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CREDITS

Regie: Johannes Holzhausen
Buch: Johannes Holzhausen, Constantin Wulff

Kamera: Joerg Burger, Attila Boa

Ton: Andreas Pils, Andreas Hamza

Schnitt und Dramaturgie: Dieter Pichler

Regieassistenz: Ursula Henzl

Produktionsleitung: Hanne Lassl

Produzent: Johannes Rosenberger

Hergestellt mit finanzieller Unterstützung von Österreichisches Filminstitut,
Filmstandort Austria, ORF (Film/Fernseh-Abkommen), Filmfonds Wien


DAS GROSSE MUSEUM

Ein Film von Johannes Holzhausen

Kinostart: 16. Oktober 2014

Trailer

Stadt  Kino  Termin  Info   
Bad Krozingen  Joki Kino  12.04.2015     
Bamberg  Lichtspiel   21.12. - 31.12.2014     
Bayreuth  Thomas Filmtheater  28.01.2015     
Berlin  Bali  30.10. - 05.11.2014     
Berlin  Brotfabrik  ab 16.10.2014     
Berlin  Capitol  ab 16.10.2014     
Berlin  Delphi  ab 16.10.2014     
Berlin  Eva Lichtspiele  ab 16.10.2014     
Berlin  fsk  ab 16.10.2014     
Berlin  Hackesche Hfe  ab 16.10.2014     
Berlin  Kant  23.11.2014     
Berlin  Ladenkino  ab 06.11.2014     
Bochum  Endstation  10.01.2015     
Bonn  Filmbhne  ab 16.10.2014     
Bonn  Rex  26.10. + 29.10.2014     
Braunschweig  Roter Saal  27.01.2015     
Braunschweig  Universum  18.11.2014     
Bremen  City 46  ab 16.10.2014  16.10. Regisseur zu Gast   
Bremen  Focke-Museum  03.02.2015     
Brhl  Zoom  05.11. + 12.11.2014     
Darmstadt  TU Darmstadt  05.02.2015     
Dortmund  Sweetsixteen  ab 16.10.2014     
Dresden  PK Ost  ab 16.10.2014     
Dresden  Thalia  23.10. - 29.10.2014     
Duisburg  Filmforum  ab 16.10.2014     
Dsseldorf  Atelier  ab 16.10.2014     
Ebersberg  Altes Kino  04.02.2015     
Erlangen  Manhattan  26.10. - 29.10.2014     
Esslingen  Kommunales Kino  22.01. - 28.01.2015     
Flensburg  Kino 51 Stufen  20.12. - 29.12.2014     
Frankfurt  Filmforum Hoechst  18.12. - 23.12.2014     
Frankfurt  Filmmuseum  14.01.2015     
Frankfurt  Mal Seh'n  ab 16.10.2014     
Freiburg  Friedrichsbau  ab 16.10.2014     
Frth  Babylon  ab 13.11.2014     
Greifswald  Pommersches Landesmuseum  16.05.15     
Hamburg  Abaton  ab 16.10.2014     
Hamburg  Lichtmess  15.01.2015     
Hannover  Knstlerhaus  15.10.2014  Preview, Regisseur zu Gast   
Hannover  Knstlerhaus  ab 16.10.2014     
Hannover  Raschplatz  21.+22.+28.03+01.04.2015     
Heidelberg  Gloriette  ab 16.10.2014     
Heilbronn  Kommunales Kino  31.03.2015     
Herrsching  Breitwand  23.10. - 29.10.2014     
Hildesheim  Kellerkino der VHS (im Thega)  09.06.2015     
Jena  Schillerhof  27.01.2015     
Karlsruhe  Kinemathek  ab 16.10.2014     
Kassel  Bali  30.11.2014     
Kassel  Dokfest  15.11.2014     
Kiel  Kommunales Kino  ab 16.10.2014     
Kln  Filmpalette  ab 16.10.2014     
Kln  Odeon  ab 16.10.2014     
Konstanz  Scala  08.01. - 14.01.2015     
Leipzig  Passage  ab 16.10.2014     
Lbeck  Kommunales Kino  ab 16.10.2014  17.10. Regisseur zu Gast   
Ludwigsburg  Caligari   20.11. + 26.11.2014     
Magdeburg  Moritzhof  11.12. - 21.12.2014     
Mainz  Cinemayence  27.10. - 29.10.2014     
Mannheim  Cinema Quadrat  05.03.2015     
Mnchen  Atelier  ab 16.10.2014     
Mnchen  Monopol  ab 16.10.2014     
Mnchen  Theatiner  ab 16.10.2014     
Mnster  Cinema  ab 16.10.2014     
Norden  Apollo Kino  30.06.2015     
Nrnberg  Casablanca  01.01. - 05.01.2015     
Nrnberg  Filmhaus  ab 16.10.2014  18.10. Regisseur zu Gast   
Oberhausen  Lichtburg  ab 07.12.2014     
Ochsenfurt  Casablanca  10.11. + 11.11.2014     
Osnabrck  Lagerhalle  28.10. + 29.10.2014     
Pforzheim  Kommunales Kino  04.11. + 08.11.2014     
Potsdam  Filmmuseum  ab 07.11.2014     
Ratingen  Kinocenter  16.11.2014     
Regensburg  Filmgalerie  ab 16.10.2014     
Remagen/ Rolandseck  Arp Museum Bahnhof Rolandseck  21.04.2015     
Rostock  Lichtspiel Wundervoll  ab 16.10.2014     
Saarbrcken  Filmhaus  ab 16.10.2014     
Seefeld  Breitwand  ab 16.10.2014     
Singen  Weitwinkel  07.10.2014  Preview, Regisseur zu Gast   
Straubing  Citydome  17.12.2014     
Stuttgart  Atelier  ab 16.10.2014     
Tbingen  Arsenal  ab 16.10.2014     
Ulm  Mephisto  08.01.2015     
Wasserburg  Utopia  ab 20.11.2014     
Weimar  Lichthaus  ab 16.10.2014     
Weimar  Mon Ami  03.10.2014  Preview   
Weingarten  Linse  05.02. - 11.02.2015     
Weiterstadt  Kommunales Kino  10.+11.04.2015     
Wiesbaden  Caligari Filmbhne  03.11. + 04.11.2014     
Wismar  Filmbro  06.01. - 07.01.2015     
Wrzburg  Central Programmkino  13.11. - 18.11.2014     
Berlin  Intimes  29.01.2015     
Hagen  Babylon  09.02.2015     

Kurzinhalt

Der Kinodokumentarfilm DAS GROSSE MUSEUM porträtiert eines der
bedeutendsten Museen der Welt: das Kunsthistorische Museum in Wien (KHM).
Der Film unternimmt eine ausgedehnte Reise hinter die Kulissen dieser
faszinierenden Institution und zeigt anhand des vielfältigen Museumsalltags und
einer Fülle von charismatischen Protagonisten die einzigartige Welt des KHM.

Synopsis

Der Kinodokumentarfilm DAS GROSSE MUSEUM ist ein neugieriger, verschmitzt humorvoller Blick hinter die Kulissen einer weltberühmten Kulturinstitution. Über zwei Jahre hat sich Regisseur Johannes Holzhausen im Kunsthistorischen Museum in Wien mit seinem Filmteam umgesehen. In aufmerksamem Direct-Cinema-Stil – kein Off-Kommentar, keine Interviews, keine Begleitmusik – beobachtet der Film die vielgestaltigen Arbeitsprozesse, die daran mitwirken, der Kunst ihren rechten Rahmen zu geben. Die Kette ineinander greifender Rädchen reicht von der
Direktorin zum Reinigungsdienst, von den Transporteuren zur Kunsthistorikerin.

 

Der Film zeigt routinierte Handgriffe, vor allem aber lebhafte Mikrodramen, in denen die Arbeitskräfte als Protagonistinnen und Protagonisten hervortreten: Eine Restauratorin ist der Geschichte eines mehrfach bearbeiteten Rubens-Gemäldes auf der Spur; ein anderer verzweifelt ausdrucksstark an der Reparatur eines Modellschlachtschiffs. Eine Frau vom Publikumsdienst fühlt sich am Haus nicht integriert; ein verdienter Sammlungsleiter wird in den Ruhestand verabschiedet. Eine Kunsthistorikerin erlebt Aufregung und Frustration einer Auktion; der kaufmännische Leiter empfindet die „3“ auf einem Plakatmotiv als zu „bissig“. So entsteht nicht
nur das Porträt einer staatlichen Kultureinrichtung, die ihre Integrität mit Budgetvorgaben und Konkurrenzdruck ausbalancieren muss. Unangestrengt stellt DAS GROSSE MUSEUM auch weiter reichende Fragen: Wie lässt sich vermitteln zwischen der Bewahrung der Werke und ihrer zeitgemäßen Präsentation? Welche Zwecke hat Kunst für die Selbstdarstellung einer Nation in Politik und Tourismus zu erfüllen?

Dem Dokumentarfilmemacher Johannes Holzhausen gelingt ein behutsames Gleichgewicht zwischen dem einzelnen Moment und der übergreifenden Erzählbewegung, das schon seine früheren Arbeiten auszeichnete. Die präzise Kamera (Joerg Burger, Attila Boa) und der pointierte Schnitt (Dieter Pichler) dienen der geduldigen Beobachtung und Reflexion, so wie die Protagonisten sich im Dienst einer Institution verstehen, die sie überdauern wird. Darin ist DAS GROSSE MUSEUM auch ein Film über Zeitlichkeit und Vergänglichkeit: Er setzt den tagtäglichen Betrieb in Bezug zur Tradition des Hauses, die in der Habsburger-Monarchie fußt, und zum Anspruch der Kunstobjekte auf Zeitlosigkeit.

DAS GROSSE MUSEUM ist der Gewinner des Caligari-Filmpreises 2014

Begründung der Jury: „Ein Mann fährt, verfolgt von einer wunderbar dahingleitenden Kamera, auf einem Tretroller durch die endlosen Gänge des Kunsthistorischen Museums Wien – und stoppt vor einen Kopierer. Sinnlicher kann man den Spagat zwischen Kultur und Bürokratie kaum visualisieren. Und der Film ist voll solch ironisch gebrochener Anspielungen, liebenswert gezeichneter Protagonisten, die mit Herzblut Kunstobjekte bewahren. Dem Regisseur gelingt ein informativ-witzig-intelligenter Blick hinter die Kulissen eines großen Museums, das sich im internationalen Wettbewerb behaupten muss.“

Interview mit Regisseur Johannes Holzhausen

Woher kam dein Interesse, einen Film über die Institution Museum zu drehen?

Ich habe vor meinem Studium auf der Filmakademie sechs Jahre Kunstgeschichte studiert. Die Affinität zur bildenden Kunst, vor allem das Interesse für die alten Meister ist mir geblieben. Außerdem war ein Restaurator im Kunsthistorischen Museum (KHM) ein guter Freund von mir. Ich habe ihn in den 1990er-Jahren öfter in der Werkstätte besucht und hab damals schon hinter die Kulissen blicken dürfen. Einen Film über das Museum hätte ich mir aber noch nicht vorstellen können. Als Sabine Haag Direktorin geworden ist, hatte ich dann das Gefühl, dass so etwas
möglich sein könnte. Ursprünglich wollte ich einen Essayfilm drehen mit mehreren Museen, die sich zu einem fiktiven Museum vermischen. Constantin Wulff, der dann auch das Drehbuch zu DAS GROSSE MUSEUM mit mir geschrieben hat, hat mich davon überzeugt, dass ich alles, worauf es mir ankommt, schon im Kunsthistorischen Museum finde. Er war überzeugt davon, dass mir dieser Ort „liegt“.

Wie hat dann die Verständigung mit den Verantwortlichen im KHM funktioniert?

Mein großer Vorteil war, dass ich mit meiner kunsthistorischen Vorbildung gleich auf einer gemeinsamen Wellenlänge mit den Leuten im Museum war. Ich wurde nicht als ein Medientyp von außen wahrgenommen, sondern quasi als ein „gefallener“ Kollege. Ich kenne die Sprache, und vor allem teile ich die Begeisterung der Mitarbeiter für ihre Objekte. Ich finde ihre Hingabe toll. Für die Recherche war ich mit einem der Kuratoren der Kunstkammer in einem Depot, und er hat mir Objekte gezeigt, als würden wir aus einem Keller einen besonders guten Rotwein holen.
Außerdem haben sich meine Pläne mit dem Wunsch von Direktorin Sabine Haag getroffen, das Museum für die einheimische Bevölkerung zu öffnen. Touristen kommen sowieso, schwieriger ist es, die Bevölkerung vor Ort neugierig zu machen. Mein Vorhaben, hinter die Kulissen zu schauen, hat gut zu Haags Idee eines offenen Museums gepasst.

Wie lange hast du im KHM gedreht?

Als wir die Zusage des Museums hatten, mussten wir erst einmal die Finanzierung sichern. Aber natürlich muss man schon parallel mit der sogenannten „Materialsicherung“ beginnen, also alle Ereignisse filmen, die für den Film wichtig sein könnten und unwiederbringlich sind.
Zum Beispiel war schnell klar, dass die Eröffnung der Kunstkammer toll als roter Faden durch den Film funktionieren könnte. Das hat bedeutet, dass wir gewisse Arbeitsschritte nicht auslassen konnten. Wenn ein Abbruch passiert, muss man dabei sein. Wie die Hacke das erste Mal in den Parkettboden stößt, das lässt sich nur einmal drehen.
Als Ende 2011 endlich die Finanzierung gesichert war, haben wir richtig losgelegt und das ganze Jahr 2012 über gedreht. Ursprünglich war auch die Eröffnung der Kunstkammer für Ende 2012 geplant. Als die verschoben wurde, mussten wir das Ende unserer Dreharbeiten mit auf März 2013 verlegen.
Hast du dir vor dem Drehen Regeln dafür überlegt, was und wie ihr filmt?

Ja! Die wichtigste Regel war, dass Kunstwerke nur im Kontext von Arbeit zu sehen sein sollen. Es muss immer etwas mit ihnen getan werden, sie dürfen nie alleine zu sehen sein. Erst für das Ende des Films haben wir diese Regel bewusst gebrochen. Ich hab auch von vornherein ausgeschlossen, Interviews zu führen, weil es filmisch ergiebiger ist, die Arbeit der Institution im Augenblick zu zeigen.
Außerdem habe ich mir überlegt, wie ich mit der räumlichen Verstreuung des KHM umgehe. Das Museum an sich gibt es ja gar nicht, es ist ein Konglomerat von Sammlungen und Örtlichkeiten. Ich behandle die aber, als wäre das alles ein Ort, weil es mir auf die einzelnen Orte für sich nicht ankommt. Schloß Ambras bei Innsbruck habe ich nicht dazugenommen, weil es logistisch und erzählerisch zu aufwändig gewesen wäre. Weltmuseum und Theatermuseum, die
organisatorisch zum KHM gehören, hab ich auch ausgeklammert, mit einer Ausnahme: Auf den Kasperl in der Sammlung des Theatermuseums wollte ich nicht verzichten.

Der Film wirkt sehr gezielt und durchdacht in der Wahl der Ausschnitte, die er zeigt. Wie hast du schon beim Drehen inhaltliche Schwerpunkte gesetzt?

Ich bin meist eher pragmatisch und warte auf die Dinge, die sich ergeben, aber ich spür dann ganz gut, ob es die richtigen für den Film sind. Natürlich gibt es gewisse Themen, auf die man beim Drehen von vornherein lauert.
Eine Frage, die mich zum Beispiel sehr interessiert hat, ist die Grenze zwischen Kunst und Natur. Die fechtenden Frösche, das Eisbärenfell – diese Naturobjekte, die im Film vorkommen, hab ich bewusst in den Kunstsammlungen gesucht. Die Grenze zwischen diesen zwei Bereichen wurde im Fall des KHM Ende des 18. Jahrhunderts ganz konkret gezogen, mit der Trennung von Kunstkammer und Wunderkammer, und später mit dem Bau von Kunsthistorischem und Naturhistorischem Museum, die sich räumlich gegenüberstehen. Privat geh ich auch sehr gern ins Naturhistorische Museum und schau mir hunderte Käfer in Vitrinen an.

Ein anderes spannendes Thema am KHM, das ich auch im Drehbuch fixiert hatte, war das Erbe des Kaisertums in der Republik. Das Museum ist ein Frachtschiff, in dem das repräsentative Gut des Kaiserhauses in die Gegenwart transportiert wird. Wie weit die Republik sich hier an ihrer Vergangenheit bedient, und wie das Museum diesen Geschichtsbezug bedient, das hat mich von Anfang an interessiert. Als ich mitgekriegt hab, dass Bilder der Präsidentschaftskanzlei restauriert werden sollen, wusste ich sofort: Da müssen wir dabei sein!

Das Staatstragende der Institution spielt eine große Rolle in DAS GROSSE MUSEUM, wird aber immer wieder zart gebrochen.

Genau. Wenn der Bundespräsident mit Staatsbesuch durch die Schatzkammer geschleust wird, dann wird Kunst auf einer repräsentativen Ebene genutzt. Gleichzeitig wirkt es aber auch wie ein Pflichtprogramm. Man bedient ein Interesse der ausländischen Gäste. Es fällt dann ja auch die Entscheidung, die Schatzkammer in „Kaiserliche Schatzkammer“ umzubenennen, weil der Tourismus es so will. Diese Umbenennung war Teil eines sogenannten „Markenprozesses“, der während des Drehs zu Ende gegangen ist. Auf der Grundlage von Umfragen war eine neue
Markenidentität entwickelt worden, die jetzt präsentiert und umgesetzt wurde. Das war eine dritte thematische Linie, die mich sehr interessiert hat.

Die Arbeit am Corporate Branding des Hauses – am Logo, den Plakaten, dem Erscheinungsbild – wirkt in DAS GROSSE MUSEUM gar nicht so weit weg von ästhetischer Spezialistenarbeit wie der Analyse von Kunstwerken oder der Hängung von Gemälden.

Wenn bei einer Sitzung der kaufmännische Geschäftsführer Paul Frey beklagt, eine „3“ auf einem Plakat wirkt zu „bissig“, dann finde ich das unglaublich aufschlussreich. Solche ästhetischen Diskussionen verhandeln meiner Meinung nach immer auch politische Fragen mit. An solchen kleinen Detailfragen wird viel von der Haltung und dem Selbstverständnis einer Institution sichtbar.

Wie hat beim Dreh die Kommunikation mit dem Museum funktioniert? Woher habt ihr gewusst, wann ihr wo sein sollt?

Die verschiedenen Sammlungen, auch die im Hauptgebäude am Ring, arbeiten ziemlich unabhängig voneinander. Wir mussten also mit jeder Sammlung separat Kontakt aufnehmen und halten. Aber wir durften uns ein Büro im Haus mit der Kunsthistorikerin Dr. Gabriele Helke teilen, die uns immer wieder auf anstehende Ereignisse aufmerksam gemacht hat. Ein Büro zu haben, war wichtig: Ab einem gewissen Moment wurden wir behandelt, als würden wir zum Haus gehören. Irgendwann gab es schon einen leichten Wettstreit, welche Sammlung uns mehr
anlocken kann.

Wie waren die Mitarbeiter des Museums als Filmprotagonisten?

Sehr angenehm, sobald sie das Drehen einmal zugelassen haben. Akademiker sind oft schwer soweit zu bringen, weil sie viel darüber nachdenken, wie sie rüberkommen. Wenn ich aber einmal ihr Einverständnis hatte, haben die Protagonisten im Arbeiten auch bald vergessen, dass sie beobachtet werden. Damit es soweit kommt, muss man sich beim Drehen aber Zeit nehmen. Filmen hat viel mit gegenseitiger Gewöhnung zu tun.

Gab es von der Leitung des KHM Auflagen für den Dreh?

Es war klar, dass der Film nur gelingen kann, wenn man mir vertraut. Ich habe aber mit Sabine Haag vereinbart, dass sie den fertigen Film als eine der Ersten anschauen darf und mir sagen kann, wenn ihr etwas überhaupt nicht passt. Das ist nicht passiert, sie hätte aber auch kein absolutes Einspruchsrecht gehabt, sondern nur die Möglichkeit, mich argumentativ zu überzeugen. Ich will dem Haus ja auch nicht schaden.

Es ist bei den Mitarbeitern und Gästen viel Begeisterung zu sehen. Hast du beim Dreh Sorgen gehabt, dass der Film vom KHM als Marketinginstrument bespielt wird?

Man merkt ja, ob etwas gespielt oder authentisch ist, und die Hingabe der Mitarbeiter, die man im Film sieht, ist absolut ehrlich. Sie ist die Basis ihrer Arbeit, und das wollte ich auch festhalten.
Man soll beim Zusehen spüren: All die Partikularinteressen, die der Alltag mit sich bringt, sind nichts gegen die Kraft, die die Kunstwerke haben. Deshalb endet der Film auch mit den Kunstwerken selbst.
Diese sehr ursprüngliche Begeisterung war auch der Grund, aus dem ich selbst Kunstgeschichte studiert habe. Ich weiß noch, wie ich mit 16 von Salzburg nach München gefahren bin und meine erste große Kunstausstellung gesehen habe. Es war für mich unfassbar, dass sich mir in einem Gemälde plötzlich eine andere Wahrnehmung der Welt zeigt. Das habe ich dann auch im Kino wiedergefunden, diese Erfahrung, wenn man den Saal verlässt und merkt, etwas hat sich
verändert. In dieser Hinsicht gehören für mich bildende Kunst und Kino zusammen. Und ich fände es toll, wenn DAS GROSSE MUSEUM etwas von dieser Begeisterung mitteilt.

Eine der letzten Einstellungen des Films ist eine Kamerabewegung durch ein Gemälde. Wieso hast du dafür Pieter Bruegels „Turmbau zu Babel“ ausgewählt?

Eigentlich wollte ich genau dieses Gemälde nicht verwenden. Es ist das bekannteste Bild des KHM, seine Ikone, und ich wollte mich nicht einfach draufsetzen und das mitbenutzen. Wir haben Kamerafahrten durch mehrere Bilder des Hauses gedreht, aber im Schnitt hat es nur mit dem Turmbau funktioniert. Es hat sicher damit zu tun, dass die Kamera zu Beginn über die Figur des Königs streift, womit noch einmal die Frage der Monarchie und des Staats mitschwingen. Und dann geht es den Turm hinauf, der halb aufgebaut und halb wieder abgetragen wird. Für mich geht es in dem Bild weniger um Hybris und Zusammensturz, als um einen unabschließbaren
Prozess. Das KHM als Institution versteh ich auch so: als etwas Lebendiges, das sich von innen her verändert und umbaut. Der Umbau der Kunstkammer ist abgeschlossen, aber damit endet der Film nicht. Die Arbeit geht weiter.

Gegen Ende des Films sind viele Serien zu sehen: Reihen von Schachteln mit Personalakten, Reihen von Adeligenportraits und Plastiken, an denen die Kamera entlang fährt.

Mir ging es da auch um ein Moment der Vergänglichkeit. Menschen, die selbst schon Staub sind, sind noch einmal in Stein oder als Gemälde zu sehen. Ich wollte unbedingt auch beim Personal des KHM dieses Moment der Zeitlichkeit einfangen: Mich fasziniert, dass die Mitarbeiter am Haus Teil einer Kette sind, die über den einzelnen und seine Lebenszeit hinaus geht. Als ich erfahren hab, dass der Leiter der Rüstkammer pensioniert wird, hab ich gewusst, dass ich das im Film
haben muss.

Die Institutionendoku ist ein eigenes Subgenre des Dokumentarfilms. Was macht den Reiz dieser Filme aus?

Dass man mitten dabei ist. Da ist es auch eigentlich egal, ob der Film – wie in verschiedenen Filmen von Frederick Wiseman – eine Gruppe von Jesuiten zeigt oder Militärs, die Atombomben kontrollieren, oder die Pariser Oper. Es geht immer um Menschen, die ausmachen müssen, wie sie miteinander auskommen sollen. Sie haben ein gemeinsames Ziel, müssen sich aber zusammenraufen.
Das ist ein ewiges Thema, und es betrifft höchst emotionale Vorgänge. Ich glaube, das ist das Geheimnis, der Rest ist äußerlich. Dokumentarfilm und Institution passen gut zueinander.

Interview mit Joachim Schätz, 17.01.2014

Johannes Holzhausen

Biografie

Johannes Holzhausen wurde 1960 in Salzburg geboren. Nach seiner Abitur begann er 1981 mit dem Studium der Kunstgeschichte in Wien. 1985 und 1986 organisierte er gemeinsam mit anderen die Vortragsreihe „art and concepts of art“ zu der namhafte internationale Kunsttheoretiker und -historiker eingeladen wurden. Während des Studiums war er auch an diversen Kunstprojekten beteiligt (u.a. „WOPA-Bank“). Von 1987 bis 1995 studierte er an der Wiener Filmakademie. Dort entstand sein erster Dokumentarfilm, WEN DIE GÖTTER LIEBEN, der auf zahlreichen Festivals erfolgreich war. Mit Beendigung seines Studiums arbeitete er für fünf Jahre an seinem abendfüllenden Dokumentarfilm AUF ALLEN MEEREN über einen sowjetischen Flugzeugträger, der im Forum der Berlinale 2001 seine internationale Premiere feierte. Unter dem Eindruck der schwarz-blauen Regierungsbildung entstand sein politischer Interventionsfilm ZERO CROSSING. Seine erste TV-Arbeit realisierte er für das Bayerische Fernsehen mit dem Film DER GANG DER DINGE über die Landflucht in der Oberpfalz. Mit dem Dokumentarfilm FRAUENTAG setzte er schließlich sein dokumentarisches Filmschaffen fort. Johannes Holzhausen war 2003 Jurymitglied für den Großen Preis des Leipziger Dokumentarfilmfestivals und von 2005 bis 2008 Mitglied des Filmbeirates des BMUKK. Seine Filme liefen auf allen bedeutenden Dokumentarfilmfestivals in Europa und wurden von Canal+, WDR, ORF, ARTE, DSF, ZDF, BR angekauft oder koproduziert. Johannes Holzhausen ist seit 1996 Mitbegründer und Gesellschafter der Navigator Film Produktion & Co. KG.

Filmografie

  • 2014 DAS GROSSE MUSEUM (Dokumentarfilm, DCP/HD, 94 Min.)
  • 2008 FRAUENTAG (Dokumentarfilm, DigiBeta, 35 Min.)
  • 2005 DER GANG DER DINGE (TV-Dokumentarfilm, DigiBeta, 45 Min.)
  • 2001 AUF ALLEN MEEREN (Dokumentarfilm, 35mm, 95 Min.)
  • 2000 ZERO CROSSING (Dokumentarfilm, BetaSP, 40 Min.)
  • 2000 DAS LETZTE UFER (Dokumentarfilm, BetaSP, 58 Min.)
  • 1992 WEN DIE GÖTTER LIEBEN ( (Dokumentarfilm, 16mm, 35 Min.)
  • 1991 2 WERBESPOTS FÜR HUMANIC (gemeinsam mit Joerg Burger)

Navigator Film

Die Navigator Film Produktion & Co. KG wurde im Juni 1996 mit Sitz in Wien gegründet. Der Schwerpunkt der Produktion liegt in der Herstellung künstlerisch anspruchsvoller wie gesellschaftlich relevanter Dokumentarfilme und deren professioneller Auswertung in Kino, TV, DVD sowie Online. Seit 1998 Koproduktionen mit namhaften Partnern in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Schweiz, Luxemburg, Slowakei und Slowenien. Navigator Film ist im Jahr 2000 maßgeblich an der Gründung von dok.at, der Interessensgemeinschaft österreichischer Dokumentarfilm, beteiligt. 2004 gründet Navigator Film gemeinsam mit zwei anderen unabhängigen Produktionsfirmen den Weltvertrieb AUTLOOK Filmsales GmbH mit Sitz in Wien. Navigator Film ist Mitglied des Produzentenverbands AAFP und von EDN.

Filmografie (Auswahl):

  • 2014 DAS GROSSE MUSEUM (A)
  • 2014 SNOW BUSINESS (A/F)
  • 2013 DIE GENTLEMEN BATEN ZUR KASSE (A/D)
  • 2012 ERWIN WURM (A/CH/D)
  • 2012 DAS WEITERLEBEN DER RUTH KLÜGER (A)
  • 2011 EMPIRE ME (A/LUX/D)
  • 2011 HOT SPOT (A)
  • 2010 HERBSTGOLD (A/D)
  • 2010 DAVID WANTS TO FLY (A/D/CH)
  • 2009 ZUM VERGLEICH (A/D)
  • 2008 IN DIE WELT (A)
  • 2009 HERZAUSREISSER (A)
  • 2007 ZUOZ (A/F)
  • 2006 ZEIT ZU GEHEN (A)
  • 2005 DAS ARRANGEMENT (A/F)
  • 2002 I AM FROM NOWHERE (A/D/UK)
  • 2002 KRONEN ZEITUNG (A/B/F)
  • 2001 IN THE MIRROR OF MAYA DEREN (A/CH/D)