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DIE FRAU MIT DEN 5 ELEFANTEN
STAB Buch und Regie Kamera Ton Schnitt Produktionsleitung Mischung Musik Produktion Schweiz Produktion Deutschland Koproduktion Finanzielle Unterstützung |
Ein Film von Vadim Jendreyko Kinostart: 28. Januar 2010
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Kurzinhalt Swetlana Geier ist die größte Übersetzerin russischer Literatur ins Deutsche und eine charismatische Gestalt. Unlängst hat die 85-jährige ihr Lebenswerk beendet, die Neuübersetzung der fünf großen Romane von Dostojewskij, die fünf Elefanten genannt. Als junge Frau arbeitete sie als Dolmetscherin für die Deutschen im besetzten Kiew, verließ die Ukraine 1943 mit den deutschen Truppen und kehrte Zeit ihres Lebens nie mehr dorthin zurück. Zum Ende ihres Lebens hin ist Swetlana Geier an die unbetretbaren Orte ihrer Geschichte zurückgekehrt. Der Film verwebt Swetlana Geiers Lebensgeschichte mit ihrem literarischen Schaffen und spürt dem Geheimnis dieser unermüdlich tätigen Frau nach.
Inhalt ![]() Swetlana Geier gilt als die größte Übersetzerin russischer Literatur ins Deutsche. Ihre Neuübersetzungen von Dostojewskijs fünf großen Romanen, genannt die „fünf Elefanten", sind ihr Lebenswerk und literarische Meilensteine. Swetlana Geier: „Für das Übersetzen ist die Vorstellung eines Transports keine zureichende Metapher. Es ist kein Transport, weil das Gepäck niemals ankommt. Mich haben immer die Verluste interessiert. Mich hat das interessiert, was immer jenseits des Neuen, des Übersetzten bleiben muss.“ Ihre Arbeit ist von großem sinnlichen Sprachverständnis und kompromissloser Achtung vor den Autoren geprägt. Sie hat den Anspruch, dass die Übersetzung im Kern den Geist des Werkes und das Wesen des Autors treffen muss. Zugleich ist ihr bewusst, dass jede Übersetzung letztendlich unvollkommen und der Zeit ihrer Entstehung verhaftet bleibt. Sie sagt: „Übersetzungen sind sterblich. Jede Zeit verdient ihre eigenen Übersetzungen.“ ![]() Swetlana Geiers Leben wurde von Europas wechselvoller Geschichte überschattet und ihr Schicksal ist außergewöhnlich: 1923 in der Ukraine geboren, erlebt sie mit 15, wie ihr Vater bei Stalins politischen Säuberungen verhaftet wird, 18 Monate später schwer misshandelt entlassen wird und kurz darauf stirbt. Mit 18 verliert sie ihre beste Freundin, als SS Kommandos in Kiew 30.000 Juden hinrichten. Während der Besetzung der Ukraine arbeitet sie als Dolmetscherin und wird 1943 mit ihrer Mutter in ein Ostarbeiterlager in Dortmund interniert. Sie erlebt die Gräuel zweier Diktaturen, aber trifft immer wieder auf Menschen mit Zivilcourage und Mut, die sich für sie engagieren und ihr Überleben ermöglichen. „Es gab einen Mann, der sich für mich einsetzte. Er war ein Mitarbeiter im Ministerium für die besetzten Ostgebiete. Und es war nicht so, dass er sich ein Schätzchen ins Bett holen wollte. Ich habe damals unter den Deutschen Menschen getroffen, die vollkommen selbstlos Unmögliches für mich erreichten.“ ![]() Nach dem Krieg bleibt sie in Deutschland, studiert, gründet eine Familie und beginnt, russische Literatur ins Deutsche zu übertragen. Heute unterrichtet sie seit 40 Jahren an verschiedenen Universitäten. Sie ist mehrfache Groß- und Urgroßmutter und das Oberhaupt ihrer weit verzweigten Familie. „Meine Lehrerin hat immer gesagt: ‚Nase hoch beim Übersetzen’. Das heißt, man übersetzt nicht von links nach rechts, wie die Sprache läuft, sondern nachdem man sich den Satz angeeignet hat. Er muss nach Innen genommen, ans Herz gelegt werden. Ich lese das Buch so oft, bis die Seiten Löcher kriegen. Im Grunde kann ich es auswendig. Dann kommt ein Tag, an dem ich plötzlich die Melodie des Textes höre.“ ![]() Dostojewskijs Werk nimmt in Swetlana Geiers Leben einen besonderen Stellenwert ein. In einem jahrelang dauernden Prozess verleibt sie sich die Texte ein, studiert die Manuskripte Dostojewskijs, reist an die Schauplätze, an denen die Handlungen in den Romanen angesiedelt sind, um deren Geografie zu verstehen und mit den Augen des Schriftstellers sehen zu lernen. „Man muss Dostojewskij lesen wie ein Schatzgräber: an den unscheinbarsten Stellen sind Juwelen vergraben, die man oft erst beim zweiten oder dritten Mal Lesen entdeckt. Er ist unerschöpflich.“ ![]() Heute ist Swetlana Geier mit dem Leben und Wirken dieses Dichters vertraut wie wohl kaum sonst jemand. Und seine zentralen Themen, um die seine Romane immer wieder kreisen, faszinieren sie mehr denn je: Die Frage nach der Freiheit des Menschen. Seine Selbsterkenntnis. Und: kann der Zweck die Mittel heiligen? Mit 85 Jahren reist Swetlana Geier zum ersten Mal seit dem Krieg zurück an die Orte ihrer Kindheit in der Ukraine. Der Regisseur Vadim Jendreyko begleitete sie auf dieser Reise. In Fragmenten zeichnet der Film die Erinnerung der Protagonistin auf, Archivbilder spiegeln dabei die Weltgeschichte wider, deren Zeugin sie war. Er begleitet sie zu den versiegelten Orten ihrer Kindheit und folgt ihr zuhause bei ihren Alltagsaufgaben wie auch bei ihrer literarischen Tätigkeit. ![]() Der Film verwebt Swetlana Geiers Lebensgeschichte mit ihrem literarischen Schaffen und spürt dem Geheimnis dieser unermüdlichen Mittlerin zwischen den Sprachen nach. Er erzählt von großem Leid, stillen Helfern und unverhofften Chancen - und einer alles überstrahlenden Liebe für Sprache.
GEDANKEN DES REGISSEURS Seit mehr als 60 Jahren setzt sich Swetlana Geier mit den Möglichkeiten und Grenzen literarischer Übersetzung auseinander. Ihre Leidenschaft gilt dabei besonders den Verlusten, den Grenzbereichen, in denen es für die Worte der einen Sprache keine Entsprechung in der anderen gibt. In diesen Zonen liegen für sie die „übersetzungserotischen Momente“, hier betritt sie Neuland, in dem sie aus ihrem tiefen Verständnis der russischen wie auch der deutschen Kultur heraus neue sprachliche Wege gehen kann. Diese schöpferische Gesinnung, diese Begeisterung für die Suche nach neuen Formen prägen ihre Person wie ihr Werk und haben mich seit meiner ersten Begegnung mit ihr elektrisiert. Ich begann mich mehr und mehr für Swetlana Geiers Arbeit als Übersetzerin der großen Romane von Dostojewskij zu interessieren, für ihre Art der Verinnerlichung von Texten, ihrem sinnlichen Umgang mit Sprache. Und durch sie traten mir Dostojewskijs Fragen zu Freiheit und dem Verhältnis zwischen Mittel und Zweck lebendig entgegen. „Wer bin ich?“ Diese Frage ist der innere Antrieb aller zentralen Figuren in den Werken Dostojewskijs. Auf der Suche nach einer Antwort stürzen die Helden in innere Abgründe oder werden zu Mördern, doch hinter dem Desaster steckt immer die Selbsterkenntnis oder ein Schritt in diese Richtung. Swetlana Geier war in ihrem Leben mit Stalinismus und Nationalsozialismus konfrontiert, sie hat ihre Heimat, die Ukraine, hinter sich gelassen, um in einem ganz anderen Teil Europas schließlich sich selbst zu finden. Während der Entwicklung dieses Projektes wurde mir bewusst, dass ich mich einmal mehr mit einem Flüchtlings- bzw. Migrantenschicksal auseinandersetze, mit einem Menschen, der seinen eigenen Weg zwischen den Mühlsteinen seiner Zeit hat finden müssen. Ein Thema, das ich in meiner Arbeit nicht explizit suche, das mir aber immer wieder begegnet und hinter dem auch die Frage nach meiner eigenen Identität steht: „Wer bin ich?“ Und so ist die Frage, die Dostojewskijs Figuren antreibt auch der innere Angelpunkt, von dem aus ich selber dieser Frau, ihrem Leben und ihrem Wirken begegne. Vadim Jendreyko
SWETLANA GEIER – BIOGRAFISCHER ÜBERBLICK
Swetlana Geier hat in Ihrer Laufbahn Werke von Puschkin, Gogol, Tolstoi, Solschenizyn, Platonov, Belyj, Tschukowskaja, Sinjawskij, Afanasjew, Wojnowitsch, Katajew, Bunin, Bulgakow und Dostojewskij ins Deutsche übertragen. Ihre Übersetzungen erschienen u.a. bei den Verlagen Ammann, S. Fischer, Luchterhand, Reclam und Dörlemann. Für ihre herausragenden Verdienste um die Vermittlung russischer Kultur, Geschichte und Literatur erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt den Preis der Leipziger Buchmesse 2007. Sie ist Trägerin der Ehrendoktorwürde der Universitäten Basel und Freiburg.
FJODOR M. DOSTOJEWSKIJ – LEBEN UND WERK: EINE SKIZZE Dostojewskij, geboren 1821 in Moskau, gestorben 1881 in Petersburg, war der Sohn eines Arztes. Nach dem Tod der Mutter 1837 geht er nach Petersburg, um dort das Ingenieursstudium an der Militärakademie aufzunehmen. 1839 stirbt sein Vater auf seinem Landgut unter ungeklärten Umständen. 1844 entschließt sich Dostojewskij, Schriftsteller zu werden. Ein Jahr später erscheint sein erster Roman, „Arme Leute“, der von Wissarion Belinskij, dem maßgebenden Kritiker, enthusiastisch begrüßt wird. Weniger erfolgreich ist sein zweiter Roman, „Der Doppelgänger“, der aber bereits die Zerrissenheit der späteren Helden seiner großen Romane vorwegnimmt: Raskolnikow, Stawrogin, Wersilow und Iwan Karamasow. 1849 wird Dostojewskij wegen Teilnahme an den liberalen Diskussionen des Petraschewskij-Kreises verhaftet, vom Zaren Nikolaus I. zum Tode verurteilt und, nach einer Scheinhinrichtung, zu vier Jahren Zuchthaus in Sibirien mit anschließendem Militärdienst im Siebten Sibirischen Linienbataillon in Semipalatinsk begnadigt. 1859 wird er auf eigenen Antrag an den Zaren Alexander II. aus der Armee entlassen, unter Berufung auf seine Epilepsie. Rückkehr ins literarische Leben. Der fiktionalisierte Sträflingsreport „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“ (1862) dokumentiert den Kriminologen und missionarischen Christen, der für die ab 1866 erscheinenden fünf großen Romane, auf denen sein Weltruhm beruht, typisch ist:: „Verbrechen und Strafe“, „Der Idiot“, „Böse Geister“, „Ein grüner Junge“, „Die Brüder Karamasow“. Seine Erzählung „Aufzeichnungen aus einem Kellerloch“ von 1864 hat als polemische Stellungnahme gegen die instrumentelle Vernunft, die im Kristallpalast der Londoner Weltausstellung ihr Wahrzeichen findet, eine eigene Wirkungsgeschichte. Mit seiner Zeitschrift „Tagebuch eines Schriftstellers“ (1873-1881) liefert Dostojewskij fortlaufende Kommentare zum Zeitgeschehen. Im historischen Konflikt zwischen „Slawophilen“ und „Westlern“ steht Dostojewskij auf der Seite der Slawophilen. Seine fundamentale Kritik an Westeuropa findet in seinem Reisebericht „Winterliche Aufzeichnungen über sommerliche Eindrücke“ ihre literarische Zusammenfassung. Dostojewskij war zweimal verheiratet. Zunächst mit Marja Isajewa (ab 1857), die 1864 starb, dann mit Anna Snitkina (ab 1867), die ihn um viele Jahre überlebte und „Erinnerungen“ sowie ein „Tagebuch des Jahres 1867““ hinterlassen hat. Seine Liebesaffäre mit Apollinaria Suslowa (1861-1863) hat Dostojewskij in seinem Kurzroman „Der Spieler“ verarbeitet. Dostojewskij gilt als einer der einflussreichsten Schriftsteller der Weltliteratur. Horst-Jürgen Gerigk
VADIM JENDREYKO - REGISSEUR Vadim Jendreyko wurde 1965 in Deutschland geboren und ist in der Schweiz aufgewachsen. Er besuchte das Gymnasium, die Kunstgewerbeschule Basel und die Kunstakademie Düsseldorf. Seinen ersten Film realisierte er 1986. 2002 gründete er mit Hercli Bundi die Mira Film GmbH und ist dort auch als Produzent und Koproduzent tätig. Er ist Vater zweier Kinder und lebt in Basel. Filmografie (Auszug ab 2002) 2002 „Bashkim”, Kino-Dokumentarfilm 85 Min., Produktion Carac Film AG (Schweizer Filmpreis 2002, Bester Dokumentarfilm) 2003 „Transit– Zürich Flughafen” 54 Min. Dok–Film SF DRS, Produktion Mirafilm GmbH (Best of Dok SF DRS 2003) 2004 „Leistung am Limit” 53 Min. Dok–Film SF DRS, Produktion Mirafilm GmbH Regie und Produzent 2009 „Die Frau mit den 5 Elefanten” Kino- Dokumentarfilm 93 Min. Produktion Mirafilm GmbH und Filmtank mit ZDF/3sat, SF
DANIEL ALMADA – MUSIK Die Musik zu „Die Frau mit den 5 Elefanten“ wurde vom Musiker und Komponisten Daniel Almada unter Mitwirkung von Martin Iannaccone komponiert und aufgenommen. Daniel Almada wuchs in Argentinien auf und lebt in Basel und Berlin. Er studierte an der Musikakademie Basel und gründete 2003 gemeinsam mit Martin Iannaccone die Gruppe ‘Tango Crash’, die 2008 den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ gewann. Seit 2001 komponiert er Soundtracks für Dokumentar- und Spielfilme.
MIRA FILM und FILMTANK – PRODUKTION Mira Film GmbH mit Sitz in Basel und Zürich wurde 2002 von Hercli Bundi und Vadim Jendreyko gegründet. Hercli Bundi und Vadim Jendreyko haben seit 1990 in Zusammenarbeit mit Schweizerischen und ausländischen Film- und TV-Produzenten zahlreiche Filme für Kino und Fernsehen realisiert, produziert oder koproduziert. Mit ihrer Firma Mira Film haben sie bis heute sieben Filme beendet, fünf weitere sind in Arbeit. Filmtank mit Sitz in Hamburg, Berlin und Stuttgart wurde im Februar 2001 als ein gemeinsames Projekt von Wüste Film und Thomas Tielsch gegründet. Produzent und Geschäftsführer der Firma ist Thomas Tielsch, der seit 1983 Dokumentarfilme als Regisseur und Produzent realisiert. In den ersten sechs Jahren seines Bestehens realisierte Filmtank zweiundzwanzig abendfüllende und einstündige Filme und Serien, eine Vielzahl davon in internationaler Koproduktion.
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