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STAB 

Regie: Gerd Kroske
Autoren: Gerd Kroske
Axel Doßmann
Montage: Karin Gerda Schöning
Kamera: Dieter Chill (BVK)
Musik: Klaus Janek
Redaktion: Beate Schönfeldt (MDR)
Werner Dütsch (WDR)
Produzentin: Nicole Leykauf
Fachberatung: Axel Doßmann
Kameraassistenz: Florian Wimmer
Helge Haak
Ton: Uve Haußig
Bernd von Bassewitz
Postproduktion: Cine +
Trick & Faz: Moser + Rosié
Mischton: Martin Grube
Tonbearbeitung: Christoph Ulbich
Online-Schnitt: Kirstin Geller
Produktionsleitung: Fritz Hartthaler
Produktion: Leykauf Film
Koproduktion: Mitteldeutscher Rundfunk (MDR)
Westdeutscher Rundfunk (WDR)

Produktion entwickelt mit Unterstützung des Mediaprogramms und gefördert von Medienboard Berlin/ Brandenburg und Mitteldeutscher Filmförderung (MDM)

 

PROTAGONISTEN

Waldemar Gromzig † ehemaliger Generaldirektor des Autobahn-Baukombinates

Manfred Mädchen ehem. Volkspolizist an der Transitautobahn

Hans-Werner Schmidt Autobahnmeister in Rangsdorf

Torsten Wachholz Maurer, versuchte Grenzdurchbruch

Fritz Milde ehem. Direktor der Autobahndirektion

Lars Kähler Autobahnmeister in Gramzow

Hans-Dieter Behrendt Oberstleutnant a.D., Chef der Paßkontrolleinheiten Bezirk Potsdam

Holger Gabel Baumgutachter

Johannes Werner Schenk Musiker, Komponist

Siegfried Kasper Verhandlungsführer der DDR für die Rekonstruktion der Hirschberger Brücke

Berthold Flessa ehem. Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Münchberg

Lissi Pfeifer Bauingenieurin, Betonexpertin

Günter Reichler ehem. Brigadier beim Autobahnbaukombinat

Günter Blazejovsky Steinmetz

Hans-Christian Schink Fotograf

unter Verwendung von Archivmaterial aus:
BStU Berlin, BStU Gera, Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth, Neue Deutsche Wochenschau, Informations- und Medienzentrale der Bundeswehr, NDR-Fernseharchiv, Deutsches Rundfunkarchiv Berlin, Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden, Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Brandenburgisches Autobahnamt Stolpe, Deutsches Musikarchiv Berlin, Bundesanstalt für Straßenbau und Fotografien der Serie „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ von Hans-Christian Schink


Autobahn Ost

Start: 04.11.2004

Deutschland 2004 - 35 mm - Farbe - 95 Min.

 

Kurztext

Nach "Sonnenallee" und "Good bye Lenin!" und rechtzeitig zum 15. Jahrestag des Mauerfalls nimmt sich jetzt ein Dokumentarfilm mit leichter Hand der deutsch-deutschen Vergangenheit an. Weder aufklärerischer Duktus noch Nostalgie bestimmen den Grundton – und doch bietet "Autobahn Ost" von beidem etwas.

Auf ostdeutschen Autobahnen lauern heute keine Vopos mehr hinterm Busch. Kein Zoll verlangt bei Drewitz, Marienborn oder Hirschberg einen Blick in den Kofferraum. Die Risse sind längst überbaut, die Fahrbahnen verbreitert, die Grenzübergangsstellen in Motels oder Museen verwandelt. Shopping Malls werfen neongrelles Licht auf blühende Landschaften. Mit dem Beton der neuen Strecken sind nicht nur die alten Risse, sondern auch viele andere historische Spuren verschwunden.

Um zu begreifen, wie sich mit dem Wechsel der politischen Systeme auch die Landschaften und die Menschen verändert haben, braucht es neugierige Distanz. Mit Geschichten von modernen Wegelagerern, von tragischen Fluchtversuchen, von sozialistischen Baustellen, von cleveren Diplomaten und inspirierten Künstlern beobachtet Regisseur Gerd Kroske mit seinen Protagonisten zugleich auch die Gegenwart deutscher Vergangenheit, schildert beiläufig politische Konstellationen, Brüche, Konflikte.

"Autobahn Ost" montiert auf provokante Art bisher nicht veröffentlichte Bild- und Tondokumente zur Transitüberwachung und rekonstruiert den heute fast vergessenen deutsch-deutschen Wiederaufbau der Hirschberger Saalebrücke in den 60er Jahren, ein Testfall-Ost für die zukünftigen Transitfinanzierungen. Aus Gesprächen mit Männern, die mit der "Autobahn Ost" auf verschiedene Weise verbunden waren, komponiert Gerd Kroske viele bizarre, dramatische, manchmal komische, lakonisch erzählte Geschichten übers Bauen, Überwachen und die Diplomatie bei alledem.

 

SYNOPSIS

Gerd Kroske begibt sich mit „Autobahn Ost“ 15 Jahre nach der Wiedervereinigung auf Spurensuche: Das ostdeutsche Autobahnnetz mit seiner langen Tradition von den 30er Jahren bis in die heutige Gegenwart hinein bietet eine nicht alltägliche Chance, den wechselvollen Lauf (ost-)deutscher Geschichte nachzuzeichnen.

Die historischen Vorläufer der Autobahn Ost sind die schon in den 30er Jahren konzipierten und streckenweise ausgebauten Reichsautobahnen. Nach der Teilung Deutschlands in der DDR neu geplante Strecken (z.B. Berlin-Rostock und Leipzig-Dresden) wurden aufgrund deutsch-deutscher Grenzziehungen (sprich: Mauerbau) erst Jahre später realisiert. Fehlende Baumaterialien und überzogene, nicht durchführbare Jahrespläne für die Baukombinate sorgten für weitere Verzögerungen. Erst nach der Wende kommt eine bis heute andauernde Modernisierung der Strecken zustande, die nicht zuletzt den Abriß alter deutsch-deutscher Grenzübergänge mit sich bringt.
Die ehemaligen Transit-Strecken zwischen Ost- und Westdeutschland waren nur für Reisende der Bundesrepublik und den Berufsverkehr befahrbar. Fluchtversuche von DDR-Bürgern, Operationen professioneller Schleusergruppen und die Observation verdächtiger Autos seitens der Transit-Polizei waren an der Tagesordnung. Hinzu kamen große und kleine Bestechungen der diensttuenden Polizisten durch viele, die sich beim Grenzübergang Privilegien erhofften. Die Transit-Polizei ihrerseits wurde durch das Ministerium für Staatssicherheit kontrolliert.

Kroske gelangt über diese Themen zu generellen Überlegungen in Bezug auf die deutsche Vergangenheit. Der gemeinschaftliche Wiederaufbau der Hirschberger Saalebrücke in den 60er Jahren – von der Wehrmacht 1945 teilweise gesprengt und noch mit Reichsadler und Hakenkreuz versehen – kann durchaus als ein Prüfstein ost- und westdeutscher Beziehungen gesehen werden. Dabei ließ sich die DDR den Bau der Grenzübergänge ganze 30 Millionen Mark kosten, während die BRD für den Wiederaufbau der Brücke lediglich 5,5 Millionen DM beisteuern mußte.
Die bekannte „Autobahn-Eiche“, welche als deutsch-nationales Symbol und einziger Baum auf der Autobahn schon von Beginn an zwischen zwei Fahrspuren in Ost-West-Ausrichtung (am km 87 auf dem südlichen Berliner Ring) eingeklemmt war, höhlte im Verlauf der Jahre immer mehr aus und mußte zuletzt doch gefällt werden. Ihr Schicksal ist ebenfalls ein durchgängiges Motiv der Dokumentation und zeugt in seiner Darstellung von Vergänglichkeit.


Daß dieses Stück Geschichte heutzutage auch in anderer Weise aufgearbeitet werden kann, zeigt sich z.B., wenn die Fahrbahn an den alten Grenzübergängen durch einen Künstler so präpariert wird, daß beim Befahren durch die Fahrgeräusche das Deutschlandlied intoniert wird.

Durch die Kontrastierung historischer, teilweise bisher unveröffentlichter Bild- und Tondokumente (z.B. Schulungsmaterial der Transit-Polizei oder Funkprotokolle von Observationen) mit Aufnahmen des heutigen Straßenbildes erreicht Kroske eine facettenreiche Darstellung des ostdeutschen Autobahnnetzes und der deutschen Geschichte. Er läßt seine Gesprächspartner unkommentiert an ihren alten Wirkungsstätten von der Vergangenheit erzählen und legt indirekt den Schwerpunkt auf zahlreiche Anekdoten. Sie vermitteln mit ihrer Skurrilität nicht nur Ironie, sondern auch eine sublimierte Nostalgie.

 

VON DER IDEE ZUM FILM
Von Axel Doßmann

Hatte die DDR überhaupt eigene Autobahnen gebaut? Ich konnte die Frage der Freunde aus Köln nicht genau beantworten. Von einschüchternden Erlebnissen an Autobahnraststätten und Kontrollstellen war oft die Rede. Wie wohl der Alltag an der Transitstrecke aus Sicht der „Vopos“ und Stasi-Männer ausgesehen hatte? Und was ist aus der Ästhetik der Reichsautobahnen nach 1945 geworden?
1994 begann ich mit ersten Archivrecherchen zur Nachkriegsgeschichte dieser Fernstraßen, suchte Kontakt zu beteiligten Ingenieuren und Bauarbeitern. 2000 entstand dazu ein Radio-Feature. Beim Recherchieren historischer O-Töne ließ ich zur Verwunderung der Archivare auch stumme Filmszenen auf VHS kopieren. Denn schnell war klar: Die Ästhetik der Autobahnen und ihrer Landschaften ist nur als Film angemessen einzufangen.
Darüber hinaus war die Produzentin Nicole Leykauf begeistert von der energischen Stimme Waldemar Gromzigs, dem Generaldirektor des Autobahnbau-Kombinats. Noch während der Arbeit an meinem Buch über die „begrenzte Mobilität“ auf ostdeutschen Autobahnen fanden wir mit Gerd Kroske einen Filmemacher, der erfahren und neugierig genug war, die Idee aufzugreifen und weiterzuentwickeln.
Bald darauf endlich wieder weg vom Schreibtisch, gemeinsame Recherchen quer durchs Land, mit endlosen Dia-Vorträgen altgedienter Autobahnbauer. Wir verbrachten Tage und Wochen in der Gauck-Behörde, sichteten Material in Filmarchiven und Straßenbauämtern. Im Winter 2003 der erste Drehtag: der nächtliche Abriß einer Reichsautobahnbrücke.