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NEUSS TESTAMENT
72 Min.

Realisation: Rüdiger Daniel, Vera Bogdahn

Kamera: Jörg Jeshel, Claus Judeich

Ton: Wolfgang Pauli, Patrick Ingwer

Mischung: Vadim Kompatzki

Schnitt: Vera Bogdahn

Aufnahmeleitung: Oliver Stilch

Produktionsleitung: Jörgen Radach, Gerhard Jensen

Redaktion: Baerbel Becker

Eine Koproduktion von RBB und dibsfilm


DAS NEUSS TESTAMENT

Ein Film von Rüdiger Daniel

Kinostart: 30.04.2009


 

SYNOPSIS


Wolfgang Neuss (1923-1989) war „Der Mann mit der Pauke“, Filmstar, Spielverderber, Bundesfilmpreisträger, Spaßvogel, Haschrebell.

Am 5. Mai jährt sich sein Todestag zum zwanzigsten Mal.

Als junger Soldat schießt er sich den Zeigefinger der linken Hand ab. Er will raus aus dem Krieg und Clown werden, und er mausert sich zum populärsten Kabarettisten im Nachkriegs-deutschland. In den 68ern verwandelt er sich zum Kommunisten, dann wandelt er sich zum meditierenden Haschrebellen, den heute im Internet 150.000 Einträge zitieren.


Der Querkopf zieht uns in seinen Bann: Er erzählt, dichtet, singt und schreit über sich und über seine Wandlungen. Neuss spaltet die Nation und die Menschen, die ihm begegnen.

Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker stimmte mit ihm vollkommen überein:
„Der war sehr gut.“

Am 2. Mai 1989, drei Tage vor seinem Tod, ruft Neuss den Filmemacher Rüdiger Daniel in seine Wohnung in die Lohmeyerstraße in Berlin-Charlottenburg. Er will sprechen und hinterlässt Daniel seinen finalen Monolog. Das vorliegende „Selbstporträt“ basiert auf diesen zum Teil unveröffentlichten letzten Aufnahmen.


Dazu gesellen sich Zeitzeugen, die das erste Mal vor der Kamera von ihrem Leben mit Wolfgang Neuss erzählen: seine Schwester Eva, seine Geliebte Gisela Groenewold und sein „Sympathisant“ Richard von Weizsäcker. Außerdem erinnern sich sein Anwalt, sein Biograf und seine beiden Masseure an das „Ungeheuer von Loch Neuss“, wie sich Neuss selbstironisch bezeichnete.

Der Film beginnt mit einem Zitat von ihm zu seiner eigenen Beerdigung:

„Wir haben gar keine Chance nicht zu leben. Wir leben immer, immer, immer…“

 

PRODUKTIONSNOTIZEN DES FILMMACHERS RÜDIGER DANIEL

1989 kurvte ich für eine WDR-Serie zum Thema Varieté in Berlin rum. Ich besuchte Artisten, Zauberer, Kleinkünstler. Abi von Haase war damals der erste Partner von Wolfgang. Das Duo erzählte nach dem Krieg Witze im Varieté und die beiden schrägen Typen führten durchs Varieté-Programm. Abi schickte mich kurz vor dem Mauerfall in die Lohmeyerstrasse und da stand dann dieser kleine große Mann vor mir!


Meine erste Begegnung mit Neuss war sehr kurz:
Ich: „Ich komme von Abi.“
Wolfgang: „Komm morgen wieder, meine Geliebte Gisela ist da.“

Dann war es endlich soweit. Am 2. Mai 1989 hatte ich ein Wiedersehen arrangiert mit Abi von Haase und seiner Ex-Geliebten Johanna König, die als „Klementine“ aus der Ariel Werbung berühmt wurde. Wir hatten uns für 15:00 Uhr bei Wolfgang verabredet. Wolfgang aber wollte unbedingt, dass wir früher kommen: „Ich will sprechen!“, sagte er mir am Telefon. Wir kamen also bereits um 13:00 Uhr, nicht jedoch ohne eine Pauke mitzubringen, die mein Praktikant noch kurzfristig besorgt hatte.

Dann sprach Der, der als „Mann mit der Pauke“ bekannt war und später berühmt wurde, mir direkt in meine Kamera: Fragen waren beinahe überflüssig, flüssig dagegen, was aus seinem Munde kam. - Was ich nicht wusste: Neuss war zum damaligen Zeitpunkt schon todkrank – Hodenkrebs, und unterbrach zweimal seinen Monolog zum Haschen... Erst später wurde mir klar, dass dies seine Methode war mit den Schmerzen umzugehen. Trotzdem: Das gesamte Interview über war er hellwach; eben so blitzgescheit und total emotional wie es ihn berühmt gemacht hatte.

Drei Tage später auf der Rückfahrt ins Rheinland hörten wir im Autoradio die Nachricht von seinem Tode.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir seine linke Hand. Als 17jähriger hatte sich Neuss 1940 an der russischen Front absichtlich den Zeigefinger abgeschossen:

„Kunst statt Krieg! Das ist die Botschaft von meiner Hand.“

Neuss hatte mich an diesem 2. Mai unglaublich fasziniert, und so eine Sternstunde lässt einen wie mich einfach nicht mehr los: Ich habe dann in den nächsten 20 Jahren mehrere filmische Beiträge im Andenken an diesen alten Narren gemacht, und mich ihm bei dieser Arbeit immer weiter genähert. Mit dem nun vorliegenden Film habe ich endlich die finale Version gefunden: Wolfgang sei Dank, denn er selbst hatte noch kurz vor seinem Tod seine Lebensgeschichte auf Tonband aufgesprochen, und so erzählt nun quasi er selbst seine eigene Geschichte und bildet damit die Basis für meinen Film „Neuss Testament“. Dieser zeigt dann auch Wolfgang Neuss pur, zeigt seine radikale Art zu leben; ob als Clown, als Filmstar, als Kabarettist, ob als Haschrebell oder als Guru. Für diese Radikalität, für seinen Mut und für seinen Humor bewundere ich ihn bis heute.

FILMOGRAFIE DIBSFILM (Rüdiger Daniel)

  • Neuss Testament, 2009
  • Lachgeschichten, Serie WDR/RBB, Serie 2008/2009
  • Komisches Deutschland, ARD Serie 2007
  • Der Mann mit der Pauke, Kurzfilm mit Wolfgang Neuss, Berlinale 2005
  • Narrkose, Collage mit Wolfgang Neuss, 45 min. WDR, 1995
  • TV-Piraten, Kinofilm, 1983

 

KURZBIOGRAFIE WOLFGANG NEUSS

Hans Otto Wolfgang Neuss wurde 1923 als Sohn eines ehemaligen Fliegeroffiziers in Breslau geboren. Nach der Volksschule absolvierte er eine Lehre als Schlachter; mit 15 Jahren ging er nach Berlin, um Clown zu werden, landete dort jedoch in einer Anstalt für verwahrloste Jugendliche. 1940 wurde er an die Ostfront geschickt, wo er mehrfach verwundet wurde. Neuss schoss sich schließlich einen Finger ab, um wieder ins Lazarett zu kommen. Er floh nach Kopenhagen und erlebte das Ende des Krieges in einem Internierungslager in Flensburg. Danach tourte Neuss mit einem Kabarettprogramm durch Deutschland, das ihm 1946 eine Haftstrafe der britischen Besatzungsmacht einbrachte. 1949 traf Neuss Wolfgang Müller, mit dem er seitdem als Duo "Die zwei Wolfgangs" auftrat. In Berlin traten die beiden im Kabarett "Die Bonbonniere" auf. Dort hatte Neuss auch seinen legendären Soloauftritt als "Der Mann mit der Pauke", der zu seinem Markenzeichen wurde. Ab 1952 traten Neuss und Müller bei den "Stachelschweinen" auf. Theater, Radio-Kabarett und Filmrollen folgten.

Der bekannteste Film von Neuss ist "Wir Kellerkinder" von 1960, die Geschichte eines HJ-Trommlers, der in seinem Keller zuerst einen Kommunisten vor den Nazis und später seinen Vater vor der Entnazifizierung versteckt. Das kam im Wirtschaftswunderjahr 1960 nicht so gut an. Im gleichen Jahr kam Wolfgang Müller bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Neuss machte allein weiter. 1962 veröffentlichte er in einer Zeitungsanzeige den - erratenen - Namen des Täters in einem Fernsehkrimi von Durbridge. Die Bild-Zeitung nannte ihn daraufhin einen "Verräter der Nation". Danach wurde es ruhiger, auch der Erfolg nahm ab. 1969 ging Neuss nach Chile, nach seiner Rückkehr nach Berlin lebte er in einer kleinen Wohnung in Charlottenburg. In den 80ern erlebte er ein Comeback. Unvergessen sein Auftritt in einer Fernsehshow, bei der er - langhaarig und fast zahnlos - Richard von Weizsäcker mit den Worten "Auf deutschem Boden darf nie wieder ein Joint ausgehen" begrüßte. Neuss war für seinen exzessiven Cannabis-Konsum bekannt.

Wolfgang Neuss starb 1989 in Berlin.
(Quelle: perlentaucher.de)

FILMOGRAFIE (Auswahl)

  • 1950 - Wer fuhr den grauen Ford? (erster Kinofilm)
  • 1952 - Pension Schöller
  • 1952 - Die Spur führt nach Berlin
  • 1953 - Der Onkel aus Amerika
  • 1954 - Auf der Reeperbahn nachts um halb eins
  • 1955 - Die Drei von der Tankstelle
  • 1955 - Des Teufels General
  • 1956 - Charleys Tante
  • 1956 - Der Hauptmann von Köpenick
  • 1957 - Ferien auf Immenhof
  • 1957 - Der müde Theodor
  • 1958 - Wir Wunderkinder
  • 1958 - Der Stern von Santa Clara
  • 1958 - Das Wirtshaus im Spessart
  • 1959 - Rosen für den Staatsanwalt
  • 1959 - Die Nacht vor der Premiere
  • 1960 - Als geheilt entlassen (Neuss/Müller Film)
  • 1960 - Wir Kellerkinder (letzter Neuss/Müller Film)
  • 1962 - Genosse Münchhausen
  • 1967 - Katz und Maus
  • 1969 - Rotmord
  • 1974 - Chapeau claque (letzter Kinofilm)

KABARETT- PROGRAMME

  • Lachkalorien, Ende der 1940er-Jahre
  • Der Mann mit der Pauke, 1951
  • Wer nicht hören will muss fernsehen...,1959
  • Das jüngste Gerücht, 1963
  • Neuss Testament, 1965
  • Asyl im Domizil, 1967
  • Neuss vom Tage, Mitte der 1980er-Jahre im WDR

ZITATE

»Auf deutschem Boden darf nie wieder ein Joint ausgehen.« 

»Stell’ Dir vor es geht und keiner kriegt’s hin.«

»Der Faschismus ist eine Spielart der freien Marktwirtschaft.« 

»Wo wir hinspenden, wächst kein Gras mehr.« 

»Ich bin kein Beispiel, ich bin ein Vorspiel.«

»Heut’ mach ich mir kein Abendbrot, heut’ mach ich mir Gedanken.«

»Meine Zeit ist gekommen, wenn die Welt wieder so zum Lachen ist, daß es sich lohnt, dritte Zähne anzuschaffen.«