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Defamation

Dänemark / USA / Israel / Österreich 2009, 93 Min, OmU

Format: 35 mm / 93 min/ 1:1.85

Autor: Yoav Shamir

Regisseur: Yoav Shamir

Montage: Morten Hojbjerg

Kamera: Yoav Shamir

Musik: Mischa Krausz

Produzenten: Karoline Leth – Kopenhagen Sandra Itkoff - Los Angeles Philippa Kowarsky – Tel Aviv Knut Ogris – Wien

SF – Film Production – Kopenhagen, Reveal Productions Inc.– Los Angeles, Cinephil – Tel Aviv, Knut.Ogris.Films – Wien

Gefördert von: ORF Film/TV Abkommen, Österreichisches Filminstitut, Dänisches Filminstitut, Nordisk Film & TV Fond, YLE-Finnisches Fernsehen, DR TV, Dänisches Integrationsministerium, Hartley Film Foundation, Zukunftsfonds der Republik Österreich, Nationalfonds der Republik Österreich, Bundesministerium f. Unterricht, Kunst und Kultur, Rabinovich Foundation for the Arts, the Second Authority for TV & Radio


DEFAMATION

Ein Dokumentarfilm von Yoav Shamir

Kinostart: 26. August 2010


Trailer

Stadt  Kino  Termin             
Wiesbaden  Caligari  27.10.11             
                 
                 
                 
                 
                 
                 
  
                 
                 
  
                 
  
                 
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
           
  
           
  
  
  
           
  
  
       
  
       
  
  
       
  
  
  
  
       
  
       
  
       
  
  
       
  
       
  
  
  
  
  
       
  
  
  
  
  
  
       
  
  
  
       
       
  
       
       
  
  
       
       
       
       
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
       
  
  
       
       
  
  
       
  
       
  
  
  
       
       

 

Kurztext


In DEFAMATION erkundet Regisseur Yoav Shami, wie Juden weltweit mit der Angst vor Antisemitismus umgehen. Einerseits sei er persönlich noch nie mit Antisemitismus konfrontiert gewesen, andererseits gehöre die Rede davon zum israelischen Alltag wie ein stetes Hintergrundgeräusch, an das man sich gewöhnt, sagt der Filmemacher.

Shamir trifft die Galionsfigur des Kampfs gegen den Antisemitismus, Abraham Foxman von der Anti Defamation League. Er spricht mit umstrittenen Männern wie Norman Finkelstein ("Die Holocaust-Industrie") sowie John Mearsheimer und Stephen Walt ("Die Israel-Lobby"). Er begleitet israelische Jugendliche auf Polenreise, die davon überzeugt sind, dass man sie überall auf der Welt hasst. Es zeigt sich, dass die Rabbis, die Shamir befragt, am wenigsten Probleme mit Judenfeindschaft haben. Ihr nüchterner Blick scheint gut einschätzen zu können, wo Aufregung angebracht ist und wo nicht. Das Bild scheint immer komplizierter zu werden: Ist Antizionismus in Wahrheit Antisemitismus? Ist Antisemitismus für säkulare Juden gar identitätsstiftend? Die Motivationen der gezeigten Personen zeichnet Shamir präzise nach. Er zeigt, wie individuelle und kollektive Erfahrungen Denkweisen prägen. Das Nachfragen und die Option, neu über dieses hochemotionale Thema nachzudenken, sind ihm wichtiger als Feindbilder zu malen. Als junger Israeli tut er das wie ein Sohn, der die Überzeugungen der Elterngeneration unbequem hinterfragt. Gute Eltern lassen sich auf eine Diskussion ein. (www.berlinale.de / www.taz.de)

 

 

SYNOPSIS


Was bedeutet Antisemitismus heute zwei Generationen nach dem Holocaust? Bei seiner kontinuierlichen Erforschung des modernen Lebens der Israeli bereist Regisseur Yoav Shamir die Welt, sucht nach den modernsten Erscheinungsformen des "ältesten Hasses" und findet einige alarmierende Antworten auf diese Frage.
Im Zuge dieser unehrerbietigen Suche folgt er amerikanischen jüdischen Oberhäuptern in europäische Hauptstädte bei ihrer Mission, die Regierungen vor der wachsenden Gefahr des Antisemitismus zu warnen, und er heftet sich an die Fersen einer israelischen Schulklasse bei ihrer Gedenkfahrt nach Auschwitz.


Auf dieser Reise trifft Shamir den kontroversen Historiker Norman Finkelstein, der die unpopuläre Ansicht verbreitet, dass der Antisemitismus von der jüdischen Gemeinschaft und im Besonderen von Israel benutzt wird, um politisch zu gewinnen.
Shamir schließt sich auch Gelehrten an, wie z. B. Stephen M. Walt und John J. Mearsheimer, und ist auch bei einem Vortrag in Israel anwesend, den sie nach dem Erscheinen ihres Buches "Die Israel-Lobby und die amerikanische Außenpolitik" über den unausgeglichenen Einfluss, den die Israel-Lobby in Washington genießt, gehalten haben. Der Regisseur besucht auch Yad Vashem, die Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem, ein Muss für alle Weltpolitiker, wenn sie Israel einen Besuch abstatten. Während seines Aufenthaltes in Jerusalem schaut er auch bei seiner Großmutter vorbei. Sie vermittelt ihm ihr Verständnis des Themas und erklärt, dass nur sie "die richtige Jüdin" sei.


Der Film stellt unsere Ansichten und unsere Terminologie von Antisemitismus in Frage. Er bewegt sich an der Grenze von Antizionismus, der die Vorstellung eines jüdischen Staates ablehnt, und Antisemitismus, der Juden ablehnt.
Wird ersteres dazu benutzt, um das Zweite zu entschuldigen? Und: gibt es einen Unterschied zwischen der heutigen Form des Antisemitismus und der 'alten Form des gewöhnlichen' Rassismus, der sich gegen alle Minderheiten richtet?

Meinungen gehen oft auseinander und Gemüter gehen manchmal hoch, doch in DEFAMATION erkennen wir, dass eines sicher ist – nur indem wir ihre Reaktion auf Antisemitismus verstehen, können wir auch nachvollziehen, wie Juden heutzutage, und besonders die modernen Israelis, auf die Welt um sie herum reagieren, in New York, in Moskau, in Gaza und in Tel Aviv.

 

 

Kommentar der Regisseurs Yoav Shamir

Die Idee, einen Film über Antisemitismus zu machen, hatte ich zum ersten Mal als mein Film "Checkpoint" veröffentlicht wurde. In einer der vielen Rezensionen zum Film wurde ich als 'israelischer Mel Gibson' bezeichnet, aber nicht, weil ich so gut aussah, sondern aufgrund der Ansichten, die ich in diesem Film zum Ausdruck gebracht hatte: kritisch gegenüber der Politik Israels in Bezug auf die Palästinenser, was darauf hinweise, dass ich ein Antisemit sei. Der Autor dieser Rezession war selbst Jude. Zuerst fand ich es amüsant. Von einem amerikanischen, jüdischen Journalisten als antisemitisch bezeichnet zu werden, schien absolut weit hergeholt. Wie konnte jemand, der sich dazu entschlossen hatte, außerhalb Israels zu leben, der nicht in der israelischen Armee gedient hatte wie ich, der keinen Großvater im Krieg verloren hatte wie ich, die Frechheit besitzen, mich einen Antisemiten zu nennen?

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nie über die zentrale Rolle, die der Antisemitismus in unserem Leben spielt, nachgedacht. Als ich aber darüber nachzudenken begann, musste ich feststellen, dass er ein ständiger Begleiter ist, immer im Hintergrund, immer lästig. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich einfach daran. Wie oft fühlen wir uns wirklich gestört durch das Summen eines elektrischen Gerätes oder das Brummen vorbeifahrender Autos? Antisemitismus mag uns wie ein Schatten folgen, aber mal ehrlich, wer bemerkt seinen Schatten wirklich täglich? Als ich dann auf ihn aufmerksam wurde, bemerkte ich, dass Antisemitismus eigentlich ein sehr beliebtes Thema im israelischen 'Tagesgeschehen' ist. Es vergeht kein Tag, an dem nicht zumindest in einem Artikel einer Zeitung die Worte 'Nazis', 'der Holocaust' oder 'Antisemitismus' vorkommen. Da ich persönlich nie mit Antisemitismus konfrontiert worden bin – das einzige Mal war der Vergleich mit Mel Gibson – habe ich beschlossen, mich damit auseinander zusetzen.

Das war der Beginn einer langen Reise, die ihren Höhepunkt in diesem Film fand. Antisemitismus ist ein mächtiges Wort mit vielen verschiedenen Assoziationen. Durch die erst kürzlich geschehenen Ereignisse wird es auch zu einem sehr heiklen Thema. Antisemitismus ist die ultimative 'heilige Kuh' der Juden. Auch wenn ich diese Kuh nicht zur Schlachtbank geführt habe, selbst die heiligste Kuh braucht hier und da ein Aufrütteln.

Manchmal fand ich das Thema respekteinflößend. Über kein anderes Phänomen wurde so viel von Akademikern geschrieben, die ihr ganzes Leben mit dem Studium darüber verbracht hatten. Wer, zur Hölle, dachte ich, bin ich, dass ich etwas Bedeutendes noch hinzufügen könnte? Ich bewegte mich auf wirklich sehr dünnem Eis. Trotzdem beschloss ich, meinem Gefühl zu vertrauen. Jede Frage ist wichtig, wenn ich daran glaube, dass sie wichtig ist. Ich sollte nie davor zurückschrecken, selbst die heiligsten aller Annahmen in Frage zu stellen. Das Ergebnis ist eine persönliche Reise, die die Dinge so zeigt, wie ich sie gesehen habe. Sie ist nicht als akademischer Aufsatz gemeint.

Ich habe mit einer faszinierenden Suche begonnen, die sich dahinschlängelt zwischen den Methoden und Wegen, wie junge Israelis im beschwerlichen Schatten des Holocaust herangezogen werden (dieser Film ist irgendwie der letzte Teil einer Trilogie, die in der verkehrten Reihenfolge gemacht wurde: "Checkpoint", über israelische Soldaten; "Flipping Out", darüber, was diesen Soldaten passiert, wenn sie die Armee verlassen; und "Defamation", der sich mit der israelischen Jugend beschäftigt, bevor sie mit ihrem Militärdienst beginnt), zwischen der Anti-Defamation League (ADL), die die größte Organisation weltweit ist, die den Antisemitismus bekämpft, und zwischen jenen, die gegen die ADL sind, wie z.B. Professor Norman Finkelstein, und John Mearsheimer und Stephen Walt, die Autoren von "Die Israel- Lobby".

Meine Reise hat mich um die ganze Welt geführt: von Israel bis in die USA, von Moskau nach Rom und Polen. Meistens war es jedenfalls eine Reise zur menschlichen Seele, zur Art und Weise wie Menschen denken und in meinem speziellen Fall dazu, wie mein Volk, das jüdische Volk, sich entscheidet, mit der Vergangenheit umzugehen.

Ich hoffe, dass alle, die diesen Film sehen, genauso zum Nachdenken angeregt werden, wie meine Suche mich zum Nachdenken gebracht hat, und dass sie ehrlich ihre Meinungen über die Themen, die darin behandelt werden, in Frage stellen.

Yoav Shamir / Januar 2009

 

 

YOAV SHAMIR

Geboren in Tel Aviv, November 1970 Oberschule-Vitzo France an art school- Äquivalent zu einer Oberschule mit Abitur mit Spezialfach Fotografie

Universität von Tel Aviv Ba für Geschichte und Philosophie MFA für Filmkunst, mit Auszeichnung abgeschlossen

Filme als Regisseur & Kameramann:

Marta and Luis -50 Min. – 2001 Dokumentarfilm – gezeigt in Edinburgh Filmfestspielen, IDFA, DOCAVIV und anderen internationalen Filmfestivals

Checkpoint – 80 Min. Dokumentarfilm – 2003 – gewann die erste Auszeichnung beim IDFA, in Toronto, San Francisco, München, Madrid, Barcelona, Rom, Belgrad, Rio de Janeiro etc. erhielt über zwanzig Auszeichnungen und wurde bei mehr als 120 internationalen Filmfestispielen gezeigt

5 Days – 94 Min. Dokumentarfilm 2005 – nahm bei den Sundance Filmfestspielen teil, IDFA, Edinburgh, Melbourn, Göteborg, Seoul und bei ungefähr 40 int. Filmfestspielen, bei denen dieser Film einige Auszeichnungen erhielt

Flipping out – 83 Min. Dokumentarfilm 2007 – Berlinale, die internationalen Filmfestspiele Berlin 2008 – Forum Thessaloniki, Buenos Aires, Krakau, San Francisco und bei ungefähr 40 weiteren internationalen Filmfestspielen