![]() ![]() |
|||||||
|
|
STAB Regie: Gerd Kroske Produktion entwickelt mit Unterstützung des Mediaprogramms und gefördert von Medienboard Berlin/ Brandenburg und Mitteldeutscher Filmförderung (MDM)
PROTAGONISTEN Waldemar Gromzig † ehemaliger Generaldirektor des Autobahn-Baukombinates Manfred Mädchen ehem. Volkspolizist an der Transitautobahn Hans-Werner Schmidt Autobahnmeister in Rangsdorf Torsten Wachholz Maurer, versuchte Grenzdurchbruch Fritz Milde ehem. Direktor der Autobahndirektion Lars Kähler Autobahnmeister in Gramzow Hans-Dieter Behrendt Oberstleutnant a.D., Chef der Paßkontrolleinheiten Bezirk Potsdam Holger Gabel Baumgutachter Johannes Werner Schenk Musiker, Komponist Siegfried Kasper Verhandlungsführer der DDR für die Rekonstruktion der Hirschberger Brücke Berthold Flessa ehem. Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Münchberg Lissi Pfeifer Bauingenieurin, Betonexpertin Günter Reichler ehem. Brigadier beim Autobahnbaukombinat Günter Blazejovsky Steinmetz Hans-Christian Schink Fotograf unter Verwendung von Archivmaterial aus: |
Start: 04.11.2004 Deutschland 2004 - 35 mm - Farbe - 95 Min.
Kurztext Nach "Sonnenallee" und "Good bye Lenin!" und rechtzeitig zum 15. Jahrestag des Mauerfalls nimmt sich jetzt ein Dokumentarfilm mit leichter Hand der deutsch-deutschen Vergangenheit an. Weder aufklärerischer Duktus noch Nostalgie bestimmen den Grundton – und doch bietet "Autobahn Ost" von beidem etwas. Auf ostdeutschen Autobahnen lauern heute keine Vopos mehr hinterm Busch. Kein Zoll verlangt bei Drewitz, Marienborn oder Hirschberg einen Blick in den Kofferraum. Die Risse sind längst überbaut, die Fahrbahnen verbreitert, die Grenzübergangsstellen in Motels oder Museen verwandelt. Shopping Malls werfen neongrelles Licht auf blühende Landschaften. Mit dem Beton der neuen Strecken sind nicht nur die alten Risse, sondern auch viele andere historische Spuren verschwunden. Um zu begreifen, wie sich mit dem Wechsel der politischen Systeme auch die Landschaften und die Menschen verändert haben, braucht es neugierige Distanz. Mit Geschichten von modernen Wegelagerern, von tragischen Fluchtversuchen, von sozialistischen Baustellen, von cleveren Diplomaten und inspirierten Künstlern beobachtet Regisseur Gerd Kroske mit seinen Protagonisten zugleich auch die Gegenwart deutscher Vergangenheit, schildert beiläufig politische Konstellationen, Brüche, Konflikte. "Autobahn Ost" montiert auf provokante Art bisher nicht veröffentlichte Bild- und Tondokumente zur Transitüberwachung und rekonstruiert den heute fast vergessenen deutsch-deutschen Wiederaufbau der Hirschberger Saalebrücke in den 60er Jahren, ein Testfall-Ost für die zukünftigen Transitfinanzierungen. Aus Gesprächen mit Männern, die mit der "Autobahn Ost" auf verschiedene Weise verbunden waren, komponiert Gerd Kroske viele bizarre, dramatische, manchmal komische, lakonisch erzählte Geschichten übers Bauen, Überwachen und die Diplomatie bei alledem.
SYNOPSIS Gerd Kroske begibt sich mit „Autobahn Ost“ 15 Jahre nach der Wiedervereinigung auf Spurensuche: Das ostdeutsche Autobahnnetz mit seiner langen Tradition von den 30er Jahren bis in die heutige Gegenwart hinein bietet eine nicht alltägliche Chance, den wechselvollen Lauf (ost-)deutscher Geschichte nachzuzeichnen. Die historischen Vorläufer der Autobahn Ost sind die schon in den 30er Jahren konzipierten und streckenweise ausgebauten Reichsautobahnen. Nach der Teilung Deutschlands in der DDR neu geplante Strecken (z.B. Berlin-Rostock und Leipzig-Dresden) wurden aufgrund deutsch-deutscher Grenzziehungen (sprich: Mauerbau) erst Jahre später realisiert. Fehlende Baumaterialien und überzogene, nicht durchführbare Jahrespläne für die Baukombinate sorgten für weitere Verzögerungen. Erst nach der Wende kommt eine bis heute andauernde Modernisierung der Strecken zustande, die nicht zuletzt den Abriß alter deutsch-deutscher Grenzübergänge mit sich bringt. Kroske gelangt über diese Themen zu generellen Überlegungen in Bezug auf die deutsche Vergangenheit. Der gemeinschaftliche Wiederaufbau der Hirschberger Saalebrücke in den 60er Jahren – von der Wehrmacht 1945 teilweise gesprengt und noch mit Reichsadler und Hakenkreuz versehen – kann durchaus als ein Prüfstein ost- und westdeutscher Beziehungen gesehen werden. Dabei ließ sich die DDR den Bau der Grenzübergänge ganze 30 Millionen Mark kosten, während die BRD für den Wiederaufbau der Brücke lediglich 5,5 Millionen DM beisteuern mußte.
Durch die Kontrastierung historischer, teilweise bisher unveröffentlichter Bild- und Tondokumente (z.B. Schulungsmaterial der Transit-Polizei oder Funkprotokolle von Observationen) mit Aufnahmen des heutigen Straßenbildes erreicht Kroske eine facettenreiche Darstellung des ostdeutschen Autobahnnetzes und der deutschen Geschichte. Er läßt seine Gesprächspartner unkommentiert an ihren alten Wirkungsstätten von der Vergangenheit erzählen und legt indirekt den Schwerpunkt auf zahlreiche Anekdoten. Sie vermitteln mit ihrer Skurrilität nicht nur Ironie, sondern auch eine sublimierte Nostalgie.
VON DER IDEE ZUM FILM Hatte die DDR überhaupt eigene Autobahnen gebaut? Ich konnte die Frage der Freunde aus Köln nicht genau beantworten. Von einschüchternden Erlebnissen an Autobahnraststätten und Kontrollstellen war oft die Rede. Wie wohl der Alltag an der Transitstrecke aus Sicht der „Vopos“ und Stasi-Männer ausgesehen hatte? Und was ist aus der Ästhetik der Reichsautobahnen nach 1945 geworden? |