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AUSLÄNDER RAUS - Schlingensiefs Container
Ein Film von Paul Poet

Österreich 2001, Beta SP, 90 Min.

Mit     Luc Bondy, Daniel Cohn-Bendit, Einstürzende Neubauten, Gregor Gysi, Elfriede Jelinek, Peter Sellars, Peter Sloterdijk u.a.
Buch und Regie   Paul Poet
Kamera   Robert Winkler, Mario Sternisa
Schnitt   Oliver Neumann
Ton   Robert Mathy
Mischung   Christian Kardeis
Musik   Alec Empire, Komet, Aphex Twin, Unit, Hermann Leopoldi & Betja Milskaja, Heinz Ehrenfreund u.a.
Darsteller   Luc Bondy, Daniel Cohn-Bendit, Einstürzende Neubauten, Sven Gächter, Familie Garzaner, Katharina Gruber,Gregor Gysi, Carl Hegemann, Elfriede Jelinek, Gabriele Kaiba, Claudia Kaloff, Dietrich Kuhlbrodt, Rainer Laux, Matthias Lilienthal, Paulus Manker, Charles Ofuedo, Helene Partik-Pablé, Peter Pilz, Christoph Schlingensief, Burghart Schmidt, Richard Schmitz, Peter Sellars, Peter Sloterdijk, Armin Thurnher, Sandra Umathum, Heidemarie Unterreiner, André Wagner, Nina Wetzel

FILMINHALT

"Der absolut beste Film über mich!" (Christoph Schlingensief)

Christoph Schlingensief verwirklichte für eine Woche mitten im touristischen Zentrum von Wien eine Angstvision: Ein Abschiebecontainer für Asylanten, interaktiv beeinflußbar, rund um die Uhr beschallt mit rassistischen Ansprachen der FPÖ-Erfolgsfigur Jörg Haider und beklebt mit dessen fremdenfeindlichen Wahlplakaten. Tausende Passanten erregten sich vor Ort und wurden so zu Mitspielern in Schlingensiefs Inszenierung. Ein Scheinstück, das "das neue Europa" aufwiegelte und das "schwarze EU-Schaf" Österreich im Besonderen.

Im Rahmen der Wiener Festwochen ließ Christoph Schlingensief den Wohncontainer mit 12 Asylanten direkt vor die Oper stellen. Unter dem Motto "Ausländer raus!" konnte täglich per Zuschauerabstimmung im Internet ein Bewohner "abgeschoben" werden. In Form der damals vieldiskutierten medialen Perversion eines Überwachungs-Containers im Stile von "Big Brother" sollte die Weltöffentlichkeit mit der global verstärkt auftauchenden neuen Rechts-Lastigkeit konfrontiert werden.

Die künstlerische Form der Aktion war dazu genauso wirksam wie die Platzierung in Österreich als dem Land, in dem als erstes seit dem 2. Weltkrieg eine extrem rechts stehende Partei an der Regierung beteiligt wurde.

Die Folgen der Aktion bestärkten und überraschten Schlingensief: Es kam zu hitzigen politischen Debatten, offenen Anfeindungen, lautstarken Demonstrationen und permanenten Attacken durch rechte wie linke Gruppierungen bis hin zu versuchter Brandlegung und der Erstürmung des Containers. Währenddessen beteiligten sich annähernd eine Million User im Internet an den Abstimmungen und angegriffene FPÖ-Politiker sowie die "Kronen Zeitung" reichten eine Flut von Klagen ein.

Paul Poet begleitet in seinem Dokumentarfilm das Geschehen vom ersten bis zum letzten Tag und stützt sich dabei auf fast 100 Stunden Originalmaterial. Außerdem kommen in rückschauenden Kommentaren Gestalter, Freunde und Feinde der Aktion zu Wort: Schlingensief selbst, seine Managerin Claudia Kaloff, Dramaturg Matthias Lilienthal, Festwochen-Leiter Luc Bondy, Kulturphilosophen wie Burghart Schmidt oder Peter Sloterdijk, Politiker wie Bezirksvorsteher Richard Schmitz (ÖVP) oder Helene Partik-Pablé von der FPÖ und Gäste wie Daniel Cohn-Bendit, Elfriede Jelinek, Gregor Gysi, Josef Bierbichler oder Paulus Manker.


ZUR ENTSTEHUNG DES FILMS
von Paul Poet

März 2000. Ein deutsch-österreichisches Telefonat. Als damaliger Festivalkurator versuchte ich den Schockregisseur Christoph Schlingensief als Präsentator einzuladen. Preisverleihungsgala des ersten europäischen Internet-Filmfestivals. Leider keine Zeit. Theaterverpflichtungen in Graz. Aber da hätte Herr Schlingensief noch eine Idee. Eine Sommeraufführung für die "Wiener Festwochen" war gerade als zu teuer abgesagt worden. Aber das Angebot war prinzipiell noch da. Eine selbst verfasste Kolumne zum "Big-Brother"-Phänomen hatte Schlingensief angeregt. Warum sollte man das nicht als mediales Szenario verwenden, um das Bild vom fremdenfeindlichen Österreich, vom Rechtspopulisten Haider durchzuspielen. Konnte eine solche Kunstaktion auch im Netz funktionieren? Wie der Container in Hürth?

Weniger als drei Monate später stand Schlingensiefs Container und entzündete den Staat Österreich zu einem befreiendem Amoklauf. Parallel dazu hatte ich als Projektleiter und Regisseur der Online-Aufführung den Internetfernsehpionier "webfreetv.com" überredet, das Geschehen in und um den Container live ins Netz zu streamen bzw. durch ein mobiles Kamerateam zu beobachten. Sechs an einen Live-Schnittplatz angebundene Kameras in fixer Position übertrugen in Echtzeit die Inszenierung und den Tumult. Jeden Morgen wurden zusätzlich fünfminütige Kurzfilme als Tageszusammenfassungen freigeschaltet. Man konnte die Biographien der Asylanten nachlesen, sie denunzieren und sie aus dem Land wählen.

Neben dem europäischen Blätterwald, den Politikergefechten, den Emotionen vor Ort explodierte auch die Netzbeteiligung: Unfassbare 813.000 in den sechs Tagen des Geschehens. Links- und Rechtsradikale füllten die Chats und Foren. Zahlreiche Hackerangriffe, hauptsächlich von einer "Bruderschaft für Recht und Ordnung", legten die Homepage von "webfreetv.com" für kurze Zeit komplett lahm und zwangen die extra erstellte Kunstseite "www.auslaenderraus.at" zu einem Serverwechsel ins ferne Kanada. Vom australischen Hippie-Fanclub, konservativen Frankfurter Geschäftsleuten bis zu slowenischen Nazi-Skins: Alle vereinten sich in diesem absurden Szenario zu gemeinsamer Kommunikation und Selbstentblößung.

Kurz nach dem Geschehen begann die Verdrängung: Politiker und Journalisten versuchten diese geschichtlich einzigartige Aktion, den Belastbarkeitstest einer westlichen Demokratie als kurzlebigen "Event", ungeachtet der dadurch mobilisierten Massen, lächerlich und vergessbar zu machen. Schlingensief selbst bemühte sich um eine Buchveröffentlichung beim Suhrkamp-Verlag, die im Dezember 2000 erschien. Da das Geschehen aber vor allem von den Bildern lebte, musste eine Dokumentation her, um die Aktion nachvollziehbar zu machen. Das Filmmaterial lag aber bei dem inzwischen ideologisch umorientierten Sender "webfreetv.com" unter Verschluss (FPÖ-nahe Aktionäre der Firma hatten eine "Kommerzialisierung" verlangt). Aufgrund einer Subvention seitens des Wiener Film Fonds entschied ich mich nach langer Suche zu einem Neubeginn mit der Newcomer-Firma Bonusfilm GmbH, die das Material schließlich freikaufen konnte. Es folgten neun Monate des Rekonstruierens. Neben den neu gedrehten Interviews mussten fast 100 Stunden Material gesichtet und aussortiert werden. Gesprächspartner wurden langwierig überredet, bis sogar Politiker der bei der Aktion offen angefeindeten FPÖ zur Verfügung standen. Es entstand, so meine ich, ein spannender Dokumentarfilm, der das Geschehen vor Ort nachleben lässt und zur Diskussion stellt.

BITTE LIEBT ÖSTERREICH

Eine ernste Situation
Eine volksverbundene Aktion von Christoph Schlingensief
Eine Veranstaltung der Wiener Festwochen
Eine Übertragung von WEBFREETV.COM

Sie werden es erleben!

Der erfolgreich umfehdete deutsche Aktionskünstler Christoph Schlingensief wagt es einen Gedanken zu offenbaren, der schon lange wieder durch Europa wehte und im zentralen Österreich einen sicheren Halt fand. "Ausländer raus!" prangt über seiner Containerstadt, errichtet am ehrenhaften Herbert-von-Karajanplatz im ersten Wiener Gemeindebezirk, direkt neben der ruhmreichen Oper und der von unseren kaufkräftigsten Freunden reichlich besuchten Kärntner Strasse. Fünf Container sind es genau in denen zwölf Asylanten unterschiedlichster Abkunft eine kurze Zwischenstätte finden werden. Von Pfingstsonntag, den 11.6., bis zu Samstag, den 17.6.2000. Diese Woche darf dort die österreichische Bevölkerung (und durch das Internet die ganze Welt) an einem öffentlichen Prozess der Abschiebung teilhaben. Zwölf werden Einkehr in würdigem Lagerkomfort erhalten, Eß-, Wasch-, und Schlafstätten aus bestem heimatlichem Hartmaterial. Durch sechs Kameras bekommen sie aus sicherer Distanz permanente Einsicht auf deren Existenzen. Doch täglich müssen auch zwei ihrer vorbestimmten Wege gehen.

Und Sie, meine sehr verehrten Zuseher und Mitmacher, bestimmen diese.
Ausländer raus! Nicht umsonst manifestierte sich dieser Spruch hier auf prominentester Ebene, spricht Österreich das aus was sich der Rest nur denkt.

Und Sie sind ein Teil davon. Machen Sie sich laut! Unser Freund Christoph holte das unglückliche Dutzend Illegaler aus dem Schattendasein für einen kurzen Moment in der Öffentlichkeit. Wenn die Sonne am 17. sinkt, wird einer übrigbleiben der unseren Boden nicht verlässt. Einer, der hier sein Leben und Werk verrichten darf mit 35.000 Schillingen Startkapital in der Tasche und einem Inländer, der sich zur Hochzeit bereitstellt. Oder ein Heimflugticket zum selben Preis, denn jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und unsere Grenzen sind überfüllt genug. Christophs Container wünscht vor allem eins: Aufmerksamkeit und Konsequenz. Bilder zu allem, was schon lange ansteht und sich breitmacht. Also zeigen Sie sich uns. Wählen Sie mit! Schieben Sie ab! Dieses Österreich, das wir meinen, kann überall sein.

In diesem Sinne. Tötet Europa! Bitte liebt Österreich!

Die Asylanten

Gong Xiaowei (China)
Nerem Njawé (Kamerun)
Teresa Beqiri (Kosovo)
Wole Osifo (Nigeria)
Leila El-Hashimi (Irak)
Eugen Major (Simbabwe)
Dumiso Mungoshi (Simbabwe)
Ramus Pivok (Kosovo Albaner)
Zhu Qiang (China)
Ranil Shunta (Sri Lanka)
Jahanshah Alvandi (Albanien)
Sema Kolat (Kurdistan)

(Ankündigung der Container-Aktion unter "www.webfreetv.com")

DER REGISSEUR PAUL POET

"Ein Anschlag gegen das re-aktive Leben"
(Dr. Arno Böhler, Universität Wien, Philosoph)

1971 als Sohn steirischer Eltern im arabischen Abquaiq geboren, ist eine schillernde Gestalt der Wiener Untergrundszene: In 6 Ländern aufgewachsener Künstler, Vocals und Texte für die Hardcore-Band "No Fish On Friday", DJ, Veranstalter subversiver Aktionen und Konzerte, Mitinitiator des legendären FLEX-Clubs, Kulturkritiker und studierter Medienphilosoph.

Nach jahrelanger Beschäftigung mit Filmtheorie (und Jobs als Kabelträger beim Kreisky-Begräbnis und beim Pornofilm) lieferte er 1996 sein Filmdebüt, den 35 mm-Kurzspielfilm HOCH ZEIT, besetzt mit Größen der internationalen "Grunge"- und "Noise" Rock-Szene. Der Film ist eine bizarre Musikfilmallegorie über das Sterben der Rock-Mythen und die schöne Hölle der Postmoderne. Er wurde verglichen mit Kenneth Anger und Derek Jarman und tourte durch ganz Europa.

Von 1996 bis 1999 produziert Poet als Regisseur, Konzeptionist, Cutter und Kameramann zusammen mit Michael Parenti Berichte und Clips für die TV-Sender ORF, VIVA und W1, sowie etliche Low-Budget DV-Musikvideos für große und kleine Plattenlabels. Mit dem deutsch-italienisch-japanisch-produzierten Musikvideo "Trip Hopping in the Planet Drug" der sardinischen Dance Pop-Band MUCCA MACCA hat er seinen ersten Durchbruch. Für die atmosphärische wie provokative Hommage an das Sexploitation-Kino der Siebziger kommt er weltweit in die Rotation der Musiksender, am intensivsten als "Newcomer Video of the Month" bei VH-1.

Poet wird auf zahlreiche Festivals in Europa und den USA geladen und erhält schließlich einen Regiepreis beim italienischen DUEL VIDEOCLIP in Faenza 1999.

Beeindruckt von der Stilsicherheit und der feinen Opulenz vergleichen einige Kritiker die Bilder mit Stanley Kubrick, Luchino Visconti und Chris Cunningham. Trotzdem entscheidet sich Poet kurz darauf zu Pionierschritten ins Internet.

Für den deutsch-österreichischen Internetfernsehsender "webfreetv.com" entwirft und leitet er 2000 das erste europäische Online-Filmfestival INTERNET FILM AWARD und dessen Gala im Berliner Sony-Center, den Schlingensief-Container, sowie das ambitionierte Spartenprogramm "THE INDIE CHANNEL" mit einem intellektuellem Popkultur-Programmangebot. Die Zusammenarbeit zerbricht aber an der vom globalen "Dotcom"-Börsencrash ausgelösten ideologischen Umorientierung und Kommerzialisierung der Website. In Folge rettet Poet das Material der Container-Aktion und fertigt daraus seinen ersten Langfilm, die Dokumentation "AUSLÄNDER RAUS! - SCHLINGENSIEFS CONTAINER".

Derzeit lebt und arbeitet er in Wien als Redakteur und Online-Konzeptionist und bereitet neben Musikvideos das Drehbuch zu seinem ersten Langspielfilm vor.

FILMOGRAPHIE PAUL POET

"Eisenstein For Punkrockers" (Steve von Till, Neurosis)

1996
HOCH ZEIT
Kurzspielfilm, Buch und Regie, 35 mm, 18 Min.
Mit Heinz Weixelbraun, Elke Gschwindl, Mark Andorfer u.a.
Musik: Melvins, God Bullies, Plainfield, Extended Versions, Fetish 69 u.a.

1996
TV-Show "Box", ORF (Regie)

1996 - 1999
Co-Regie (mit Michael Parenti) bei Videoclips für die Bands Crooks, 5HausPosse, Soda, Kurort, Pogo, Heinz, Two In One

1997
TV-Show "Wah Wah", VIVA (Regie)
Special: Frank Kozik At His Poster Art Exhibition, Libromania

1998
TV-Show "Nach(t)wuchs", W1 bzw. Ö3, Aktion "Pop!"
(Buch, Regie, Kamera, Schnitt) - Beiträge über Wipeout, Toxic Lounge,
Hotel Morphilia Orchester, Lichtenberg, Seven Ages, Elektroploitation, das SR-Archiv

1998
Videoclips für die Bands BulBul, Scapegoat De:Luxe, Slamming Seed

1999
Videoclip "Trip Hopping in the Planet Drug" für die Band MUCCA MACCA
(Premio Duel Videoclip, Faenza (Italy): Price For Best Video Director)

1999
Videoclips für die Bands Brainbombs, Pro Choice

2000
Verschiedene Online-Dokumentar-DV-Clips, Jingles und Trailer für "webfreetv.com", sowie zuständig für den INTERNET FILM AWARD, den INDIE CHANNEL und Christoph Schlingensiefs Container-Projekt "Bitte liebt Österreich" im Rahmen der Wiener Westwochen.

2001
"AUSLÄNDER RAUS! - SCHLINGENSIEFS CONTAINER".
Dokumentarfilm, Buch und Regie, DV + Beta SP, 90 Min.

CHRISTOPH SCHLINGENSIEF

"Christoph Schlingensief, der Piefke!" (Reinhold Schachner, Wien)

Christoph Maria Schlingensief wurde am 24. Oktober 1960 in Oberhausen als Sohn des Apothekers Hermann Josef Schlingensief und seiner Frau Anna Maria geboren.
1967-71 Besuch der Volksschule; 1971-80 Schüler des Heinrich-Heine-Gymnasiums.

1968 erster Besuch der Oberhausener Kurzfilmtage und erster Kurzfilm im
Normal-8-Format (DER FAHNENSCHWENKERFILM), 1969 folgt die erste Arbeit auf Super 8 (DIE SCHULKLASSE).
1972 Gründung des Jugendfilmteams Oberhausen, das unter Schlingensiefs Leitung und wechselnder Firmierung (Club der Sieben, Altmarktclub, Amateur-Film-Company 2000) bis 1978 sieben Super 8-Filme mit Spielhandlung produziert. Während WER TÖTET, KOMMT INS KITTCHEN (1972) kaum mehr als eine Keilerei wiedergibt, erzählen die folgenden Filme komplexe Kriminalgeschichten und werden vereinzelt im WDR-Fernsehen ausgestrahlt. Daneben dreht Schlingensief 1973-75 vier dokumentarische Versuche für den Erdkunde- und Kunstunterricht (über ein Altenheim, die Weimarer Republik, über Wolken und über Wasser im Klostein). 1978 entsteht die letzte Gruppen-Produktion: PUNKT.

Nach dem Abitur zwei vergebliche Bewerbungen an der Hochschule für Fernsehen und Film München, Mitarbeit an Produktionen Essener Filmmacher.

1981 Umzug nach München, Studienbeginn im Fach Deutsche Philologie
(5 Semester Philosophie und Kunstgeschichte). Im Herbst 1981 Kamera-Assistenz bei DOKTOR FAUSTUS (R: Franz Seitz). 1982 entstehen die experimentellen Kurzfilme FÜR ELISE und WIE WÜRDEN SIE ENTSCHEIDEN?. Schlingensief verfasst Kurzgeschichten, ist Mitglied der Musikgruppe "Vier Kaiserlein" und gründet im Herbst 1982 die DEM-Film.

Ende 1982 kehrt Schlingensief nach Oberhausen zurück. Beim Schnitt eines Industriefilms für den Kommunalverband Ruhrgebiet lernt er Werner Nekes kennen, an dessen Filmen er in wechselnden Funktionen mitarbeitet. Im gleichen Jahr beginnt er eine "Trilogie zur Filmkritik" unter dem Titel "Film als Neurose", ihr 3. Teil, TUNGUSKA - DIE KISTEN SIND DA (1983/84), ist Schlingensiefs erster abendfüllender Spielfilm.

In den nächsten Jahren folgen mehrere avantgardistische und provokante Filme:

1986: EGOMANIA - Insel ohne Hoffnung, Regie, Buch, Schnitt, Produzent, Sprecher
1987/1988: MUTTERS MASKE, Regie, Buch, Schnitt, Kamera, Produzent
1988: SCHAFE IN WALES, Regie (ZDF-TV-Film, Schlingensief zog seinen Namen
vor der Ausstrahlung zurück.
1988/1989: 100 JAHRE ADOLF HITLER (Die letzte Stunde im Führerbunker), Regie,
Schnitt, Produzent
1990: DAS DEUTSCHE KETTENSÄGENMASSAKER, Regie
1992: TERROR 2000 - Intensivstation Deutschland, Regie, Buch, Produzent
1995: UNITED TRASH, Regie, Buch, Kamera, Produzent
1997: DIE 120 TAGE VON BOTTROP, Regie, Buch, Produzent
Zudem arbeitet er für Kollegen wie Helge Schneider (Nachdreh-Regie von etwa 30 Minuten des Films TEXAS - DOC SNYDER HÄLT DIE WELT IN ATEM, 1993 und Kamera bei 00 SCHNEIDER - JAGD AUF NIHIL BAXTER, 1994) oder Peter Kern (Darsteller in GOSSENKIND, 1991). 1992/1993 dreht er zudem diverse Beiträge für das WDR-Magazin "ZAK", Titel der meist 2 - 3 minütigen Filme sind z.B. "Teddy Parker", "Atze Hotzler: Pornofilm im Ruhrgebiet" oder "Stasi-Hund Bello".

In den 90er Jahren beginnt Christoph Schlingensief vermehrt fürs Theater zu arbeiten, vor allem inszenierte er an der Volksbühne in Berlin eigene Produktionen wie "100 Jahre CDU" (1996), "Rocky Dutschke, '68" (1996) oder "Schlacht um Europa Ufo Krise '97 (1997). 1998 gründet Schlingensief sogar eine eigene Partei, mit der er in den Wahlkampf zieht: Chance 2000.

In neueren Projekten wendet sich Schlingensief vor allem dem Fernsehen und insbesondere den Realitiy-Formaten zu. Neben "Bitte liebt Österreich" (2000) entstanden u.a. die TV-Sendungen "Talk 2000" (1999) und "U3000", außerdem nimmt er mit Freakstars 3000 (2002) die Casting-Shows für neue Bands und mit "Quiz 3000" (2002) Günther Jauchs Erfolgsshow "Wer wird Millionär" ins Visier.

Am 23. Januar 2003 hat an der Berliner Volksbühne sein neuestes Stück
"ATTA ATTA - Die Kunst ist ausgebrochen" Premiere.

Christoph Schlingensiefs offizielle Webseite:
www.schlingensief.com