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Apple Stories

83 Minuten 16:9 HD Stereo 

Regie: Rasmus Gerlach

Kamera: Thomas Bresinsky, Rasmus Gerlach, Irina Linke & Paul Kulms

Schnitt: Bettina Vogelsang & Rasmus Gerlach

Beratung: Brigitte Kirsche

Produktionsleitung: Dunja Hamdorf

Mischung: Stephan Konken, Movieklang

Musik: Wolfgang Flür

Redaktion, Margit Schedler, Phoenix

Produktion: Moonlightzmovies

Verleih: Real Fiction 

 
Gewinnspiel
Gewinnspiel

Wir verlosen zehn Ausgaben des Buches iSlaves – Ausbeutung und Widerstand in Chinas Foxconn-Fabriken, erschienen im März 2013 in der Edition Kritik und Utopie beim Mandelbaum Verlag.

Ihr müsst nur eine Frage beantworten:  Wie heisst der Regisseur des Dokumentarfilms Apple Stories?

Wenn ihr die Antwort wisst, sendet sie einfach in einer E-Mail mit dem Betreff APPLE STORIES-Buchverlosung an info@realfictionfilme.de  Bitte nicht vergessen Namen und Adresse anzugeben.

Einsendeschluss ist der 20. August 2013. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Eine Kooperation von Logo Real Fiction Filme und Logo Mandelbaum Verlag

 

Cover iSlavesiSlaves
– Ausbeutung und Widerstand in Chinas Foxconn-Fabriken

Von PUN, Ngai / LU, Huilin / GUO, Yuhua / SHEN, Yuan
Herausgegeben und Übersetzt von Ralf Ruckus
Der taiwanesische Konzern Foxconn beschäftigt allein in China mehr als eine Million Menschen. Als weltweit größter Auftragsfertiger für Elektronik produziert Foxconn für Apple und andere Marken. Foxconns ArbeiterInnen sind die iSlaves, die unsere Kommunikationsspielzeuge wie iPhones und iPads unter miesen Bedingungen herstellen müssen.
2010 kam es in den chinesischen Fabriken zu einer Serie von Selbstmorden. Pun Ngai und andere chinesische WissenschaftlerInnen und AktivistInnen analysierten daraufhin die Arbeitsbedingungen und veröffentlichten ihre Ergebnisse 2011 in einem Buch, das jetzt in deutscher Übersetzung vorliegt.
Das Buch besteht aus Erzählungen von ArbeiterInnen und analytischen Kapiteln der AutorInnen, die einen Einblick in das System Foxconn bieten. Die ArbeiterInnen schildern die Verlagerung ihrer Fabriken ins chinesische Hinterland, ihre fortgesetzte Ausbeutung, den Einsatz »billiger« PraktikantInnen, die Vertuschung der vielen Arbeitsunfälle und das militärische Fabrikregime.
Das Buch liefert neues Material gegen die heile Welt der digitalen Konzerne Foxconn, Apple und Co. und fordert unsere solidarische Unterstützung des Widerstandes der ArbeiterInnen in China ein.


Apple Stories

Ein Film von Rasmus Gerlach

Kinostart: 22. August 2013


Trailer

Stadt  Kino  Termin  Info   
Bad Endorf  Maria's Kino  am 26.09. - 02.10.2013     
Berlin  Acud Kino  ab 05.09.2013  5.9. Rasmus Gerlach zu Gast   
Berlin  Eiszeit  ab 22.08.2013  24.08. Rasmus Gerlach zu Gast   
Berlin  Lichtblick  ab 22.08.2013     
Bielefeld  Kamera  ab 22.08.2013     
Bochum  Endstation  26.09.-02.10.2013     
Braunschweig  Universum  am 02.09.2013  Rasmus Gerlach zu Gast   
Bremen  City 46  am 21.10. - 30.10.2013     
Darmstadt  Rex  am 18.11.2013     
Dorfen  s'Kino  ab 03.10.2013     
Dresden  Kino im Dach  ab 22.08.2013     
Düsseldorf  Filmmuseum  24.08., 26.08., 29.08.2013     
Erfurt  Kommunales Kino  am 07.10. - 09.10.2013     
Erlangen  Manhattan  am 15.09. - 18.09.2013     
Essen  Filmstudio  25.+26.+27.08.2013     
Frankfurt  Filmforum Hoechst  am 12.09. - 18.09.2013     
Frankfurt  Mal Seh'n  ab 22.08.2013  28.08. Rasmus Gerlach zu Gast   
Freiburg  Kommunales Kino  12.09.-15.09.2013     
Göttingen  Lumiere  am 03.10. - 09.10.2013     
Hamburg  3001  ab 22.08.2013  25.08. Rasmus Gerlach zu Gast   
Hamburg  3001  am 15.11.2013     
Hamburg  Abaton  am 26.08.2013  26.08. Rasmus Gerlach zu Gast   
Hamburg  Abaton  am 17.12.2013     
Hamburg  Zeise Kino  am 14.11.2013     
Hannover  Kino im Künstlerhaus  am 14.11.2013     
Hannover  Kommunales Kino  am 21.08.2013  Premiere mit Rasmus Gerlach   
Hannover  Kommunales Kino  ab 22.08.2013     
Heidelberg  Karlstor  am 03.10. - 09.10.2013     
Heidelberg  Kino im Schlossgarten  am 01.11., 08.11. + 09.11.2013  Int. Filmfestival Mannheim-Heidelberg   
Holzkirchen  Foolskino  ab 26.09.2013     
Kaiserslautern  Union  19.09.-23.09.2013     
Kiel  Kommunales Kino  am 09.09. - 11.09.2013     
Köln  Filmpalette  ab 22.08.2013     
Lübeck  Kommunales Kino  ab 22.08.2013  23.08. Rasmus Gerlach zu Gast   
Magdeburg  Moritzhof  ab 29.08.2013     
Mannheim  Atlantis  am 01.11., 03.11. + 08.11.2013  Int. Filmfestival Mannheim-Heidelberg   
Mannheim  Cinema Quadrat  am 07.11. - 13.11.2013     
München  Werkstatt Kino  ab 22.08.2013  am 22.08. Rasmus Gerlach zu Gast   
Offenbach  Hafenkino  am 18.10.2013     
Regensburg  Filmgalerie  ab 22.08.2013     
Rostock  elements e.V.   am 25.10.2013     
Saarbrücken  Filmhaus  ab 22.08.2013     
Torgau  Kapkino  am 19.09. - 24.09.2013     
Winnenden  Universum  am 12.09. - 18.09.2013     
Würzburg  Central Programmkino  am 16.09. - 19.09.2013     

 

KURZTEXT


Coltan waschen in Ruanda

Hamburg, Ruanda, Hongkong und Shenzhen in China sowie Kairo sind die Stationen der Reise, die der Dokumentarfilmer Rasmus Gerlach aufsuchte, um die Herstellungskette moderner Handys am Beispiel des iPhones zu hinterfragen. Die Firma Foxconn ist mit ihren Produktionsmethoden hierbei zum Synonym für die Schattenseite des Smartphone-Hypes geworden. Der Gegensatz könnte krasser nicht sein zwischen dem Spektakel bei der Eröffnung des Apple Stores am Hamburger Jungfernstieg und den Arbeitsbedingungen in den düsteren Zinnminen in Ruanda und den sterilen Fertigungshallen der Apple-Hersteller in China.

 

 

LANGTEXT


Handy Doktor in Ägypten

Hamburg, Ruanda, Hongkong und Shenzhen in China sowie Kairo sind die Stationen der Reise, die der Dokumentarfilmer Rasmus Gerlach aufsuchte, um die Herstellungskette moderner Handys am Beispiel des iPhones zu hinterfragen. Die Firma Foxconn ist mit ihren Produktionsmethoden hierbei zum Synonym für die Schattenseite des Smartphone-Hypes geworden.
Der Gegensatz könnte krasser nicht sein zwischen dem Spektakel bei der Eröffnung des Apple Stores am Jungfernstieg und den Arbeitsbedingungen in den düsteren Zinnminen in Ruanda und den sterilen Fertigungshallen der Apple-Hersteller in China.
Am Ende der Lieferkette steht in Hongkong Debbie Chan, die mit ihrer Aktivistengruppe gegen die skandalösen Arbeitsbedingungen beim Apple-Zulieferer Foxconn protestiert. Die Arbeiter werden so unter Druck gesetzt, dass die Selbstmordrate Schlagzeilen machte. Rasmus Gerlach gelingt es, Zugang zu einem Produktpiraten in der chinesischen Provinz zu bekommen. Wanderarbeiter kopieren dort unter strengster Geheimhaltung iPhone-Ersatzteile.
Der Filmemacher trifft einen afrikanischen Geologen, der als Arbeitschutzbeauftragter vergeblich gegen Flip-Flops im Schacht und fehlende Helme ankämpft.


Hongkong Sacom Protest
Wissenschaftler aus Hannover versuchen, mit dem „geologischen Fingerabdruck“ die Spur der zur Handyproduktion notwenigen wertvollen Mineralien auf dem Weltmarkt zu verfolgen, um Schmugglern das Handwerk zu legen. Durch das lukrative Geschäft mit den Mineralien finanzieren sich die Bürgerkriegsparteien im Kongo.

 

 

INTERVIEW MIT DEM REGISSEUR 

Über seine Spurensuche zwischen Ruanda, China und St. Pauli.
von Rene Martens


iPhone Fabrik

Im Mittelpunkt Ihres Films steht das Metall Zinn, das für die Herstellung von Smartphones wichtig ist. Wie viel verdienen die Minenarbeiter in Nemba an der kongolesisch-ruandischen Grenze, wo sie gedreht haben?

Rasmus Gerlach: 40 Euro im Monat. Das sind oft Bäuerinnen und Bauern mit wenig Schulbildung, die lange Fußmärsche auf sich nehmen, um sich unter Tage nebenbei etwas dazu zu verdienen. Sie leisten extremste Schwerstarbeit, hier ist es wahnsinnig heiß, auch unter der Erde. Die Arbeit wird oft ohne Schutzmaßnahmen verrichtet. Die Leute gehen barfuß oder mit Flip-Flops durch die Gegend und tragen auch keine Schutzhelme - zumindest nicht, als ich dort war.


Protest in Hongkong

Wie lange waren Sie in Ruanda?

Rasmus Gerlach: Immerhin sechs Wochen. Ich hatte Glück, weil mir Kollegen vor Ort, die selber Filme in den Minen drehen, Basis-Knowhow vermittelt haben. Zum Beispiel, wie man sich in den weitverzweigten Minen geschickt mit einer Kamera bewegt.
Die haben mir dann auch geholfen, den seltenen Dialekt, der da in der einen Mine gesprochen wird, in englische Sprache zu bringen. Die offizielle Landessprache ist zwar Englisch seit dem Genozid von 1994, das heißt aber nicht, dass die Leute das können. Die Minenarbeiter haben sowieso kaum Schulbildung genossen, und Englisch ist für sie also eine Sprache, in der sie zwar einfachste Dinge kommunizieren können. Für ein Dokumentarfilm-Interview über Arbeitsbedingungen reicht das aber nicht.


Zinnstampfer in Ruanda

Was sind das für Filme?

Rasmus Gerlach: Der Erzabbau in Ruanda ist in starkem Maße staatlich organisiert. Die Firmen, die dort tätig sind, ziehen sich schnell wieder zurück, weshalb gewisse Aufgaben dann doch vom Staat wahrgenommen werden. Für das zuständige Ministerium ist es wichtig, die Minen etwas freundlicher zu gestalten und da Kontrolle reinzubekommen. Deshalb beschäftigt man Filmemacher. Die sollen dort, sozusagen mit filmischen Methoden, nach dem Rechten schauen.

Gibt es andere Filme über den Arbeitsalltag in ruandischen Minen?

Rasmus Gerlach: Ja, aber seltsamerweise keine über Zinnminen. Zinn ist ein stumpfes Metall und gilt deshalb offenbar als unglamourös. Ich habe mich daher nach Gesprächen mit Experten von der Geologischen Hochschule in Hannover entschieden, mich auf dieses medial so unterrepräsentierte Metall zu konzentrieren.

In „Apples Stories“ fällt auch der Begriff „Konfliktmineralien“? Was genau hat man sich darunter vorzustellen?

Rasmus Gerlach: Mit Mineralien wird Geld verdient, das dazu dient, Waffen zu kaufen, die im wieder aufgeflammten Bürgerkrieg im Kongo zum Einsatz kommen. Das muss man sich folgendermaßen vorstellen: Eine Zinnmine wie die in Nemba hat ein Lagerhaus - das ist ein Schuppen, der irgendwo auf der Wiese steht. Diese Mine ist derart abgelegen, da kommt vielleicht einmal im halben Jahr ein Weißer vorbei. Da kann es schon mal passieren, dass jemand fünf Kilo Koltan aus dem Kongo durch den Wald schleppt und es in Nemba in den Schuppen stellt. So wird das Material durch die Bücher der Mine geschleust. Dann wird es nach China exportiert. So etwas hinterlässt keine Spuren.

Was kann man dagegen tun?

Rasmus Gerlach: Die bereits erwähnten Geologen aus Hannover versuchen, ein System aufzubauen, um festzustellen, wo diese Mineralien herkommen. Es ist heute schon möglich, dies mit Hilfe eines geologischen Fingerabdruck herauszufinden, es ist nur noch ein bisschen umständlich, weil man die Probe nach Hannover schicken muss. Bald wird es aber möglich sein, die Proben vor Ort in Ruanda zu analysieren. Ein entsprechendes Gerät wird mit deutschen Entwicklungshilfegeldern finanziert.

Über das Zinn schaffen sie auch eine Verbindung zu Handyschraubern aus Hamburg. Wie kamen Sie auf die Idee?

Rasmus Gerlach: Bei meinen zahlreichen Besuchen bei Handydoktoren in meiner Nachbarschaft fiel mir öfter auf, wie sie mit ihren Lötkolben Zinn zum Schmelzen bringen.

Wozu ist das gut?

Rasmus Gerlach: So lassen sich Risse beheben.

Im Film sieht man auch, wie Handydoktoren ein in Alufolie eingewickeltes Mainboard eines iPhones in einem Backofen erhitzen. Was hat es damit auf sich?

Rasmus Gerlach: Auch da geht es darum, Zinn zu verflüssigen. Zinn gibt es in unterschiedlicher Qualitätsabstufungen. Eine Möglichkeit, ein Gerät herzustellen, das möglichst schnell kaputt geht, ist, sogenanntes minderwertiges Zinn zu verwenden. Die Mine in Nemba, in der ich war, ist interessant, weil man dort relativ reines Zinn findet. Das fängt - anders als Zinn, das etwas Blei enthält - irgendwann an, rissig zu werden. Das ist für Elektronikgiganten hochinteressant, weil sie ein Gerät herstellen können, das innerhalb einer gewissen Zeit automatisch den Geist aufgibt. Der Vorteil dabei ist auch, dass niemand der Firma den Vorwurf machen kann, da sei ein Teil eingebaut, das so programmiert ist, dass es schnell kaputt geht.

Besonders angetan hat es Ihnen offenbar der Betrieb der Familie Cöluglu aus St. Pauli.

Rasmus Gerlach: Ich war fasziniert davon, dass ihre Handywerkstatt so etwas wie ein sozialer Knotenpunkt ist. Auch ein Imam aus einer nahe gelegenen Moschee ist häufig im Laden. Ich hätte auch gern in dieser Moschee gefilmt, aber das hat nicht geklappt. Auf diese Weise die Ebene der Religion mit in den Film hinein zu bekommen, wäre interessant gewesen, schließlich hat Apple ja auch etwas Religiöses.

Haben Handy-Läden gemeinhin nicht eher ein Schmuddelimage?

Rasmus Gerlach: Das rührt vielleicht daher, dass die Leute nicht genau hingucken. Handydoktoren haben schon viele Berufe ausgeübt, einer, der im Film vorkommt, war zum Beispiel Lehrer. Die werden auch später wieder andere Berufe ergreifen, aber momentan ist das Handyschrauben ein gutes Geschäft. Dramaturgisch stehen sie für eine die Gegenströmung zum großen Konzern, weil eigentlich an diesen Geräten nicht unbefugt geschraubt werden darf.

Im Gegensatz zu anderen Filmemachern haben Sie sich sich in China nicht nur mit dem berüchtigten Apple-Zulieferer Foxconn befasst. Sie konnten auch in einer hochmodernen Fabrik drehen, in der unautorisiert iPhone-Ersatzteile produziert werden. Wie kam es dazu?

Rasmus Gerlach: Da hat auch der Zufall eine Rolle gespielt. Ich darf dazu aber nichts weiter sagen, wir mussten versprechen, niemals jemandem zu sagen, wo diese Fabrik liegt. Und natürlich mussten wir unsere iPhones ausstellen, weil man uns darüber hätte orten können. Produktpiraterie wird künftig in China härter bestraft werden, zumindest, wenn es große Player wie Apple betrifft.

Im Film wird auch H.C. Starck erwähnt, eine deutsche Firma aus dem Harz, die wichtig zu sein scheint, aber kaum bekannt ist. Was stellen die her?

Rasmus Gerlach: Bestandteile von Prozessoren für Intel, die auch bei Apple verbaut werden. H.  C. Starck ist aus mehreren Gründen interessant - zum einen, weil sie einige Jahre über einen Subunternehmer die Mine in Nemba betrieben haben, zu anderen, weil die Historie der Firma geprägt ist von einer fast schon quacksalberischen Beschäftigung mit geheimnisvollen Stoffen. Da hat man schon seit Urzeiten mit seltenen Materialien experimentiert. Heute ist die Firma weltweit führend beim Recycling seltener Metalle.

Auf dem Firmengelände konnten Sie aber nicht drehen?

Rasmus Gerlach: Was in den Produktionsstätten vorgeht, unterliegt alles strengster Geheimhaltung, denn wenn die Chinesen zum Beispiel wissen, wie man das Schwermetall Wolfram recyclet, werden sie das auch machen. H.C. Starck hatte mir aber ursprünglich angeboten, die Verarbeitung des Erzes Coltan zu filmen. Vertreter des Unternehmens kamen dann aber auf die Idee, dass ich ein Storyboard davon zeichnen sollte, was ich genau in der Fabrik drehen wollte.

Ein sehr ungewöhnliches Anliegen.

Rasmus Gerlach: Dieser Sonderfall hat mich als Künstler aber erst einmal gereizt. Mich interessiert schon, wie man einen Dokumentarfilm vorplanen kann. Vor allem dann, wenn es darum geht, industrielle Prozesse greifbar zu machen. Schlussendlich war H.C. Starck mit dem Storyboard aber nicht glücklich. Ein Konzernverteter hat mir während der Recherchen gesagt, ein iPhone, das ethisch einwandfrei wäre, also die Lebensbedingungen der Arbeiter in Afrika und China nennenswert verbessere, würde in der Produktion lediglich einen Euro mehr kosten. Die Aussage konnte ich nun nicht mehr im Film unterbringen, ich finde sie aber wichtig. Immerhin sagt ein Minenverantwortlicher in Ruanda aus, dass H.C. Starck es versäumt hat, die Sozialabgaben und die Kosten für die Berufsgenossenschaft der Minenarbeiter abzuführen. Ein brisantes Detail – denn H.C. Starck hat sich auf Kosten der Ärmsten dort unten die Lagerhäuser voll gemacht.

Firmenvertreter von Apple kommen nicht vor. War das ursprünglich anders geplant?

Rasmus Gerlach: Ein Sprecher von Apple Deutschland war anfangs kooperativ, aber im Laufe der Dreharbeiten hat sich die öffentliche Meinung gegenüber Apple gewandelt. Da hat sich auch die Einstellung des Sprechers mir gegenüber verändert.

Woher kam Ihrer Ansicht nach der Stimmungsumschwung in der Öffentlichkeit?

Rasmus Gerlach: Das ist eher ein Zeitgeistphänomen: Dass man eine Marke, die man lange super fand, eines Tages nicht mehr so toll findet.

Was hatte der Sinneswandel des Apple-Sprechers für Folgen für den Film?

Rasmus Gerlach: Einige Filmschnipsel mit Steve Jobs, die Apple gehören, musste ich herausschneiden.

Aber es gibt doch unzählige TV-Bilder von Jobs, die man verwenden kann.

Rasmus Gerlach: Seine größten Auftritte hatte er auf dem Gelände des Konzern-Hauptquartiers in Cupertino. Die hat Apple selbst gefilmt und den Medien zur Verfügung gestellt. Das Material gehört also Apple. Steve Jobs ist quasi eine kreative Figur im Besitz der Firma. Anders gesagt: Die Firma ist im Besitz der Urheberrechte am Unternehmer. Das ist eine raffinierte Konstruktion, die juristisch weitreichende Folgen hat. Eine chinesische Firma musste Gummifiguren, die Steve Jobs mit einem iPhone in der Hand darstellten, aus dem Verkehr ziehen. Nach dem Motto: Man darf sich von dem Meister kein Bild machen.

Ein Mitarbeiter des Apple Stores in Hamburg, der anonym bleiben wollte, äußert sich in dem Film zu den Arbeitsbedingungen in seinem Laden, etwa zu Überwachungskameras in den Umkleidekabinen. War es schwer, ihn zu überzeugen, an Ihrem Film mitzuwirken?

Rasmus Gerlach: Das Kunststück war es, ihn zu finden, das hat letztlich dank eines Schneeballsystems geklappt. Den Mitarbeiter zu überzeugen, war dann nicht schwer. Er hat gern ausgepackt - und brauchte jemanden, dem er sich anvertrauen kann. Neuerdings haben zwar einige Apple-Läden einen Betriebsrat, aber als ich für den Film recherchiert habe, gab es diese Infrastruktur noch nicht. Mit diesen Betriebsräten ist es aber auch so eine Sache. Man weiß, dass es sie gibt, aber die Mitarbeiter haben die Anweisung bekommen, nicht zu sprechen. Das hat mir neulich gerade ein Mitarbeiter

Kürzlich ist Apple ist in die Schlagzeilen geraten, weil der Konzern mithilfe fragwürdiger, aber durchaus legaler Tricks Milliarden an Steuern eingespart hat. Hat Sie dieses ausgeklügelte System, das das Unternehmen ausgetüftelt hat, überrascht?

Rasmus Gerlach: Im Detail ja. Aber wenn man sich über Jahre intensiv mit Apple beschäftigt, überrascht einen im Prinzip gar nichts mehr.


FILMO- / BIOGRAFIE RASMUS GERLACH

geb. 29.09.1963 in Hamburg
aufgewachsen in Helsingör/Dänemark und Bremerhaven
Abitur 1983
Filmstudium an der Hamburger Kunsthochschule

Filme
• „Ich war eine Seriennummer“ –  über das Falschgeldkommando  im
KZ-Sachsenhausen. Dokumentarische Vorlage zu  „Die Fälscher“ nach  den
Erinnerungen von Adolf Burger, 28 Min., Nordische Filmtage 1997 

• „Operator Kaufman“, 58 min., 2000, Festivals: Jerusalem, Brisbane, Oslo,
Video-Lisboa, Bombay, Ausgezeichnet mit dem Prix du documentaire historique 2000 Video-Festival Dallas 2001, VIEWPOINT-Festval Gent 2002, Documentary Award of Athens Film & Videofestival 2004, Pordenone Festival 2004, Molodist-Dokumentarfilmfestival Kiev 2006

• „Unity, Putzi & Blondi - Hitlers Freunde und der amerikanische Geheimdienst“
72 Min., MDR und Filmförderung Hamburg, Nordische Filmtage 2003

• „Brigade des Friedens”, 81 Min.

• „Flucht über das Meer“, 30 Min., Nordische Filmtage 2007

• „Der Riß im Regenbogen“ – 60 Min., Nordische Filmtage 2007

• „Aldi - Mutter der Discounter“ Gerd Ruge Stipendium, 86 Min., Nordische Filmtage 2009

• „Jimi – das Fehmarn-Festival“ 82 Min., Nordische Filmtage 2010, Filmfest Augenweide und Hamburger Dokumentarfilmwoche 2011, Film über das letzte Konzert von Jimi Hendrix auf der Ostseeinsel Fehmarn

• “Irrealis” – über das Ende des analogen Zeitalters - Nordische Filmtage 2011

• „Apple Stories“ Phoenix Förderpreis Dokumentarfilm, Nordische Filmtage 2012, Dokumentarfilmwoche Hamburg 2013