Inszenierung ihr Gesicht geben. Er entdeckt Berufe, die hier wie seltene Arten gepflegt werden und lernt Menschen kennen, die in der Ausübung ihrer Tätigkeit erblühen.

Planung und Inszenierung einer Oper dauern länger als ein Jahr. Wir waren dabei. Wir haben uns diese Zeit genommen, auch um zu verstehen, was diese Maschinerie wirklich antreibt.

 

 

VADIM JENDREYKO ÜBER SEINEN FILM


Ganz am Schluss, am Abend der Premiere, stehen Menschen auf der Bühne und singen. Es ist der Moment, in welchem dem Publikum im Zuschauerraum die Summe eines monatelangen Prozesses übergeben wird. Und es ist der Moment der Befreiung und des Abschieds für die Schöpfer des Werkes, die das Geschehen mit banger Freude von der Seitenbühne aus beobachten.

Ich kenne diese Momente auch von meiner Arbeit, wenn es gilt, einen neuen Film in die Welt zu entlassen. Was davor liegt, bleibt für Aussenstehende meist im Verborgenen: es sind monate- manchmal auch jahrelange Wege, die zurückgelegt werden, durch alle emotionalen und künstlerischen Jahreszeiten und Wetterlagen.

Das Besondere an der Entstehung einer Oper ist für mich die unvergleichliche menschliche Dichte: es wirken hier unter einem Dach Hunderte von Menschen mit unterschiedlichsten persönlichen und beruflichen Hintergründen zusammen. Es prallen die verschiedensten Temperamente, Kompetenzen und Visionen aufeinander, die mit jeder Inszenierung aufs Neue synchronisiert werden müssen und in ständig wechselnden Kombinationen immer wieder neue Herausforderungen zu meistern haben.

Darin liegt sicher ein grosser Reiz für die, die hier arbeiten. Doch die einzelnen Mitwirkenden haben oft nur sehr begrenzten Einfluss, wenn es um die Zusammenstellung der Teams geht, oder um die Visionen, die es umzusetzen gilt. Viele handwerkliche wie künstlerische Herausforderungen verlangen aber ein hohes Mass an schöpferischem Potential, welches sich nur in einem guten Arbeitsklima entfalten kann und sich nicht per Knopfdruck abrufen lässt.

Wie passt das also zusammen?

Mit diesen Fragen bin ich in die ganz konkreten Arbeitsprozesse bei der Entstehung der Parsifal-Inszenierung eingetaucht. Ich wollte sehen, wie sich aus den vielen Einzelteilen etwas Neues zusammenfügt, was eben mehr ist als die Summe der Bestandteile. Ich wollte beobachten, wie mit Spannungen, Widersprüchen oder Grenzen menschlicher oder materieller Art umgegangen wird und wie Lösungen oder Kompromisse gefunden werden. Gibt es Verlierer und Gewinner in so einem Prozess? Oder sind diese Kategorien zu schmal, um das Wesen dieses Zusammenwirkens zu erfassen? Und ist dieses Haus tatsächlich die Stadt in der Stadt, wie ich sie Freunden oft beschrieben habe, und ein Spiegelbild unserer Gesellschaft? Oder eher ein Refugium für vom Aussterben bedrohte Berufe und Arbeitsweisen?

Während des Drehs sind diese Fragen allerdings oft zurückgetreten vor dem Staunen über so viel versammelte Könnerschaft und Liebe zum Detail. Es war immer wieder ein Genuss, die Leute bei ihrer Kunst zu erleben und zu begleiten, und damit meine ich nicht nur die sogenannt künstlerischen Tätigkeiten. Die Bedingungen waren nicht einfach bei dieser Inszenierung, es herrschte ein grosser Zeitdruck, der Spannungen und Einschränkungen mit sich brachte. Doch am Schluss standen Menschen auf der Bühne und sangen, und all die individuellen Anstrengungen hatten einmal mehr zu einer Form gefunden, die den Zuschauern enthüllt und übergeben wurde. Und die über sich hinaus und auf das vielschichtige, schöpferische und menschliche Potential dieses Opernhauses weist, mitten in der Stadt.

 

 

DER HINTERGRUND

1. Das Haus

Das Opernhaus ist wie eine Stadt in der Stadt, durch deren Mikrokosmos der Film uns führt. In deren unendlichen Fluren, Durchgängen, Sälen, Untergeschossen und Zwischenböden man sich schnell verlaufen kann. Sie umfasst Proberäume, Malsäle, Schreinereien, Schnürböden in dreißig Meter Höhe, die Unterbühne, deren gewaltige Technik aus Rohren, Schläuchen und daumendicken Stahlseilen die Anmutung eines gigantischen U-Boots hat - kurz: die Arbeitsbereiche der rund 1.300 Beschäftigten dieses weltweit größten Dreispartenhauses, welches als eines der führenden Häuser weltweit gilt.

Das Staatsorchester wurde im Jahr 2002 erstmalig mit dem begehrten Titel "Orchester des Jahres" der Zeitschrift Opernwelt ausgezeichnet. Der Opernchor zählt zu den besten Chören des europäischen Musiktheaters und wurde schon sieben Mal mit dem Titel "Opernchor des Jahres" ausgezeichnet, die Staatsoper selbst wurde sechsmal das "Opernhaus des Jahres". Sie hat 1.400 Plätze und rund 250.000 Besucher jährlich. Alles, was für eine Theater- oder Opernproduktion vonnöten ist, wird im Haus hergestellt. Es ist in dieser Hinsicht komplett autark.

Die Staatsoper Stuttgart hat eine lange Tradition mit Wagners Werken und galt lange Zeit als Winterbayreuth. Legendär wurde auch der "Stuttgarter Ring", der 2002 von vier verschiedenen Regisseuren an vier Abenden inszeniert wurde.

2. Parsifal

Parsifal ist Wagners letzte Oper und zugleich sein Vermächtnis. Die Oper erzählt die Geschichte eines Jungen, der von seiner Mutter zu seinem eigenen Schutz in ein Narrenkostüm gekleidet wird und von der Welt abgeschirmt aufwächst. Ganz ohne Vorbereitung trifft er eines Tages auf einen Ritter, den er wegen dessen glanzvoller Erscheinung für einen Gott hält. Geblendet von dieser Begegnung ist Parsifal nicht mehr zu halten und stürzt sich naiv in die verheißungsvolle Welt der Ritter, Frauen und Abenteuer. Schließlich, nachdem er die Höhen und Tiefen des Lebens durchschritten, Askese und Keuschheit durchlebt hat, erkennt er sich selbst, wird des Mitleidens fähig und schließlich zum König der Ritter, die den heiligen Gral bewachen, in dem während der Kreuzigung Jesu Blut aufgefangen wurde.

Am 26. Juli des Jahres 1882 wurde das Werk auf den zweiten Bayreuther Festspielen als " Bühnenweihfestspiel" uraufgeführt. Wagners Absicht war, den Kern des Religiösen durch die Kunst zu verdeutlichen und im Parsifal Kunst und religiöses Empfinden zur Symbiose zu bringen. Noch heute verzichtet darum das traditionellere Publikum darauf, nach dem Ende des ersten Akts zu klatschen.

Ohne das Gewicht der Tradition wollte Calixto Bieito dem Parsifal-Stoff begegnen und sich von der Musik und dem Moment inspirieren lassen. „Ich kenne Parsifal nicht", sagte er beim Start des Projekts. "Ich bin neugierig auf ihn, es ist wie der Beginn einer neuen Reise, zu einer neuen Liebesbeziehung“.

Inspiriert vom Roman „The Road“ des Amerikaners Cormac McCarthy konfrontiert Bieito seinen Parsifal mit den Ruinen unserer Zivilisation. Die Bühnenbildnerin Susanne Gschwender schafft eine zerstörte Landschaft, in der nur die Ruine einer Autobahnbrücke von einer vergangenen Zivilisation zeugt. Mit einer existenziellen Grundaus­stattung als Schutz gegen Hitze, Kälte und eine vergiftete Umwelt versieht die Kostümbildnerin Mercè Paloma die Figuren.“

3. Der Regisseur des Parsifal

Calixto Bieito etablierte sich in den 90er Jahren an den großen europäischen Opern- und Schauspielhäusern. 1999 wurde er künstlerischer Leiter des Teatre Romea in Barcelona.

Kein Opernregisseur der Gegenwart polarisiert so sehr wie Calixto Bieito. Der oft als „Regieberserker“ verschrieene Bieito zählt zu den spannendsten Regisseuren der Gegenwart, dessen Name auch Opern­fremden ein Begriff ist.

Absolut konträr zu seinem Image steht Bieito als Person selbst, ein überaus zurückhaltender und unprätentiöser Gesprächspartner, der es doch immer wieder schafft, mit unbändiger Energie Sänger zu unglaublichen Selbstentäußerungen zu treiben und mit seinen oft drastischen Abbildungen der Gegenwart auf der Bühne zu verstören.

Bekannt geworden ist Bieito durch seine konkrete und expressive Sprache im Umgang mit klassischen Texten, so mit Horváths Kasimir und Karoline, Shakespeares King John und Macbeth. Seit 1996 inszeniert Calixto Bieito auch für die Oper. Als Intendant in Hannover etabliert Albrecht Puhlmann, der seit 2006 Intendant in Stuttgart ist, Bietio im deutschsprachigen Raum. Im Januar 2008 stellt Bieito an der Staatsoper Stuttgart mit dem „Fliegenden Holländer“ seine erste Wagner-Oper vor.

In den letzten 2 Jahren inszenierte Bieito auch in Basel, Mannheim, Freiburg und Berlin.

Aktuelle Arbeiten sind Verdis Aida in Basel (seit September 2010) und Beethovens Fidelio (Dezember 2010) an der Bayerischen Staatsoper München.

Mauricio Kagels Aus Deutschland wird am 29. Januar 2011 in Freiburg Premiere haben.

Bieitos Parsifal wurde von der Fachzeitschrift Opernwelt zu einer der wichtigsten Inszenierungen 2010 gekürt. Im März 2011 wird die Oper in Stuttgart wiederaufgenommen. Am 28. Mai 2011 ist die Premiere seiner Stuttgarter Inszenierung von Händels Il trionfo del Tempo e del Disinganno.

4. So entsteht Oper: Die Protagonisten und Gewerke

Schon in den Schlüsselpositionen der Stuttgarter Parsifal-Inszenierung von 2010 treffen zwei Menschen aufeinander, die hinsichtlich ihrer künstlerischen Vorstellungen und ihrer Weltanschauungen kaum unterschiedlicher sein könnten:

Auf der Strasse und in den Vororten von Barcelona finden sich die Orte, die Calixto Bieito in hohem Maße für seine Produktionen und Charaktere inspirieren. Er siedelt seine Inszenierungen in zeitgenössischen Milieus an, deren Machtstrukturen und Konflikte er oft mit Sex und Gewalt darstellt.

"Man will die Oper als eine Art Paradies bewahren. Aber ich denke, dass die Welt noch schlimmer ist als das, was ich auf der Bühne zeige. Ich habe einen Freund in Gibraltar, was ja zwischen Spanien und Marokko liegt. Er ist professioneller Taucher, und er sagt, der Meeresboden ist bedeckt mit Leichen. Ein Friedhof von Leuten, die versucht haben, in eine so genannte bessere Welt zu fliehen."

Die Regiearbeit beginnt er, indem er alles liest, was mit dem Stück zu tun hat, mit der Epoche, mit verschiedenen Biographien, und gleichzeitig die Musik hört. "Ich mag nicht die psychologische Arbeit an einem Operntext. Bevor ich anfange und eine Idee habe, ein Konzept erstelle, lerne ich die Musik auswendig, ich singe sie. Alles ist in der Musik. Dann suchen wir das Konzept für heute: Was teilt dieses Werk uns heute mit, was unseren Körpern?"

Der Stuttgarter Generalmusikdirektor Manfred Honeck gilt dagegen als traditionsbewusster Dirigent. Der strenggläubige Katholik lebt mit seiner Frau und seinen sechs Kindern in Vorarlberg. Auch Honeck arbeitet seit Anfang der 90er Jahre auf europäischer Ebene und dirigierte seitdem zahlreiche internationale Orchester. Der 52jährige ist seit 2007 in Stuttgart.

Etwa ein Jahr vor der Premiere beginnt für ihn die Arbeit in seinem Haus in Vorarlberg mit dem „Kennenlernen“ Wagners. Wer war Wagner, wie hat er gelebt, wie hat er gedacht, in welcher Lebenssituation hat er sich befunden, als er Parsifal komponiert hat? Es schließt sich das Studieren der Partituren an, das Ändern von Instrumentierungen, das „dem Stück eine eigene Färbung geben“. Hierbei spielen äußere Faktoren wie zum Beispiel die Akustik eines Opernhauses eine große Rolle.

Für Honeck stellt sich im Parsifal die grundsätzliche Frage der christlichen Leidensfähigkeit und Opferbereitschaft. „Das Werk dringt ganz tief ins Innere des menschlichen Daseins und berührt Fragen nach dem Sinn des Lebens, denen wir heute nicht ausweichen können. Es ist ein zeitloses Werk.“ Auf der anderen Seite sieht er die Oper als ein Spiel und nicht als ein religiöses Werk. Wagner hat für sein "Weihefestspiel" eine neue Tonsprache entwickelt, ihr gilt das Hauptinteresse Honecks.

Chefdramaturg der Staatsoper und Dramaturg für den Parsifal ist Xavier Zuber, der mit dem Intendanten Albrecht Puhlmann bereits seit 20 Jahren zusammenarbeitet und mit Calixto Bieito befreundet ist. Zuber kommt aus Basel und war einer der Mitbegründer der Basler HipHop-Szene in den frühen 80er Jahren zusammen mit DJ Bobo. Dies gehört ebenso zu seiner Biographie wie dramaturgische Arbeiten mit Jürgen Gosch, Kazuko Watanabe und anderen. Seit 1998 war er Dramaturg in Basel und Hannover, wo er die Reihe zeitoper begründete, die sich dem experimentellen Musiktheater widmet.

Etwa zehn Monate vor der Premiere werden erste Entwürfe für das Kostüm- und Bühnenbild diskutiert, verworfen, neu gedacht. Die Werkstättenleiter kommen dazu, überprüfen die Machbarkeit der vorgelegten Pläne, beginnen zu disponieren und zu planen.

Die Bauprobe findet statt, und damit wird zum ersten Mal sichtbar, wie das Bühnenbild in groben Zügen aussehen wird und ob es überhaupt grundsätzlich funktioniert. Etwa 3 Wochen nach der Bauprobe werden die endgültigen Pläne für die Herstellung des Bühnenbildes fertig: der Startschuss für die Werkstätten.

Zu den Kostümwerkstätten zählt auch die Rüstmeisterei, eine kleine aber komplette Kunstschmiede innerhalb des Hauses. Hier werden Waffen sämtlicher Coleur hergestellt, Rüstungen und Accessoires geschmiedet. Der Rüstmeister ist auch zuständig für alles, was auf der Bühne schießt, knallt oder explodiert.

Seit der Spielzeit 1999/2000 ist Susanne Gschwender als künstlerische Produktionsleiterin Bühnenbild an der Staatsoper Stuttgart tätig. Sie hat die Bühnenbilder fast aller Opern Bieitos in Stuttgart konzipiert.

Die Kostümbildnerin Mercè Paloma aus Barcelona arbeitet seit vielen Jahren eng mit Bieito zusammen und stattete Opern in verschiedenen europäischen Städten und mehrere Kinofilme aus. Zu ihren jüngsten Arbeiten mit Calixto Bieito gehören Die Dreigroschenoper (Barcelona), Don Giovanni (Staatsoper Hannover, English National Opera London und Gran Teatre Liceu Barcelona), Il trovatore (Hannover) sowie Manon an der Oper Frankfurt.

Sieben Wochen vor der Premiere ist Probenbeginn: die Maschinerie kommt in Gang. Der Chorleiter besetzt in Absprache mit der Regie und dem Dirigenten den Chor. Grundsätzliche Dinge werden besprochen: wann und wie der Chor auf oder hinter der Bühne agieren wird, wie er szenisch integriert ist und welche Stimmfarben in welcher Stärke vertreten sein werden.

Auf der Probenbühne beginnen die ersten szenischen Proben, die Sänger erarbeiten zusammen mit Korrepetitoren am Klavier ihre Partien und bekommen, falls nötig, ein eigenes Sprachtraining, die Orchestermusiker und die Chorsänger beginnen mit der Einstudierung.

Andrew Richards singt die Titelpartie in Parsifal. Er wurde in Phoenix, Arizona geboren und hat sowohl deutsche als auch indianische Vorfahren. Er debütierte 1999 als Pinkerton in Madama Butterfly an der New York City Opera und hatte sein europäisches Debüt als Don José in Carmen in Triest. 2005 zog Andrew Richards nach Berlin und wurde mit Beginn der Spielzeit 2005/06 Ensemblemitglied an der Staatsoper Unter den Linden, wo er u.a. einen großen Erfolg mit der Titelpartie des Faust hatte.

Gregg Baker singt Amfortas in Parsifal. Der Bass-Bariton stammt aus Memphis/Tennessee und begann seine Karriere zunächst an den Broadway-Bühnen. Seit seinem Opern-Debüt an der Metropolitan Opera 1985 als Crown in Porgy and Bess ist er in den großen Opernhäusern weltweit zu hören, unter anderem in Verona, Wien, München, Hamburg, Berlin, Washington und Toronto.

Christiane Iven singt im Parsifal die Kundry. Sie ist seit 2006 Ensemblemitglied der Staatsoper Stuttgart und gastiert regelmäßig an verschiedenen europäischen Opernhäusern. In der Saison 2010/11 wird sie u.a. beim Konzerthausorchester in Berlin mit den Wozzeck-Fragmenten zu hören sein und mit Mahlers 8. Sinfonie beim Gewandhausorchester Leipzig debütieren.

Stephen Milling (Gurnemanz) wurde in Kopenhagen geboren und erhielt seine Ausbildung an der Königlichen Dänischen Musikakademie. An der Deutschen Oper Berlin debütierte er als Landgraf in „Tannhäuser“. Er feierte Erfolge als Fernando in „Fidelio“ am Teatro alla Scala in Mailand, in Brüssel, Berlin, Florenz, London und an der New Yorker Metropolitan Opera.

Der Inspizient ist für den technischen und logistischen Ablauf des Abends verantwortlich, er steht im Zentrum einer komplexen Maschinerie und ist zugleich deren Sprachrohr. Seine Arbeit beginnt schon mit den Proben. Zusammen mit der Bühnentechnik entwickelt er Lösungen für vertrackte Details: Welcher Solist tritt bei welchem Takt an welcher Stelle auf? Welches Bühnenteil muss dann vom Schnürboden an welcher Textstelle an welcher neuen Position ankommen? Wie lange braucht die Unterbühnen-Maschinerie, um den hundertköpfigen Chor zum exakt festgelegten Zeitpunkt aus der Versenkung zu fahren, ohne dass jemand gefährdet wird? Kann man die Bühne in der vorgesehenen Zeit auf- und umbauen? Denn die Vorstellungspausen dürfen nicht länger als fünfundzwanzig Minuten dauern, sonst geht dem Zuschauer der rote Faden verloren.

Acht Wochen vor der Premiere finden die ersten Kostüm- und Maskenproben des Chors statt, ebenso wie die sogenannten Sitzproben, in welchen die Positionierung der einzelnen Stimmlagen zusammen mit dem Orchester ausprobiert wird. Die Arbeit der Maskenabteilung wird zum ersten Mal präsentiert, das Licht wird gesetzt und es wird ausprobiert, ob alles so ineinandergreift, wie sich das die Beteiligten vorstellen.

Nun finden die Musik und die Szene zum ersten Mal zueinander, ein Klavier im Orchestergraben übernimmt die Funktion des Orchesters, die Szenen werden ab jetzt auf der Bühne im Bühnenbild geprobt.

Vier Wochen vor der Premiere: Die erste Orchesterprobe, anschließend die ersten Proben mit Sängern.

Es folgen weitere Proben bis zur Hauptprobe Orchester, an der die letzten musikalischen Feinschliffe gesetzt werden. Dann Generalprobe, ein Tag Pause für alle Beteiligten, dann Premiere.

 

 

Der Regisseur des Films: Vadim Jendreyko

Vadim Jendreyko wurde 1965 in Deutschland geboren und ist in der Schweiz aufgewachsen. Er besuchte das Gymnasium, die Kunstgewerbeschule Basel und die Kunstakademie Düsseldorf.
Seinen ersten Film realisierte er 1986. Er ist Vater zweier Kinder und lebt in Basel.

Filmografie (Auszug ab 2002):

2002 “Bashkim”, Kino-Dokumentarfilm 85 Min (Schweizer Filmpreis 2002, Bester Dokumentarfilm)

2003 “Transit– Zürich Flughafen” 54 Min. Dok–Film SF DRS

2004 “Leistung am Limit” 53 Min. Dok–Film SF DRS

2009 “Die Frau mit den 5 Elefanten” Kino- Dokumentarfilm 93 Min. Mirafilm und Filmtank mit ZDF/3sat, SF

Die Frau mit den 5 Elefanten war 2009 und 2010 einer der erfolgreichsten Dokumentarfilme in Deutschland und der Schweiz. Er war auf allen wichtigen internationalen Festivals zu sehen und erhielt zahlreiche Preise, darunter den Schweizer Filmpreis, den Deutschen Filmpreis (Nominierung), den Hauptpreis Silver Docs USA und wurde zum Europäischen Filmpreis nominiert.

Der Film wurde in Deutschland, Schweiz, Österreich und Frankreich im Kino ausgewertet und wird 2011 in USA in die Kinos kommen.

 

 

Die Produktion: FILMTANK

FILMTANK entwickelt und produziert Dokumentarfilme und TV-Dokumentationen und konzipiert Themenabende. Die Firma wurde im Februar 2001 als ein gemeinsames Projekt von Wüste Film und Thomas Tielsch in Hamburg gegründet. Produzent und Geschäftsführer der Firma wurde Thomas Tielsch. Im Februar 2004 wurde eine Niederlassung in Stuttgart errichtet, um die Präsenz der Firma in Süddeutschland zu stärken. 2007 entstand eine weitere Niederlassung in Berlin, deren Fokus auf den Bereichen Wissenschaft, Technik und Gesellschaft und der Formatentwicklung liegt. Saskia Kress wurde zweite Geschäftsführerin.

In den ersten zehn Jahren seines Bestehens realisierte Filmtank 35 abendfüllende und einstündige Filme und Serien, eine Vielzahl davon in internationaler Koproduktion, ausserdem seit 2007 in Berlin zwölf TV-Dokumentationen. Zahlreiche Filme liefen auf internationalen Festivals, wie beispielsweise die Koproduktion Das Moskitoproblem und andere Geschichten von Andrey Paounov in Cannes 2007. Dieser Film erhielt im November 2007 den renommierten Grierson Award des BFI London Film Festival für den besten abendfüllenden Dokumentarfilm.

Weitere preisgekrönte Filme unter anderem Call Me Babylon (Andreas Pichler) Adolf-Grimme-Preis 2004, Second Hand (Raffaele Brunetti) Globo d'Oro 2005, Die Frau mit den 5 Elefanten (Vadim Jendreyko) Europäischer Filmpreis 2009 Deutscher Filmpreis, Schweizer Filmpreis 2010.

Im Kino 2010/2011:

Die Frau mit den 5 Elefanten (Vadim Jendreyko), Verleih: Real Fiction

Nichts ist besser als gar nichts (Jan Peters), Verleih: Filmtank