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Die Anwälte
– Eine deutsche Geschichte

 

Mit
Otto Schily
Hans-Christian Ströbele
Horst Mahler

Länge 92‘, Format 1:1,85 Dolby SR

 

Buch und Regie
Birgit Schulz

Dramaturgische Beratung
Heiner Stadler

Kamera
Isabelle Casez
Axel Schneppat

Ton
Pascal Capitolin
Jens Krähnke

Schnitt
Katharina Schmidt

Musik
Pluramon

Produktionsleitung
Monika Mack
Jorge Bogalho (WDR)

Postproduktion
Jörg Kobel

Produzentin
Sabine de Mardt

Redaktion
Christiane Hinz, WDR
Andrea Ernst, WDR/ARTE
Silvia Gutmann, NDR
Jens Stubenrauch, RBB

 

In Koproduktion mit
WDR
NDR
RBB

in Zusammenarbeit mit
ARTE

Gefördert von
Filmstiftung Nordrhein-Westfalen
FFA
DFFF


Die Anwälte
- Eine deutsche Geschichte

ein Dokumentarfilm von Birgit Schulz

Kinostart: 19. November 2009


Trailer

Stadt  Kino  Termin     
Berlin  Acud  28.07.-03.08.2011     
Frankfurt  Pupille Kino in der Uni  17.01.12     
         
         
  
  
         
         
  
         
  
  
  
         
         
  
  
       
       
  
       
  
  
       
  
  
  
  
  
       
       
       
       
       
  
  
       
       
       
       
       
  
  
  
  
       
       
  
  
  
                 
                 
                 
  
  
  
  
                 
  
  
                 
                 
  
       
  
       
       
       
       
       
       
  
  
       
       
       
  
       
       
  
  
  
  
  
       
  
       
       
       
  
  
       
       
       
       
  
  
  
  
  
  
       
       
       
  
  
  
  
  
  
       
  
       
  
       
  
       
  
  
  
       
       
       
  
  
  
       
       
  
  
  
       
  
  
       
       
       
       
  
  
       
       
  
       
       
  
  
       
       
       
       
  
  
  
  
       
       
       
  
       
  
  
       
       
  
  
       
  
  
       
  
  
       
       
  
       
  
       
  
  
  
       
  
       
  
       
       
       
       
  
       

 

Kurzinhalt

Anfang der 70er Jahre kämpfen drei linke Anwälte gegen die BRD als restriktiven Staat. Vor Gericht verteidigen sie Menschen, die als Staatsfeinde gelten. Heute ist der eine Bundesinnenminister a.D., der zweite das linke Gewissen der Grünen, der dritte als Holocaust-Leugner verurteilter Rechtsextremist.

Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Horst Mahler: Mit Regisseurin Birgit Schulz sprechen die drei Anwälte über die Zeit, in der sie die Angeklagten der RAF-Fraktion vor Gericht verteidigten, über ihre Ideale, ihre Lebensträume dieser Zeit – und darüber, was daraus wurde. Und jeder der drei glaubt, sich treu geblieben zu sein.

 

Inhalt


v.l.n.r.: Hans Christian Ströbele, Horst Mahler, Otto Schily

Ein Foto ist der Ausgangspunkt für diesen Film, ein Foto, das drei Männer in einem Berliner Gerichtssaal abbildet: Otto Schily, Hans Christian Ströbele und Horst Mahler, Anfang der 70er Jahre. Damals sind alle drei Anwälte der APO, der linken außerparlamentarischen Opposition. Mahler sitzt auf diesem Bild auf der Anklagebank; Schily und Ströbele sind seine Verteidiger. Den Staat, die Bundesrepublik Deutschland, sehen sie als Unterdrücker politischer Freiheit und als Vasallen der USA. Die drei Anwälte wollen eine andere Republik.

Uneins sind sie sich über den Weg dorthin. Mahler hat einen Molotow-Cocktail geworfen und versucht, der RAF Waffen zu besorgen; die Waffen der beiden anderen sind Worte.

Was diese drei Männer damals verbindet, ist der Kampf für ihre Vorstellungen von einer „linken Gerechtigkeit.“ Gemeinsam gehen sie das Risiko ein, sich öffentlich mit Menschen zu solidarisieren, die als Staatsfeinde gelten und führen spektakuläre politische Prozesse: Sie legen sich mit Axel Springer an, mit Polizeipräsidenten, hohen Richtern und verbringen manches Wochenende miteinander.

Heute ist der eine SPD-Bundesinnenminister a.D., der andere ist das linke Gewissen der Grünen im Bundestag und der dritte eine zentrale Figur der rechten Szene. Sie decken das politische Spektrum der Bundesrepublik ab: Ströbele ist der unbeirrbare Linke, Schily der Bürgerliche in der konservativen Mitte, Mahler der Rechtsextreme.

Heute, 38 Jahre später, wäre es nicht mehr möglich, das Trio für ein gemeinsames Foto zu gewinnen. Schily und Ströbele gehen sich aus dem Weg, beide meiden jede Nähe zu Mahler.

Der Film verfolgt die Biografien von drei Männern, die derselben Generation angehören und die sich in derselben bundesdeutschen Wirklichkeit entwickelt haben. Regisseurin Birgit Schulz untersucht, was diese Männer geprägt hat, welche politischen Ideale sie verbunden haben und an welchen Punkten sie drei ganz unterschiedliche Wege eingeschlagen haben, um am Ende Gegner zu werden.

Der Film erzählt zunächst von großen Lebensträumen, dann von Entfremdungen, Verletzungen und aufgekündigten Beziehungen und zu guter letzt von neuen Träumen.

Während der Dreharbeiten wurden die drei mehrere Tage lang interviewt. Im Verlauf der Gespräche kam es zu vielen intimen und berührenden Aussagen, die diese deutsche Geschichte in die Tiefe führen.

Fast erscheint, was in den einzelnen Biografien auf den ersten Blick widersprüchlich aussieht, im Verlauf der Geschichte logisch. Denn in sich und getrennt voneinander betrachtet, haben alle drei Lebensläufe eine gewisse Konsequenz – und jeder der drei würde immer von sich behaupten, dass er sich selbst über all die Jahre treu geblieben ist...

 

Otto Schily – über seine Kindheit


Otto Schily

„Also, ich kann einen Satz meiner Mutter sagen. Die hat gesagt: „Du kannst werden, was du willst, bleib nur ein anständiger Mensch.“ Also, ganz schlicht. Und dann war da noch die Offenheit meiner Eltern, die mir diese wunderbare Mitgift fürs Leben der künstlerischen Tätigkeit mit auf den Weg gegeben haben. Ursprünglich wollte ich gerne Dirigent werden. Ich war ja nun mit der Musik sehr verbunden, habe auch mal versucht, eine kleine Komposition zu schreiben. Das war aber alles ziemlich läppisch und dann habe ich doch erkannt, dass mein Talent dafür nicht ausreicht.“

Hans-Christian Ströbele – über seine Kindheit


Hans-Christian Ströbele

„Ich erinnere mich daran, dass ich durch nichts so aufgewühlt wurde wie Ungerechtigkeiten, die entweder mir selber passiert sind oder anderen. Also ich erinnere mich, dass ich mich dann brüllend in mein Zimmer eingeschlossen habe und irgendwie erwartete, dass das gelöst wurde. Meine Mutter hat dann meistens die Vermittlerin gespielt und hat das dann aufgelöst, aber irgendwann und irgendwie muss mir ein Gerechtigkeitsempfinden gekommen sein, dass ich mich über nichts so sehr erregen konnte wie eine Ungerechtigkeit.“

 

Horst Mahler – über seine Kindheit


Horst Mahler

„Ich wollte in die Politik; das war die große Angst meiner Mutter, weil sie sagte, also Politiker sind schlechte Menschen. Ich habe mir die Haare so geschnitten wie Adolf Hitler und habe mich dann hingestellt und habe Reden gehalten. Gott, was macht man als kleines Kind? Man spielt irgendeine Rolle, die man sich als Ideal vorstellt. Das war schon immer irgendwie in mir drin; dann wusste ich, wenn du in den Staat gehen willst, musst du das Recht studieren. Es war also von vornherein klar, ich wollte nicht Mediziner werden, ich wollte nicht Pilot werden, ich wollte nicht Lokomotivführer werden, ich wollte Politiker werden.“

 

Hans Christian Ströbele - über die Toten von Stammheim

„Das war eine Nacht, die von Enttäuschung und Verzweiflung geprägt gewesen ist, über alles, was am Abend, in der Nacht, am Morgen passiert ist. Völlige Bestürzung - und ich konnte mir nicht vorstellen, dass Waffen in die Zellen reingekommen sind und dass sich Baader, Ensslin und Raspe selber umgebracht haben. Und ich habe es deshalb als meine Pflicht angesehen, alles dafür zu tun, dass dieses unabhängig, möglichst durch eine international besetzte Kommission aufgeklärt wird.“

Otto Schily - über die Toten von Stammheim

„Dann erreicht mich die Nachricht, die Untersuchungsgefangenen in Stammheim sind tot, und einer davon ist erschossen worden. Das kann ich natürlich überhaupt nicht begreifen, wie es möglich ist, jemand dort zu erschießen, da muss ich zunächst mal Fremdverschulden annehmen. Und deshalb sind wir auch zu der Obduktion gegangen. Was schwer emotional zu verarbeiten ist, wenn Sie jemanden auf dem Obduktionsbett liegen sehen, mit dem sie bisher als Mandant geredet haben.“

Horst Mahler - über die Toten von Stammheim

„Dass wenn Sie vor sich haben „es geht nichts mehr,“ lebenslänglich, dass sie sich das nicht ansehen wollten, dass es klar war, dass sie dann dem ein Ende machen wollen und dann auch die Entschlossenheit, wenn es denn notwendig ist, den eigenen Körper und damit auch das Verschwinden des Körpers zu einer Waffe zu machen.“

Hans-Christian Ströbele - über die Toten von Stammheim

„Ja, es ist ganz eindeutig ein Gefühl des Gescheitertseins, der Niederlage, wenn es in mehreren Fällen nicht gelungen ist, wenigstens das Leben der Mandanten im Gefängnis zu retten. Wenn man dann am Grab stand - und es war ein Gefühl der tiefen Enttäuschung, aber auch der Wut.“

Otto Schily - über die Toten von Stammheim

„Wenn man etwas tiefer versucht, in die Geschichte einzudringen, dann muss man natürlich schon die Frage stellen: Wie kommt es, dass ein Mensch wie Holger Meins, der ein überzeugter Pazifist war, - überzeugter Pazifist! - dann meint, er muss diesem Staat militant gegenüberstehen, oder Gudrun Ensslin, die für die SPD in der Wählerinitiative für Willy Brandt war - auch ein Exponent des antifaschistischen Widerstandes - meint, diese demokratischen Möglichkeiten reichen nicht aus. Was da passiert ist, das rechtfertigt kein einziges Attentat, aber ich glaube, wenn wir die Geschichte begreifen wollen, muss man diese Tragödie sehen. Alle diese Menschen, die dort umgekommen sind, hätten einen wichtigen Beitrag leisten können für unsere Gesellschaft.“

 

Mahler über Schily

„Seine Gegner beschreiben ihn als eitel; ich würde diese Vokabel nicht auf sein Verhalten anwenden. Das war nicht Eitelkeit, sondern das Bewusstsein, dass er zu einer geistigen Elite des Anwaltsstandes gehörte. Das war zweifellos der Fall. Er gehörte zur Elite der deutschen Anwaltschaft. Er hatte Fähigkeiten, die andere nicht haben und lange Zeit vergeblich sich mühen, sich das anzulernen. Das schaffen sie nicht, das muss angeboren sein.“

Mahler über Schily

„Zur RAF-Zeit war Schily ja einer der Vorreiter des Widerstandes gegen diese Entwicklung, die er jetzt mit seinem Sicherheitswahn ins Extreme gesteuert hat, wo man sagt, also: der Mann hat sich damit selbst zerstört.“

Mahler über Schily

„Also, ich kann mir vorstellen, dass er also voll davon überzeugt ist, dass ich schlicht politischer Unrat bin und auch als Mensch völlig indiskutabel. Das würde zu der Einschätzung passen, die ich heute von ihm habe. Ich würde mir das zur Ehre gereichen lassen.“

Schily über Mahler

„Die Entwicklung von Horst Mahler in die rechte Szene ist eine Tragödie.“

Mahler über Ströbele

„Er ist einfach menschlich von einer Wärme – er hat sich dann auch sehr um meine Familie gekümmert, als ich im Gefängnis war, und hat sich absolut loyal verhalten und hat alle seine Möglichkeiten ausgeschöpft, diesen Ausfall meiner Person als Ernährer der Familie auszugleichen, indem er meiner Frau eine Anstellung an der Universität besorgt hat.“

Ströbele über Mahler

„Ich will mich dazu nicht äußern, da fehlen mir die Worte.“

 

 

Birgit Schulz – Filmografie (Buch + Regie, Auswahl)

Juli 2006
„A Right to Live – Aidsmedikamente für Millionen.“
Die thailändische Pharmazeutin Krisana Kraisintu entwickelt Aidspräparate für Afrika, Regie
WDR / ARTE, 60 Min. – Dokumentarfilm
ausgezeichnet mit dem Juliane-Bartel-Preis 2007, Frauenmedienpreis des Landes Niedersachsen

April 2005
„Geistesgegenwart – Portrait der deutschen Psychoanalytikerin
Margarete Mitscherlich“, Regie
WDR / ARTE, 50 Min. - Dokumentarfilm
ausgezeichnet mit dem Preis für das Beste wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Programm für „Geistesgegenwart – die Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich“ International Film Festival Academia Film Olomouc 2006, Tschechien und mit demSilver Award, WorldMediaFestival Hamburg 2006 sowie dem Juliane-Bartel-Preis 2005, Frauenmedienpreis des Landes Niedersachsen

Mai 2003
„Liebesversuche – Portrait Werner Schroeter“
Portrait des exzentrischen Opern-, Film- und Theaterregisseurs
Werner Schroeter, Regie, (Co-Regie: Claudia Schmid)
WDR / ARTE, 70 Min. - Dokumentarfilm
ausgezeichnet mit dem Grand Premier Prix, Festival International du Film d´Art, Paris 2003

Dez. 2002
„Der Chef – Alice Schwarzer im Portrait“
Portrait von Deutschlands wichtigster und kämpferischster Feministin, Regie
WDR / ARTE, 43 Min. - Dokumentarfilm

März 2001
„Marlene Dietrich – Her own song!, Portrait
Endkonzept und Schnittregie
35 mm Kinofilm, 100 Min. - Dokumentarfilm

Dez. 2000
„Aber schön war es doch – Portrait Hildegard Knef“
Portrait der deutschen Schauspielerin, Sängerin und Schriftstellerin
Hildegard Knef, Regie
WDR / ARTE, 60 Min. - Dokumentarfilm

Sept. 1998
„Königskinder – Romy Schneider und Elisabeth von Österreich“
Ein Doppelportrait, Regie
WDR, 45 Min. – Dokumentarfilm

 

Projekte in Produktion

»Allah in Ehrenfeld«
Langzeitbeobachtung des Baus der Kölner Großmoschee
90 Min. WDR / ARTE / SWR

»Jenseits von Schwarz und Weiß«
Helen Zille – Südafrikas neue Oppeosiotionsführerin
45 Min. NDR / ARTE

 

Bildersturm Filmproduktion GmbH

Die Kölner Bildersturm Filmproduktion steht seit 15 Jahren für engagierte kulturelle und politische Dokumentarfilme und Dokumentationen.

Dabei sind in Zusammenarbeit mit der ARD, ZDF und ARTE sowie den Filmförderanstalten zahlreiche Produktionen für Fernsehen und Kino entstanden.In den letzten Jahren wurden viele Bildersturmproduktionen mit internationalen Filmpreisen ausgezeichnet.