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CAMP 14 – Total Control Zone

D 2012 – 104 Min

Drehbuch/Regie:
Marc Wiese

Kamera
Jörg Adams

Montage                                  
Jean-Marc Lesguillons

Tongestaltung                             
Florian Kaltenegger

Animationen              
Cartoonamoon, Ali Soozandeh

Voice Over
August Diehl

Produzent
Axel Engstfeld

Produktionsleitung
Valerie Lang

Redaktion ARTE                                
Sabine Rollberg

Redaktion WDR                                          
Tibet Sinha

Redaktion BR                                
Christian Baudissin


CAMP 14
– Total Control Zone

Ein Film von Marc Wiese

Kinostart: 8. November 2012


Trailer

Berlin  Zukunft  ab 22.11.2012     
Biberach  Filmfestspiele  03.11. + 04.11.2012  Regisseur zu Gast   
Bonn  Woki  03.12.+10.12.2012  Amnesty-Reihe   
Braunschweig  Universum  am 28.01.2013     
Bremen  City 46  ab 13.12.2012     
Brhl  Zoom  am 25.02.2013     
Dillenburg  Gloria Kinos  am 06.02.2013     
Dresden  Casablanca  ab 08.11.2012     
Duisburg  Filmforum  am 10.12.2012     
Dsseldorf  Filmmuseum  am 18.11.-22.11.2012     
Essen  Galerie  am 26.11. - 28.11.2012     
Frankfurt  Mal Seh'n  am 08.11.-14.11.2012  11.11. Regisseur zu Gast   
Freiburg  Kommunales Kino  am 19.02. + 20.02.2013     
Freudenstadt  Subiaco  am 17.01. - 23.01.2013     
Hamburg  3001  am 08.11.-14.11.2012     
Hamburg  Dokumentarfilmsalon/B-Movie  am 26.03.2013     
Hamburg  Lichtmess  21.02.2013     
Herrsching  Breitwand  ab 13.12.2012     
Hirschberg-Leuthausen  Olympia  am 29.06.2013     
Karlsruhe  Kinemathek  12.+16.01.2013     
Kassel  Dokfest  am 16.11.2012     
Kiel  Koki  ab 08.11.2012     
Kln  Filmforum  am 9.11.2012  NRW-Kinopremiere, in Anwesenheit des Regisseurs und Produzenten   
Kln  Filmpalette  ab 15.11.2012     
Konstanz  Scala  ab 03.01.2013     
Leipzig  Dokfest  am 01. - 03.11.2012  am 1.+2.11. in Anwesenheit des Regisseurs   
Lich  Traumstern  am 09.12.2012     
Lrrach  Free Cinema  am 21.06. - 23.06.2013     
Lnen  Kinofest  am 16.11.2012     
Magdeburg  Moritzhof  ab 10.01.2013     
Mnchen  Werkstatt  15.12.2012     
Mnster  Cinema  am 28.11.2012     
Nrnberg  Filmhaus  am 03.07.2013     
Osnabrck  Lagerhalle  am 02.02. + 03.02.2013     
Regensburg  Filmgalerie  am 13.12. - 19.12.2012     
Schramberg  Subiaco  am 10.01. - 16.01.2013     
Simmern  Pro-Winzkino  21.02.-27.02.2013     
Weimar  Mon Ami  am 06.12. - 12.12.2012     
Weingarten  Linse  am 31.01. - 06.02.2013     
Wesel  Comet Filmtheater  am 19.12.2012     
Wrzburg  Central  am 20.06. - 26.06.2013     
Zella-Mehlis  Kino in der Schauburg  ab 15.11.2012     
Zwickau  Gasometer  am 04.12.2012    

 

LOGLINE


Shin Dong Huyk

In Nordkorea leben etwa 200.000 Menschen in Arbeitslagern. Shin Dong-Hyuk war einer von ihnen. Er wurde in Camp 14 geboren. Die Außenwelt war ihm kein Begriff, bis ihm nach 23 Jahren im Lager durch Zufall die Flucht gelang.

 

SYNOPSIS


Shin Dong Huyk

Shin Dong-Hyuk wird am 19. November 1983 als Kind zweier Häftlinge in dem nordkoreanischen Umerziehungslager Camp 14 geboren. Vom Tage seiner Geburt an war er ein politischer Gefangener. Seine gesamte Kindheit und Jugend verbringt er in dem Straflager der härtesten Kategorie: Zwangsarbeit seit seinem 6 Lebensjahr, Hunger, Schläge und Folter bestimmen seinen Alltag. Ständig sind die Häftlinge der Willkür der Wärter ausgesetzt und vom Tode bedroht.  Shin hat keine Ahnung von der Welt außerhalb der Stacheldrahtzäune. Shin glaubt, dass alle Menschen so leben würden. Erst mit 23 Jahren gelingt ihm durch einen Zufall die Flucht. Eine monatelange Odyssee führt ihn durch Nordkorea nach China und schließlich nach Südkorea. Dort betritt er eine Welt, die ihm völlig unbekannt ist.

 


Shin Dong Huyk

Heute lebt Shin in Seoul in Südkorea und arbeitet gelegentlich mit der  Menschenrechtsorganisation LINK zusammen.  Spricht vor einer Kommission der EU in Brüssel, auf einer Konferenz in Genf oder bei Vorträgen an Universitäten in den USA. Doch angekommen ist Shin in der Freiheit bis heute nicht. Seine Seele lebe nach wie vor in Gefangenschaft, sagt er. Und  in  Momenten der Einsamkeit wünscht er sich zurück. Zurück nach Nordkorea in das feste Gefüge des  Lagers.

 


Camp 14 - Total Control Zone erzählt von Stationen des dramatischen Lebenswegs von Shin Dong-Hyuk. Animationen lassen Schlüsselszenen seiner Erinnerungen lebendig werden. Es gelingt Regisseur Marc Wiese auch zwei Täter vor die Kamera zu holen.

 


SHIN DONG HUYK ÜBER DAS LEBEN IM LAGER
 


„Wir lebten dort lediglich, um die Regeln des Arbeitslagers zu befolgen und am Ende unseres Lebens den Tod zu empfangen. Solch einen Ort bezeichnen die Wärter als „Total Control Zone“. Wir wussten nichts von der Außenwelt. Wir wussten nur, dass unsere Eltern und Vorfahren sich schuldig gemacht hatten und wir deswegen fleißig arbeiten müssen, um diese Schuld zu bereinigen. Nie sah ich, dass jemandem die Strafe erlassen wurde und er das Arbeitslager verließ. Daher dachte keiner von uns, dass wir diesen Ort je verlassen werden. Es gab manchmal Menschen, die aus Angst vor Schlägen und aus Hunger Fluchtversuche unternahmen, aber sie wurden zum Hassobjekt der Hinterbliebenen und empfingen auf einem öffentlichen Hinrichtungsplatz den Tod.“

 

 

WEITERE PROTAGONISTEN


Hyuk Kwon

Hyuk Kwon war Kommandant der Wärter in Camp 22. Er hat Menschen geschlagen, gefoltert und getötet. Die Häftlinge waren für Kwon wertlose Staatsfeinde, die man wie ein Stück Vieh umbringen konnte. Für eine Hinrichtung gab es eine Sonderration Fleisch und zwei Flaschen Alkohol. Kwon hat in seinem Lager heimlich gefilmt, und die Aufnahmen für Camp 14 zur Verfügung gestellt.


Oh Yangnam

Oh Yangnam hat für den Geheimdienst der Polizei in Nordkorea gearbeitet. Er hat Hunderte Menschen festgenommen und in die Lager verschleppt. Es folgten die Verhöre, Folter war alltäglich. Heute lebt Oh in Südkorea und hat Angst vor einer Wiedervereinigung. Dann könnten die einstigen Folteropfer vor ihm stehen, sagt er.

 

 

ÜBER CAMP 14


Camp 14 ist ein Lager der Sicherheitsstufe „Total Control Zone“ und ist so groß wie eine Stadt: 40.000 Gefangene, 500 Quadratkilometer groß. Das Lager liegt in Oedong-ri, in der Stadt Kaechon der südlichen Provinz Pyeongannam, rund achtzig Kilometer nördlich der Hauptstadt Pjöngjang. Innerhalb des Arbeitslagers gibt es Kohlenbergwerke, Zementfabriken, eine Keramik-, Gummi- und Textilfabrik sowie landwirtschaftliche Farmen. Die Lebensmittelrationen sind knapp: pro Tag 700 g Mais für Erwachsene, 300g für Kinder. Dazu gibt es etwas Chinakohl und Salz.  Die höchste Sicherheitsstufe „Total Control Zone“ heißt: wer in diesem Lager lebt, wird nie entlassen. Er bleibt bis zum Tod eingesperrt.

 

 

INTERVIEW MIT DEM REGISSEUR MARC WIESE


Wie bist du auf das Thema gekommen?

Ich hab für einen anderen Film in den USA gedreht und habe von Shin in der Washington Post gelesen. Und von diesem Moment an, fand ich dieses Motiv, dass dieser Mann dreiundzwanzig Jahre in diesem Lager gelebt hat, dort geboren wurde und keine
Ahnung hatte, dass die Welt hinter dem Zaun anders ist, das war im Grunde das Hauptmotiv.
 
Wie hat sich dann die Recherche gestaltet, hast du das ganz alleine durchgezogen oder hast du dir Unterstützung geholt?
           
Ich habe zunächst Kontakt mit dem Produzenten Axel Engstfeld aufgenommen. Der war von dem Stoff sofort angetan und hat die Recherchen finanziert. Ich bin im April 2009 nach Seoul geflogen, hab ihn dort vorher suchen lassen und hab einen traumatisierten Menschen angetroffen, der kaum länger als eine halbe Stunde sprechen konnte, der nach vierzig Minuten Kopfschmerzen bekam und kaum meine Fragen beantworten konnte.
Eine bizarre Situation, weltweit jagten ihn die Medien, die Amerikaner, die Australier, jeder wollte ihn haben und ich hab ihm dann gesagt, das ist das letzte, was du jetzt brauchst, dass du jetzt noch von einer Medienmeute gejagt wirst. Ich hatte im Grunde genommen mit dem Thema schon abgeschlossen und hab gesagt o.k., wir treffen uns, gehen ein Kaffee trinken und dann fliegst du nach Hause und dann sagte er beim dritten Treffen auf einmal: „Wenn meine Lebensgeschichte verfilmt wird, möchte ich, dass Du das machst.“

Das klingt, als ob du einen guten Draht zu ihm bekommen hast?

Ich glaube, „guten Draht“ wäre in dem Moment zu viel gewesen, aber ich hab ihn nicht unter Druck gesetzt, das war allein der Unterschied. Die anderen, die sehr aggressiv voran gegangen sind, haben mit sehr viel Geld um sich geschmissen und nicht beachtet, dass er keine Relation dazu hat. Geld bedeutet ihm nichts, es bedeutet ihm bis heute nichts.

Wie hat die Verständigung geklappt? Das lief alles über Dolmetscher, ist das nicht schwierig bei so einem Film?

Klar, das ist immer eine Hemmschwelle. Am Anfang hat er gar nichts gesagt, also nichts was mir was bringt, inhaltlich. Wir konnten uns über das Wetter und den Alltag unterhalten, aber sobald ich in seine Geschichte eingedrungen bin, hat er nichts mehr gesagt.
Ich kann mich erinnern, dass ich den Produzenten angerufen hab und gesagt hab: „Du, wir können keine acht Minuten mit ihm drehen, geschweige denn einen hundert Minuten Film“. Wir haben dann auch schon überlegt, ob wir einen Therapeuten hinzuziehen.
Und dann sagte er eines Tages: „Marc, ich kann das nicht zwei Mal machen, das ist zu hart für mich. Ich kann dir das nicht schon in der Recherche erzählen und dann vor der Kamera noch einmal. Ich mach das nur einmal und du musst mir da vertrauen.“
Ich hab von vorne rein gesagt, ich kann pro Tag höchstens zwei bis zweieinhalb Stunden Interview mit ihm machen, d.h. wir haben dann sechs Tage hintereinander die Interviews gemacht und wir haben nicht wirklich länger als zwei Stunden pro Tag mit ihm gedreht. Und es ist dann auch passiert, dass er gesagt hat: „Bitte stopp, ich kann nicht mehr, ich kann nicht weiter.“
Als er uns erzählte, wie er im Gefängnis war mit vierzehn und dann sieben Monate lang gefoltert wurde, da war er danach zwei, drei Tage verschwunden. Da war er einfach weg. Ich wusste nicht, wo er war.

Gab es noch andere Dinge, gab es noch andere besondere Abläufe? Wie lange hast du gedreht?

Wir hatten anfangs darüber nachgedacht, ob wir ihn ins Studio setzen mit fliegenden Kameras um ihn herum, viele Kameras, um besser schneiden zu können. Nachdem ich ihn dann erlebt habe, haben wir das sofort verworfen.

Jeder, der das Drehbuch bekommen hat und die Geschichte gelesen hat, hat gesagt „was für eine unglaubliche Geschichte.“
Ein Mann, der in einem nordkoreanischen KZ geboren wird, der darin aufwächst wie Kasper Hauser im Keller, keine Ahnung von der Außenwelt hat, in unglaubliche dramatische Situationen kommt, als er sich z.B. gezwungen sieht, seine eigene Mutter zu verraten. Der dann fliehen kann aus einem Lager der höchsten Sicherheitsstufe …
Die Zustimmung zu unserem Projekt war sehr schnell, sehr groß aber natürlich kam die Frage: „Wie in Gottes Namen wollt ihr das visualisieren?“

Die Nordkoreaner bestreiten, dass es dieses Lager überhaupt gibt. Es gibt keine Bilder und selbstverständlich keine Drehgenehmigung. Und dann kamen wir auf die Idee der gezeichneten Bilder, die aber anfangs als reine Stills gedacht waren. Erst später haben wir entschieden, die Szenen zu animieren nicht nur als Tableaus zu zeigen.
Das ist viel eindrucksvoller.

Und dann tauchen in dem Film noch zwei andere Figuren auf, ein Kommandant der Lagerwärter und ein hochrangiger ehemaliger Geheimdienstler. Wie kamen die ins Spiel?

Ich hatte gehört, dass es einen Täter, einen ehemaligen Wärter gibt, der in Seoul lebte. Meine Assistentin bei dem Projekt, die eine angesehene Journalistin in Südkorea ist, hat ihn gefunden. Er kam mit Jacket und Krawatte, als käme er gerade aus der Bank als Bankangestellter. Er setzte sich hin und erzählte, wie er die Menschen abgeschlachtet hat, ohne ein Unrechtsbewusstsein. Ich wollte ihn aber nicht als Monster zeigen, deshalb haben wir alles dran gesetzt, ihn auch in seinem Privatleben, als ganz normalen Familienvater zu zeigen.
Er ist ein Täter, der einfacher gestrickt ist, ich will nicht sagen, dass er dumm ist, aber halt einfach gestrickt. Und der ohne mit der Wimper zu zucken erzählt, wie er Leute zu Tode gefoltert hat. – Waterboarding und ähnliches, der in der Ich-Form erzählt, wie er Frauen vergewaltigt hat und wenn sie schwanger wurden, umgebracht hat. Normalerweise beschreiben das Täter distanzierter, sagen „es war üblich, oder man hat ...“ er hält das nicht für nötig, er beschreibt das in der Ich-Form.

Und dann sagte mir die Assistentin, es gäbe noch einen zweiten hochrangigen Täter, der wesentlich intelligenter sei, der hat die Drehbedingung sehr restriktiv gehalten, der ganz klar gesagt hat, ihr besucht mich nicht zu Hause, ihr besucht mich nirgendwo, es gibt einen Termin und den nehmt ihr wahr oder nicht. Und das wurde dann ein sehr, sehr spannendes Interview.
Ich bin heute nicht mehr der Meinung, dass Camp 14 lediglich ein Film über einen KZ-Häftling ist, sondern das ist ein Film über drei Menschen die von einem totalitären System geformt wurden.

Für Shin war es sehr belastend seine Geschichte zu erzählen. Wie war es für dich?
Mit deinen Fragen rührst du ja sein Trauma auf.

Natürlich hat man einen großen Druck, wenn man einen Film über einen einzigen Menschen macht. Da kann man nicht ausweichen, wenn die Person nicht funktioniert. Dann hab ich gesehen, wie schwierig es für ihn war zu reden, wusste aber gleichzeitig, ich brauche Ergebnisse. Man steckt natürlich auch ein bisschen in dieser Klemme, ich kann dann nicht sagen, ich nehme nur Rücksicht und komme ohne Ergebnisse nach Hause.

Wir hatten ja zusammen beschlossen, wir wollen seine Geschichte zeigen, aber es gab Momente, wo ich bewusst eine Stunde lang über was Anderes geredet habe. Das ist der Vorteil, wenn man viel Zeit hat. Ich habe mir sehr genau überlegt, an welchem, Tag in welchem Moment ich die Folter, die er erlebt hat, anspreche und auch die Hinrichtung seines Bruders und seiner Mutter. Ich habe das mir sehr genau überlegt und ihn sehr genau angeguckt. Ich wollte die Hinrichtung eigentlich schneller ansprechen und hab aber an dem Tag gesehen, dass er emotional sehr labil war und hab es dann verschoben. Und dann war er auf einmal drei Tage weg. Solche Sachen passierten dann mal.

Also wenn man Shin am Anfang trifft, dann denkt man: Ah, der ist doch eigentlich ganz normal. Selbst sein Assistent, ich hatte speziell für ihn noch einen Assistenten, der nur für ihn zuständig war und nur ihn übersetzt hat, der ist speziell dafür ausgesucht worden, sollte im gleichen Alter sein, so dass sie abseits der Dreharbeiten auch einen guten Draht zueinander haben und er ihm helfen konnte. Der sagte dann während der Recherche nach ein paar Tagen;“ ich sehe die Geschichte gar nicht.“ und dann sagte ich zu ihm, warte noch ein paar Tage, du wirst die dunklen Seiten noch sehen. Also wenn man tiefer geht, sieht man das sehr wohl.

An der Oberfläche ist Shin jemand, der sich extrem gut anpassen kann. Besser als ich. Aber das hat er gelernt, darauf ist er konditioniert worden: ich muss mich an diese Lebenssituation anpassen, sonst sterbe ich. Ich hab ihn mal gefragt, ob ihm seine Mutter das beigebracht hat? „Das musste sie nicht, das hab ich im Alltag gesehen“, war seine Antwort.
Aber wenn man dann tiefer geht, sieht man wie gebrochen er ist. Er hat keinen Ort, er reist um die Welt und erzählt Politikern und Menschenrechtsaktivisten seine Geschichte, ist aber nirgends angekommen. Er weiß nicht, wie man menschliche Bindungen aufbaut und wie man die hält, also er ist schwerst traumatisiert immer noch.

Wird er therapeutisch betreut?

Nein, er wird nicht betreut, er hatte ein Angebot und er ist behandelt worden von dem Spezialisten für diese „defactors“, wie sie in Südkorea genannt werden, die Flüchtlinge aus Nordkorea.
Er hat diese Behandlung abgebrochen. Er hat mir gesagt, das hätte ihm nichts gebracht, vielleicht war es zu anstrengend für ihn, ich weiß es nicht. Seitdem wird er nicht mehr betreut. Er hat Alpträume, Schlafstörungen, Probleme, Ruhe zu halten, das hab ich oft genug gesehen während der Dreharbeiten. Dann rennt er einfach raus und rennt durch Seoul und lässt sich treiben. Er ging nie in ein Cafe, das war immer ziellos. Im Film sagt er am Ende, ich will wieder zurück. Also er will zurück ins Lager. Ich hab die Übersetzerin drei, vier mal gefragt, weil ich das nicht glauben konnte. Jemand, der aus dieser Hölle kommt sagt, ich will in diese Hölle zurück. Er will natürlich nicht zurück und erleben dass er gefoltert wird, aber er findet keinen Halt in seinem neuen Leben. Er ist völlig überfordert.

 

 

FILMOGRAFIE MARC WIESE

„Das Mädchen und das Foto“ – 52 Minuten ARTE/ARD,
Redaktion: Sabine Rollberg, Susanne Spröer
Vietnam 1972. Ein kleines Mädchen läuft schreiend vor einem Napalmangriff auf ihr Dorf davon. In diesem Moment entsteht das bekannteste Foto des Vietnamkrieges. Das Bild geht um die Welt. Es rettet das kleine Mädchen und macht den Fotografen berühmt. Ein Film über die Geschichte eines Fotos. Ein Film über einen einzigen Moment, der das Leben aller Beteiligten bis heute prägt.

„KANUN – Blut für die Ehre“ – 92 Minuten Dokumentarfilm,
Produktion: Engstfeld Film in Coproduktion mit BR; WDR;  gefördert von Filmstiftung NRW
In Nordalbanien wird das Leben der Menschen von der Blutrache bestimmt. Tausende Menschen können ihre Häuser aus Angst vor den Rächern nicht mehr verlassen. Ihnen droht der Tod, sobald sie über ihre Türschwelle treten. Nur eine deutsche Nonne stemmt sich gegen die blutigen Rituale der Ehre und den KANUN.

„Das Massaker von No Gun Ri“, 29.03., ARD, 23.45 – 45 Minuten
Redaktion (WDR,RBB): Felix Kuballa, Rolf Bergmann
Das Massaker an unschuldigen Zivilisten dauerte drei Tage lang. Kaltblütig ausgeführt von Soldaten der amerikanischen Armee, befohlen von höchsten Generälen. Die Ermordung der fast fünfhundert wehrlosen Flüchtlinge unter der Brücke von No Gun Ri wurde 50 Jahre lang geheim gehalten. Es gibt nur ein Ereignis in der amerikanischen Militärgeschichte, das mit No Gun Ri vergleichbar ist: Das weltbekannte Massaker in dem Dorf My Lai während des Vietnamkrieges.

„Warkids – Jugend in Palästina“, 60 Minuten (ARTE) + 45 Minuten (WDR), 06.06.+19.06.2006, Redaktion: Heribert Blondiau, Sabine Rollberg
Sie sind ein Fußballteam in Palästina. Doch immer wieder mal fehlt ihnen ein Spieler. Entweder wurde er von israelischen Soldaten verhaftet oder von eigenen „Militanten“ rekrutiert. Und doch spielt das Team weiter. „Warkids“, ein Film über Jugendliche, die darum kämpfen, sich ihre Menschlichkeit zu bewahren.

„Die Jagd“ – „Karadzic – Most Wanted?“, 45 Minuten, WDR 20.09.2004, 
Reaktion: Heribert Blondiau
Seit neun Jahren wird Radovan Karadzic gesucht. Nach Usama Bin Laden der meistgesuchte Mann der Welt. Der Film offenbart, wie der Kriegsverbrecher durch internationale Vereinbarungen geschützt wird. Und er taucht tief in das Netzwerk Karadzics ein. Erstmals kommmen seit Jahren sein Bruder und seine Mutter zu Wort.

„Flucht in den Tod“, 45 Minuten Dokumentation, WDR, 09.12.2002,
Redaktion: Heribert Blondiau
Fast dreihundert Flüchtlinge sterben in einer Winternacht bei dem Versuch über das Mittelmeer nach Europa zu kommen. Das Unglück wird verleugnet, das Boot zum Geisterschiff. Sizilianische Fischer holen jahrelang Leichen aus dem Meer. Doch sie alle schweigen, wie es die Omerta gebietet. Einer von ihnen stellt sich gegen sein ganzes Dorf.

„... es gibt wieder Krieg“, Reihe: Der Dokumentarfilm, 90 Minuten Dokumentarfilm
Sendung: 24.06.98 in der ARD, Co-Produktion SWF / WDR
Redaktion: SWF -  Hr. Bähr und Frau El Ghomri, WDR - Dr. Hockerts-Werner
Bosnische Flüchtlinge kehren zurück. Der Film begleitet sie und ihr Land ein Jahr lang.

„Die letzte Chance“, 45 Minuten,
gesendet am 2.11. 1995 im ZDF, Redakteur: Heiner Gatzemeier
Zweiter Teil eines 90 Minuten Dokumentarfilms über das Leben von Jugendlichen in einer Drogen- und Waffenszene,

„Verdrängt. Vergessen. Verkauft“ 45 Minuten Dokumentation
Reihe „Unter deutschen Dächern“ Radio Bremen, Produktion: Engstfeld Film
gesendet in der ARD Juni 1995, Redakteur: Elmar Hügler
Sechs Wochen in einem vietnamesischen Wohnheim Berlin, ein Leben zwischen Polizeirazzien, illegalen Restaurants und Mafiamorden,

„Zwischen Knast und Palast“ , 45 Minuten Reportage,
gesendet 22.03.1995 und 1.11.1995 im ZDF, Redakteur: Heiner Gatzemeier
Erster Teil eines 90 Minuten Dokumentarfilms über das Leben von Jugendlichen in einer Drogen- und Waffenszene.